Die Leuphana Universität Lüneburg ist eine staatliche Universität in Trägerschaft einer Stiftung öffentlichen Rechts in der Hansestadt Lüneburg in Niedersachsen. Der Name ist abgeleitet vom Namen Leuphana für Lüneburg im Atlas des griechischen Gelehrten Claudius Ptolemäus.Der Name Leuphana auf der Webseite der Uni Die Forschungsschwerpunkte der Universität liegen in den Bereichen Bildung, Kultur, Management und Technologie, Nachhaltigkeit und Staatswissenschaften. In der Lehre hat sie ein für Deutschland ungewöhnliches, stark interdisziplinäres Studienmodell etabliert, mit einem College für das Bachelorstudium, einer Graduate School für die Verbindung von Master- und Promotionsstudium und einer Professional School für das Weiterbildungsstudium. Die Universität zählt mit knapp 10.000 Studenten zu den mittelgroßen Universitäten in Deutschland. Die Leuphana gehört derzeit im Times Higher Education World University Ranking 2025 zu den 500 besten Universitäten weltweit.304x304px|mini|alt=|Leuphana-Zentralgebäude, von Daniel Libeskind entworfen
Geschichte Gründung als Pädagogische Hochschule Im Mai 1946 ursprünglich als eine von acht Pädagogischen Hochschulen des Landes Niedersachsen für die Volksschullehrerausbildung gegründet, begann die Pädagogische Hochschule Lüneburg zunächst mit 150 Studenten. Die Militärregierung ermöglichte den Betrieb durch Räumung der Schule im Grimm, in der vorher ehemalige Kriegsgefangene untergebracht waren. Ab 1946 wurden zunächst verkürzte Studiengänge mit einer Dauer von vier Semestern angeboten, um möglichst schnell die Ausbildung neuer Lehrkräfte abschließen zu können. Ab 1953 dauerte das Studium dann sechs Semester und war sehr praxisorientiert.
Umwandlung in eine Universität alt=|mini|300px|Logo der Universität Lüneburg (bis 2007) Nach einer Übergangsphase als Abteilung Lüneburg der Pädagogischen Hochschule Niedersachsen (PHN) – bereits mit Studiengängen zum Diplompädagogen und Promotionsrecht – wurde die Pädagogische Hochschule 1978 in eine selbstständige wissenschaftliche Hochschule Lüneburg mit Habilitationsrecht umgewandelt. Im Mai 1989 wurde die Hochschule in Universität Lüneburg umbenannt.
Nach starkem Anstieg der Studentenzahl in den 1980er Jahren wurde zu Beginn der 1990er Jahre mit dem Umzug auf den heutigen zentralen Campus auf dem Gelände der ab 1935 von der Wehrmacht errichteten ehemaligen Scharnhorst-Kaserne begonnen. Im Wintersemester 1997/1998 wurde die damals bundesweit einmalige Konversion vollendet.
Umwandlung in eine Stiftungsuniversität mini|300px|Logo der Leuphana Universität Lüneburg (2007–2013)Zum 1. Januar 2003 wurde vom Land Niedersachsen die Stiftung Universität Lüneburg als rechtsfähige Stiftung öffentlichen Rechts errichtet. Der Stiftung obliegt die Trägerschaft der Leuphana Universität Lüneburg. Die Universität befindet sich seitdem nicht mehr in direkter Trägerschaft des Landes, wird jedoch weiterhin durch Landesmittel finanziert.
Mit der Umwandlung in eine Stiftungsuniversität wollte die damalige niedersächsische Landesregierung der Universität als einer von insgesamt fünf niedersächsischen Hochschulen mehr Autonomie und Eigenverantwortung zugestehen. Ziel der Stiftung ist es, durch einen eigenverantwortlichen und effizienten Einsatz der ihr überlassenen Mittel die Qualität von Forschung, Lehre, Studium und Weiterbildung an der Universität zu steigern.
Ein siebenköpfiger Stiftungsrat ist seither an die Stelle des Ministeriums getreten. Der Stiftungsrat berät die Hochschule, beschließt über Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung, überwacht die Tätigkeit des Präsidiums und übt die Rechtsaufsicht über die Universität aus.
