Die Steinerne Brücke ist neben dem Regensburger Dom das bedeutendste Bauwerk von Regensburg. Mit dem Brückenmännchen hatte die Steinerne Brücke schon sehr früh ein weithin bekanntes Wahrzeichen, dessen Beliebtheit sich bis heute erhalten hat.
Mit einer Bauzeit von 1135 bis spätestens 1146 gilt die komplett aus Stein erbaute Steinerne Brücke als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und als die älteste erhaltene Brücke in Deutschland.Robert Hoff: Meisterwerke der Ingenieurbaukunst. Bundesanzeiger-Verlag, Köln 2001, ISBN 3-88784-886-1.Von der Römerbrücke in Trier sind nur die Pfeiler erhalten, ihre Steinbögen waren jüngeren Datums; nach der Sprengung durch die französische Armee 1689 wurden sie 1716–1718 wieder aufgebaut. Die Drususbrücke bei Bingen am Rhein wurde im 11. Jahrhundert gebaut, ebenfalls 1689 zerstört und 1772 wieder aufgebaut. 1945 wurde sie von deutschen Truppen gesprengt; 1952 wurde sie – verbreitert – wieder aufgebaut. Die Alte Mainbrücke in Würzburg wurde um 1120 errichtet, aber ab 1476 durch einen Neubau ersetzt. Die mittelalterliche Dresdner Elbbrücke, Vorgänger der Augustusbrücke in Dresden, wurde von 1119 bis 1222 gebaut, aber im Magdalenenhochwasser von 1342 so geschädigt, dass sie durch einen Neubau ersetzt werden musste.
Lage, Bedeutung und Erhaltung der Brücke Nach ihrer Erbauung gewann die Steinerne Brücke als einzige Donaubrücke zwischen Ulm und Wien große Bedeutung als günstige Verbindung von Fernhandelswegen aus dem Süden mit Absatzgebieten im Norden. Regensburg als Umschlagsplatz profitierte nicht nur von den Zolleinnahmen des Fernhandels, auch der Handel mit dem nahen nördlichen Umland wurde stark erleichtert. Die Brücke blieb 800 Jahre lang die einzige Brücke, die im Stadtgebiet von Regensburg beide Arme der Donau überquerte. Erst die 1938 gebaute Nibelungenbrücke war die zweite Brücke, die ebenfalls beide Donauarme überquerte.
Im 20. Jahrhundert wurde die Steinerne Brücke hauptsächlich durch Streusalzeintrag wegen fehlender Abdichtung und durch wachsende Belastungen durch zunehmenden Schwerverkehr (Straßenbahn und Gelenkbusse) schwer geschädigt. Die Brücke erwies sich als im Bestand gefährdet, so dass von 2010 bis 2018 die Pfeiler der Brücke, die Beschlächte und Brüstungen tiefgreifend saniert bzw. erneuert werden mussten. Die Fahrbahn wurde abgedichtet und mit einem neuen Belag und neuen Brüstungen ausgestattet.
Nach der Sanierung verbindet die Steinerne Brücke als gemeinsamer Fuß- und Radweg die Altstadt von Regensburg mit dem Stadtteil Stadtamhof auf der nördlichen Seite der Donau. Die Brücke überquert weiterhin beide Arme der Donau und einen zwischen beiden Flussarmen verlaufenden etwa 200 m stromaufwärts vom südlichen Flussarm abzweigenden, wasserabführenden ehemaligen Mühlenkanal.
Beschreibung Bögen, Pfeiler und Wiedfangkanal, Beschlächte, Hafen mini|Verläufe von Brücken im Bereich Altstadt Regensburg mini|Brückturm mit Öffnung für ehem. Straßenbahndurchfahrt Die Steinerne Brücke ist eine Naturstein-Gewölbebrücke mit 16 Segmentbögen, von denen jedoch nur 14 zu sehen sind. Der erste Brückenbogen und der erste Pfeiler auf der Südseite der Brücke wurden 1551 beim Neubau des westlich benachbarten ehemaligen Amberger Salzstadels komplett unter dem Boden eingebaut und dienen seitdem dort unter der südlichen Brückenauffahrt als Fundamente des südlichen Brückturmes. Das zeigten 1989 die Befunde nach Ausgrabungen anlässlich der Sanierung des 1616 bis 1620 erbauten städtischen Salzstadels östlich der BrückeKarl Bauer: Regensburg, Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag, 6. Aufl. 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 218 ff.
