mini|hochkant=0.9|Stammwappen der Geben-Schüser – später Schäfer Das Ministerialadelsgeschlecht Schäfer, ursprünglich (Geben)-Schüser genannt, ist eine Nebenlinie der Herren Geben aus dem damals vorderösterreichischen Freiburg im Breisgau. Sie waren Vögte in Birkingen.
Herkunft mini|Auszug einer Urkunde worin Johann Ulrich von Pfirt Johannes Scheffer als „eius famulus“ bezeichnet mini|Wappen in der Schlachtkapelle Sempach. mini|Siegel der Schüser Das Geschlecht der Schäfer geht auf eine Nebenlinie des weit verzweigten Freiburger Adelsgeschlechts Geben zurück, die ursprünglich den Beinamen Geben-Schueser trug. Nach neuesten Erkenntnissen stammen die Herren Geben ihrerseits von den Herren von Endingen am Kaiserstuhl ab, welche um 1223 aus dem Mittelfränkischen Königheim bei Lauda in den Breisgau kamen.
Da das umfangreiche Urkundenmaterial entweder keine Vornamen und fast zu allen Zeiten die Personen als „Geben, des Geben Sohn“ nennt, ist eine zweifelsfreie Zuordnung bislang nicht möglich.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1: A–Ha. Heidelberg 1898, S. 426. Speziell bei der Linie Geben-Schueser, die sich in die heutige Schreibweise Schäfer wandelte, kommen wechselnde Übernamen sogar bezüglich einer Person vor. So trugen beispielsweise die Kinder aus erster Ehe des Johannes Geben und der Guota von Urberg den Übernamen Luellech,Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 2, S. 536 (online). der Sohn aus zweiter Ehe mit der Tochter des Ritters Egelolf KüchlinJulius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 2, S. 394 (online). den Übernamen Schüser. Dass es sich um ein und dieselbe Person handelt, geht daraus hervor, dass ihn sein Schwiegervater Egelolf Küchlin 1315 selbst als Johannes „Lülche“ Geben bezeichnete.
In einer lateinisch verfassten Urkunde von Jahr 1399 bürgt Johann Ulrich von Pfirt für „Johanes Scheffer eius familia“.Copialbuch Fol 119-120. Blatt 220-220' des sog. „Schwarzen Buchs“ der Deutschordenskommende Beuggen, Signatur 242 des Bestands 67 (Kopialbücher). Urkunde 336, ZGORh Band 30, S. 240. Dieses Verwandtschaftsverhältnis bestand darin, dass der Grossvater des Johann Ulrich von Pfirt, der Ritter Ulrich von Pfirt, mit Clara Münzmeister verheiratet war, die dem Geschlecht der Herren Geben in Freiburg, genannt Münzmeister, zugeordnet werden dürfte. In einer Urkunde aus dem Jahr 1387 erscheint ein „Heinz Scheffer“ als Richter in Forchheim.GLA 67/152 teilweise gedruckt bei: Ulrike von Arnim, Bürgerverein: Daxlanden: Die Ortsgeschichte. Info Verlag, 2007, ISBN 978-3-88190-466-7, S. 36 (online). In der Nachbargemeinde Endingen am Kaiserstuhl hatte die Linie der Geben-Müller Besitzungen, womit nicht unwahrscheinlich ist, dass dieser dort genannte Richter Heinz Scheffer ebenfalls der Geben-Schüser-Linie zuzuordnen ist.
Auch im Berner Raum gab es ein Adelsgeschlecht gleichen Namens. Ob und inwiefern diese beiden Familien miteinander zusammenhängen, ist bislang nicht erforscht.
Sitz Ursprünglicher Sitz der Familie war das Schloss Umkirch. Durch die Expansion der Linie zog ein Familienzweig, der zur Differenzierung als „Schüser“, „Schuiser“, „Schaller“ (vermutet), „Schäffrer“, „Scheffer“ und schliesslich als Schäfer bezeichnet wurde, in das Stadtzentrum von Freiburg. In der Urkunde heißt es: „...ab einem huse, heisset zem Langen, ist gelegen uf dem kilchhof ze Friburg in der alten statt zwischen herrn Luitfrides Schuisers eins ritters huse und dem huse zem Juden…“. Mit „Kilchhof“ dürfte der heutige Münsterplatz gemeint sein, somit war es wahrscheinlich eines der drei älteren Häuser, abgebrochen 1756 von der Gesellschaft „Zum Ritter“, die an dieser Stelle das repräsentative Haus „Zum Ritter“ errichtete. Das Gebäude befand sich an der Südseite des Münsterplatzes rechts neben dem alten Kaufhaus in exklusiver Lage, was für den einstigen Einfluss der Familie spricht.
