mini|Antipater vor Julius Caesar, Konrad Witz (1435) Antipatros (kurz auch Antipas, wörtlich „wie sein Vater“; * ca. 100 v. Chr.; † 43 v. Chr.) aus Idumäa war der Vater von Herodes dem Großen, Ratgeber von Johannes Hyrkanos II. und römischer Verwalter in Judäa.
Herkunft und Familie Über die Herkunft der Familie ist wenig bekannt. Nikolaos von Damaskus, der Biograph des Herodes, führt den Ursprung der Familie auf eine der aus dem babylonischen Exil nicht heimgekehrten jüdischen Familien zurück; es dürfte sich aber um eine Gefälligkeitsgenealogie handeln.
Antipatros stammt jedenfalls aus einer vornehmen Familie der idumäischen Oberschicht. Idumäa, ein Gebiet südlich von Judäa, war unter Johannes Hyrkanos I. von Judäa annektiert worden und seine Bewohner waren zum Judentum übergetreten. Sein Vater Antipas wurde von Alexander Jannäus zum strategos (Vorsteher) von Idumäa ernannt, eine Stellung, die er sowohl seinem Reichtum als auch seinen guten Beziehungen zu den Nachbarn der Idumäer, insbesondere den arabischen Nabatäern und den Bewohnern der Küstenstädte Gaza und Askalon, verdankte. Sein Bruder war Phallion, der 63 v. Chr. in der Schlacht bei Papyron fiel. Ein weiterer Bruder, Joseph, war der erste Ehegatte der Salome, der einflussreichen Schwester des späteren jüdischen Königs Herodes des Großen.
Antipatros heiratete Kypros, eine Angehörige des nabatäischen Königshauses (Jos. Bell. 1.180). Aus dieser Ehe stammen außer Herodes dessen Brüder Phasael (um 75–40 v. Chr.), Joseph (um 70–38 v. Chr.), Pheroras (um 68–5 v. Chr.) sowie dessen Schwester Salome (um 65 v. Chr. – 10 n. Chr.).
Anhänger des Hyrkanos Antipatros war ursprünglich wie sein Vater Verwalter (strategos) von Idumäa. Er tritt geschichtlich zu dem Zeitpunkt in Erscheinung, als die Königin Salome Alexandra 67 v. Chr. schwer erkrankt die Regierungsgeschäfte ihrem Sohn Hyrkanos übergibt, dem zu dieser Zeit amtierenden Hohenpriester. Der dabei übergangene andere Sohn, Aristobulos II. revoltiert, bemächtigt sich einiger Festungen und stellt ein Söldnerheer auf, mit dessen Hilfe er nach dem Tod der Alexandra seinen Bruder bald in so bedrängte Lage brachte, dass dieser sich zur Abdankung bereit erklärte (Josephus, Ant. Jud. XIV, 1).
Zu einer ausführlicheren Darstellung der Auseinandersetzung zwischen Hyrkanos und Aristobulos siehe den Hauptartikel Hasmonäischer Bruderkrieg.
Antipatros ist zu diesem Zeitpunkt offenbar ein Vertrauter des abgesetzten Hyrkanos. Er rät diesem, die Hilfe des Nabatäerkönigs Aretas zu suchen, die dieser auch gewährte, nachdem ihm Hyrkanos die Rückgabe der von Alexander Jannäus eroberten nabatäischen Städte versprochen hatte. Aretas zog mit einem Heer von 50.000 Mann gegen Aristobulos und besiegte ihn, worauf Aristobulos nach Jerusalem floh und dort von Aretas belagert wurde.
Das Blatt wendet sich, als Scaurus, ein General des Pompeius in den Konflikt eingreift und nach sorgfältiger Abwägung der von beiden Brüdern gebotenen Bestechungssummen Aretas zwingt, die Belagerung aufzuheben. Nach Abzug des Aretas und des Scaurus sammelt Aristobulos erneut ein Heer und es gelingt ihm, die Streitkräfte von Hyrkanos und Antipatros bei Papyron zu schlagen. Phallion, ein Bruder von Antipatros, fällt in dieser Schlacht, Hyrkanos und Antipatros finden Asyl in Petra, der Hauptstadt der Nabatäer, wo die Familie des Antipatros sich bereits aufhielt, um in Sicherheit den Ausgang des Bruderkriegs abzuwarten.
Man hat Antipatros vorgeworfen, den Konflikt zwischen den beiden Brüdern geschürt und damit den Aufstieg seiner Familie zur Macht befördert zu haben. Tatsache ist, dass Hyrkanos der amtierende Hohepriester und designierte (also legitime) König war, Antipatros also (aus was für weiteren Motiven auch immer), als loyaler Untertan des rechtmäßigen Königs handelte, wenn er Hyrkanos in seinem Anspruch unterstützte.
