Die Hansestadt Breckerfeld [] ist eine Kleinstadt im südöstlichsten Teil des RuhrgebietsStadtportrait in Nordrhein-Westfalen und ist die südlichste kreisangehörige Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises. Sie hat raumordnerisch die Funktion eines Grundzentrumshttps://www.land.nrw/sites/default/files/asset/document/01_10_2015_lep_text_zweite_beteiligung_lanuv.pdf.
Geografie mini|Karte von Breckerfeld Breckerfeld liegt ungefähr 17 km südlich von Hagen. Sie ist die flächenmäßig drittgrößte, aber der Einwohnerzahl nach kleinste Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises. Sie besitzt eine weitgehend ländliche Struktur in hügeliger Landschaft (devonische Rumpfflächenlandschaft des Rheinischen Schiefergebirges). Die höchste Erhebung, der Wengeberg, erreicht und ist auch die höchste Erhebung des Ruhrgebiets. Die Luvlage am nördlichen Rand des Rheinischen Schiefergebirges sorgt für ein recht kühles, regenreiches Klima mit Jahresniederschlägen um 1200 mm.
Stadtgliederung mini|Kartenausschnitt Le Comte de la Marck, Sanson 1692 mini|Blick von Norden und von Süden auf die Stadt. Die Stadt Breckerfeld gliedert sich formal in zwei Stadtteile:
Breckerfeld Waldbauer (Zurstraße)
Neben den Ortskernen dieser beiden Stadtteile besteht die Gemeinde aus zahlreichen kleineren Ortsteilen, darunter Berghausen, Brenscheid, Loh, Möcking, Osenberg und Rafflenbeul.
Nachbarkommunen Breckerfeld grenzt an folgende Städte und Gemeinden (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Hagen, Schalksmühle, Halver (beide Märkischer Kreis), Radevormwald (Oberbergischer Kreis) und Ennepetal (Ennepe-Ruhr-Kreis).
Nachbarkommunen nach Himmelsrichtungen:
Geschichte
Der Breckerfelder Höhenrücken könnte bereits in der Antike besiedelt gewesen sein, denn man fand 1989 in der Flur Windhagen eine römische Statuette des Mars aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Auch einige römische Münzfunde bei Bühren aus dem 1. bis 3. Jahrhundert könnten Hinweis für kleinere germanische Siedlungen in dieser Zeit sein, es könnte sich aber auch nur um Verluststücke handeln.
An den im Hochmittelalter so wichtigen Höhenwegen entstand an der Kreuzung der Handelsstraßen Dortmund–Frankfurt bzw. Dortmund–Köln Ende des 12. Jahrhunderts der Ort Brecheruuelde.
Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes geht zurück in das Jahr 1184: Der Müller Eppechinus aus dem uicus Brecheruuelde war bei Wartungsarbeiten mit seinem Arm in das Mühlradgetriebe geraten und schwer verletzt worden. Er rief den Hl. Anno (Erzbischof Anno II. von Köln 1056–1075) um seine Fürsprache an und seine Wunden fügten sich wieder zusammen. Aus Dankbarkeit pilgerte der Geheilte zum Grab Annos nach Siegburg, wo Mönche seine Geschichte in einer Klosterhandschrift festhielten.Wilfried G. Vogt: Die urkundliche Ersterwähnung der Pfarre Breckerfeld im Jahre 1252. In: 1252–2002. 750 Jahre Kirche in Breckerfeld, S. 15
Der Ort entwickelte sich rasch als Markt-, Gewerbe- und Kirchort. Das wichtigste Handelsgut von Breckerfeld wurde der Stahl, der in den umliegenden Wäldern aus Raseneisenstein gewonnen wurde. Die vielen kleinen Erzvorkommen wurden von Bauern und Waldschmieden abgebaut und in einfachen Rennöfen verhüttet. Zahlreiche in das 11. Jahrhundert datierbare Schlackehügel in den umliegenden Wäldern zeigen bis heute die Plätze der damaligen Erzgewinnung in den Kohlenmeilern. Der gefertigte Stahl wurde von Breckerfeld aus in Holzfässern z. B. nach Köln transportiert oder (wegen der Brandgefahr) in außerhalb der Stadtmauern liegenden Schmieden zu Messern und Dolchen weiterverarbeitet.Wilhelm Bleicher: Zur Archäologie im Bereich von Breckerfeld. In: Breckerfeld 600 Jahre Stadt, S. 49ff
Die Stadt entwickelte sich rasch, schon bald wurde die bisherige Pfarrkirche zu klein, und man begann um 1390 mit dem Bau einer Basilika, heute die einzige spätgotische Basilika Westfalens.Roland Pieper: Die alte Pfarrkirche zu Breckerfeld. Eine architekturgeschichtliche Bestandsaufnahme. In: 1252–2002. 750 Jahre Kirche in Breckerfeld, S. 44–74 Sie wurde Jakobus dem Älteren geweiht, da die Handelsstraßen zugleich Jakobswege, Pilgerwege nach Santiago de Compostela waren. 