Leinefelde-Worbis ist eine Mittelstadt im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie entstand am 16. März 2004 aus der Zusammenlegung der bis dahin selbständigen Städte Leinefelde und Worbis und der Gemeinden Breitenbach und Wintzingerode. Trotz Eingemeindungen nach einem starken Bevölkerungsrückgang ab 1990 lebten Ende 2022 in der Stadt etwa 20.000 Menschen.

Leinefelde-Worbis ist sowohl nach Fläche als auch nach Einwohnerzahl die größte Gemeinde im Landkreis Eichsfeld und außerdem Mittelzentrum für den östlichen Teil des Kreises.

Vom 23. April 2026 bis zum 11. Oktober 2026 findet hier die Landesgartenschau Leinefelde-Worbis 2026 unter dem Motto „Aussöhnung zwischen Stadt und Landschaft“ statt.

Geografie Leinefelde-Worbis liegt im Eichsfeld in einer hügeligen Landschaft, die im Norden vom Ohmgebirge und im Süden vom Dün begrenzt wird. Während die Quellen der Leine in Leinefelde liegen und sie diesen Ortsteil durchfließt, entspringt in Worbis die Wipper, die durch Worbis fließt. Damit liegt die Stadt Leinefelde-Worbis sowohl im Wassereinzugsgebiet der Elbe (Wipper; im Osten), als auch der Weser (Leine; im Westen).

Stadtgliederung

Leinefelde (8857 Einwohner) Worbis (4895 Einwohner) Beuren (1211 Einwohner) Birkungen (1356 Einwohner) Breitenbach (957 Einwohner) Breitenholz (535 Einwohner) Hundeshagen (1205 Einwohner) Kallmerode (638 Einwohner) Kaltohmfeld (171 Einwohner) Kirchohmfeld (386 Einwohner) Wintzingerode (652 Einwohner) (Einwohnerzahlen vom 3. Juni 2020)

Geschichte Leinefelde-Worbis wurde am 16. März 2004 durch die Vereinigung der Städte Leinefelde und Worbis und den Gemeinden Breitenbach und Wintzingerode neu gebildet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004 Am 6. Juli 2018 wurde Hundeshagen eingemeindet, am 1. Januar 2019 Kallmerode.

Das Gebiet war bereits seit dem 8. Jahrhundert dem Bistum Erfurt und somit der Kirchenprovinz Mainz untergeordnet. Im Zuge der Säkularisation während der napoleonischen Zeit fiel es an Preußen. Dort wurde 1816 der Landkreis Worbis gebildet, der alle Ortsteile umfasste und bis 1952 bestand. Das Gebiet fiel 1944 an das Land Thüringen, das 1952 in Bezirke aufgeteilt wurde. Das Gebiet der heutigen Stadt wurde dem Kreis Worbis im Bezirk Erfurt unterstellt. Es zählte zu den wenigen mehrheitlich katholischen Gebieten in der DDR und lag im Grenzgebiet zu Westdeutschland.

Eingemeindungen 1. Januar 1992: Breitenholz wird in die Stadt Leinefelde eingegliedert.Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. 30. Juni 1994: Kirchohmfeld wird in die Stadt Worbis eingegliedert. 23. September 1995: Birkungen wird in die Stadt Leinefelde eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995 6. Juni 2000: Beuren wird in die Stadt Leinefelde eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2000 16. März 2004: Leinefelde-Worbis entsteht aus den zuvor selbstständigen Städten Leinefelde und Worbis sowie den Gemeinden Breitenbach und Wintzingerode. 6. Juli 2018: Hundeshagen wird in die Stadt Leinefelde-Worbis eingegliedert.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr.7 2018 vom 5. Juli 2018, aufgerufen am 6. Juli 2018 1. Januar 2019: Kallmerode wird in die Stadt Leinefelde-Worbis eingegliedert.

Die Ortsteile Leinefelde

mini|Ringquelle der Leine mini|hochkant|Kirche St. Maria Magdalena mini|Leinefelde, VEB Baumwollspinnerei (1986) Koordinaten:

