Picco ist ein deutscher Kinofilm aus dem Jahr 2010. Regie führte Philip Koch, der auch das Drehbuch verfasste. Koch greift darin den Foltermord in der Justizvollzugsanstalt Siegburg im Herbst 2006 auf.DDP: «Schwerkraft» räumt ab. 24. Januar 2010. (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft)
Handlung Als Neuling (Picco) kommt Kevin in eine Zelle mit drei anderen Jugendlichen. Während Tommy ähnlich passiv wie er selbst ist und kaum eingreift, bekommt er durch Marc und Andy von Anfang an Gewalt und Erniedrigung zu spüren. Er will sich zu Beginn noch nicht anpassen und glaubt an „das Gute im Menschen“. Die Mithäftlinge, insbesondere Tommy, machen ihm jedoch langsam klar, dass er seine Haftzeit so nicht durchstehen wird, sondern dass er sich dem System anpassen muss, um aus der Opferrolle herauszukommen.
Als durch einen Zufall herauskommt, dass Juli, ein Insasse, mit dem er sich kurz zuvor angefreundet hat, auf einem „Schwulenstrich“ verhaftet wurde, wird dieser von den anderen Häftlingen nun regelmäßig verbal gedemütigt und schlussendlich sogar vergewaltigt, wobei Tommy und Kevin Zeuge sind, jedoch aus Angst vor eigenen Schikanen wegsehen. Nachdem Juli die ständigen Peinigungen nicht mehr erträgt, begeht er schließlich Selbstmord. Darauf kommt es zum Streit zwischen Tommy und Kevin, da Kevin an Tommys Gewissen appelliert, dieser Gedanken an Schuld jedoch nicht zulassen möchte („Jeder ist für sich selber verantwortlich“). Als Kevin nun wieder einmal selbst gedemütigt werden soll, ergreift er die Chance, die Demütigung auf seinen Zellenkameraden Tommy zu lenken und so seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Während er selbst vorerst nur als Zuschauer auftritt, legt er sich später selbst mit Tommy an. Die Gewaltspirale um Tommy steigert sich. Schließlich beschließen Marc und Andy, sie würden gerne seinen Selbstmord sehen. Während die beiden ihn dazu immer weiter drängen und seelisch wie körperlich fertig machen, versucht Kevin anfangs, dies zu verhindern oder sich zumindest herauszuhalten. Als Tommy nicht freiwillig Suizid begeht, verlangen Marc und Andy von Kevin, ihn umzubringen. Nachdem Kevin sich widersetzt, üben die beiden starken psychischen Druck auf ihn aus („er oder du“). Schließlich bricht er seine Prinzipien und bringt einen inszenierten Selbstmord zu Ende.
Die Schlussszene zeigt Kevin, Marc und Andy in ihrer Zelle, wo sie sich, offensichtlich alle drei vom schlechten Gewissen geplagt, über die Zukunft unterhalten.
Rezeption Der Film sorgte bei seiner Uraufführung auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis 2010 wegen seiner Gewaltdarstellung für einen Eklat, wurde aber dennoch mit dem zweiten Hauptpreis des Festivals (Filmpreis des Saarländischen Ministerpräsidenten) ausgezeichnet. Wenige Monate später erhielt Picco eine Einladung in die Reihe Quinzaine des réalisateurs der 63. Filmfestspiele von Cannes.
Kritiken
Auszeichnungen 2011: New Faces Award 2011 (Bester Debütfilm) 2010: Prädikat: Besonders Wertvoll (Filmbewertungsstelle Wiesbaden) 2010: Nominierung für den First Steps Award (Bester Film, Beste Kamera) 2010: Fünf Seen Filmpreis – Silberne Schale 2010: Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke (Nachwuchspreis) 2010: Nominierung für den Nachwuchspreis Caméra d’Or bei den 63. Filmfestspielen von Cannes 2010: Preis des Saarländischen Ministerpräsidenten beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2010: Gewinn des German Independence Award – Bester deutscher Film beim Internationalen Filmfest Oldenburg
Weblinks
(mit Trailer und Fotogalerie) Profil bei philip-koch.eu Gutachten der Deutschen Film- und Medienbewertung Wissenschaftliche Kritik auf KinderundJugendmedien.de
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmtitel 2010 Kategorie:Filmdrama Kategorie:Gefängnisfilm Kategorie:Suizid im Film