Fusion zwischen Universität und Fachhochschule mini|300px|Logo der Leuphana Universität Lüneburg (seit 2013) Gemäß dem Beschluss der niedersächsischen Landesregierung von 2004 fusionierte die Universität Lüneburg zum 1. Januar 2005 mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen. Die neue Universität Lüneburg dient als Modelluniversität zur Umsetzung des Bologna-Prozesses. Nach der Fusion beschloss die Universität im Jahr 2006 einen grundlegenden Prozess zur Neuausrichtung und die Einführung eines neuen Studienmodells mit einem College für Bachelorstudierende, einer Graduate School für Master- und Promotionsstudierende und einer Professional School für die Weiterbildung. Darüber hinaus wurden die zuvor bestehenden Fakultäten und Fachbereiche in vier neue Fakultäten für Bildung, Kulturwissenschaften, Nachhaltigkeit und Wirtschaftswissenschaften überführt.
Umbenennung in Leuphana Universität Lüneburg In Folge der Fusion und ihrer grundlegenden Neuausrichtung wurde die Universität Lüneburg am 20. März 2007 in Leuphana Universität Lüneburg umbenannt.
Der Name Leuphana leitet sich von einer antiken Siedlung an der Elbe her, die im Weltatlas des Geografen Ptolemäus aus dem 2. Jahrhundert erwähnt wird. Es ist strittig, ob der eingezeichnete Ort dem heutigen Lüneburg entspricht oder vielmehr, nach neueren Forschungsergebnissen, als historische Siedlung dem heutigen Hitzacker – ca. 45 km östlich von Lüneburg. Als Name für die Universität wurde er erst 2006, nach einem Vorschlag der Werbeagentur Scholz & Friends, durch die Gremien der Universität ausgewählt.
Seit dem Beginn der Neuausrichtung im Jahr 2006 konnte der Haushalt der Universität um mehr als fünf Millionen Euro gesteigert werden, gleichzeitig stiegen die Zahl der Bewerbungen pro Studienplatz und die Zahl der Doktoranden.
Forschung und Fakultäten Fakultät Bildung Die Fakultät Bildung fokussiert ihre Forschung und Lehre auf die Lehrerbildung und die Verbesserung der Bildungschancen von Menschen aller Lebensalter und -situationen. Schwerpunkte ihrer Forschung liegen in den Bereichen Heterogenität, Theorie-Praxis-Verknüpfung, Selbstregulation und E-Learning und Blended Learning. Mit ihrem Zukunftszentrum Lehrerbildung (ZZL) und einem Netzwerk aus Universität, Campusschulen, Studienseminaren und außerschulischen Akteuren wird die Leuphana zwischen 2016 und 2023 im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung von Bund und Ländern gefördert.
Institute
Institut für Bewegung, Sport und Gesundheit Institut für Bildungswissenschaft (IBIWI) Institut für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik (IDD) Institute of English Studies (IES) Institut für Kunst, Musik und ihre Vermittlung (IKMV) Institut für Mathematik und ihre Didaktik (IMD) Institut für Psychologie (IFP) Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (IFSP) Institut für Sozialwissenschaftliche Bildung (ISWB) Institut für Theologie und theologisch-naturwissenschaftliche Forschung (ITT)
Forschungszentren und koordinierte Forschungsprogramme
Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG) Zukunftszentrum Lehrerbildung (ZZL)
Fakultät Kulturwissenschaften Die Fakultät Kulturwissenschaften widmet sich gesellschaftlichen Umbrüchen der Gegenwart und bettet diese in längere historische Entwicklungslinien ein. Schwerpunkte ihrer Forschung liegen in den Bereichen Digitale Kulturen, Kulturen der Kritik und Demokratieforschung. Im Schwerpunkt Digitale Kulturen hat die Fakultät eine DFG-Kollegforschungsgruppe eingerichtet, im Schwerpunkt Kulturen der Kritik ein DFG-Graduiertenkolleg.
