miniatur|Landolin Winterer; zeitgenössisches Foto miniatur|Zeitgenössischer Stich Landolin Winterer, auch Landelin Winterer, (* 28. Februar 1832 in Ober-Sulzbach; † 30. Oktober 1911 in Sankt Peter) war ein katholischer Geistlicher, Schriftsteller und Mitglied des deutschen Reichstages.

Leben und Wirken Landolin Winterer, Sohn eines ins Elsass eingewanderten, badischen Industriearbeiters,Karl Bachem: Vorgeschichte, Geschichte und Politik der Deutschen Zentrumspartei, Bachem-Verlag, Köln, Seite 197. besuchte das Knabenseminar in Lachapelle-sous-Rougemont und studierte katholische Theologie im Priesterseminar zu Straßburg, wo er 1856 die Priesterweihe erhielt. Von 1856 bis 1861 wirkte er als Kaplan in Bischweiler, danach bis 1866 in Colmar. Von 1866 bis 1871 hatte er die Pfarrstelle von Gebweiler inne, dann amtierte er in gleicher Funktion zu Mülhausen.René Epp: Figures du catholicisme en Alsace, 1789-1965, Seite , 222, 2007, ISBN 2842081536.

1874 wurde Winterer für den Wahlkreis Elsaß-Lothringen 1 (Altkirch und Thann) zum Mitglied des Reichstages gewählt, wo er sich zunächst den Protestlern (die im Reichstag eng mit dem Zentrum zusammenarbeitete) anschloss und bis zu seinem Ausscheiden, 1903, die Interessen seiner Heimat und der katholischen Kirche vertrat. Die Priester Jacob Ignatius Simonis, Joseph Guerber und Landolin Winterer galten dort als die führenden Köpfe der katholisch-elsässischen Gruppe. Zumindest bei der Reichstagswahl 1890 wurden Winterer von altdeutscher Seite keine Gegenkandidaten entgegengestellt.Carl-Wilhelm Reibel: Handbuch der Reichstagswahlen 1890–1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 15). Halbband 2, Droste, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-7700-5284-4, S. 1506.

Seit 1879 saß er zudem als gewähltes Mitglied für den Kreis Mülhausen im elsaß-lothringischen Landesausschuss, zu jener Zeit noch eine reine Notabeln-KammerJoseph Rossé: Das Elsass von 1870-1932, Band 1, Seite 114, Alsatia-Verlag, Colmar, 1938..

Neben apologetischen und politischen Schriften verfasste Landolin Winterer viele Beiträge zur elsässischen Kirchengeschichte. Er trug seit 1871 den Titel eines Monsignore und Ehren-Domherrn (Kanonikus);Handbuch für das Deutsche Reich, 1897, Seite 37. 1908 wurde er ehrenhalber Apostolischer Protonotar, 1909 ernannte man ihn aufgrund seiner politischen Verdienste zum Staatsrat.

Bei der feierlichen Grundsteinlegung zur neuen Wallfahrtskirche des Hl. Morandus in Altkirch, hielt Winterer am 6. April 1885 als Ehrengast die Festpredigt.Zu Landolin Winterer, Seite 5 des PDF-Dokuments

Im Werk Das Elsass von 1870-1932 (Alsatia-Verlag, Colmar, 1938) wird Landolin Winterer als „eine allseits geschätzte und durch Wissen und Können imponierende Persönlichkeit“ charakterisiert (siehe Einzelnachweise unter Nr. 3).

Werke (Auswahl) Kloster Murbach, 1868 Die heilige Odilie, oder das christliche Elsaß im siebenten und achten Jahrhundert, 1871 Zweiunddreißig Fragen aufrichtig bearbeitet für die katholischen Elsässer, 1872 Eine Pilgerfahrt zu den Heiligen des Bistums Strassburg, 1874 Die Marienwallfahrten im Ober-Elsass, 1875 Die elsässischen Glaubensbekenner in der Schreckenszeit, 1876 Die St.-Josephskirche in den Arbeiter-Cités zu Mülhausen, 1883 Der heilige Leo IX., der elsässische Papst, 1886 Der heilige Arbogast, Bischof von Strassburg im siebenten Jahrhundert, 1890 Der internationale Sozialismus von 1885 bis 1890, Bachem Verlag, Köln, 1891 Zur Einweihung der Kapelle des heiligen Leo zu Egisheim den 17. Mai 1894 Das Kloster Schönensteinbach, 1897 Heilige des Elsasses und andere edle Geschichtsbilder aus den vergangenen Jahrhunderten der Geschichte des Heimatlandes, 1899 Zur Abwehr! Für Gott, für Christus und Christenthum, 1905 Ein Blick in die Geschichte der katholischen Kirche in Mülhausen, 1906

Literatur Bernd Haunfelder: Reichstagsabgeordnete der Deutschen Zentrumspartei 1871–1933. Biographisches Handbuch und historische Photographien (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 4). Droste, Düsseldorf 1999, ISBN 3-7700-5223-4, Seite 285 Meyers Konversationslexikon. 4. Auflage, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, 1885–1892, Band 16, S. 679 (Digitalisat). Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog Band 16, 1911, Reimer, Berlin

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Mitglied des Landesausschusses von Elsaß-Lothringen Kategorie:Person des Christentums (Elsass) Kategorie:Deutscher Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1832 Kategorie:Gestorben 1911 Kategorie:Mann