1396 erhielt Breckerfeld aufgrund seiner grenznahen Lage von seinem Landesherrn, dem Grafen Dietrich II. von der Mark, die Stadtrechte verliehen. Der Graf versprach sich von der noch unbefestigten Stadt wohl auch strategische Vorteile, da sie an der Grenze zum Herzogtum Berg lag, mit dessen Herzog er in einer Dauerfehde lag. Dietrichs Nachfolger, die Herzöge von Kleve, befestigten die Stadt und verliehen ihr das Zollrecht sowie das Recht, eine Schlacht-, Brau- und Mahlsteuer zu erheben. Im frühen 15. Jahrhundert wurde Breckerfeld Münzstätte. Gerhard von der Mark ließ hier vor 1417 und vermutlich auch zu einem späteren Zeitpunkt Pfennige, Hellinge und Vierlinge schlagen. Der Heimatforscher Wilfried G. Vogt berichtet über den Werdegang der Stadt auf dem Weg zur Münzstätte im „Breckerfelder Telegraph“ 2008/09, S. 5–22. In der Ausgabe 2009/10 erläutert W. G. Vogt die Pfennigschläge, in der Ausgabe 2010/11 geht Vogt auf den Seiten 17–26 auf die Vierlinge und Hellinge ein. Mitte des 15. Jahrhunderts stand der Stahlhandel Breckerfelds in voller Blüte, die Stadt wurde Mitglied der Hanse und seine Kaufleute bereisten ganz Europa. Ihre Aufenthalte lassen sich bereits im 14. Jahrhundert in Köln, Brügge und London nachweisen, im 15. Jahrhundert hielten sie sich in Lübeck, wo ein Kort von Breckerfeld 1420 auch als Bürgermeister geführt wird, in Riga, Reval, Nowgorod oder Moskau auf. Ihre Söhne wurden als Juristen und Theologen an Universitäten wie von Köln oder Rostock ausgebildet.Wilhelm Giersiepen und andere: Das alte Breckerfeld, Gummersbach 1981, S. 16. Breckerfeld hatte als eine Beistadt von Hamm bzw. Unna zwar kein Mitspracherecht in der Hanse, konnte aber von den Handelsprivilegien profitieren.
Begehrt und berühmt war der sogenannte „Breckerfelder“. Dabei handelte es sich vermutlich um einen Kurzdolch. Nicht selten wurden diese Messer „veredelt“ und hochstehenden Persönlichkeiten verehrt.Eine Zusammenfassung dazu findet sich im Aufsatz von Wilfried G. Vogt im „Breckerfelder Telegraph“ 1997. Neuerdings gibt es auch eine Fortschreibung dazu im Märkischen Jahrbuch für Geschichte, 2007.
Im 16. Jahrhundert schwand die Wirtschaftskraft der Stadt. Auch in anderen europäischen Ländern wurde nun Stahl in ähnlicher Qualität wie in Breckerfeld produziert, vor allem die Nutzung der Wasserkraft in den Flusstälern, mit der Eisen und Stahl nun andernorts weitaus billiger und besser verarbeitet werden konnte, brachte für Breckerfeld den wirtschaftlichen Niedergang.
1520, 1557, 1628, 1655, 1658, 1711 und 1727 suchten auch noch verheerende Brände die Stadt heim. Im Jahr 1719 wohnten nur noch 483 Bürger und 441 Kinder in der Stadt.Die Stadtbrände behandelt ein Aufsatz von W. G. Vogt: Brackervelde exuritur – Breckerfeld brennt völlig aus. Chronologie Breckerfelder Stadtbrände im Spiegel der Überlieferungen. In: Märkisches Jahrbuch für Geschichte Bd. 102 (2002), S. 81ff. Der letzte Brand war so zerstörerisch, dass der Landesherr, Friedrich Wilhelm I. von Preußen, am 8. September 1728 eine Generalkollekte durchführen ließ, um die Not zu lindern. Doch er musste auch noch anderweitig eingreifen: Die reformierte Gemeinde der Stadt hatte bei dem Brand ihr Gotteshaus verloren. Die lutherische Gemeinde weigerte sich aber trotz königlichen Befehls, ihre Jakobus-Kirche zur Mitnutzung zur Verfügung zu stellen. Erst der Einsatz von 264 Soldaten zwang die aufmüpfigen Christen zur Toleranz.Helmut Dieterle: Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Breckerfeld. In: Breckerfeld 600 Jahre Stadt, S. 56 Die erste authentische Ansicht der Stadt stammt aus dem Jahre 1856, aus der Feder des Dortmunder Zeichners Joseph Lübke. Mit seiner Zeichnung hatte der Künstler auch erstmals eine (ferne) Ansicht der 1812 erbauten Windmühle geliefert.Wilfried G. Vogt: Breckerfeld 1856. Teil 1. Die Stadtansicht des Zeichners Joseph Lübke als Medium stadt- und baugeschichtlicher Kulturpflege. Mit einem Exkurs zur ehemaligen Windmühle auf dem Spelbrink 'Spielbrink'. In: Breckerfelder Telegraph 2011/12, S. 9–24. Unter dem Titel 'Die Stadtarchitektur im lokalen Gedächtnis - Entstehungskontexte, Analysen und Interpretationen', liegt nunmehr in der Ausgabe 2012/2013 Teil 2 der kommentierenden Bildbetrachtung vor (S. 5–26). Die ehemaligen Repräsentationsbauten Haus Goldenberg und Voormann werden dabei vorgestellt. Ergänzt wird Vogts Untersuchung durch Exkurse der lokalen Flurnamen Baumhof, Bummert und Spelbrinck. Auch die Webstühle, die Mitte des 18. Jahrhunderts kurzfristig eine kleine Textilindustrie begründeten, konnten der Wirtschaftskraft der Stadt keinen Schwung mehr verleihen.Wilhelm Giersiepen und andere: Das alte Breckerfeld, Gummersbach 1981, S. 17.
