mini|hochkant|Brustwerk: Mittelturm und seitliche Flachfelder Die Orgel von St. Bartholomäus in Mittelnkirchen im Alten Land bei Stade wurde 1688 von Arp Schnitger und 1753 von Johann Matthias Schreiber erbaut und verfügt heute über 30 Register auf zwei Manualen und Pedal.
Baugeschichte Vorgängerinstrument im 16. Jahrhundert In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhielt die Kirche an der Nordseite die erste einmanualige Orgel mit 13 Registern und zwei Transmissionen für den Untersatz 16′ und das Cornet 2′ im ansonsten angehängten Pedal. Wie sich aus den noch erhaltenen Bleipfeifen ablesen lässt, stammte der unbekannte Orgelbauer vermutlich aus Hamburg oder Buxtehude.Fock: Arp Schnitger. 1974, S. 82. Der ursprüngliche Umfang der Klaviaturen des Renaissance-Instruments umfasste FGA-g2a2. Aus dem Jahr 1565 ist die Jahresrechnung eines Kalkanten überliefert, der für das Bälgetreten („vor belgenn tho treden“) entlohnt wurde.Küster, Tegtmeyer: Gott allein die Ehre. 2007, S. 43.
Erweiterung durch Schnitger 1688 mini|hochkant|Spieltisch mit Brustwerk Arp Schnitger reparierte die alte Orgel und baute sie durch ein neues Brustwerk mit acht Registern zu einem zweimanualigen Instrument um. Zudem verlieh er dem Werk durch eine neue 8-Fuß- sowie eine 16-Fuß-Trompete größere Gravität. In Mittelnkirchen ist die einzige Dorforgel mit einer originalen Manual-16′-Trompete aus dem norddeutschen Barock erhalten.Küster, Tegtmeyer: Gott allein die Ehre. 2007, S. 32. Schnitgers Disposition wies 21 Register auf und lautete wie folgt:
I Im Werk CDEFGA–c3 Principal 8′ Untersatz 16′ Hohlfloite 8′ Octav 4′ Gedact 4′ Nassat 3′ Octav 2′ Waldfloite 2′ Mixtur IV Cimbel III Trommet 16′ Trommet 8′ Cornet 2′ II In der Brust CDEFGA–c3 Gedact 8′ Blockfloite 4′ Octav 2′ Gemshorn 2′ Quinta ′ Sesquialtera II Scharff III Regal 8′
Erweiterung durch Johann Matthias Schreiber 1750–1753 mini|hochkant|Stellung der Orgel auf der Westempore 1750 verpflichtete sich Jacob Albrecht (Lamstedt) vertraglich, die Orgel in einem neuen Gehäuse auf die Westempore zu versetzen und um ein selbstständiges Pedal in zwei freistehenden Türmen zu erweitern, zog sich 1751 aber aufgrund seiner Verschuldung in Steinkirchen und anderer Aufträge in Osten und Cadenberge aus dem Vertrag zurück.Fock: Arp Schnitger. 1974, S. 83. Sein Geselle Johann Matthias Schreiber (Glückstadt) führte die Arbeiten an seinem Erstlingswerk aus und vollendete im Sommer 1753 die Umbaumaßnahmen. Im Zuge dieses Erweiterungsumbaus entfernte er aufgrund der neuen und größeren Windladen die kurze Oktave und ergänzte die fehlenden Basstöne mit Ausnahme von Cis. Auf der neuen Hauptwerkslade fand eine Vox humana ihren Platz. Die Pfeifen im Prospekt verwendete Schreiber für die beiden Octav-Register des Pedals, fertigte neue Prospektpfeifen für das Hauptwerk an und ergänzte das Brustwerk um einen 4-Fuß-Prinzipal, wodurch es das Aussehen eines Rückpositivs erhielt. Die heutige einheitliche Gestalt der Orgel geht auf Schreiber zurück. Die farbliche Fassung erfolgte 1755 durch Elias Martin Holtermann aus Stade.
