mini|Ehemaliges k.k. Landwehrministerium in Wien 1., Babenbergerstraße 5
Das k.k. Ministerium für Landesverteidigung (umgangssprachlich auch Landwehrministerium genannt) mit Sitz in Wien war eines von drei im Frieden formal unabhängig voneinander agierenden Streitkräfteministerien der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die anderen beiden Ministerien waren:
das k.u.k. Kriegsministerium mit Sitz in Wien – zuständig für das gemeinsame Heer und die Kriegsmarine das k.u. Honvédministerium mit Sitz in Budapest – zuständig für die königlich-ungarische Landwehr mit der angeschlossenen „croatisch-slawonischen Landwehr“.
Das Landwehrministerium wurde am 30. Dezember 1867 als k.k. Ministerium für Landesverteidigung und öffentliche Sicherheit eingesetzt, 1870 in k.k. Ministerium für Landesverteidigung umbenannt und bestand bis zum 11. November 1918.Walter Wagner: Die k.(u.)k. Armee - Gliederung und Aufgabenstellung. S. 417–418. Es war zuständig für Finanzierung, Organisation und Verwaltung der ab 1868 in der cisleithanischen Reichshälfte der Doppelmonarchie neben dem gemeinsamen Heer Österreich-Ungarns aufgestellten militärischen Verbände, die als kaiserlich-königliche Landwehr bezeichnet wurden. Die gesetzlichen Grundlagen dazu, vor allem das Budget und das Wehrgesetz, wurden auf Antrag des Ministeriums vom Reichsrat beschlossen und vom Kaiser sanktioniert (genehmigt).
Rahmenbedingungen Nach dem verlorenen Krieg mit Preußen (den Preußen begonnen hatte) war Kaiser Franz Joseph I. 1866 / 1867 gezwungen, dem seit der gescheiterten Sezession 1849 in passivem Widerstand verharrenden Königreich Ungarn mit dem so genannten österreichisch-ungarischen Ausgleich Teilsouveränität und Gleichberechtigung mit Österreich einzuräumen. Dazu musste das bis dahin einheitlich geführte Kaisertum Österreich (mit Ungarn als Teil) verfassungsrechtlich in die so genannte „Doppelmonarchie“ umgebaut werden.
Eine der Forderungen Ungarns war die nach eigenen Streitkräften. Der Kompromiss mit der Krone ergab das Recht beider Reichshälften, ab 1867 neben dem weiterhin bestehenden (gemeinsamen) Heer eigene Territorialstreitkräfte aufzustellen: In Transleithanien wurde die k.u. Landwehr (ungarisch: Királyi Honvédség, auch auf Deutsch im Kontrast zur österreichischen Landwehr oft als Honvéd bezeichnet) aufgebaut, in Cisleithanien ihr entsprechend die k.k. Landwehr.
Obwohl das gemeinsame Heer den Hauptteil der gesamten bewaffneten Macht bildete, gab es kein gemeinsames Wehrgesetz beider Reichshälften. Diese hatten sich 1867 Autonomie bei der Rekrutierung vorbehalten.
Budget Ab 1868 bestanden in Österreich-Ungarn drei de jure selbstständige Heereskörper nebeneinander, von denen jedoch das gemeinsame Heer als bei weitem größte Institution führend war. So wurden etwa im Jahr 1896 für das Heer 140,2 Mio., für die Landwehr 15,7 Mio. und für die Honvéd (1895) 14,7 Mio. Gulden budgetiert.Österreichisch-Ungarische Monarchie. Heerwesen und Kriegsmarine in: Meyers Konversations-Lexikon, 13. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1896, S. 302 f. Auf Grund der wesentlich geringeren Rekrutenzahl der Landwehr war diese jedoch budgetär nicht automatisch schlechter gestellt: Im Heeresbudget waren z. B. auch Kosten für Festungsbauten enthalten; die Landwehr konnte sich hingegen auf Ausbildung und Ausrüstung konzentrieren. Die fünf Regimenter der k.k. Gebirgstruppe waren bei Kriegsbeginn die am besten ausgebildeten und ausgerüsteten Truppenteile Österreich-Ungarns.
Lage Das k.k. Ministerium für Landesverteidigung befand sich in Wien, 1. Bezirk, in der Babenbergerstraße 5 in unmittelbarer Nähe zur Hofburg als Wohn- und Arbeitsort des Kaisers und zum Parlament.