Institute
Institut für Geschichtswissenschaft und Literarische Kulturen (IGL) Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien (ICAM) Institut für Philosophie und Kunstwissenschaft (IPK) Institut für Soziologie und Kulturorganisation (ISKO) Institut für Stadt- und Kulturraumforschung (IFSK)
Forschungszentren und koordinierte Forschungsprogramme
Zentrum für Digitale Kulturen (CDC) Center for Critical Studies (CCS) Graduiertenkolleg Kulturen der Kritik (gefördert durch DFG) Kollegforschergruppe Medienkulturen der Computersimulation (gefördert durch DFG) Forschungsprogramm PriMus – Promovieren in Museen (gefördert durch BMBF) Promotionsprogramm Demokratie unter Stress (gefördert durch MWK)
Fakultät Nachhaltigkeit Die Fakultät Nachhaltigkeit gilt als erste Fakultät für Nachhaltigkeit in Deutschland. Sie fokussiert ihre Forschung auf die sozialen Grundlagen von Nachhaltigkeit mit den Schwerpunkten Sustainability Learning and Communication, Sustainability Management und Sustainability Governance einerseits sowie auf die physischen Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenlebens mit den Schwerpunkten Ökosystemdienstleistungen (biotische Grundlagen) und Nachhaltige Chemie (abiotische Grundlagen) andererseits.
Institute
Centre for Sustainability Management (CSM) Institute of Ecology (IE) Institute of Ethics and transdisciplinary Sustainability Research (IETSR) Institute of Education and Psychology (IEP) Institute of Sustainability Governance (INSUGO) Institute of Sustainable Chemistry (INSC) Social-Ecological Systems Institute (SESI)
Forschungszentren und koordinierte Forschungsprogramme
Center for Global Sustainability and Cultural Transformation (CGSC) Center for Futures of Ecosystem Services (FuturES) Forschungsprogramm Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung (gefördert durch MWK) Promotionsprogramm Processes of Sustainability Transformation" (gefördert durch Robert Bosch Stiftung)
Fakultät Staatswissenschaften Die Fakultät Staatswissenschaften wurde zum Sommersemester 2022 gegründet. In der Fakultät Staatswissenschaften sind die Institute für Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften sowie die Law School. Nach sechs Semestern Regelstudienzeit kann ein Bachelorabschluss erworben werden. Als Aufbau kann sich ein Master-Programm anschließen oder eine Weiterbildung zum Ersten Juristischen Staatsexamen.
Institute Institut für Politikwissenschaft (IPW) Institut für Volkswirtschaftslehre (IVWL) Law School Forschungszentren und koordinierte Forschungsprogramme Zentrum für Demokratieforschung (ZDEMO) European Center for Advanced Studies (ECAS) Leuphana Center for European and International Law (CEIL)
Promotionskollegs
Politikwissenschaft (Je nach Ausrichtung der Dissertation Dr. phil. oder Dr. rer. pol.) Rechtswissenschaft (Dr. iur.) Volkswirtschaftslehre (Dr. rer. pol.)
Fakultät Management und Technologie Die Fakultät Management und Technologie zählt zu den besten 10 Prozent der forschungsstärksten Business Schools weltweit und in Deutschland. Die Fakultät fokussiert ihre Forschung auf die Schwerpunkte Digitale Transformation und Data Science, Entrepreneurship, Organization Studies, Psychologie und soziale Transformation sowie verantwortungsvolles und Nachhaltigkeitsmanagement. Seit Februar 2025 ist die Fakultät durch die Akkreditierungsorganisation AACSB zertifiziert.
Institute
Institut für Bank-, Finanz- und Gründungsmanagement (IBFG) Institut für Experimentelle Wirtschaftspsychologie – LüneLab Institut für Management, Accounting und Finance (IMAF) Institut für Marketing (IFM) Institut für Management und Organisation (IMO) Institut für Performance Management (IPM) Institut für Produktionstechnik und -systeme (IPTS) Institut für Wirtschaftsinformatik (IIS) Institut für Wissens- und Informationsmanagement (IWI)
Forschungszentren und koordinierte Forschungsprogramme
Forschungszentrum Digitale Transformation Forschungszentrum Unternehmertum (RCE)
Fakultätsübergreifende Einrichtungen Kunstraum Leuphana Universität Lüneburg (KUL) Leuphana Arts Program (LAP) Methodenzentrum Sprachenzentrum Schreibzentrum Universitätssportzentrum
Studium und Schools Studienangebote an der Leuphana werden je nach Studien- bzw. Lebensphase in drei verschiedenen Schools angeboten:
Das Leuphana College ist Heimat für das grundständige Bachelorstudium. Die Graduate School bietet grundständige Masterprogramme und verbindet dabei das Master- mit dem Promotionsstudium. Die Professional School ist Heimat für ein weiterbildendes oder berufsbegleitendes Studium.