Die Basilika Gößweinstein ist eine Basilica minor in der Gemeinde Gößweinstein. Die Basilika ist der zweitgrößte Wallfahrtsort im Erzbistum Bamberg und zugleich der größte Dreifaltigkeitswallfahrtsort Deutschlands. Jährlich pilgern rund 140 feste Wallfahrtsgruppen nach Gößweinstein. Gößweinstein gilt als spirituelle und kirchliche Mitte der Fränkischen Schweiz. mini|Basilika Gößweinstein
Geschichte mini|Die Fassade der Basilika Gößweinstein mini|Basilika Gößweinstein von Süden aus gesehen
mini|Seitenansicht der Basilika Gößweinstein Frühe Geschichte Im Jahre 1071 soll auf dem Platz der Basilika eine Kapelle gestanden haben. Der Schlüsselberger Konrad I. und seine Gemahlin Kunigunde bauten 1240 die Kapelle in eine geräumige Kirche um, die zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit geweiht wurde. Die früheste Nennung einer Kirche in „Gozwinstein“ befindet sich 1308 im Testament Gottfrieds von Schlüsselberg.Bernhard Schemmel: Die Wallfahrt nach Gößweinstein. In: Geschichte am Obermain, 17, 1989, S. 105–125, hier S. 114. Die Familie der Schlüsselberger wird als Gründer der ersten Kirche angesehen; sie hat auch das Zisterzienserinnenkloster in Schlüsselau gestiftet, das ebenfalls der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht ist.Walter Folger: Wallfahrtsstätten im Erzbistum Bamberg. Lebendige Tradition (=Schriften des Historischen Vereins Bd. 32), Bamberg 1994, S. 71.
1461 erhielt Gößweinstein seine Selbständigkeit. Zuvor war es in das Archidiakonat Hollfeld inkorporiert.Ludwig Helldorfer: Gößweinstein. Burg, Amt, Kirche, Gemeinde. Gößweinstein 1974, S. 435. Früh lässt sich bereits eine Förderung durch adlige Familien feststellen, etwa durch die von Groß zu Trockau.Walter Folger: Wallfahrtsstätten im Erzbistum Bamberg. Lebendige Tradition (=Schriften des Historischen Vereins Bd. 32), Bamberg 1994, S. 70 Die ersten Ablässe wurden der Kirche 1511 verliehen. Unter den mit Ablässen versehenen Tagen war damals noch nicht der spätere Hauptwallfahrtstag Trinitatis, der Sonntag nach Pfingsten.Bernhard Schemmel: Die Wallfahrt nach Gößweinstein. In: Geschichte am Obermain, 17, 1989, S. 105–125, hier S. 115.
Baugeschichte der heutigen Basilika Die mittelalterliche Kirche war dem Ansturm der Wallfahrer bald nicht mehr gewachsen. Man erweiterte sie bereits in den Jahren 1593 und 1594 um ca. drei Meter;Ludwig Helldorfer: Gößweinstein. Burg, Amt, Kirche, Gemeinde. Gößweinstein 1974, S. 167. diese Erweiterung war nicht ausreichend. „In der Kirche schien solches Gedränge geherrscht zu haben, dass etwa 1624 berichtet wird, die Pilger hätten den Taufstein umgestoßen, und 1719, dass die Geistlichen bei der Austeilung der Kommunion vor der Masse der Gläubigen ‚wegen der Enge bei den Altären‘ hätten zurückweichen müssen.“Ilona Mages: Barockkatholizismus im Hochstift Bamberg: Das Beispiel der Wallfahrt nach Gößweinstein. Magisterarbeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2008, S. 78. Um dem Platzmangel entgegenzuwirken, erbaute man 1630 die Marienkapelle, daneben eine offene Holzkapelle. Auch Beichtstühle und ein Predigtstuhl mussten im Freien aufgestellt werden.Ludwig Helldorfer: Gößweinstein. Burg, Amt, Kirche, Gemeinde. Gößweinstein 1974, S. 202 f.
