mini|Die Wipper am Untertor
Worbis ist der nördliche Hauptort von Leinefelde-Worbis im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.
Geographie Worbis befindet sich etwa vier Kilometer nordöstlich von Leinefelde und 15 Kilometer östlich von Heilbad Heiligenstadt im Eichsfeld. Der Ortsteil liegt am Südrand des Ohmgebirges direkt auf der Elbe-Weser-Wasserscheide, wo Wipper und Hahle entspringen.
Unmittelbare Nachbarorte sind Kirchworbis im Osten, Breitenbach im Südwesten, Wintzingerode im Nordwesten und Kirchohmfeld im Norden.
Einige der wichtigsten Berge in der Gemarkung sind der Oberberg (496,5 m), der Langenberg (462,6 m), der Kanstein (435,5 m), der Klien (408,9 m) und Die Hardt (400,9 m).
Dialektgrenze Worbis liegt unmittelbar südlich der Benrather Linie und somit am Übergang von den hochdeutschen – genauer: den ostmitteldeutschen Dialekten zur niederdeutschen Sprache.
Geschichte Mittelalter und Neuzeit Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte 1162 als Wurbeke. Die Gegend um Worbis lag im Ohmfeldgau im Herrschaftsbereich der Grafen von Lare (Lohra). Nach deren Aussterben wurden die Herren von Beichlingen Besitzer von Worbis. Der Ort wurde 1255 zur Stadt erhoben und war im Hoch- und Spätmittelalter der Mittelpunkt des gleichnamigen Amtes Worbis. 1289 kaufte Landgraf Albrecht von Thüringen die Burg Worbis und die halbe Stadt von Günther und Heinrich von Beichlingen, den Söhnen Friedrichs V. Die Urenkel Friedrichs IV. verkauften 1336 die andere Hälfte von Worbis an den Landgrafen Friedrich von Thüringen.Wolfgang Trappe: Haus & Museum. Gülden Creutz Worbis. Hrsg. Stadt Worbis, Verlag mecke Duderstadt 1992, S. 13. 1348 kam Worbis unter die gemeinschaftliche Herrschaft der Landgrafen von Thüringen und der Mainzer Kurfürsten, bis der Mainzer Kurfürst Adolf von Nassau 1373 den restlichen Anteil von Worbis erwarb. Vermutlich befand sich in Worbis eine Burg, wo die Herren von Worbis Burgmannen und Vögte waren.Johann Wolf: Denkwürdigkeiten der Stadt Worbis und ihrer Umgebung, Göttingen 1818. Im folgenden 14. Jahrhundert schritt die Entwicklung von Worbis voran, was unter anderem durch seine Lage begünstigt wurde. So befand sich der Ort an einer alten Nord-Süd-Verbindung eines Pilgerweges, der von Lübeck ausgehend, über Duderstadt–Mühlhausen–Eisenach und Nürnberg nach Rom verlief. Im Jahre 1381 verpfändete Kurfürst Adolf von Mainz das Amt Worbis gemeinsam mit dem Amt Harburg, zu welchem unter anderem die Dörfer Bernterode, Breitenworbis, Gernrode, Kirchworbis und Neustadt gehörten, für 1662 Mark Silber an Siegfried von Bültzingsleben, dessen Familie bis in das 16. Jahrhundert hinein die Hoheit über Worbis ausübte. Im Bauernkrieg 1525 wurden die Burg und das Kloster Worbis von aufständischen Bauern zerstört.
Von 1816 bis 1994 war Worbis die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises bzw. Kreises.
In den Jahren der deutschen Teilung war Worbis überregional bekannt als namengebender Ort der Grenzübergangsstelle Duderstadt-Worbis bei Teistungen an der F 247 bzw. B 247. Am 10. November 1989 wurde um 0:35 Uhr der Schlagbaum am Grenzübergang nach Westen geöffnet.
Worbis gehört seit dem 16. März 2004 zur neuen Stadt Leinefelde-Worbis.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands
Am 4. Dezember 2006 erhielt Worbis die dauerhafte Anerkennung als „Staatlich anerkannter Erholungsort“, die der Ort spätestens 2023 wieder verlor.2023 kein Erholungsort mehr, siehe
Wasserburg Worbis Die Burg Worbis wurde vermutlich im 12. Jahrhundert von den Herren von Worbis errichtet.laut Infotafel am Rentamt Worbis Mit Giselher von Worbis wird 1209 ein Adliger als Zeuge einer Verpfändung an das Kloster Reifenstein erwähnt. Mitglieder der Adelsfamilie von Worbis waren die ersten bekannten Burgherren, die sich nach dem Ort benannten. Lehnsherren waren die Grafen von Lohra, die Grafen von Beichlingen und dann die Thüringer Landgrafen. Schriftlich erwähnt wird die Burg 1289 im Zusammenhang mit dem Verkauf an die Landgrafen von Thüringen. Bei der Burg handelte es sich um eine Wasserburg, die unmittelbar an die Stadt angrenzte. Dicht nördlich des Burggeländes befindet sich der Flutgraben bzw. Ritterbach, von dem ausreichend Wasser für einen Burggraben zur Verfügung stand. Inwieweit die Burganlage mit der im 13. Jahrhundert errichteten Stadtmauer in Verbindung stand, ist nicht bekannt.