Spätere Arbeiten Im Jahr 1763 bewilligte das Konsistorium in Stade 100 Reichstaler zur „Besserung der Orgel“, ohne dass nähere Angaben gemacht werden. 1772 überholte Jürgen Dietrich Fortriede (Neuenfelde) das Werk. Georg Wilhelm Wilhelmy (Stade) nahm 1777 und 1803 Reparaturen und kleine Dispositionsänderungen vor. Auch wurde 1803 das Windwerk von sechs auf vier Bälge reduziert. 1844 ist eine große Reparatur vonseiten Philipp Furtwänglers (Elze) bezeugt, durch den weitere Stimmen ausgetauscht wurden.
Restaurierungen Erste Restaurierungsversuche erfolgten in den Jahren 1935/1936 durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover) und 1956/1957 durch Paul Ott (Göttingen). Aus heutiger Sicht gelten die Eingriffe in die historische Substanz als unangemessen, da ein zu niedriger Winddruck angenommen wurde und infolgedessen Veränderungen an den Labien vorgenommen, teils neue Pfeifenfüße und Kerne angefertigt und bei den Zungenstimmen Kehlen, Becher und Zungen verändert oder erneuert wurden. Erst durch Rudolf von Beckerath Orgelbau (1991/1992), der die bisherigen Maßnahmen rückgängig machte und alle verlorenen Register rekonstruierte, wurde das Instrument wieder konsequent in seinen barocken Zustand versetzt. Zwei Zungenregister mussten allerdings vakant bleiben. 2010/2011 führte Bartelt Immer weitere Restaurierungsarbeiten durch (Windanlage, Traktur, Umintonation der Zungenregister).
Disposition seit 1992 I Hauptwerk CD–c3 Principal 8′ MS Quintadena 16′ MS Hohlfloite 8′ V Octav 4′ V Gedact 4′ U/MS Nahsat 3′ U Octav 2′ V Rauschpfeife II MS/B Mixtur IV B Cimbel III B Tromet 16′ S/B Tromet 8′ S/B Vox humana 8′ MS/B II Brustwerk CD–c3 Principal 4′ MS Gedackt 8′ S/B Blockfloite 4′ B/S Waldhorn 2′ B Octav 2′ S Qinta ′ S Sesquialtera II S Scharff III S Crombhorn 8′ Vakant. Pedal CD–d1 Principal 16′ MS Subbaß 16′ B Octav 8′ V Octav 4′ V Quinta 3′ B Nachthorn 2′ B Mixtur IV B Posaun 16′ MS/B Tromet 8′ B Cornet 2′ Anmerkungen V = Ältester Pfeifenbestand, teils aus der Vorgängerorgel (16. Jh.) U = Unbekannt (17./18. Jahrhundert) S = Arp Schnitger (1688) MS = Matthias Schreiber (1750–1753), unter Verwendung älterer Register B = Rudolf von Beckerath (1991–1992)
Koppeln: Manual-Schiebekoppel (Schnitger) 2 Tremulanten 2 Cimbelsterne
Anmerkungen
Technische Daten 30 Register, 41 Pfeifenreihen
Windversorgung:
4 Keilbälge 3 Sperrventile Winddruck: 75 mmWS * Traktur: Tontraktur: Mechanisch Registertraktur: Mechanisch Stimmung: Wohltemperierte Stimmung (Werckmeister) Tonhöhe ca. Ton über a1 = 440 Hz
Literatur
Aufnahmen/Tonträger Vollständigkeit anstrebende Diskografie.
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Mittelnkirchen Orgel in Mittelnkirchen bei NOMINE e. V. Fotos und Infos zur Orgel Seite von H.-W. Coordes
Einzelnachweise
Mittelnkirchen, Orgel von St. Bartholomaus (Mittelnkirchen) Mittelnkirchen, Orgel von St. Bartholomaus (Mittelnkirchen) Mittelnkirchen Kategorie:Mittelnkirchen Kategorie:Erbaut 1688