Der Putsch vom 21. Februar war ein erfolgreicher Putsch in Persien gegen die Regierung von Premierminister Fathollah Akbar Sepahdar. Der Putsch fand in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 1921 statt. Angeführt wurde er von Seyyed Zia al-Din Tabatabai und Reza Khan, Kommandeur einer Einheit der Persischen Kosakenbrigade. Unmittelbar beteiligt waren zudem die Offiziere der Persischen Gendarmerie Masoud Keyhan und Kazem Khan Sayah sowie der Kosakenoffizier Ahmad Amir-Ahmadi. Der Putsch führte zur Absetzung von Premierminister Sepahdar und zur Einsetzung einer neuen Regierung durch Ahmad Schah Kadschar mit Premierminister Seyyed Zia al-Din Tabatabai an der Spitze. Reza Khan wurde Oberbefehlshaber der Kosakenbrigade (Sardar Sepah), Masoud Keyhan Kriegsminister und Kazem Khan Militärgouverneur von Teheran. Obwohl der Putsch erfolgreich war, konnte sich Premierminister Seyyed Zia al-Din Tabatabai nur 100 Tage im Amt halten. Nach seinem Rücktritt wurde er von Ahmad Qavam als Premierminister abgelöst. miniatur|Seyyed Zia al-Din Tabataba’i
Die Ziele der Putschisten miniatur|Reza Khan Sardar Sepah Unmittelbar nach dem Putsch gab Seyyed Zia al-Din Tabatabai eine Erklärung heraus, in der er die Ziele des Putsches erläuterte. Er begründete den Sturz der Regierung damit, dass sich 15 Jahre nach der Konstitutionellen Revolution an den Machtverhältnissen im Lande nichts geändert hätte. Das Land würde immer noch von einer kleinen Schicht von Oligarchen regiert, die den Reichtum des Landes für sich beanspruchten als ob es ihr Geburtsrecht wäre. Ziel des Putsches sei es, im Rahmen eines umfangreichen Reformprogramms die Machtverhältnisse im Iran zu ändern.
Als erstes müsse eine Justizreform durchgeführt werden, die es dem Normalbürger erlaubt, sein Recht durchzusetzen. Die Lebensbedingungen der Arbeiter und Bauern müssten verbessert werden. Schulen müssten errichtet und Lehrer eingestellt werden. Ferner müssten für den Ausbau der Wirtschaft, insbesondere Handel und Industrie staatliche Mittel bereitgestellt werden. Die iranische Hauptstadt Teheran und die anderen großen Städte Irans müssten einen Bebauungsplan erhalten und mit Plätzen und Parkanlagen wie in Europa ausgestattet werden. Die Außenpolitik solle allen Ländern gegenüber freundschaftlich ausgerichtet sein. Die politische Situation, für die der Anglo-iranische Vertrag von 1919 entworfen worden sei, und der aus Iran faktisch ein britisches Protektorat gemacht hätte, habe sich grundlegend verändert. Aus diesem Grund solle dieses Abkommen auch keine Gültigkeit haben. Seyyed Zia al-Din Tabatabai betonte, dass er von Ahmad Schah beauftragt worden sei, das Land als neuer Premierminister zu regieren.Baqer Aqeli: Ruz Shomar Tarikh Iran. Bd. 1. S. 146. Zitiert nach: Cyrus Ghani: Iran and the rise of Reza Shah. I.B.Tauris, 1998, S. 200.
