mini|Stich der Rantzau-Tafel von Frans Hogenberg

Die Rantzau-Tafel (Dänisch: Den Rantzau’ske Tavle) ist ein für Heinrich Rantzau angefertigter Stammbaum der Familie Rantzau. Die Tafel wurde um 1590 auf Kupfer gemalt und befindet sich gegenwärtig im Familienbesitz auf Gut Krengerup auf der dänischen Insel Fünen. Als Maler wird Daniel Frese angenommen. Ihm wird auch der Entwurf für den Kupferstich zugeschrieben, den Heinrich Rantzau von Frans Hogenberg in Köln anfertigen ließ.

Im Zentrum der Stammtafel steht ein Stammbaum, der die verschiedenen Linien der weitverzweigten Rantzaus zeigt, die als Equites Originarii zu den uradeligen Familien in den Herzogtümern Schleswig und Holstein zählten. Der Hintergrund ist mit Schlachten und Ereignissen der Familiengeschichte auf einer Landkarte der Herzogtümer und des Königreichs Dänemark gefüllt. Historisch-genealogische und kunsthistorische Aufmerksamkeit hat die Tafel vor allem durch ihre Randleiste erhalten, auf der fast fünfzig Burgen und Herrenhäuser auf Rantzauer Gütern in ihrem Zustand um 1580/90 dargestellt sind.

Gemälde und Drucke dienten dazu, die Bedeutung des Rantzau-Geschlechts, vor allem aber Heinrich Rantzaus, herauszustellen. So wird das Alter des Geschlechts und seine angeblich hochadlige Abstammung ebenso betont wie die Zahl der Güter und die im Dienst dreier dänischer Könige vollbrachten Leistungen.

Beschreibung Gemäldetafel Die in Öl auf zwei zusammengefügte Kupfertafeln gemalte Tafel hat die Ausmaße von 78 × 54 cm und ist mit einem 7,5 cm breiten Rahmen aus Eichenholz umgeben. Zwischen den Profilleisten des Rahmens befinden sich an den Längsseiten und der Oberkante fünfzig 4 × 4 cm große Darstellungen von Gutshäusern, während die untere Kante freigelassen wurde.Wilhelm Lorenzen: Rantzauske borge og herresaeder i 16. aarhundrede efter den rantzauske tavle: bidrag til nordisk arkitekturs historie. Kopenhagen 1912, S. 3. Anhand des Briefwechsels des Statthalters und der Angaben im Stammbaum geht Oliver Auge davon aus, dass die Tafel nach 1591 entstand und nach dem Vorbild des Kupferstichs gemalt wurde.

Das Gemälde ist nicht signiert, es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass es von Daniel Frese gemalt wurde, der über seinen Förderer, den Statthalter Heinrich Rantzau, im Kontakt zu den Künstlern und Wissenschaftlern seiner Zeit stand. So verwendete er beispielsweise für seine Karte von Hamburg von 1590 wie auch für den Plan im Hintergrund des Stammbaums die damals moderne Ansicht aus der Vogelperspektive. In Rantzaus Auftrag fertigte er die Vorlagen der Ansichten norddeutscher Städte für den vierten Band der Civitates Orbis Terrarum von Hogenberg und Braun und erstellte auch 1589 ein Porträt des Statthalters, das die Büste des damals 63-Jährigen im Harnisch umgeben von den Wappen seiner Vorfahren zeigt.

Die Gemäldetafel befindet sich auf Gut Krengerup. Dieses Gut ist im Familienbesitz, seit Christian Rantzau (1684–1771) es 1770 erwarb. Als Urenkel von Heinrich Rantzau über dessen ältesten Sohn Franz war er vermutlich im Besitz der Tafel.

Kupferstich Der vermutlich auf Freses Entwurf zurückgehende Kupferstich von Hogenberg mit dem lateinischen Titel Arbor genealogica nobilis ac vetustae familiae Ranzoviorum (Stammbaum der adligen und alten Familie Rantzau) ist MDLXXXVI = 1586 datiert, enthält aber noch Ereignisse des Jahres 1587. Er erschien in der ersten Auflage von Hieronymus Henninges’ Genealogiae aliquot nobilium in Saxonia von 1587. Ein aktualisierter, aber ebenfalls auf 1586 datierter Druck mit der Größe 383 × 523 mm erfolgte 1590 in der zweiten Auflage von Henninges’ nunmehr Genealogiae aliquot familiarum in Saxonia betitelten Genealogie. Dieser enthält mit 140 Namensschildern neunzehn mehr als der Stammbaum des älteren Drucks und einen weniger als das Gemälde.