Neuordnung Judäas Da die Regelung der Verhältnisse durch Scaurus offenbar nicht geeignet war, in Judäa dauerhaft Frieden zu stiften, berief Pompeius etwa ein Jahr später (64/63 v. Chr.) die Vertreter der beiden Parteien zu sich. Antipatros erscheint dort als Vertreter des Hyrkanos.
Etwa ab dieser Zeit fällt es jeweils schwer zu entscheiden, ob Antipatros eher als Beamter des Hyrkanos oder eher als Beauftragter der Römer agiert. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was eigentlich Antipatros’ Mandat und Machtbasis war. Man kann es wie folgt zusammenfassen: Zunächst war er als Verwalter von Idumäa und Ratgeber des jüdischen Königs Hyrkanos ein hoher jüdischer Beamter mit wechselnden Amtstiteln (strategos, epitropos, epimeletes) und Zuständigkeiten (auch außerhalb von Judäa und dann wohl in römischem Auftrag), dann war er durch Heirat und Freundschaft sowohl den Nabatäern als auch anderen Herrschern und Städten der Region verbunden (z. B. leisteten sie ihm militärische Hilfe, s. Ant. 14.129, Bell. 1.188), und schließlich war er als Klient zuerst des Pompeius und später Caesars eingebunden in das römische System wechselseitiger Verpflichtung.
Nach einigem Zögern entschied Pompeius zugunsten des Hyrkanos. Aristobulos wollte diese Entscheidung nicht akzeptieren und traf Vorbereitungen für militärischen Widerstand. Unmittelbar bedroht von römischen Truppen lenkte er schließlich ein, seine Anhänger jedoch gaben nicht auf. Als sie in Jerusalem von Pompeius belagert wurden und Anhänger des Hyrkanos den römischen Truppen die Stadttore öffneten, zogen sie sich in den Tempel zurück. Nach dreimonatiger Belagerung gelang Pompeius die Einnahme des Tempels, wobei auf jüdischer Seite Tausende von Toten zu beklagen waren.
Die anschließende Neuordnung Judäas durch Pompeius wirkte sich für Antipatros günstig aus. Er fungierte als Verwalter mit römischem Auftrag und blieb in dieser Funktion auch, als Hyrkanos von Gabinius (der 57–54 v. Chr. Legat in Syrien war) aller politischen Macht entkleidet wurde. Der Grund war wohl, dass sich Antipatros den Römern in hohem Maße als nützlich erwies:
Als Scaurus 62 v. Chr. einen Kriegszug gegen die Nabatäer unternahm und mit seinen Truppen fast der nabatäischen Taktik zum Opfer fiel, den Gegner zunächst anrücken zu lassen, dann aber in dem wüstenähnlichen Gebiet von Wasser und Nachschub abzuschneiden, unterstützte Antipatros die Römer mit Korn aus Judäa. Darüber hinaus verhandelte er mit Aretas, bis dieser sich bereit erklärte, 300 Talente an Scaurus zu zahlen, wobei Antipatros sich für die Zahlung des Tributes verbürgte. Auf dem Weg nach Rom gelang es Alexander, dem Sohn des Aristobulos, zu fliehen. Er kehrte 57 v. Chr. zurück nach Judäa, entfachte erneut einen Aufstand und es gelang ihm, Hyrkanos zu vertreiben. Kurz darauf musste er jedoch vor den Truppen des von Gabinius entsandten Marcus Antonius weichen. Er wird dabei von jüdischen Truppen unter Antipatros’ Kommando unterstützt. Als Gabininus 55 v. Chr. in Ägypten (ohne Ermächtigung durch den Senat, aber auf Geheiß des Pompeius) einmarschierte mit dem Ziel, Ptolemaios XII. Neos Dionysos wieder als Pharao einzusetzen, führte Antipatros ein Armeekontingent. Söldner der jüdischen Kolonie in Pelusium leisten zunächst Widerstand, werden aber von Antipatros überredet die römischen Truppen passieren zu lassen. Kurz darauf gelang es Alexander, dem Sohn des Aristobulos, erneut einen Aufstand in Judäa zu entfachen. Dem von Gabinius entsandten Antipatros gelang es, einen erheblichen Teil der Aufständischen zum Niederlegen der Waffen zu bewegen. Alexander und 30000 Anhänger weigerten sich jedoch aufzugeben und wurden am Berg Tabor von Gabinius geschlagen (Jos. Ant. XIV,102).