Oberbefehlshaber
Den allerhöchsten Oberbefehl hatte bis Juli 1914 Kaiser Franz Joseph I. selbst inne; mit Kriegsbeginn ernannte er General der Infanterie Erzherzog Friedrich von Österreich-Teschen zum Armeeoberkommandanten, dem alle Landstreitkräfte Österreich-Ungarns unterstanden. Am 2. Dezember 1916 übernahm Karl I./IV. den ah. Oberbefehl selbst und behielt ihn bis zum Zerfall des gemeinsamen Heeres Anfang November 1918. Zur Verantwortung des Waffenstillstands vom 3. November und der Demobilisation vom 6. November berief der Kaiser am 3. November 1918 Arthur Arz von Straußenburg, am 4. November an dessen statt Hermann Kövess von Kövesshaza zum Armeeoberkommandanten.
Minister Der Minister wurde vom Kaiser im Einvernehmen mit dem ebenfalls von ihm ernannten k.k. Ministerpräsidenten ernannt und enthoben.
Landwehrminister (zum Vortrag beim Allerhöchsten Oberbefehl berechtigt) waren: Eduard Graf Taaffe, 30. Dezember 1867 – 15. Jänner 1870 (zugleich Stv. Ministerpräsident, ab 24. September 1868 k.k. Ministerpräsident des Bürgerministeriums) Ignaz von Plener, 15. Jänner – 1. Februar 1870, zugleich k.k. Ministerpräsident Feldmarschalleutnant Johann von Wagner, 1. Februar – 12. April 1870 Eduard Graf Taaffe, 12. April 1870 – 1871, zugleich k.k. Minister des Innern Generalmajor Heinrich Freiherr von Scholl, 6. Februar 1871 – 22. November 1871 Generalmajor Freiherr Julius von Horst, 1871 – 1880 Zeno Graf Welser von Welsersheimb, 1880 – 1905, 1882 Feldmarschallleutnant Feldzeugmeister Franz Schönaich, 1905 – 24. Oktober 1906 (an diesem Tag zum Reichskriegsminister ernannt)Tageszeitung Wiener Zeitung, Nr. 246, 26. Oktober 1906, S. 1. Julius Latscher von Lauendorf, 28. Oktober 1906 – 1. Dezember 1907 General der Infanterie Friedrich Freiherr von Georgi, 1. Dezember 1907 – 23. Juni 1917 General Karl Czapp Freiherr von Birkenstetten,Manfried Rauchensteiner: Der Tod des Doppeladlers. Sonderausgabe. Verlag Styria, Graz / Wien / Köln 1997, ISBN 3-222-12454-X, S. 580. 23. Juni 1917 – 27. Oktober 1918 Mit der Leitung betraut: Sektionschef Friedrich Freiherr Lehne von Lehnsheim, 27. Oktober – 11. November 1918Tageszeitung Wiener Zeitung, Nr. 248, Beilage Wiener Abendpost, 28. Oktober 1918, S. 1. (siehe Ministerium Lammasch)
Struktur des Ministeriums mini|Landwehrminister von Georgi als Generaloberst nach 1916
Die in der Folge dargestellte Gliederung bezieht sich auf den Stand vom Juli 1914 unmittelbar vor Beginn des Ersten Weltkriegs.
Das Ministerium setzte sich aus mehreren Sektionen zusammen, die in Departements (Abteilungen) und Bureaux (Büros) gegliedert waren. Die aktuelle Gliederung wurde im Schematismus der k.k. Landwehr und der k.k. Gendarmerie der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder publiziert, der jährlich in der k.k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien erschien.Schematismus, Wien 1906, in American Libraries / Internet Archive
Adjutanten: Personaladjutant: Oberleutnant Viktor Hurth Zur persönlichen Dienstleistung beim Minister: Oberstleutnant Heinrich Kutschera Ministerialsekretär Gaston Murad
Sektionschefs und Departements Feldmarschallleutnant Richard Schreyer Feldmarschalleutnant Karl Edler von Langer Sektionschef„Sektionschef“ war auch eine Rangbezeichnung der Militärbeamten. Er gehörte zu Rangklasse IV und entsprach dem Feldmarschalleutnant Karl Rädlhammer (ökonomische Sektion und Landwehrintendantur) Sektionschef Karl Graf Messey de Bielle Sektionschef Alfred Freiherr Bibra von Gleicherwiesen Sektionschef Otto Stöger Edler von Marenpach
Präsidialbureau Oberst des Generalstabskorps Stephan Majewski Personalangelegenheiten der Generale, aller Stabsoffiziere und Stabsoffiziersaspiranten, Preßangelegenheitenmit Preßangelegenheiten ist Druckwerk gemeint, Verordnungsblatt und Schematismen
Präsidialhilfsamt Vorstand: Oberst Eduard Hofer