Lage und Name des Ortes lassen darauf schließen, dass er schon im 9. Jahrhundert bestand. Leinefelde wurde 1227 erstmals urkundlich erwähnt. Leinefelde war jahrhundertelang nur ein kleines Dorf mit wenigen hundert Einwohnern. Mit dem Bau der großen Rheinstraße Köln–Berlin 1826 (heute Bundesstraße 80) und der Reichsstraße von Mühlhausen nach Duderstadt 1834 (heute Bundesstraße 247) begann die Entwicklung Leinefeldes zum Verkehrsknotenpunkt. Fortgesetzt wurde dieses mit dem Bau der Bahnstrecke Halle–Nordhausen–Leinefelde–Eichenberg–Hann. Münden–Kassel im Jahr 1867. Als der Ort wenig später (1870) mit der Bahnstrecke Gotha–Leinefelde noch eine zweite Hauptbahnstrecke erhielt, wurde der Bahnhof zum Zentralbahnhof des Eichsfeldes und der Ort wuchs rasch heran. Die Kanonenbahn durch Leinefelde wurde 1880 durch einen Bahnanschluss von Leinefelde nach Eschwege in Hessen fertiggestellt (stillgelegt 1998). 1897 folgte die Bahnstrecke Leinefelde–Wulften, auf der allerdings ab Teistungen nach 1945 auf Grund der deutschen Teilung der Betrieb eingestellt wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges kam es zur Denunziation als Homosexueller von August K., er wurde nach Mittelbau-Dora deportiert. 1940 trafen die ersten polnischen Zwangsarbeiter in Leinefelde ein. Sie mussten im Sägewerk, beim Forstamt und bei der Bahnmeisterei arbeiten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 40f [Leinefelde].

Das etwa 2500 Einwohner zählende Dorf sollte nach dem Eichsfeldplan der SED zum industriellen Zentrum des Obereichsfelds ausgebaut werden. Damit wurde auch das Ziel verfolgt, die bestehenden Strukturen aus Landwirtschaft, Kleinhandwerk und katholischem Glauben zu zerstören. Mittels Ansiedlung von Arbeitern aus anderen Teilen der DDR sollte Leinefelde zu einer Sozialistischen Stadt werden. Am 10. April 1961 wurde mit dem Bau der Baumwollspinnerei begonnen. Hier arbeiteten in der Blütezeit bis zu 4.500 Beschäftigte. In der Folgezeit wurden in Leinefelde viele Plattenbaugebiete angelegt, und die Einwohnerzahl stieg innerhalb von 15 Jahren von 6.658 Ende 1970 auf 15.526 Ende 1985 an. Am 7. Oktober 1969 erhielt Leinefelde die Stadtrechte. Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung Deutschlands war Leinefelde mit 16.500 Einwohnern der größte Ort im Obereichsfeld.Peter Richter: Fallstudie Leinefelde. In: Der Plattenbau als Krisengebiet. Dissertation, Hamburg 2006, S. 124–186. (Online; PDF; 676 kB)

Worbis Koordinaten:

Die Stadt Worbis wird in einer Urkunde aus dem Jahre 1162 zum ersten Mal erwähnt. 1209 nannte sich eine Adelsfamilie nach dem Ort „Worbis“. Sie waren wohl Vasallen der Grafen von Lohra. Die Lehnshoheit wechselte später an die Beichlinger und Landgrafen von Thüringen. Durch den Grafen von Beichlingen erhielt Worbis zwischen 1238 und 1255 das Stadtrecht. 1289 wurde aber erst die Burg erstmals urkundlich genannt. 1381–1574 besaßen die Herren von Bülzingslöwen das Anwesen als Pfand. Später gab es keinen Hinweis mehr zur Burg. Die Anlage stand an der Nordostecke der Stadt und war in die Stadtbefestigung mit einbezogen. Ein Graben weist noch auf die Anlage hin.Th. Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 47.Burg Worbis Schon im Mittelalter hatte die Stadt eine sehr günstige Verkehrslage.

Beuren links|50px|Beuren

Urkundliche Ersterwähnung fand Beuren im Jahre 1128 in einer Gerichtsurkunde. In dieser Zeit gab es hier einen befestigten Herrensitz, um den sich das Dorf bildete. Um 1200 wurde in Niederbeuren („Buren inferior“) durch Konrad von Bodenstein ein Zisterzienserinnenkloster gegründet. Es ist das älteste Kloster dieses Ordens auf dem Eichsfeld. Durch Zoll- und Geleiteinnahmen entwickelte sich Beuren von einem Marktdorf (1238 „forensi Buren“) zu einer Stadt (1269 „in civitate Buren“). Es setzte eine Stadtentwicklung ein, zu erkennen an Toren, städtischer Straßenführung und Wehranlagen. Mit der Verlagerung der Zollstelle im Jahre 1294 nach Heilbad Heiligenstadt verlor Beuren sein Stadtrecht. Von 1870 bis 1873 wurde die Kirche „St. Pankratius“ erbaut. Der „Alte Turm“, der ursprünglich als Zoll- und Wohnturm errichtet wurde, wurde beim Neubau der Kirche zum Kirchturm umgewidmet. Das Kloster Beuren bestand bis 1809; heute dienen die noch existierenden Gebäude als Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung.

