mini|Norbert Hauners Geburtshaus (rechts unten) am Stampflberg bei Au am Inn, 1905 mini|hochkant|Norbert Hauners berühmteste Komposition Tauet, Himmel, den Gerechten, Erstdruck 1777 hochkant=0.6|rahmenlos mini|hochkant|Bekanntes Kirchenlied von Norbert Hauner: Sieh, Vater, von dem höchsten Throne Norbert Hauner (* 14. Februar 1743 in Au am Inn, heute ein Ortsteil von Gars am Inn, Oberbayern; † 24. Juli 1827 in Frauenchiemsee) war Augustiner-Chorherr, letzter Dekan des Stifts Herrenchiemsee und ein Kirchenkomponist, dessen Melodien noch heute verbreitet sind.
Leben Norbert Hauner war Wirtssohn im Berggasthaus Stampfl beim Kloster Au am Inn. Die Gaststätte existiert als Neubau noch; an der nahen Stelle des ursprünglichen Gebäudes markiert heute ein Gedenkkreuz den Geburtsplatz des Komponisten.
Er trat als Augustiner-Chorherr in das Stift Herrenchiemsee ein, wo er 1764 die Ordensgelübde ablegte; 1768 empfing er in Salzburg die Priesterweihe. Auf der Herreninsel wirkte Norbert Hauner als Priester und Kirchenmusiker. Er war Chorregent und Leiter des Seminars, ab 1782 Pfarrer an der Klosterkirche, wobei er auch auswärtige Pfarreien wie Gollenshausen und Prien zu pastorieren hatte. 1797 avancierte Hauner zum Dekan, also zum Oberhaupt der Ordensgemeinschaft. 1803 erlebte er die Säkularisation und Aufhebung des Klosters Herrenchiemsee.
Danach siedelte er auf die Nachbarinsel Frauenchiemsee über. Dort amtierte Norbert Hauner bis zu seinem Tod als Spiritual und Beichtvater der dortigen Benediktinerinnen von Frauenwörth, sowie als Expositus (Hilfspfarrer) für die örtliche Dorfgemeinde, wobei er über die Abhängigkeit von der Pfarrgemeinde Breitbrunn und wegen seines geringen Auskommens nicht ganz zufrieden war. 1818 feierte er dort sein goldenes Weihejubiläum.
Das Buch: Beyträge zur Geschichte, Topographie und Statistik des Erzbistums München und Freising von Martin Deutinger, München 1850, hält dazu fest:
mini|hochkant|Gedenkstein Norbert Hauner, Friedhof Fraueninsel Hauner starb in Frauenchiemsee und wurde auf dem dortigen Friedhof begraben. 2007, zum 180. Todestag, widmete man ihm dort eine Gedenktafel. Das Grab des Priesters ist nicht mehr vorhanden.
Wirken als Komponist Norbert Hauner war sehr musikalisch und wirkte sowohl in Herrenchiemsee als auch auf der Fraueninsel kompositorisch. Bereits zu Lebzeiten erlangte er diesbezüglich Bekanntheit. Der Dichter Franz Seraph von Kohlbrenner ließ um 1775 diverse seiner deutschen Kirchenlieder von ihm vertonen, die 1777 im sogenannten Landshuter Gesangbuch veröffentlicht wurden. Es handelt sich um etwa 50 kurze Lied-Kompositionen Hauners.Karl Eder: Viele der Hauner-Melodien wurden förmlich zum Volksgut, die noch heute einen festen Platz im Kirchenliedrepertoire besitzen. Auch in den meisten Diözesan-Regionalteilen des Einheitsgesangbuches Gotteslob finden sich derzeit noch zahlreiche Lieder von Norbert Hauner aus Kohlbrenners Landshuter Gesangbuch. Am bekanntesten davon ist wohl der Adventsgesang Tauet, Himmel, den Gerechten, der bei Katholiken in Deutschland als ein Synonym für die Adventszeit gilt. Papst Pius VI. zollte 1782 bei seinem Besuch in München den Liedern des Landshuter Gesangbuches ausdrücklich Lob und Anerkennung; er empfahl ihre weite Verbreitung.