Stammbaum Das Geschlecht der Rantzau war im 16. Jahrhundert das mächtigste und größte Adelsgeschlecht in Schleswig-Holstein mit 118 lebenden männlichen Vertretern und 71 Gütern, wie Heinrich Rantzau 1597 in seiner Beschreibung der Kimbrischen Halbinsel festhielt.

Mit der Ausarbeitung seines Stammbaumes, der die ritterschaftliche Familie Rantzau auf hochadlige Vorfahren zurückführt, hatte Heinrich Rantzau den bekannten Historiographen und Genealogen Petrus Albinus beauftragt. Dieser konstruierte mit Berufung auf die Annalen des Klosters Buch bei Leisnig eine Abstammung des Geschlechts der Rantzaus von dem 1124 verstorbenen „Vypert II. March: Lusatiæ“, wie er es auch in seiner 1590 veröffentlichten Meißnischen Land- und Berg-Chronica darstellte. Auf der Rantzau-Tafel sind Albinus’ Chronica sowie die Buch’schen Annalen in einer Kartusche am linken Rand der Tafel als Quellen angegeben. Trotz angegebener Quellen ist die Herleitung des Rantzau-Geschlechts von den hochadligen Vorfahren erfunden: Wiprechts Sohn Heinrich, laut Albinus Vater des ersten, 1143 erwähnten Leisniger Burggrafen Heinrich, des dritten im Rantzauschen Stammbaum, hatte keine Nachkommen hinterlassen. Dem historisch verbürgten Burggrafen Heinrich, dessen Eltern nicht bekannt sind, folgt an vierter Stelle ein Otto, der angeblich ebenfalls Burggraf von Leisnig gewesen sei. Er soll 1186 zusammen mit Graf Adolf III. von Schauenburg das Kloster Reinfeld gegründet haben und auch der Begründer des Stammguts Rantzau gewesen sein. Dieser Otto ist allerdings nirgends belegt. Das Kloster Reinfeld wurde 1582 säkularisiert und wenig später abgerissen. Im Codex diplomaticus monasterii Buch, der mit der Gründungsurkunde von 1192 – und damit sechs Jahre nach Ottos angeblicher Beteiligung an der Klostergründung in Reinfeld – beginnenden Urkundensammlung des Klosters Buch, findet sich jedenfalls weder Hinweis auf ihn noch auf die Abstammung der Leisniger Burggrafen von dem Lausitzer Markgrafen Wiprecht. Als einzigen Beleg für diese konstruierte Abstammung gab Albinus das schlichte, rot-silber gespaltene Wappen an, das sowohl Wiprecht als auch die Leisniger Burggrafen führten.

Der erste urkundlich belegte Rantzau, der 1236 von dem Holsteiner Grafen Adolf IV. zum Ritter geschlagene Johann Rantzau, soll ein Sohn jenes Otto gewesen sein.Henning von Rumohr: Schlösser und Herrenhäuser in Ostholstein. 1. Auflage, Verlag Weidlich, Frankfurt am Main 1973, S. 154 f. ISBN 3-8035-1169-0. Dieser erscheint hier als Nebenlinie, während sein ansonsten nicht bezeugter Bruder, der Ritter Scalco, zum Stammvater des breit aufgefächerten Stammbaums wird. Die neuere Forschung geht dagegen davon, dass Johann der Stammvater des nach dem Gut benannten Geschlechts war.

Über die Gestaltung des Stammbaumes korrespondierte Heinrich Rantzau mit Georg Braun. Zeichner des Stammbaumes war der Florentiner Gelehrte Scipione Ammirato, der zusammen mit Hogenberg auch in der Überschrift auf dem Kupferstich genannt ist. Ungefähr in der Mitte des Stammes befindet sich das rot-weiße Rantzau-Wappen zusammen mit dem Hinweis, dass es bereits 1186 direkt neben dem Wappen des Grafen Adolf III. von Schauenburg im Kloster Reinfeld angebracht worden sei und seine Schlichtheit auf sein hohes Alter verweise.