Birkungen links|50px|Birkungen

Die erste urkundliche Erwähnung von Birkungen fällt ins Jahr 1191. Der Bau einer Kirche fand um 1516 statt.

Breitenbach links|50px|Breitenbach

Breitenbach wurde 1227 erstmals urkundlich erwähnt in einen Landtausch mit Leinefelde. 1373 kam Breitenbach durch einen Ankauf unter Adolf von Nassau zum Mainzer Erzbistum. Viele Einwohner von Breitenbach waren als Handlungsreisende und Weber bekannt. Eine Spezialität des Dorfes sind die als „Füßlinge“ bekannten Hausschuhe.

1991 war Breitenbach eine Gründungsgemeinde der Verwaltungsgemeinschaft „Am Ohmgebirge“ Worbis. 2004 erfolgt die endgültige Eingemeindung in die neu entstandene Doppelstadt Leinefelde-Worbis.

Breitenholz Breitenholz fand seine urkundliche Ersterwähnung im Jahr 1544. Vermutlich hat es aber schon vorher existiert und lag längere Zeit wüst. Der Name („breites Holz“ = ausgedehnter Wald) stammt von einem Waldgebiet, dessen Reste noch heute südlich des Dorfes in Richtung Birkungen zu finden ist. Breitenholz ist ein Angerdorf, mit Kirche und Anger mit Linde als Zentrum. Die Kirche wurde 1695 errichtet und der Turm wurde später angebaut. Der Altar stammt aus der Franziskaner-Klosterkirche in Worbis. Breitenholz ist seit 1655 Wallfahrtsort (Gnadenbild „Maria mit dem Kinde“ aus dem 15. Jahrhundert).

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Birkunger Wald zwischen Birkungen und Breitenholz eine V2-Abschussbasis errichtet.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 40.

Hundeshagen links|50px|Hundeshagen

Hundeshagen wurde am 15. April 1282 erstmals urkundlich erwähnt. Es ist als Musikantendorf bekannt.

Kallmerode links|56x56px

Kallmerode wurde 1206 das erste Mal urkundlich erwähnt. Aus den ehemalig dort befindlichen Steinbrüchen und Kiesgruben wurde der Baustoff für die Städte Leinefelde und Worbis gewonnen.

Kaltohmfeld links|50px|Kaltohmfeld

Die erste urkundliche Erwähnung fand 1418 statt. Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts war Kaltohmfeld eine Wüstung. Unter Anna von Wintzingerode wurde eine Neubesiedlung begonnen. 1573 kamen die Bewohner Kaltohmfelds unter die Mainzer Verwaltung, behielten aber wegen der engen Bindungen an die spätere Grafenfamilien von Wintzingerode den protestantischen Glauben bei. 1588 wurde eine evangelische Kirche („Johannes der Täufer“) am Rande des Dorfes erbaut, die 1655 abgerissen und neu errichtet wurde. Später wurde Kaltohmfeld Ortsteil von Kirchohmfeld.

Kirchohmfeld links|50px|Kirchohmfeld mini|Heinrich-Werner-Haus in Kirchohmfeld

Die erste urkundliche Erwähnung Kirchohmfelds (Warmohmfeld, Kirchenohmfelde) stammt aus dem Jahre 1217. Seit 1448 unterstand Kirchohmfeld denen von Wintzingerode. Der wüste Ort wurde 1515 bis 1554 von Hans Wintzingerrode als eigenständiger Gutsbezirk aufgebaut. Um 1539 begann schon wieder die Besiedlung. Am 2. Oktober 1800 wurde Heinrich Werner hier geboren. Der kastellartige Gutskomplex und das Gutshaus Adelsborn dienten als Wehranlage und Wirtschaftshof bis 1945 als Sitz der Herren Wintzingerode. Nach der Enteignung 1945 wurde der Komplex bis auf die Grundmauern abgerissen.Th. Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 47.Burg

Durch die Zugehörigkeit zum Herrschaftsbereich derer von Wintzingerode wurde der Ort evangelisch. Im Ort befindet sich eine evangelische Kirche. Zu Kirchohmfeld gehörten bis zum Zusammenschluss der Gemeinde am 1. Juli 1994 mit der Stadt Worbis die Ortsteile Kaltohmfeld, Adelsborn und Bodenstein.

Wintzingerode links|50px|Wintzingerode