Nachkommen der Linie leben heute im Gebiet der ehemaligen Grafschaft Hauenstein. Auch Teile des ehemaligen Rittergutes Cronheim sind in ihrem Besitz.
Namensentwicklung Der Familienname wechselte im Laufe der Jahrhunderte von Geben über Geben-Schüser, Schüffer, Schäffrer, Scheffer zur endgültigen Schreibweise Schäfer. Erstmals tritt die von Schüser in Schäfer abgewandelte Namensform bei Ludwig, dem Sohn Lütfrits auf. Er wird unter den gefallenen Edelherren des Breisgaus bei der Schlacht bei Sempach nach der „Breisgau’schen Liederhandschrift“ von 1445,Breisgau’schen Liederhandschrift nach der „Lassberg’schen Copie“ von 1445, aufbewahrt in der Fürstenberg’schen Bibliothek in Donaueschingen die durch die Nähe zum Geschehen als zuverlässigste Quelle über die Gefallenen dieser Region Aufschluss gibt, als Lüthold Schäffrer bezeichnet. Bei dessen Sohn, möglicherweise auch Bruder, Johannes tritt der Familienname Scheffer verstärkt auf. Dessen Sohn bezeichnete sich selbst in einer Urfehde der Deutschordenskommende Beuggen als Johannes „Witwen Sohn von Weitbruch“. Die insgesamt drei vorhandenen Urkunden über Misshellungen zwischen den Deutschen Ordensrittern und Johannes Scheffer, die im Beuggener Kopialbuch zusammengefasst sind, tragen die Überschrift „Dise brife sagent von dem Scheffer“,Copialbuch Fol 119-120. Blatt 220-220' des sog. „Schwarzen Buchs“ der Deutschordenskommende Beuggen, Signatur 242 des Bestands 67 (Kopialbücher). Urkunde 336, ZGORh Band 30, S. 240. was verdeutlicht, dass sich diese Namensbezeichnung letztlich durchgesetzt hatte.
Wappen mini|Stammwappen der Herren Geben im Freiburger Münster mini|Wappen des Ritters Lutfrid Geben genannt der Schuser aus dem Zweige Geben-Schuser zu Freiburg i. Br. Das Wappen der Herren Schäfer geht auf das Stammwappen der Herren Geben-Schüser zurück, die Stammes- und Wappengenossen der Herren Meyer-Niessen waren. Die Geben führten im rot gerandeten goldenen Schild einen roten Schrägrechtsbalken. Als Helmzimier führte die Linie der Schüser ein mit drei Federbüscheln bestecktes Hifthorn mit Fessel.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1: A–Ha. Heidelberg 1898, S. 427.
Adolf Poinsignon gibt 1886 in Band 13 der Jahreshefte des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland in seinem Aufsatz „Wappentafel der bei Sempach gefallenen Angehörigen des Breisgauischen Adels“ unter dem Eintrag "Ritter Lutfrid Geben genannt der Schuser aus dem Zweige Geben-Schuser" die Zweige Sigstein, Müntzmeister, Baner und Schuser der Herren Geben sowie die Blasonierung deren Wappens wie folgt an:
„In blau ein silberner Recht(s)balken, Schildesrand von Gold; Schwanenhals und Decke weiß, Schnabel gelb, Zunge roth. Die Decke blau gefüttert mit goldener Borte.“Adolf Poinsignon: Band 13 der Jahreshefte des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland, Aufsatz „Wappentafel der bei Sempach gefallenen Angehörigen des Breisgauischen Adels“, Eintrag „Ritter Lutfrid Geben“, 1886 (online).
