miniatur|Inschriftenplatte des Idakreuzes Ida (* unbekannt; † am 16. Juli eines unbekannten Jahres, möglicherweise 971) war Äbtissin des Stifts Essen im 10. Jahrhundert. Sie stammte wahrscheinlich aus dem Herrschergeschlecht der Liudolfinger. Ihre genauen Regierungsdaten sind unbekannt. Ida ist die erste Essener Äbtissin, der ein Objekt des Essener Domschatzes zugeordnet werden kann, und Namensgeberin für die Idasäule im Essener Münster.
Quellenlage Ida ist als Essener Äbtissin durch die Stifterinschrift des von ihr gestifteten Kreuzes sowie durch mehrere nekrologische Eintragungen belegt. Im frühneuzeitlichen Brüsseler Äbtissinnenkatalog, einer nach dem Fundort benannten Äbtissinnenliste, wird Ida im 12. Jahrhundert geführt; der Essener Kanoniker Hiltrop, der im 16. Jahrhundert einen Äbtissinnenkalender aufstellte, setzte sie mit dem Sterbejahr 971 als fünfte Äbtissin an.Ribbeck: Ein Essener Necrologium, Essener Beiträge, 1900, S. 96 Anm. 4. Das Todesdatum ist belegt im Merseburger Nekrolog als „Ida abbatissa“ zum 17. Juli sowie im Essener Nekrolog als „Yda“ zum 16. Juli. Weitere nekrologische Eintragungen finden sich zum 16. Juli im Nekrolog des Stifts Borghorst sowie in den Memorialeinträgen eines Essener Sakramentars aus dem späten 10. Jahrhundert. Die im Datum abweichende Angabe in Merseburg war vermutlich ein Übermittlungs- oder Schreibfehler.
Die wichtigste Quelle zum Ida-Kreuz, ihrem bekanntesten Werk, sind neben den erhaltenen Fragmenten die Urkunde über die Einlegung der in diesem geborgenen Reliquien in das gotische Kreuz, durch das das Ida-Kreuz ersetzt wurde. Dieses Kreuz, aus dessen Größe Rückschlüsse auf die Größe des Ida-Kreuzes gezogen werden, ist in der Domschatzkammer erhalten und dient heute dem Essener Domkapitel als Kapitelskreuz.
Leben und Wirken Idas Geburtsjahr, Geburtsort, Abstammung und exakte Amtszeit sind nicht bekannt. Einen Rückschluss auf Idas Herkunft erlaubt ihr Eintrag im Merseburger Nekrolog, in dem der Historiker Gerd Althoff die Familienmemoria der Liudolfinger erkannt hat. Althoff, Adels- und Königsfamilien, S. 293. Ida gehörte, worauf auch ihr Name, einer der liudolfingischen Leitnamen, hindeutet, zur liudolfingschen Familie, oder war dieser zumindest so eng verbunden, dass sie als Mitglied des familiären Bündnis- und Paktsystems in das familiäre Totengedenken der Liudolfinger aufgenommen wurde. Idas Abstammung dürfte ursächlich für ihr Äbtissinnenamt gewesen sein, wobei unerheblich ist, ob sie vom Konvent gewählt wurde, wie es die Institutio Sanctimonialium von 816 eigentlich vorsah, oder vom weltlichen Herrscher eingesetzt wurde. Eine Äbtissin mit enger Beziehung zum Herrscherhaus erhöhte das Ansehen der Gemeinschaft, so dass sowohl der Herrscher als auch das Stift profitierten.Ludger Körntgen: Zwischen Herrschern und Heiligen, in: Herrschaft, Liturgie und Raum, Essen 2002, S. 16–17. Keine der vorhandenen Quellen enthält eine Jahresangabe, daher ist Idas Abbatiat nicht exakt datierbar. Da die früheste nekrologische Eintragung von der anlegenden Hand des in Essen geschriebenen Sakramentars D 2 der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf stammt, das in das ausgehende 10. Jahrhundert datiert wird, und die bis ins 11. Jahrhundert amtierende Äbtissin Mathilde erstmals am 23. Juli 973 als Äbtissin belegt ist, muss Ida eine Vorgängerin Mathildes gewesen sein. Aufgrund welcher Quelle Hiltrop das Todesjahr 971 annahm, ist unbekannt; Hiltrop hatte jedoch als Essener Kanoniker Zugang zu im 16. Jahrhundert möglicherweise noch vorhandenen Quellen. Daher geht man davon aus, dass Ida Mathildes direkte Vorgängerin war. Da die Essener Stiftskirche während des Abbatiats der Äbtissin Hathwig 946 abbrannte, das von Ida gestiftete Kreuz aber bis ins 15. Jahrhundert erhalten blieb, amtierte Ida wahrscheinlich nach Hathwig. Ob zwischen Hathwig und Ida noch Agana Äbtissin war, ist fraglich; Fremer plädierte aufgrund von Auffälligkeiten in der nekrologischen Überlieferung dafür, Agana als Vorgängerin Hathwigs anzusehen.Fremer, Abtissin Theophanu, S. 39. In jedem Fall kann Ida nur ein eher kurzes Abbatiat gehabt haben: 966 schenkte Otto I. dem Essener Stift den Oberhof Ehrenzell, wobei auffällig ist, dass in der Urkunde keine Äbtissin genannt ist. Dieses Fehlen wird zum Teil dahin interpretiert, dass der Äbtissinnenstuhl zu diesem Zeitpunkt vakant war.