In späteren Ausgaben des Kohlbrenner-Gesangbuches überarbeitete der Salzburger Komponist Michael Haydn die Hauner-Melodien bzw. er änderte sie teilweise leicht ab und erschien dann im Druckwerk als Schöpfer der Musik. Die meisten Kohlbrenner-Dichtungen, die als Komponisten Michael Haydn vermerken, sind jedoch ursprünglich Tonschöpfungen von Norbert Hauner. Er wird als sehr zurückhaltend und bescheiden charakterisiert, was dazu beitrug, dass er mehr und mehr in Vergessenheit geriet bzw. sein Werk anonym oder unter anderem Namen firmierte.
Im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert verunglimpfte man die deutschen Kirchenlieder Kohlbrenners und Hauners oftmals als unkatholisch-aufklärerisch. Nach der Liturgiereform von 1968 geschah das Gegenteil und man betrachtete sie als überholte, romantisch-süßliche Überbleibsel einer untergegangenen kirchlichen Epoche. Dennoch ist ihre volkstümliche Beliebtheit über alle Zeitmoden hinweg ungebrochen geblieben, da Dichtung und Melodie hier eine Symbiose bilden und letztlich im ungekünstelten Volksempfinden wurzeln. Früher hatten sie den Vorzug, die ausschließlich lateinischen Choralgesänge durch innige deutsche Lieder zu ergänzen.
Der Kirchenmusiker Martin Kebinger aus Gars urteilte 2007 über Norbert Hauner, er gehöre „wohl zu den bedeutendsten Kirchenliedkomponisten deutscher Sprache, dessen Werk nicht hoch genug für die Entwicklung des deutschen Kirchengesangs einzuschätzen ist“. Überdies sei von dem kompositorischen Werk „noch viel auszugraben“. Ein großer Teil von Hauner-Kompositionen liegt mehr oder weniger ungesichtet im Archiv des Klosters Frauenchiemsee.Bericht zur Feier des 180. Todestages Norbert Hauners auf FrauenchiemseeBericht zur Feier des 180. Todestages Norbert Hauners, im Geburtsort Au am Inn
Neben den deutschen Schöpfungen wie Tauet, Himmel, den Gerechten, Das Grab ist leer, der Held erwacht, Sieh Vater von dem höchsten Throne, Hier liegt vor Deiner Majestät etc. komponierte Norbert Hauner auch andere Sakralwerke. Dazu zählen eine Benedictus-Litanei, sowie mehrere lateinische Messen, wie etwa die Missa in C, die auf Herrenchiemsee entstand und in der musikalischen Tradition von Michael Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart steht. Sie wurde inzwischen auf CD eingespielt.
Literatur Robert Münster: „Thauet, Himmel den Gerechten …“ In: Sänger- und Musikantenzeitung. 8, 1965, H. 6, S. 111–117. Robert Münster: Herrenchiemsee und die Musik. In: Walter Brugger (Hrsg.): Herrenchiemsee Kloster – Chorherrenstift – Königsschloß. Regensburg 2011, S. 353, 276. Thematischer Katalog de Musikhandschriften der Benediktinerinnenabtei Frauenwörth und der Pfarrkirchen Wasserburg am Inn und Bad Tölz. München 1975. Der heilige Gesang zum Gottesdienste in der römisch-katholischen Kirche. Landshut 1777 (Nachdruck: Landshut 2003, ISBN 3-927612-20-0; ). Michael Buchberger: Eineinhalb Jahrtausend kirchliche Kulturarbeit in Bayern. Alois Girnth Verlag, 1950, S. 472. Bayerische Benediktinerakademie: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige, Jg. 97 (1986), S. 271. Friedrich Blume: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Bärenreiter, Kassel 1979, S. 607. Josef Focht: Norbert Hauner. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. neubearb. Ausgabe. Band 8, 2007, Sp. 871 f.
Weblinks
Gedenkseite zum 180. Todestag von Norbert Hauner
Gedenkkreuz am Platz von Hauners Geburtshaus
Einzelnachweise
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