Mieczysław Broński (oft Warszawski-Broński oder Broński-Warszawski; ; * 23. Juli 1882 in Łódź, Kongresspolen, als Mieczysław Warszawski; † 1. September 1938 in Kommunarka, Oblast Moskau; Pseudonyme und Decknamen: M. J. Braun, Spartakus, W. Mieczyński, Jerzy, Pas, Posner, Zygmunt) war ein polnischer Sozialdemokrat und Autor sowie sowjetischer Diplomat. Für Sowjetrussland war er als Botschafter in Wien (1920–1922) tätig.

Leben Sein Vater Henryk Warszawski war Besitzer einer Baumwollspinnerei in Łódź. Nach dem Schulabschluss 1900 zog er nach München, wo er die Technische Hochschule besuchte. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Polens war er 1916 der Vertreter der Sozialdemokraten Polens (SDKPiL) auf der internationalen Konferenz der sozialistischen Parteien vom 24. bis 30. April 1916 in Kiental, Schweiz.Werner Hahlweg: Lenins Rückkehr nach Russland 1917: die deutschen Akten, Brill Archive, 1957, S. 135. (Online bei Google Books) Broński, der neben Pjatakow und Menschinski zu jenen Wirtschaftsexperten der Bolschewiki zählte, die der schwedische Bankier Olof Aschberg im Januar 1918 in Petrograd traf, musste von diesem für einen Neuling in Wirtschaftsangelegenheiten gehalten werden, als er dem Bankier vom Beschluss der Nichtanerkennung aller russischen Auslandsschulden berichtete und auf dessen Warnung vor dem Verlust jeglicher internationaler Kreditwürdigkeit mit unbekümmertem Gelächter antwortete.Babette Gross: Willi Münzenberg. Eine politische Biographie, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1967, S. 143 In der RSFSR war er bis November 1918 Volkskommissar für Handel und Industrie, beauftragt mit der Durchsetzung und Propagierung des neuen Außenhandelsmonopols, wozu er einen zweiteiligen Artikel für die Iswestija schrieb. Auch mahnende Rundschreiben, die eine Einhaltung der Vorschriften forderten, fielen darunter.John Quigley: The Soviet Foreign Trade Monopoly. Institutions and Laws. Ohio State University Press, Columbus 1974, S. 7 u. 17. 1920 bis 1922 war er sowjetischer Botschafter in Wien. Hier in Wien heiratete er 1920 die deutsche Kommunistin Susanne Leonhard, geborene Köhler. Er hatte eine Tochter Wanda Brońska-Pampuch (1911–1972) und aus der Ehe mit Susanne Leonhard den Sohn Wolfgang (Wladimir) Leonhard (1921–2014).Rowohlt: Bookmarks 09/2010 »Wolfgang Leonhard: Anmerkungen zu Stalin«

1928 war er Mitglied des Kollegiums des Volkskommissars für Finanzen. Bis zu seiner Verhaftung war er Professor für Politische Ökonomie an der Kommunistischen Akademie der Wissenschaften in Moskau.Willi Gautschi: Lenin als Emigrant in der Schweiz. S. 383.

Am 9. September 1937 wurde er im Zuge der stalinschen Säuberungen verhaftet und am 1. September 1938 in Kommunarka erschossen. Am 21. Juli 1956 wurde er offiziell rehabilitiert. (russisch)

Schriften (Auswahl) Die Entwicklung der gutsherrlich-bäuerlichen Verhältnisse in Polen und die Bauernfrage im XVIII. Jahrhundert (= Zürcher volkswirtschaftliche Studien; Neue Folge. Band 8). Rascher, Zürich/Leipzig 1914 (129 S., zugleich Dissertation, Zürich 1913). Der sozialistische Propagandist. Zur Einführung in die sozialistische Literatur (= Sozialistische Jugendbibliothek. Heft 2). Sozialdemokratische Jugendorganisation der Schweiz, Zürich 1916 (32 S.). Ein Jahr proletarischer Diktatur (Wirtschaftliche Maßnahmen der Sowjetmacht) (= Internationale Jugend-Bibliothek. Heft 7). Junge Garde, Berlin 1919 (15 S.). Wer soll die Kriegsrechnung bezahlen? Zur Wirtschaftspolitik des kapitalistischen Bankrotts. Franke, Leipzig 1920 (78 S., Digitalisat – unter dem Pseudonym M. J. Braun). Die Lehren des Kapp-Putsches. Franke, Leipzig 1920 (32 S., Digitalisat – Sonderdruck aus Die Internationale. Nr. 23/24, unter dem Pseudonym M. J. Braun). . Krasnaja now, Moskau 1924 (27 S.). . Finanzverlag des Volkskommissariats für Finanzen, Leningrad 1928 (136 S.). . Staatlicher Verlag, Moskau/Leningrad 1928 (165 S., Digitalisat).

Literatur

Willi Gautschi: Lenin als Emigrant in der Schweiz. Benziger Verlag, Zürich/Köln 1973, ISBN 3-545-34066-X, S. 383.

Weblinks

Mieczysław Broński-Warszawski bei Akademic.ru (russisch)

Einzelnachweise

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