Im Jahr 54 v. Chr. wurde Marcus Licinius Crassus, neben Caesar und Pompeius Mitglied des ersten Triumvirats, als Nachfolger des Gabinius Statthalter der Provinz Syrien. Sein Interesse galt jedoch nicht der Provinz, sondern der Vorbereitung eines großen Feldzuges gegen die Parther, von dem er sich Ruhm, Reichtum und Rückhalt beim Heer versprach. Um die benötigten Mittel aufzubringen, vergriff er sich nicht nur am Tempelschatz, sondern entfernte auch alles, was sich an goldenen Geräten und Ornamenten im Tempel fand – ein Frevel, den zu begehen Pompeius seinerzeit sich gescheut hatte. Nach dem Bericht des Josephus (Ant. XIV. 105ff) handelte es sich um die geradezu unglaubliche Summe von insgesamt 10000 Talenten (umgerechnet etwa 300–400 Tonnen Gold, in heutiger Währung jedenfalls ein Milliardenbetrag). Trotz der soliden Finanzierung erlebte die römische Armee in der Schlacht bei Carrhae eine der verheerendsten Niederlagen der römischen Geschichte: 20000 Soldaten verloren ihr Leben (darunter Crassus selbst und dessen Sohn), 10000 gerieten in Gefangenschaft und sogar die Feldzeichen gingen verloren, was in Rom als besondere Schmach empfunden wurde. Selbstverständlich betrachtete man in Judäa diese Niederlage als prompte Rache Gottes für den begangenen Tempelraub.
Aus der Schlacht retten konnte sich Gaius Cassius Longinus mit seinem Truppenteil. Cassius war später einer der Hauptbeteiligten an der Verschwörung gegen Cäsar. Nach Syrien zurückgekehrt, trat er die Nachfolge von Crassus an. Nachdem er die Grenzen Syriens gegen nachdringende Parther gesichert und Alexander, Sohn des Aristobulos zum Frieden verpflichtet hatte, schlug er in Judäa einen weiteren Aufstand von Anhängern des Aristobulos bei Tarichea (unter dem Namen Migdal oder Magdala bekannt als der Herkunftsort der Maria Magdalena) am See Genezareth nieder, verkaufte 30.000 aufständische Juden in die Sklaverei und ließ Pitholaos (einen der Anführer) auf Anraten des Antipatros hinrichten (Jos. Bell. 1.180).
Römischer Bürgerkrieg Währenddessen waren in Rom die politischen Spannungen stetig gewachsen, was schließlich im Jahr 49 v. Chr. zum Ausbruch des Bürgerkriegs mit Pompeius auf der einen und Cäsar auf der anderen Seite führte. Eine der gegen Pompeius gerichteten Aktionen Cäsars war die Befreiung des Aristobulos, dem er zwei Legionen zur Verfügung stellte mit dem Ziel, Hyrkanos in Judäa (und damit Pompeius in Syrien) Schwierigkeiten zu bereiten. Doch der Plan misslang, da Aristobulos in Rom von Anhängern des Pompeius vergiftet wurde. Außerdem wurde Alexander, Sohn des Aristobulos, kurz darauf von Quintus Metellus Scipio in Antiochia geköpft. Die Auseinandersetzung endet mit der Niederlage der Pompeius-Partei in der Schlacht bei Pharsalos und der Flucht des Pompeius nach Ägypten, wo er einem Anschlag Ptolemaios XIII. zum Opfer fällt.
Zu jener Zeit war Cäsar in Alexandria eingeschlossen und sah sich einer Übermacht ägyptischer Truppen unter Achillas, dem Feldherrn von Ptolemaios XIII., gegenüber. Derweil wurde dem Entsatzheer des Mithridates von Pergamon in Pelusium der Einmarsch nach Ägypten verwehrt. Antipatros kam nicht nur mit einem jüdischen Kontingent von 3000 Mann ihm zu Hilfe, sondern brachte auch weitere Hilfstruppen aus Syrien und Nabatäa mit. Mit seiner Hilfe konnte Pelusium nach kurzer Belagerung eingenommen werden. Bei der Erstürmung zeichnete er sich durch persönlichen Einsatz aus. Als kurz darauf die jüdischen Söldner in Leontopolis das Entsatzheer am Weitermarsch hindern wollten, überredete Antipatros sie, auf die Seite Cäsars zu wechseln. Genau genommen war es die Seite Kleopatras, Schwester, Gattin und Mitregentin des Ptolemaios, die von ihm abgesetzt worden war, und deren Partei Cäsar ergriffen hatte. Es ist unklar, inwieweit Hyrkanos selbst an diesem Feldzug teilnahm. Josephus schreibt (Ant. XIV.130), Antipatros hätte die Juden von Leontopolis durch ein Sendschreiben des Hyrkanos überzeugt, was nahelegt, dass Hyrkanos nicht vor Ort war; weiter unten (Ant. XIV.139) bestätigt er aber ausdrücklich die Teilnahme von Hyrkanos am Feldzug. Schließlich gelingt es Antipatros, während eines Gefechts im Delta, in der Nähe der Küste, unter großer Gefahr den Mithridates aus einer bedrängten Lage zu retten. Die Kriegstaten des Antipatros wurden Cäsar berichtet, dem das rechtzeitige Eintreffen des Entsatzheeres einmal mehr ermöglicht hatte, den Sieg davonzutragen.