Details zu Idas Amtsführung, die über die Stiftung des Ida-Kreuzes hinausgehen, sind nicht bekannt. Ihr Abbatiat fällt in die Blütezeit des Essener Stifts, die unter Äbtissin Hathwig begann und spätestens mit Äbtissin Suanhild endete. Nach dem Stiftsbrand 946 hatte Hathwig mit dem Wiederaufbau der Stiftsbibliothek begonnen und dazu ein Skriptorium begründet, in dem die Stiftsdamen mit großem Fleiß Handschriften produzierten. Das Essener Skriptorium war bis in die Amtszeit von Idas Nachfolgerin Mathilde aktiv, in jedem Fall also auch während Idas Abbatiat. Daneben wird das Stift Essen unter Ida die Aufgaben jedes sächsischen Frauenstifts erfüllt haben: Als Stätte des Gebetsgedenkens für die Stifter und Familienangehörige zu dienen und eine Ausbildungsstätte für die Töchter von Adelsfamilien zu sein. Das Stift Borghorst, dessen erste Stiftsdamen einschließlich der Äbtissin aus dem Stift Essen kamen, wurde 968 gegründet, also möglicherweise während Ida in Essen Äbtissin war.
Idas bekanntestes Werk war das Ida-Kreuz, das bis in die Essener Neuzeit als Triumphkreuz auf der Idasäule im Münster angebracht war. Die Inschrift des Kreuzes, die sie als Auftraggeberin nennt, diente ihrer Memoria.
Das Ida-Kreuz miniatur|Das Verkündigungs-Fragment, Aufnahme aus dem Tafelwerk von Georg Humann (1904) Das Ida-Kreuz gehörte zur Ausstattung des nach der Brandkatastrophe von 946, bei der die Essener Stiftskirche abbrannte, durch die Äbtissin Hathwig wieder aufgebauten Essener Münsters. Es stand auf der heute als „Idasäule“ bezeichneten Kreuzsäule hinter dem Kreuzaltar der Kirche. Das Kreuz wurde im 15. Jahrhundert von der Säule heruntergenommen – möglicherweise war es zu diesem Zeitpunkt bereits durch den Brand des Münsters 1275 und einen Gewölbeeinsturz beschädigt – und durch ein moderneres Kreuz ersetzt. Vom Ida-Kreuz, dessen genaues Aussehen unbekannt ist, sind zwei Fragmente erhalten geblieben: die Inschriftenplatte und das Verkündigungs-Fragment. Von einem dritten Fragment, dem Magier-Fragment, das möglicherweise zum Kreuz gehörte, existierte Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein Gipsabguss, der inzwischen verschollen ist. Bis 2008, als bei Untersuchungen festgestellt wurde, dass das Material nicht dem der anderen Fragmente entsprach, wurde auch ein in der Domschatzkammer erhaltenes Fragment einer Himmelfahrts-Szene (Essener Domschatzkammer Inv.-Nr. 10) als Fragment des Kreuzes angesehen.
Dass Ida das Ida-Kreuz stiftete, galt zeitweise als fraglich; Klaus Gereon Beuckers sah 1993 die Kölner Äbtissin Ida des Stiftes St. Maria im Kapitol als Stifterin des Kreuzes an. Ida war über ihre Schwester, die Äbtissin Theophanu dem Stift Essen verbunden. Aufgrund neuerer Erkenntnisse zur Inschriftenplatte und zu den Reliquien, die sich ursprünglich im Ida-Kreuz befanden, wird diese These nicht mehr vertreten.