Ein Neubau erschien dringend notwendig; 1683 kamen hoffnungweckende Signale vom Bamberger Bischof, die vermuten ließen, dass damit in Kürze begonnen werden konnte. Im selben Jahr stiftete Margaretha Gerstackerin aus Allersdorf „20 fl. zum Kirchenbau“. Der Bau begann nach langen Verhandlungen; am 3. Juni 1730 wurde der Grundstein gelegt.Ludwig Helldorfer: Gößweinstein. Burg, Amt, Kirche, Gemeinde. Gößweinstein 1974, S. 210. In den Jahrzehnten zuvor hatten die Gößweinsteiner Pfarrer immer wieder in Bamberg um eine Genehmigung für den Baubeginn ersucht. Besonders Pfarrer Dippolds Hartnäckigkeit war es zu verdanken, dass der Bau nicht weiter verzögert wurde. In einem Brief bat Dippold den baufreudigen Bamberger Bischof Lothar Franz von Schönborn, „der Fürste möge zu seinen weltlichen Prachtbauten auch einen herrlichen Tempel zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit bauen.“Ludwig Helldorfer: Gößweinstein. Burg, Amt, Kirche, Gemeinde. Gößweinstein 1974, S. 207 Es lagen Pläne von verschiedenen Baumeistern vor, darunter einer des Hofbaumeisters Leonhard Dientzenhofer von 1715, der einen zentralen Kuppelbau mit drei Türmen und neun Kapellen vorsah, eine Anlehnung an das Dreifaltigkeitspatrozinium.Alfred Schädler: Die Wallfahrtskirche Gößweinstein im Werk Balthasar Neumanns. In: Fränkisches Land 15 (1961). Dieser Plan wurde von der Obrigkeit als zu teuer abgelehnt.
Nach dem Tod Lothar Franz von Schönborns 1729 und der Wahl seines Neffen Friedrich Carl von Schönborn wurde der Auftrag dem berühmten Balthasar Neumann (1687–1753) erteilt, dessen Plan auch ausgeführt wurde. Zuerst wurde unter seiner Leitung gearbeitet, später unter der Leitung von Johann Jakob Michael Küchel, welcher seit 1735 Neumanns Mitarbeiter im fürstbischöflichen Bauamt im Hochstift Bamberg war. Bei der Weihe der Kirche 1739, die im Beisein des Fürstbischofs stattfand, war der Bau noch lange nicht beendet. Selbst Hochaltar und Kanzel waren noch nicht vollendet, die übrigen Altäre nicht einmal begonnen.
Die Arbeiten an der Ausstattung zogen sich bis nach 1769 hin (in diesem Jahr enden die Bauprotokolle von Pfarrer Adam Peter Vogl).Pfarrarchiv Gößweinstein: B61 und B62 Einen herben Rückschlag – zeitlich wie finanziell – bedeutete der verheerende Brand von 1746, der die Kirche, das Pfarrhaus, das Kirchnerhaus, das Schulhaus und etwa 60 Bürgerhäuser schwer beschädigte. Wegen der notwendigen Reparaturen musste die Kirchenausstattung zurückgestellt werden.Ilona Mages: Barockkatholizismus im Hochstift Bamberg: Das Beispiel der Wallfahrt nach Gößweinstein. Magisterarbeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2008, S. 81. Die Behebung der Brandschäden kostete die Pfarre Gößweinstein etwa 12.000 Gulden (fl.) – nicht einberechnet Pfarr-, Kirchner- und Schulhaus. Die Baukosten vor dem Brand hatten über 70.300 fl. betragen.Ilona Mages: Barockkatholizismus im Hochstift Bamberg: Das Beispiel der Wallfahrt nach Gößweinstein. Magisterarbeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2008, S. 83. Die Finanzierung stellte für die Kirche, die ehemals über ein großes Vermögen verfügt hatte, ein großes Problem dar. Pfarrer Vogl klagte 1748, das Gotteshaus „hat der Zeit keine 30 fl in baarschafft, und erfahre ich in der that schlimm sein zu bauen, wo kein geld ist.“zur Finanzierung des Baues: Ilona Mages: Barockkatholizismus im Hochstift Bamberg: Das Beispiel der Wallfahrt nach Gößweinstein. Magisterarbeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2008, S. 83–86.
Weiteres 1948 wurde die Kirche von Papst Pius XII. zur Basilica minor erhoben. Von 1999 bis 2005 fand eine Renovierung des barocken Innenraumes statt. Seit 2009 liegt die Basilika Gößweinstein an einem markierten Jakobsweg. Die Basilika ist als bayerisches Baudenkmal in der Liste der Baudenkmäler in Gößweinstein unter der Aktennummer D-4-74-129-2 gelistet. Vom ersten auf den zweiten Weihnachtsfeiertag (16 Uhr, 26.–27. Dezember) findet ein 24-stündiges Gebet in der Basilika statt. Anschließend werden in Gößweinstein und auf den Berghängen um den Ort zahlreiche FeuerMartin Droschke: Gößweinstein in der Fränkischen Schweiz verwandelt sich heute bei Anbruch der Dämmerung in einen übergroßen Weihnachtsbaum. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 26. Dezember. entzündet.