Warum es 1551 zum Neubau des 1485 vom bayerischen Herzog westlich der Brücke erbauten ersten Amberger Salzstadels kam und warum es dann im Rahmen der Neubaumaßnahmen des Amberger Salzstadels auch zum Verbau des ersten Brückenbogens und des ersten Brückenpfeilers der Steinernen Brücke unterhalb des Straßenniveaus kam, erklärt sich wie folgt: Der Neubau des Amberger Stadels war aus statischen Gründen erforderlich geworden, weil der Untergrund instabil geworden war. Während der gut 60-jährigen Standzeit des frühen Amberger Salzstadels wurde der erste Brückenbogen vom sogenannten Wiedfangkanal durchströmt, einem schmalen südlichen Nebenarm der Donau, der von den Schiffern mit ihren Kähnen genutzt wurde, um die Strudel und die Gegenströmung beim Passieren der Steinernen Brücke zu umgehen. Der Wiedfangkanal zweigte bereits westlich vom Brückenkopf der Steinernen Brücke von der Donau ab und mündete in das der Steinernen Brücke westlich benachbarte, mittelalterliche kleine vertiefte Hafenbecken, den sogenannten Wiedfang, wo man bequem entladen und beladen konnte. Dann unterquerte der Kanal den ersten Brückenbogen und mündete etwa bei der Wurstkuchl wieder in die Donau. Im Laufe der Jahre hatten der Wasserfluss im Wiedfangkanal und das Wasser im Hafenbecken den Untergrund und damit den ersten Amberger Stadel destabilisiert. Deshalb wurden Hafenbecken und Kanal aufgelassen und 1551 konnte dann der besser fundamentierte neue städtische Amberger Salzstadel errichtet werden.
Die Steinerne Brücke ist nicht in einer geraden Linie gebaut, sondern leicht nach Osten gekrümmt. Sie folgt damit den Untergrundverhältnissen, berücksichtigt den Strömungsverlauf, steigt zur Mitte hin an und überwindet dabei eine Höhe von 5,50 m. Die Pfeiler sind ungleich dick und unterschiedlich ausgerichtet. Auch die Brückengewölbe sind unterschiedlich.
Die 16 Bögen haben eine lichte Weite von 10,45 m bis 16,70 m, auch die Höhe der Bogenöffnungen variiert. Heute sind nur 14 freie Bogen zu sehen; der erste Bogen ist in der Auffahrt zum heutigen Brückentor verborgen, der 16. Bogen ist fast völlig vom sogenannten Stadtamhofer Brückenbasar überdeckt.
Mit den ersten 5 Bögen – von der Altstadt aus gesehen – überspannt die Brücke den Südarm der Donau. Der 5. Brückenpfeiler steht auf dem sogenannten Hammerbeschlächt, einem 1388 als Wasserbauwerk errichteten ca. 10 m breiten, mit eingeschlagenen Pfählen seitlich stabilisierten Steindamm, der das westliche Ende der Donauinsel Unterer Wöhrd mit dem östlichen Ende der Donauinsel Oberer Wöhrd verbindet, wo ein ehemaliger Mühlenstandort erkennbar ist.Der Damm – meist Beschlächt genannt – ist begehbar und von beiden Seiten aus zugänglich. Mit dem Bau des Damms um 1388 beabsichtigten die Regensburger auch, den Wasserspiegel der Donau im südlichen Donauarm immer ausreichend hoch halten zu können, um die Funktion des Südhafens als komfortabler Anlegeplatz zu sichern. Gleichzeitig wurde versucht, die Wasserversorgung des bayerischen Hafens am Nordufer in Stadtamhof mit dem Stadtamhofer Stadel niedrig zu halten, um die Nutzung des Nordhafens zu erschweren. Entscheidend für die Aufteilung des Donauwassers auf Nord- und Südarm der Donau war aber in erster Linie die wasserbauliche Gestaltung des Westzipfels der Donauinsel Oberer Wöhrd, den man das Wehrloch nannte.