I. II. III. Departement I Vorstand: Oberstleutnant Emil Rosmus Personalangelegenheiten aller Oberoffiziere und Fähnrich/Kadetten, Führen der Qualifikationslisten
Departement II Vorstand: Oberst des Generalstabskorps Richard Jellenchich Organisation, Waffenübungen, Kurse, sonstige Generalstabsangelegenheiten
Departement III Vorstand: Oberst Artur Nikolits Waffen-, Munitions- und Pferdewesen, Truppentrain
Departement IV Vorstand: Oberstauditor Alois Grňa Heiratskautionsangelegenheiten
Departement V Vorstand: Generalauditor Robert Ružiczka (Chef des k.k. Offizierskorps für den Justizdienst) Landwehrjustizwesen
Departement VI Vorstand: General-Oberstabsarzt Andreas Thurnwald (Chef des Landwehrärztlichen Offizierskorps) Landwehrsanitätswesen, Personalangelegenheiten der Ärzte und Medikamentenbeamten
Departement VII Vorstand: Oberst Oskar Preissler Schulwesen der Mannschaft
Departement VIII Vorstand: vakant SchlagfertigkeitEinsatzbereitschaft, Dienstbücher Departement IX Vorstand: Oberstleutnant Ludwig Maurer Landsturm
Departement X Vorstand: Landwehr-Oberintendant 1. Klasse Michael Schmidl Gebührenwesen
Departement X a Vorstand: Landwehr-Oberintendant 1. Klasse Karl Purschke Versorgung
Departement X b Vorstand: Landwehr-Oberintendant 1. Klasse Karl Ritter von Künell auf Nedamow Budget
Departement XI Vorstand: Generalintendant Ignaz Halbmayr Einquartierung
Departement XII Vorstand: Landwehr-Oberintendant 1. Klasse Josef Hermann Bekleidung und Ausrüstung
Departement XIII Vorstand: SektionsratRangklasse VI wie Oberst Emil Kralowsky Stiftungen, Zertifikate und Kanzleidirektion
Departement XIV Vorstand: Ministerialrat Friedrich Freiherr Lehne von Lehnsheim Wehrgesetzangelegenheiten Departement XV a Vorstand: Ministerialrat Karl Sweceny Wehrgesetzangelegenheiten allgemeiner Natur
Departement XV b Vorstand: Sektionsrat Moritz Freiherr von Streit Wehrgesetzangelegenheiten spezieller Natur
Departement XVI Vorstand: Ministerialrat Ladislaus Ritter von Podczaski Militäreinquartierung
Departement XVII Vorstand: Sektionsrat Oskar Graf Ségur-Cabanac Vorspann und Pferde
Departement XVIII Vorstand: Ministerialrat Karl Mathis Angelegenheiten des k.k. österreichischen KriegerkorpsVeteranen
Departement XIX Vorstand: Sektionsrat Eugen Ruff Gendarmerie, politische Angelegenheiten
Departement XX Vorstand: Generalmajor Johann Herold von Stoda Gendarmerie, militärische Angelegenheiten
Ministerialrechnungsdepartement Vorstand: Ministerialrat Anton Parzer
Landwehr-Fachrechnungsdepartement Vorstand: Landwehrministerialrat Edmund Zboržil
Gendarmerie-Fachrechnungsdepartement Vorstand: Rechnungsdirektor Jakob Drux
Hilfsämterdirektion Oberdirektor Franz Svoboda
Nachgestellte Institutionen Landwehrgerichtsbehörden Oberster Landwehrgerichtshof k.k. Generalmilitäranwalt Landwehrdivisionsgerichte Landwehrbrigadegerichte
Landwehroberkommando Wien 1. Bez. Schillerplatz 4 (Im Frieden nicht aufgestellt)
Landwehrterritorialkommanden Militärkommanden in: Krakau: (Westgalizien, Schlesien, Nordmähren) Wien: (Niederösterreich und Südmähren) Graz: (Steiermark, Kärnten, Krain, Triest, Görz, Gradiska) Prag: Böhmen Leitmeritz: Böhmen Przemyśl: Mittelgalizien Lemberg: Ostgalizien und Bukowina Innsbruck: (Tirol, Vorarlberg, Oberösterreich, Herzogtum Salzburg) Ragusa: Dalmatien
k.k. Gendarmerie Die k.k. Gendarmerie wurde 1849 als militärischer Wachkörper für zivile Sicherheit gegründet. Ab 1869 wurde sie in den Großstädten Cisleithaniens, da den Gendarmen polizeiliche Ausbildung zumeist fehlte und oft Sprachbarrieren auftraten, durch die nicht militärische, bald dem Innenminister unterstehende k.k. Sicherheitswache ersetzt; in den ländlichen Gegenden Österreichs blieb die spätere Bundesgendarmerie bis 2005 erhalten. K.k. Landesgendarmeriekommandos bestanden in Wien, Prag, Innsbruck, Brünn, Lemberg, Graz, Triest, Linz, Zara, Troppau, Salzburg, Laibach, Czernowitz und Klagenfurt.