Ausstattung mini|Hochaltar der Basilika Gößweinstein Der Hochaltar mit dem Gnadenbild, das die Krönung Mariens darstellt, ist das Herzstück der Wallfahrtsbasilika. Er gilt als ein besonderes Meisterwerk barocker Altarbaukunst. Der Hochaltar, die Kanzel und die vorderen Seitenaltäre wurden zwischen 1740 und 1743 fertiggestellt. Diese innere Ausgestaltung erfolgte unter Leitung von Johann Michael Küchel. Der Hochaltar weist eine dreigeschossige, pyramidenförmige Geometrie auf, welche mit seinen Figuren und Ornamenten drei ineinandergefügte Dreiecke ergibt, die auf die Heilige Dreifaltigkeit, das Patrozinium der Kirche hinweisen. Neben dem Hochaltar hat die Basilika Gößweinstein acht Seitenaltäre: Marienaltar, Kreuzaltar, Josephaltar, Annaaltar, Kunigundenaltar, Johann-von-Nepomuk-Altar, Jungfrauenaltar und Sebastiansaltar.
Gnadenbild Die aus Lindenholz geschnitzte Figurengruppe, die wohl aus der Zeit um 1510 stammt, befand sich ursprünglich in der Wallfahrtskirche in Hüll bei Betzenstein. Dort diente das Schnitzwerk als Andachtsbild und wurde nach Einführung des Protestantismus verkauft. Man behielt jedoch die Hüller Gnadenmadonna, da die Wallfahrt auch nach der Reformation sehr einträglich war.Ludwig Helldorfer: Gößweinstein. Burg, Amt, Kirche, Gemeinde. Gößweinstein 1974, S. 248. Die Figurengruppe zeigt die Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit. Die drei Figuren von Maria, Gott Vater und Sohn sind fugenlos zusammengeschoben, was bei ihrer Renovierung im Jahr 1960 durch das Amt für Denkmalpflege zum Vorschein kam. Die Heilig-Geist-Taube wurde erst um 1600 hinzugefügt.Bernhard Schemmel: Die Wallfahrt nach Gößweinstein. In: Geschichte am Obermain, 17, 1989, S. 105–125, hier S. 116
mini|Das Gnadenbild ist Ziel unzähliger Wallfahrer aus nah und fern Bei der Legende, die sich um das Gnadenbild rankt, handelt es sich um eine Bildwanderungssage, die die Heiligkeit des Gnadenortes besonders betonen sollte. Als das Bild in der Reformationszeit aus dem etwa 15 km entfernten Ort Hüll bei Betzenstein entfernt wurde, soll es – der Legende nach – immer wieder vor fanatischen Bilderstürmern versteckt worden sein. So kam es über mehrere Etappen auf verschlungenen Wegen nach Gößweinstein. Von dort aus hätte es nach Bamberg gebracht werden sollen, doch das Gespann ließ sich auch mit vier vorgespannten Ochsen nicht bewegen, was man als Zeichen gedeutet habe, dass das Gnadenbild in Gößweinstein verehrt werden sollte.Ludwig Helldorfer: Gößweinstein. Burg, Amt, Kirche, Gemeinde. Gößweinstein 1974, 862 f. Auffallend ist an dieser Sage, dass damit die Auserwähltheit des Gnadenortes durch Gott betont werden sollte und auch, wie sie das Verhältnis zwischen Protestanten und Katholiken thematisiert. Sowohl das „Nicht-Fortschaffen-Können“ als auch die wundersame Rettung des Kultgegenstandes vor Andersgläubigen und die wunderbare, scheinbar unmögliche Ankunft des Bildes am Gnadenort sind häufige Topoi in den Entstehungslegenden von Wallfahrten.
Orgel mini|Blick auf die Basilikaorgel 1988 baute die Orgelbaufirma Mathis (Näfels, Schweiz) ein neues Orgelwerk in das vorhandene historische Barockgehäuse von 1754 ein. Das Instrument hat insgesamt 43 Register (3248 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal. Im linken Gehäuseteil befindet sich vorne das Hauptwerk, dahinter das mit romantischen Stimmen besetzte Schwellwerk. Im rechten Gehäuseteil ist das Pedal untergebracht. Zwischen den beiden mächtigen Pfeifentürmen befindet sich das barock disponierte Oberwerk. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.Nähere Informationen zur Das Vorgänger-Instrument, erbaut 1938 von Albert Moser mit 42 Registern konnte gerettet werden und befindet sich spielfähig im Orgelmuseum auf Schloss Valley. Aktuell (Oktober 2023) ist Georg Schäffner der zuständige Regionalkantor.