Mit den Bögen 6 bis 8 überquert die Brücke den Mühlenkanal, das Abflussbassin von dort ehemals vorhandenen, mit Wasserkraft betriebenen Mühlen.Der Kanal verläuft noch 500 m weiter zwischen Nord- und Südarm der Donau nach Osten, vereinigt sich dann mit dem Nordarm, mündet in den Regen und vereinigt sich am Ende wieder mit dem Südarm der Donau. Unter den anschließenden Bögen 9 und 10 liegt eine Grünfläche, die nur bei Hochwasser überschwemmt wird. Vom Pfeiler 10 aus – dem früheren Standort des Mittelturms – führte seit 1499 eine Rampe westwärts hinab von der Brücke zum Oberen Wöhrd. Früher war die Rampe aus Holz gebaut und wurde häufig durch Hochwasser oder Eisgang zerstört. Heute ist es eine stabile Betonrampe
Die Bögen 11, 12 und 13 überbrücken den Nordarm der Donau. Unter dem Bogen 14 verläuft ein teilweise unbefestigter, aber begehbarer Uferweg am Nordarm stromaufwärts zum erst nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Pfaffensteiner Steg, der den Oberen Wöhrd mit dem Vorort Stadtamhof verbindet.
Skulpturen mini|Denkmalgeschütztes Bruckmandl auf der Steinernen Brücke hochkant=0.4|mini|Bruckmandl (Brückenmännchen) Skulpturen oder Abbildungen, die an der Brücke oder an den Türmen angebracht wurden, waren entweder Rechtszeichen, sollten an Personen und Ereignisse erinnern oder hatten den Sinn, Unheil und Schäden abzuwehren. Solche ursprünglichen Sinngebungen von Skulpturen und Bildwerken gerieten meist bald in Vergessenheit. Dann kam es häufig zu neuen Deutungen und auch zur Bildung von Sagen oder Mythen, die im Laufe der Jahre mit der jeweiligen Skulptur verbunden wurden. Auch bei der Steinerne Brücke wurden bereits ab dem frühen 13. Jahrhundert Pfeiler und Brüstungen und auch die Türme der Brücken mit Skulpturen und Bildwerken ausgestattet. Viele dieser ehemaligen Brückenskulpturen sind heute nach Kriegen, Hochwasser und Eisstößen beschädigt und nach der durchgreifenden Brückensanierung um 2010 nicht mehr am ehemaligen Standort auf der Brücke vorhanden und wurden im Stadtmuseum eingelagert.
Das Brücken-Männlein Besondere Aufmerksamkeit erregte auf der Steinernen Brücke bereits im späten Mittelalter die Ursprungsfigur des heutigen Brücken-Männleins, deren Nachfolgefigur, die seit 1854 die Silhouette der Brücke prägt, immer große mediale Aufmerksamkeit fand und in der Neuzeit auch finanzielle Unterstützung. Das zeigte sich im Dezember 2012, als die Figur aus zunächst ungeklärten Gründen einen Arm verloren hatte, der von Tauchern nicht in der Donau aufgefunden werden konnte. Mit Hilfe von Spenden und Sonderaktionen konnte die Figur bis 2018 wiederhergestellt werden.
Die Ursprungsfigur des Brücken-Männleins, wurde dargestellt auf der östlichen Seite der Brücke als eine Figur, die zum Himmel blickend und die Augen mit der Hand vor der Sonne schützend, rittlings auf dem Satteldach einer Türbekrönung saß, am Eingang zu einer Schleifmühle, die ihren Standort auf dem Beschlächt des dritten Brückenpfeilers hatte. Erstmals erwähnt wird das Brücken-Männchen in der Handschrift aus dem 15. Jahrhundert mit der Signatur clm 14 175 in der Münchner Staatsbibliothek. Das Jahr der Aufstellung der Figur ist dort nicht erwähnt.
Für das Jahr 1510 ist eine erste Restaurierung dieser Figur überliefert. Bei weiteren Bränden von Brückenmühlen nach 1555 wurde die Figur des Brückenmännchens offenbar so stark beschädigt, dass das Bauamt der Stadt Regensburg laut Bauamtschronik 1579 den Beschluss fasste, „ain newes thürgericht [Türgericht (Gesamtheit von Türschwelle, Türpfosten und Türsturz)] sampt ainem mendlen [Männlein]“ anfertigen zu lassen. Offenbar wollte man schon damals nicht mehr auf die originelle Figur verzichten, wobei die ursprüngliche Bedeutung der Figur damals wohl gar nicht mehr bekannt war, denn der als Chronist bezeichnete Ratsherr Stefan Fugger bezeichnete die Figur schlicht nur als das „Nackhet menntlen“ (Männlein).