Nachdem die Stadt und die Burg in den Besitz der Mainzer Kurfürsten gelangt waren, wurde der Burgbezirk zum Sitz des Kurmainzer Gerichts oder Amts Worbis. Zum Amtsbezirk gehörten neben Worbis und dem benachbarte Breitenbach auch die Wüstungen Ritterbach und Sifferterode. Kurfürst Adolf von Nassau verpfändete das Amt 1381 an die von Bültzingslöwen; erst nach nahezu zwei Jahrhunderten wurde diese Pfandschaft im Jahre 1575 durch die Mainzer Kurfürsten wieder eingelöst. Im Bauernkrieg wurde die Burg zerstört, 1575 schließlich abgerissen. Dann wurde das heutige Amtshaus auf den Fundamenten der Burg aufgebaut.
Kurmainzer Amt Harburg-Worbis mini|Das ehemalige Amtshaus und Rentamt wurde auf den Resten der Wasserburg Worbis erbaut
Zur Zeit der Grafen von Beichlingen umfasste der Gerichtsbezirk nicht nur die Stadt, sondern vermutlich die Gegend östlich bis zur Burg Lohra. Mit den Besitzerwechseln im 13./14. Jahrhundert wurde der Gerichtsbezirk stark eingegrenzt.Levin von Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes: Verzeichnis der Wüstungen, vorgeschichtlichen Wallburgen, Bergwerke, Gerichtsstätten und Warten innerhalb der landrätlichen Kreise Duderstadt, Heiligenstadt, Mühlhausen und Worbis. O. Hendel, Göttingen 1903, S. 468ff. Zum Amt Worbis zählten nur noch das benachbarte Breitenbach und die Wüstungen Ritterbach und Sifferterode. 1574 wurden das benachbarte Amt Harburg und das Amt Worbis zum Amt Harburg-Worbis vereint und der Amtssitz für das gemeinsame Amt nach Worbis verlegt. Die Behörde setzte sich mehrheitlich aus folgenden Personen zusammen: dem Amtsvogt, dem Amtsrichter, dem Amtsaktuar, dem Amtsschreiber und dem Amtspedell. Südöstlich von Worbis befindet sich noch heute der Galgenberg, vermutlich die Richtstätte des Amtsbezirkes. Folgende Amtsvögte sind nachgewiesen:Bernhard Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes. St. Benno-Verlag, Leipzig und Verlag F.W. Cordier, Heiligenstadt 1968.
Für die Stadt Worbis selbst wurde ein kurfürstlicher Beamter oder Schultheiß eingesetzt, der neben dem Stadtrat mit dem Bürgermeister die Interessen der Mainzer Kurfürsten vertrat. Das Rathaus befand sich bis 1864 am Marktplatz neben der Stadtkirche; nachdem es abgebrannt war, wurde es in das ehemalige Amtshaus verlegt. Nachfolgend einige Schultheißen: 1628 Adam StraußJohann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819. 1655 Joh. HeidfeldWolfgang Trappe: Das Haus zum Gülden Creutz. In: Haus & Museum Gülden Creutz Worbis. Hrsg. Stadt Worbis, Verlag Mecke Duderstadt 1992, Seite 8 1682 Joh. Hugold Burchard 1755 Josef Anton WagnerJohann Wolf: Denkwürdigkeiten der Stadt Worbis und ihrer Umgebung. Göttingen 1818.
Namensherkunft Worbis steht für Land am Wasser oder feuchte Gegend. Eine weitere Deutung kommt aus dem niederdeutschen -beke für „Bach“, in Verbindung mit winden heißt es so viel wie windungsreicher Bach.MDR Thüringen Namenforschung: Interview mit J. Udolph
Eingemeindungen Die ehemalige Gemeinde Kirchohmfeld wurde am 30. Juni 1994 eingemeindet.Thüringer Landesamt für Statistik
Politik Ortsteilrat Dem Ortsteilrat gehören seit den Kommunalwahlen in Thüringen 2024 fünf Räte der Freien Wähler Eichsfeld, vier Räte der CDU und einer der FDP an. Ferner gehört dem Gremium der Ortsbürgermeister an.
Ortsteilbürgermeister Das Amt des Ortsteilbürgermeisters von Worbis übt seit Juni 2024 Jens Worm-Büschleb (Freie Wähler Eichsfeld) aus.