Im Rahmen der umfangreichen kommunalen Neugliederung unter dem französischen Satellitenstaat Großherzogtum Berg wurde das Kirchspiel Breckerfeld 1808 in die zwei Gemeinden Stadt Breckerfeld und Landbezirk Breckerfeld unterteilt. Bald nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 löste sich das Großherzogtum faktisch auf und mit dem Wiener Kongress 1815 wurde der größte Teil des Gebietes u. a. Breckerfeld preußisch. Preußen übernahm die bestehende kommunale Gliederung ab 1816, so dass die Stadtgemeinde Breckerfeld und die Landgemeinde Breckerfeld im 19. Jahrhundert beide eigenständige Gemeinden im Landkreis Hagen waren. Die Landgemeinde Breckerfeld bildete dabei mit den Landgemeinden Dahl und Waldbauer zusammen das Amt Breckerfeld.
Zur Stadtgemeinde Breckerfeld zählten 1895 folgende Wohnplätze (originale Schreibweise): Kernstadt Breckerfeld, Breloh, Drehe, Ecklöh, Epscheid, In der Epscheid, Knapp, Königsheide, Landwehr, Neuenhaus, Ober Bühren, Pulvermühle, Priorei, Reckhammer, Sonnenschein, Vogelsruthe und Wengeberg.Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1895 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band X), Berlin 1897.
Zur Landgemeinde Breckerfeld gehörten die Wohnplätze (originale Schreibweise): Altenbreckerfeld, Altenfelde, Am Neuenhaus, Am Rohlande, Berghausen, Brandten, Brauck, Bossel, Brenscheid, Bühren, Dahlerbrück, Delle, Dörnen, Ebbinghausen, Ehringhausen, Eicken, Epscheid, Finkenberge, Finkenberger Mühle, Fischersheide, Frettlöh, Funkenhaus, Glör, Groll, Habauck, Hammachersheide, Handweiser, Haschenschlage, Hasenkehr, Heide, Holand, Im Holle, Holthausen, Hüsmecke, Huxard, Im Dahl, Im Schlüchtern, Kamp, Klevinghausen, Klütingsbecke, Königsheide, Kotten, Krägeloh, Krallenheide, Kückelshausen, Langscheid, Lausberg, Lehmenhause, Loh, Lorenzheide, Mühle, Neuenloh (Oberneuenloh und Niederneuenloh), Niedernheede, Obernheede, Peyinghausen, Rohland, Ruggenfeld, Saale, Schaffland, Schlagbaum, Im Schlage, Schlatzenbecke, Schneidenmühle, Siepen, Steinbach, Steupingen, Stöcken (=Bührener Schule), Walkmühle, Wanscheid, Weißenpferd, Weuste, Windhagen und Wittenstein.
Ein wegen seiner Kurzlebigkeit kaum beachtetes Gewerbe entstand im 19. Jahrhundert: das Uhrmacherhandwerk. Gebaut wurden Standuhren von den Uhrmachern Schmirnbach und Flüß.In zwei Beiträgen stellt W. G. Vogt diesen Handwerkszweig der Stadt vor. Siehe dazu: Breckerfelder Telegraph 2004, S. 19ff. und 2005 S. 18ff.
Die Stimmung in Breckerfeld war am Ende des 19. Jahrhunderts offenbar so schlecht, dass 1896 sogar die 500-Jahr-Feier abgesagt wurde. Die Entwicklung der Stadt war hinter den Erwartungen zurückgeblieben, nicht zuletzt, da Breckerfeld nicht an das Eisenbahnnetz angeschlossen war. Die „Postkutschenzeit“ ging erst 1907 zu Ende, als die Kleinbahn Haspe–Voerde nach Breckerfeld verlängert wurde.
Die Landgemeinde Breckerfeld wurde 1899 mit der Stadtgemeinde Breckerfeld zu der erweiterten Stadt Breckerfeld vereinigt.