Der Ablauf des Putsches Seyyed Zia Tabatabai hatte zuerst Brigadegeneral Mohammad Nachdschawan von der Kosakenbrigade kontaktiert, ob er den militärischen Teil eines Putsches gegen die Regierung Sephadar übernehmen würde. Brigadegeneral Nachdschawan hatte abgelehnt.Cyrus Ghani: Iran and the rise of Reza Shah. I.B.Tauris, 2000. S. 153f. Daraufhin hatte Seyyed Zia Tabatabai Reza Khan kontaktiert, der zu einem Putsch bereit war, wenn er als Gegenleistung das Oberkommando der Kosakenbrigade erhielte. Ahmad Amir-Ahmadi, ebenfalls Mitglied der Kosakenbrigade und selbst an dem Putsch beteiligt, schildert die Ereignisse vor dem Putsch wie folgt: Am Morgen des 20. Februar 1921 erhielt Hassan Arfa, Hauptmann im zweiten Gendarmerie-Regiment in Teheran, einen Anruf von seinem Kommandeur Major Scheibani, der ihn darüber informierte, dass es eine Rebellion der persischen Kosakenbrigade gebe, die seit Monaten keinen Sold mehr erhalten habe und nach Teheran marschiere, um sich ihren Sold zu holen. Es sei zu erwarten, dass etwa 1000 Kosaken gegen Abend Teheran erreichen. Arfa erhielt den Befehl, die westlichen Teile Teherans mit seinem Regiment zu sichern. Auf die Frage, ob er auf die Kosaken das Feuer eröffnen solle, bekam er zur Antwort, dass er das Feuer nur erwidern solle, wenn auf ihn geschossen würde.
Um 20 Uhr rief Ahmad Schah bei Arfa an und fragte nach, wie die Lage sei. Es war ruhig. Gegen 21 Uhr wurde vom Vorposten der Gendarmen eine Vorhut der Kosakenbrigade gesichtet. Um 23 Uhr erfuhr Arfa von Schüssen, die in der Stadtmitte gefallen waren. Major Scheibani bestätigte telefonisch, dass etwa 1500 Kosaken zusammen mit Einheiten der Gendarmerie-Brigade durch das Gomrok-Tor nach Teheran gekommen seien. Am Tupchaneh-Platz hätten sich die dortigen Polizisten nicht ergeben wollen und seien daher erschossen worden. Die Lage sei ruhig und Arfa könne seine Leute in die Kasernen zurückrufen. Auch am nächsten Tag blieb alles ruhig. Major Scheibani kam zu Hassan Arfa und berichtete, dass die Kosaken die Regierung gestürzt hätten, und dass der neue Premierminister Seyyed Zia al Din Tabatabai sei, dass Reza Khan der neue Oberbefehlshaber sei, und dass viele wichtige Leute verhaftet worden wären.Hassan Arfa: Under five Shahs. London, 1964, S. 108.
Das neue Kabinett Am 22. Februar 1921 (3. Esfand) erhielt Seyyed Zia Tabatabai von Ahmad Schah seine Ernennungsurkunde als Premierminister. Ahmad Schah bot Seyyed Zia die Wahl eines Titels nach seinen eigenen Vorstellungen an. Seyyed Zia lehnte die gängigen Titel der Kadscharen ab und fragte nach, ob er sich nicht „Diktator“ nennen könne. Ahmad Schah lehnte ab. Er meinte, dass die Verleihung des Titels „Diktator“ die Würde der Monarchie verletzen würde.Cyrus Ghani: Iran and the rise of Reza Shah. I.B.Tauris, 1998, S. 199. Ahmad Schah gab eine öffentliche Erklärung heraus, in dem er Seyyed Zia Tabatabai als neuen Premierminister bestätigte. Reza Khan erhielt den Titel „Sardar Sepah“ (Oberbefehlshaber).