Geschichte mini|Bericht des Einungsmeister Hanss Scheffer bzgl. der Hauensteiner Letzen, 1544
Aus der Nebenlinie der Geben mit dem Beinamen Schüser entwickelte sich die Schreibweise Schäffrer, Schaffer und Scheffer, was schliesslich in der Neuzeit zu Schäfer wurde. Aufgekommen ist die veränderte Schreibweise des Beinamens Schüser durch den spätestens ab 1356 als Ritter bezeichneten Lütfrid Schüser. Dieser war der Sohn des Junkers Johannes Schüser und der Tochter des Ritters Lütfried Aetscher, wodurch der bei den Aetschers geläufige Vornamen Lütfried auch bei den Schüsers in Mode kam.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1: A–Ha. Heidelberg 1898, S. 4 (online). Dieser Lütfried Schüser erscheint neben zahlreichen Nennungen im Rat der Stadt Freiburg in zwei Urkunden des Grafen Egen von Freiburg 1365, worin der Ritter „Lütpfrit Schüser“ (was auch als Schüfer gelesen werden kann) den Handel zwischen Egino von Freiburg und dessen Gemahlin Verena von Neuchatel über die Finanzierung des Kaufs des Herrschaftsanteils an Freiburg von der Tochter seines verstorbenen Bruders Friderich, der Gräfin Clara von Tübingen für 1000 Mark Silber, bezeugt.ZGORh. Band 16, S. 116–117 und 119 Nochmals erscheint er am 20. Dezember 1374 als Bürge eines Darlehens des Egino von Freiburg. In dieser Urkunde verspricht Egino von Freiburg seinen Bürgen, darunter Lütfrit Schäfer, sie für ihre Bürgschaft schadenfrei zu halten.ZGORh. Band 17 – Urkunden zur Geschichte der Grafen von Freiburg, S. 68. Interessant sind diese beiden Urkunden, da die Stadt Freiburg zu den Grafen von Freiburg ein gespanntes Verhältnis hatte. Diese Urkunden jedoch erwecken den Eindruck, als hätte Graf Egino von Freiburg ein enges Verhältnis zu Lütfrit Schüser, dem Freiburger Ratsmitglied, gepflegt.
Bereits wenige Jahre zuvor, 1368, war Egino genötigt worden, die Herrschaft über die Stadt Freiburg an deren Bürgerschaft zu verkaufen. Neue Herren über die Stadt Freiburg wurden die Habsburger. Dies bewog wohl Lütfrit und seinen Sohn Ludwig, sich den neuen Herren über die Stadt sowie dem aufstrebenden Haus der Markgrafen von Hachberg anzunähern. Dies war umso nötiger, als Egino von Freiburg am 23. August 1385 starb und dessen zwölfjährige Tochter Anna kurz danach von ihrem Bruder, Graf Konrad III. von Freiburg, durch Heiratsabsprache mit Markgraf Rudolf III. von Hachberg-Sausenberg diesem versprochen wurde.
Verlust der Adelsprivilegien mini|Schlachtbanner der Markgrafen von Baden und des Bannerträgers Henman Meyer-Niessen (Stammesgenossen der Geben) Die Annäherung an das Haus Habsburg zahlte Lütfrits Sohn Ludwig (1377 erstmals Ritter genannt),Mitteilungen – Badische Historische Kommission, No. 1, 1883, - Urkunden der Stadt Endingen S. m71 wahrscheinlich im Gefolge des Markgrafen Otto I. von Hachberg, dessen Schlachtbanner der stammesverwandte Henman Meyer-Niessen zur Schlacht bei Sempach trug, mit seinem Leben. Zahlreiche Chroniken und Verlustlisten dieser Schlacht erwähnen ihn dort mit den verschiedensten Abwandlungen des Vor- und Familiennamens.Theodor von Liebenau: Die Schlacht bei Sempach. Sein Vater Lütfrit starb 1391 über 70-jährig, fünf Jahre nach seinem Sohn. Der Sohn Ludwigs, Johannes, war zum Zeitpunkt der Schlacht von Sempach noch zu jung, um daran teilzunehmen.
Theodor von Liebenau nennt 1886 in seinem Werk „Die Schlacht bei Sempach. Gedenkbuch zur fünften Säcularfeier. Im Auftrage des h. Regierungrathes des Kantons Luzern“ als Ergänzung aus „Etterlins Verzeichnis der Gefallenen ...aus dem Brissgow und Elsass und Schwoben“ auf Seite 229 u. a. einen Syfrid Schuser.