Die Namen stehen in mit Blättern versehenen Kreisen, die nach Generationen in mehreren Bögen übereinander gleichmäßig angeordnet sind. Hier wie auch in den übrigen Texten der Tafel sind die lateinischen Namensformen verwendet, beispielsweise „Hinricus“/„Henricus“ statt Heinrich und „Wolfgangus“ statt Wulf; sogar Hans ist zu „Hansius“ latinisiert. Väter und Kinder sind mit Ästen miteinander verbunden, auf denen einzelne Vögel sitzen. Einige Kreise enthalten die Namen mehrerer Brüder, trotzdem sind in den bis zu 141 Kreisen nicht alle in der Beschreibung der Kimbrischen Halbinsel erwähnten 118 lebenden männlichen Rantzaus enthalten. Den meisten Personen sind Lebensdaten, Besitztümer und/oder Amtsbezeichnungen beigegeben, von anderen wusste Heinrich Rantzau wohl nur die Namen, bei manchen nicht einmal den. Besonders herausgehobene Persönlichkeiten sind mit Symbolen versehen, die in den beiden Kästen links und rechts oben erläutert werden. So ist Daniel Rantzau als Heerführer mit einem Feldherrenstab gekennzeichnet, der gleichnamige Fähnleinführer mit einer Fahne und der Bischof Balthasar Rantzau mit einer Mitra. Heinrich Rantzau selbst befindet sich – gekennzeichnet durch die Kette des Elefanten-Ordens – neben seinem verstorbenen Bruder Paul (1527–1579) am rechten Rand. Zu den wenigen weiblichen Personen, deren Namen sich im Stammbaum befinden, gehört seine Tante Catharina Rantzau (1483–1564), die bis 1547 letzte katholische Äbtissin im Kloster Itzehoe.

Die jüngsten eingetragenen Personen auf dem älteren Stich sind Heinrich Rantzaus älteste Enkel, der Sohn Erich (1585–1627) seines ältesten Sohnes Frantz (1555–1612) und Elisabetha Sophia (1587–1652), das älteste Kind seines zweiten Sohnes Breide (1556–1618). Ein dritter Enkel, Frantz’ 1590 geborener Sohn Friedrich († 1647), findet sich erst auf den später gedruckten Exemplaren.Der Kreis mit seinem Namen ist auf dem Exemplar der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek ergänzt, auf dem in der Kieler Landesbibliothek aufbewahrten Exemplar fehlt er dagegen. Breides 1591 geborener Sohn Caj († 1623) ist nur auf der Gemäldetafel verzeichnet. Zwei Töchter, die Franz und Breide in der Zwischenzeit geboren wurden,Dazu siehe: sind dagegen nicht im Stammbaum aufgenommen. Das große Kreuz, in dem die Ermordung des in französischen Diensten stehenden Sohnes Friedrich 1587 in beiden Hogenberg-Stichen über seinem Namen beschrieben ist, fehlt auf dem Gemälde.

Die Inschrift in der Kartusche am rechten unteren Rand verweist darauf, dass nicht alle bekannten Rantzaus im Stammbaum aufgeführt sind, und nennt einige aus Urkunden bekannte Vertreter der Familie aus dem 14. Jahrhundert, die offensichtlich nicht in die Stammlinie eingeordnet werden konnten.

Monumente und Taten der Rantzau mini|Die Belagerung Lübecks und die Hinrichtung des hier als „Meierus Consul Lubecen“ bezeichneten Marx Meyer; rechts die Kartusche mit Namen von Rantzaus, die nicht in den Stammbaum eingeordnet werden konnten Den Hintergrund bildet eine aus der Vogelperspektive dargestellte verzerrte Landkarte von Schleswig-Holstein, Dänemark und Schonen im Süden des heutigen Schweden. Auf der unteren Hälfte der Tafel sind Szenen und Gegenstände dargestellt, die eine besondere Bedeutung für die Familie Rantzau und besonders für Heinrich Rantzau selbst hatten. Ortsnamen sind nur dort angegeben, wo für die Familiengeschichte bedeutende Ereignisse stattfanden.