Städtepartnerschaften Die Stadt Worbis unterhält Städtepartnerschaften mit: Medebach in Nordrhein-Westfalen, seit 1994 Annœullin in Frankreich, seit 2000 Mezőcsát in Ungarn, seit 2000
Kultur und Sehenswürdigkeiten Krengeljägerfest an Pfingsten mini|hochkant|Der Krengeljägerbrunnen, dahinter die Stadtkirche St. Nikolaus mini|Innenansicht der Antoniuskirche Das jährlich zu Pfingsten begangene Krengeljägerfest ist inzwischen eine Worbiser Tradition und erinnert an eine städtische Überlieferung (Raub von Brezeln/Backwerk durch übermütige Schulbuben). Inzwischen hat man diese sonderbare Begebenheit aus dem Alltagsleben der Alt-Worbiser mit einem Brunnen gewürdigt.
Das Worbiser Wipperfest Als zweites bedeutendes Fest begeht Worbis das Wipperfest. Es findet im September statt. Die Wipper ist in Worbis noch ein bescheidenes Rinnsal. Daher wird die Mutprobe – auf einem Seil oder schmalem Brett über die Wipper zu balancieren – gefordert. Die Belustigung zieht besonders die Jugend der Stadt an.
Kirchen Antoniuskirche Die barocke, 1678 geweihte Antoniuskirche war auf Initiative des Franziskaner-Ordens in Worbis errichtet worden, um dem neu entstandenen Konvent als Klosterkirche zu dienen. Sie befindet sich in der Klosterstraße, auf geweihter Erde, denn am gleichen Bauplatz stand zuvor das mittelalterliche Zisterzienserinnen-Kloster Worbis. Maßgeblichen Anteil am Bau des Klosters hatte der italienische Baumeister Antonio Petrini, dieser gilt als ein Vorläufer des berühmten Barock-Baumeisters Balthasar Neumann. Das Kloster bestand bis 1824, dann wurde es säkularisiert. Die Kirche wurde der Katholischen Pfarrgemeinde Worbis übergeben.
St. Nikolaus Die katholische Stadtkirche St. Nikolaus im Zentrum von Worbis.
St. Peter und Paul Die evangelische Kirche St. Peter und Paul am Rossmarkt in Worbis.
Pestkapelle St. Rochus mini|St.-Rochus-Kapelle Worbis (im Gegenlicht) Das Patronat des St. Rochus ist ein Indiz für die Entstehung und Nutzung dieses Gebäudes zur Zeit der letzten großen Pestwelle im 17. Jahrhundert. Aus der Stadtchronik von Johann Vinzenz Wolf ist die Zahl von 465 Todesopfern bekannt, die diese Seuche in den Jahren 1682–1683 von der Worbiser Bürgerschaft forderte. Religiöse Motive und der feste Glaube an die Wirkung von Gelübden führten zum Bau der St. Rochus-Kapelle, diese sollte stets die Nachwelt an diese überwundene Schreckens- und Notzeit erinnern.
Das Bauwerk befindet sich in der Duderstädter Straße. Das relativ kleine, einstöckige Gebäude ist aus Bruchsteinmauerwerk errichtet. Der zierliche Dachreiter enthält wohl als letzten Gruß für den Verstorbenen ein Totenglöcklein. Über dem Portal der Kapelle befindet sich mittig eine Sandsteintafel, sie dient als Memento mori und ist unübersehbar in das Mauerwerk eingelassen. Diese zeigt einen Totenkopf, Gebeine und darüber das Zeichen des Kreuzes als Symbol der Hoffnung und Erlösung. Beiderseits findet der Besucher weitere Inschriften zum Anlass des Gebäudes.
Hardtkapelle Die erste hölzerne Hardtkapelle wurde um 1680 erbaut. 1749 wurde die mittlerweile baufällig gewordene Kapelle neu in Stein errichtet. Die Kapelle besteht aus Kalkbruchstein, ein Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss, der bis heute erhalten geblieben ist. Besonders die Eckquader des Gebäudes sind sorgfältig behauen. Die barocken Formen werden in der Gestaltung der Fenster, besonders bei der über der Tür befindlichen Fensteröffnung sichtbar. Wie das Gewölbe der Klosterkirche ist auch bei der Kapelle der Innenraum mit Kalktuffsteingewölbe überdeckt; die Chornischen sind jeweils von einer Stichkappe überspannt. Der übrige Kapellenraum weist zwei Kreuzgewölbe auf, deren Rippen angeputzt und deren Schlusssteine mit Rosetten verziert sind.
Rentamt/Rathaus mini|Das Rathaus in Worbis, mit Standesamt Eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt Worbis ist das Rentamt oder Kurmainzer Amtshaus. Die ältesten Bauteile des Rentamtes stammen wohl aus der Zeit der Wasserburg, die im Mittelalter an diesem Ort stand. Eine Zerstörung der Wasserburg während des Bauernkrieges 1525 erscheint wahrscheinlich. Teilweise unter Wiederverwendung mittelalterlicher Mauern wurde 1608 der Nordwestflügel errichtet.