mini|Gedenkstätte für die jüdische Gemeinde Neuwied Die Synagoge in Neuwied, einer Stadt im nördlichen Rheinland-Pfalz, wurde 1748 eingeweiht und 1938 zerstört. Sie befand sich am Anfang der Engerser Straße, von der ein Teil 1983 in Synagogengasse umbenannt wurde.
Geschichte Im Jahr 1699, 46 Jahre nach Gründung der Stadt durch Graf Friedrich III. von Wied, waren im Einwohnerverzeichnis von Neuwied die Namen von zehn Juden aufgeführt, 1734 waren es 19 Namen.
Die jüdische Gemeinde Neuwied besaß zunächst einen Betsaal in der unteren Schlossstraße. Als die Gemeinde größer wurde, plante sie ab 1739 den Bau einer Synagoge. Graf Friedrich Alexander stellte ein Grundstück in unmittelbarer Nähe des Schlosses zur Verfügung und lieferte zum Bau zehn Holzstämme, 200 Karren Steine sowie 100 Karren Sand.Joseph Geisel: Die Synagoge zu Neuwied. In: Heimat-Blatt und Geschichtschronik für die ehemals Wied’schen und Nassauischen Lande, Jg. 7 (1928), Heft 16, S. 127–128, hier S. 128.
Der Bau der Synagoge zog sich über mehrere Jahre hin. Im Frühjahr 1748 war der Bau fertiggestellt. Am 13. August 1748 wurde die Synagoge feierlich eingeweiht, wobei der aus Ungarn stammende Rabbiner Lazarus Salomon die Festrede hielt.
Eine Neugestaltung des Inneren der Synagoge erfolgte kurz vor dem Ersten Weltkrieg durch den Neuwieder Maler, Zeichner und Graphiker Gustav Bernhard Rüschhoff (1886–1947).
Zeit des Nationalsozialismus Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am Morgen des 10. November 1938 geplündert, die Einrichtung zertrümmert und die Marmortafel mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindeglieder entfernt. Das Gebäude wurde wenig später abgebrochen.Mirko Kaiser: NS-Schergen sprengten Synagoge. Auch in Neuwied war die „Reichspogromnacht“ detailliert geplant. Funksprüche wiesen Polizei und Verwaltung an. In: Rhein-Zeitung, Ausgabe Andernach, 9. November 2006.
Architektur Der eingeschossige Walmdachbau stand zurückversetzt von der Straße. Die Fassade besaß drei breite hohe Rundbogenfenster mit profiliertem Gewände. Links davon befand sich das Portal, das mit einem Sprenggiebel bekrönt war. Ein 1871 gestifteter Toravorhang befindet sich seit 2001 in der Koblenzer Synagoge.
Gedenken Im Jahr 1960 wurde an der ehemaligen jüdischen Volksschule, die Synagoge stand rechts daneben, eine Gedenktafel zur Erinnerung an die jüdische Schule und die Synagoge angebracht. Nach dem Abbruch des Hauses 1980 wurde die Gedenktafel 1983 an dem hier neu errichteten Geschäftshaus angebracht. 1983 wurde die Engerser Straße zwischen Schlossstraße und Theaterplatz in Synagogengasse umbenannt.
Siehe auch Liste der im Deutschen Reich von 1933 bis 1945 zerstörten Synagogen
Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Joseph Geisel: Die Synagoge zu Neuwied. In: Heimat-Blatt und Geschichtschronik für die ehemals Wied’schen und Nassauischen Lande, Jg. 7 (1928), Heft 16, S. 127–128 (Digitalisat). Joseph Geisel: Der Bau der Neuwieder Synagoge (1740–1748). In: Heimat-Kalender für den Kreis Neuwied, Jg. 6 (1930), S. 48–50. Franz Regnery: Jüdische Gemeinde Neuwied. Geschichte in Bildern und Dokumenten. Zeichen und Zeugen von damals und heute. Herausgegeben vom Deutsch-Israelitischen Freundeskreis Neuwied. 1988. [nicht ausgewertet] „… und dies ist die Pforte des Himmels“. Synagogen Rheinland-Pfalz und Saarland (= Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland, Band 2). Bearbeitet von Stefan Fischbach und Ingrid Westerhoff. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz. Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3313-7, S. 287–288.
Weblinks Synagoge in Neuwied bei Alemannia Judaica
Einzelnachweise
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