Die Inschriftenplatte Die Inschriftenplatte des Ida-Kreuzes (Essener Domschatz Inv.-Nr. 9) besteht aus zwei Teilstücken, die zusammen 15 cm hoch und 53,5 cm breit sind. Das Material ist vergoldetes Kupferblech. Die getriebene Inschrift „ISTAM CRUCEM (I)DA ABBATISSA FIERI IUSSIT“ (dt.: Dieses Kreuz ließ die Äbtissin Ida fertigen) ist in Kapitalis ausgeführt, in der allerdings das E aus der Unziale stammt, wobei der Buchstabenabstand nicht gleichmäßig ist. Am rechten Rand befindet sich ein abgeschnittenes Lilienornament. Die Platte weist Ausbrüche auf, unter anderem fehlt der erste Buchstabe des Stifternamens. Bereits Georg Humann hat unter der Annahme, dass die Platte einst auch am linken Rand ein Lilienornament aufwies und die Inschrift mittig platziert wurde, den Stifternamen zu Ida ergänzt. Die Epigraphikerin Sonja Hermann datiert die Inschriftenplatte aufgrund einzelner Merkmale wie der Proportionen der Buchstaben und Details bei der Ausführung der Buchstaben M und R eher in das 10. Jahrhundert.Sonja Hermann: Inschriftenplatte vom Ida-Kreuz, in: Katalog Gold vor Schwarz, Essen 2008, S. 56–57.
Das Verkündigungs-Fragment Ein Relieffragment, das die Verkündigung an Maria zeigt, wird als weiteres Fragment des Ida-Kreuzes angesehen. Das Fragment (Essener Domschatzkammer Inv.-Nr. 11) ist in Kupfer getrieben und vergoldet, es entspricht damit der Inschriftentafel. Es misst 14,8 cm in der Höhe und ist noch 9,5 cm breit. Vermutlich war das Blech ursprünglich querrechteckig und zwei- oder dreimal breiter.Birgitta Falk: Relieffragment mit der Verkündigung an Maria, in: Katalog Gold vor Schwarz, Essen 2008, S. 58. Neben der ähnlichen Höhe und dem identischen Material wird die Ähnlichkeit des Fußes des Schreibpultes zum Lilienornament der Inschriftenplatte als Indiz für Herkunft vom gleichen Gegenstand angesehen. Wegen des Schreibpultes mit dem aufgeschlagenen Buch wurde das Fragment lange als Evangelistendarstellung angesehen; da die sitzende Figur allerdings einen Schleier auf dem Kopf trägt, hat sich die Interpretation als Maria durchgesetzt. Das Relief steht in der Tradition karolingischer Buchmalerei aus Reims und der Hofschule Karls des Großen.
Das verschollene Magier-Fragment miniatur|Abguss einer frühmittelalterlichen Treibarbeit, Abbildung aus Georg Humanns Tafelwerk (1904) Ein weiteres Fragment des Ida-Kreuzes war möglicherweise eine Tafel, die die drei Weisen aus dem Morgenland zeigt, die den Stern von Betlehem freudig begrüßen . Als Argument für die Zugehörigkeit zum Ida-Kreuz werden die ellipsenförmigen Strahlen des Sterns angesehen. Am Ständer des Lesepultes am Verkündigungsfragment sind gleichförmige Elemente zu finden. Auch entsprach die Breite des Fragments etwa der Höhe der beiden anderen Fragmente, so dass es möglich wäre, dass das Fragment am senkrechten Kreuzbalken des Ida-Kreuzes angebracht war.
Das Fragment selbst war bereits zur Zeit Georg Humanns verschollen, so dass über das Material keine Aussage getroffen werden kann. Der abgebildete Abguss ist inzwischen ebenfalls verschollen, vermutlich aufgrund eines Bombentreffers in die Münsterschatzkammer im Zweiten Weltkrieg. Die Zuordnung zum Ida-Kreuz ist nicht sicher, da es im Essener Domschatz ein weiteres Fragment einer Treibarbeit gibt, die aufgrund des Materials (vergoldetes Messingblech) nicht zum Idakreuz gehört haben kann. Auch dieses Fragment (Essener Domschatzkammer Inv.-Nr. 10) zeigt eine Szene aus dem Lebensweg Christi, so dass es bis 2008, als die Materialabweichung erkannt wurde, ebenfalls als Fragment des Ida-Kreuzes angesehen wurde. Hermann SchnitzlerSchnitzler, Nachträge zur spätkarolingischen und frühottonischen Goldschmiedekunst, S. 107. und schon Georg HumannHumann, Die Kunstwerke der Münsterkirche zu Essen, S. 293. sahen in Details eine größere Nähe des Magier-Fragmentes zu diesem Fragment.
Rekonstruktionsversuch miniatur|Das Epitaph der Äbtissin Katharina von Tecklenburg zeigte möglicherweise das Ida-Kreuz