Wilhelm Nordemann (* 8. Januar 1934 in Halle (Saale); † 5. Januar 2024 in Potsdam) war ein deutscher Rechtsanwalt, Notar und Honorarprofessor für Urheberrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Leben Nordemann war der Sohn von Marianne Nordemann, geborener Karsch, und des promovierten Landwirtschaftslehrers und Oberregierungsrats Wilhelm Nordemann. Er besuchte das Artland-Gymnasium Quakenbrück und erhielt 1954 das Abitur. Danach studierte er Rechtswissenschaft an den Universitäten Göttingen und Tübingen. Das erste Staatsexamen bestand er 1958 in Celle, das zweite 1973 in Berlin. In Göttingen wurde er 1960 zum Dr. jur. promoviert. Zu Beginn seines Studiums wurde er wie sein Vater Mitglied der Burschenschaft Frisia Göttingen in der DB, seit 2003 Corps Frisia Göttingen im WSC. Er war er zeitweilig Vorsitzender des AltherrenverbandesGeorge Turner (Hrsg.): Frisia Gottingensis 1956–2011. Heide 2011, S. 276. und als Rettungsschwimmer aktiv.

1963 trat er als Rechtsanwalt in die Kanzlei von Friedrich Karl Fromm in Berlin ein und spezialisierte sich auf das Recht des geistigen Eigentums.Der Lebenslauf beruht maßgeblich auf: Boehmert & Boehmert: , Stand Juni 2012. Zudem war er als Notar tätig.

Seit 1969 hielt Nordemann Vorlesungen an der Freien Universität Berlin. Nach der Wiedervereinigung wurde er 1972 Honorarprofessor für Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.

Er war Mitglied der Sachverständigenkommission Urheberrecht beim Bundesminister der Justiz. Am 2002 in Kraft getretenen neuen Urhebervertragsrecht hat er als Mitverfasser des Professorenentwurfs mitgewirkt. Nordemann war Gründungsmitglied der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst (VG Bild-Kunst), des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) und der Berliner Theatergemeinde. Für den Verband der Schriftsteller war er im Verwaltungsrat der Verwertungsgesellschaft Wort tätig und für den Deutschen Komponistenverband in den Aufsichtsgremien der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA). Er war außerdem Justiziar der Dramatiker-Union, des Komponisten-Verbandes, der VG Bild-Kunst sowie des Deutschen Lehrmittelverbandes (jetzt: Didacta Verband).

mini|hochkant=0.5|Grabstätte auf dem Bornstedter Friedhof Im Höhepunkt der Krise zwischen den Berliner Philharmonikern und Herbert von Karajan vermittelte Nordemann als Justiziar der Berliner Philharmoniker.Ulrich Loewenheim: Urheberrecht im Informationszeitalter: Festschrift für Wilhelm Nordemann zum 70. Geburtstag am 8. Januar 2004. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51683-1. Viele Jahre war Nordemann Mitglied im Comité Exécutif der Association Littéraire et Artistique Internationale (ALAI). Außerdem war er Mitglied in den Fachausschüssen für Urheber- und Verlagsrecht sowie für Wettbewerbs- und Markenrecht in der Deutschen Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht (GRUR). Von 1991 bis 2018 war er als Rechtsanwalt und Partner bei Boehmert & Boehmert tätig. Ab 2018 war er nicht mehr als Rechtsanwalt tätig.Deutscher Komponistenverband, Zeitschrift „Informationen“, Ausgabe Nr. 72. 2006. Spiegel Online bezeichnet ihn gar als „Urheberrechts-Papst“. Seine Spezialbereiche waren Urheberrecht, Urhebervertragsrecht und Wettbewerbsrecht. Seine Tochter Anke Nordemann-Schiffel sowie seine Söhne Axel und Jan Bernd Nordemann sind in der Kanzlei Nordemann tätig, die sich zum 1. Januar 2020 von der Kanzlei Boehmert & Boehmert abgespalten hat und sich aus der früheren Kanzlei Wilhelm Nordemann bildet.Best Lawyers International 2009: http://www.bestlawyers.com/

Nordemann wurde mit der „Medaille für besondere Verdienste um die deutsche Musik“ des Deutschen Komponistenverbandes und der „Goldenen Nadel“ der Dramatiker-Union ausgezeichnet.

Wilhelm Nordemann war evangelisch, ab 1962 verheiratet mit Helga Nordemann, geborener Eckhorn. Er hatte fünf Kinder: Axel, Jan-Bernd, Anke, Wiebke und Hans-Joachim. Er starb drei Tage vor seinem 90. Geburtstag in PotsdamLena Schneider: Theaterfreund: Wilhelm Nordemann ist tot. In: tagesspiegel.de, 12. Januar 2024, abgerufen am 12. Januar 2024. und wurde auf dem dortigen Bornstedter Friedhof beigesetzt.

Schriften als Hrsg.: Kommentar zum Urheberrechtsgesetz, zum Verlagsgesetz und zum Urheberrechtswahrnehmungsgesetz. 10. Auflage. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-019771-8. mit Axel Nordemann und Jan Bernd Nordemann: Wettbewerbs- und Markenrecht. 10. Auflage. Nomos Verlag, Baden-Baden 2004, ISBN 3-8329-0919-2. Das neue Urhebervertragsrecht: ein Grundriss zur Reform 2002. Beck, München 2002, ISBN 3-406-49503-6. mit Kai Vinck, Paul W. Hertin und Gerald Mayer: International Copyright. VHC, Weinheim 1990, ISBN 0-89573-412-5. Kommentar zum Internationalen Urheberrecht. 1977. mit Georg Roeber: Das neue US Copyright Law. Schweitzer, Berlin 1978, ISBN 3-8059-0527-0. Die Reichweite der Grundrechtsgarantie. 1960.

Literatur Nordemann, Wilhelm. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 903–904.

Weblinks

Boehmert & Boehmert: Prof. Dr. jur. Wilhelm Nordemann. Klaus Büstrin: Gerechtigkeit für Künstler und ihre Werke. In: Potsdamer Neueste Nachrichten. 8. Januar 2004.

Einzelnachweise

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