Das Kabinett von Premierminister Tabatabai bestand mit Ausnahme von Reza Qoli Hedayat aus Personen, die bis zu diesem Zeitpunkt kein leitendes politisches Amt bekleidet hatten. Die Ministerien waren wie folgt besetzt:Cyrus Ghani: Iran and the rise of Reza Shah. I.B.Tauris, 1998, S. 201f. Premierminister und Innenminister: Seyyed Zia al-Din Tabatabai Außenminister: Mahmud Dscham, Finanzminister: Issa Fayz Bildungsminister: Reza Qoli Khan Hedayat Justizminister: Mostafa Adl Gesundheitsminister: Ali Aschgar Nafisi Kriegsminister: Masoud Keyhan Minister für öffentliche Bauvorhaben: Mahmoud Khan Movaqar Minister für Post und Telegraphie: Taqi Khan Moschir A’zam (Chadschawi)
Bereits in den ersten Tagen seiner Regierung kam Seyyed Zia in erhebliche Schwierigkeiten, als Mohammad Mossadegh, Gouverneur der Provinz Fars, und Ahmad Qavam, Gouverneur der Provinz Chorasan, die neue Zentralregierung nicht anerkannten. Seyyed Zia hielt im Parlament eine flammende Rede gegen die korrupte politische Klasse, die ihre Privilegien aus der vorparlamentarischen Zeit zäh verteidigt und das Land an den Rand des Ruins gewirtschaftet hatte.
Außenpolitisch konnte die Regierung Seyyed Zias mit der Unterzeichnung des Sowjetisch-iranischen Freundschaftsvertrages am 26. Februar 1921 einen ersten Erfolg erzielen. In dem Vertrag wurde Iran die vollständige territoriale Integrität zugesichert. Alle bisherigen Verträge zwischen Russland und Iran einschließlich des Vertrages von Turkmantschai vom 22. Februar 1828 und des Vertrages von Sankt Petersburg werden aufgehoben. Iran wird neben Russland das Recht eingeräumt, seine Schiffe auf dem Kaspischen Meer mit eigener Flagge und frei zu befahren.
Im Innern sah ein politisches Reformprogramm Seyyed Zias vor, dass das gesamte Rechtssystem Irans modernisiert und nach europäischem Standard ausgerichtet werden sollte. Seyyed Zia berief eine Reformkommission ein, die von Mohammad Ali Foroughi geleitet werden sollte. Das Finanzministerium wurde zunächst geschlossen, um das Steuer- und Finanzwesen grundlegend zu reformieren. Um die Wirtschaft anzukurbeln oder in die Infrastruktur zu investieren, fehlten schlicht die nötigen Mittel. Seyyed Zia hatte eine Landreform vorgesehen, mit der das Land der Großgrundbesitzer an die Bauern verteilt werden sollte, die das Land als Landarbeiter für die Großgrundbesitzer bearbeiteten. Es stellte sich bald heraus, dass eine Landreform zum gegebenen Zeitpunkt ein vollkommen unrealistisches Vorhaben war. Das einzige, was die Regierung unmittelbar durchsetzen konnte, war ein Verbot, Alkohol zu verkaufen, bzw. dass Geschäften an Freitagen und an religiösen Feiertagen geschlossen bleiben mussten. Mit dieser Maßnahme machte sich die neue Regierung christliche Armenier und die Kaufleute des Basars zu Gegnern.Cyrus Ghani: Iran and the rise of Reza Shah. I.B.Tauris, 2000. S. 207.
Als einzige stabilisierende Kraft im Innern erwies sich die Kosakenbrigade unter der Führung von Reza Khan. Reza Khan, der als Oberbefehlshaber der Kosakenbrigade keine Position im Kabinett hatte, setzte den Kampf gegen die separatistischen Bewegungen im Norden Irans fort.
Zwei Monate nach dem Putsch kam es am 21. April 1921 zwischen Reza Khan und Premierminister Tabatabai zum Streit. Tabatabai hatte ohne Wissen Reza Khans einige britische Offiziere als beratende Kommandeure der persischen Kosakenbrigade berufen. Reza Khan befahl seinen Soldaten, Befehle der britischen Offiziere nicht zu befolgen. Ferner forderte er von Tabatabai den Posten des Kriegsministers, da er als Oberbefehlshaber der Kosakenbrigade nur Befehle von Ahmad Schah und nicht von dem Gendarmerieoffizier und Kriegsminister Masoud Keyhan entgegennehmen werde. Um den Streit zwischen Reza Khan und Masoud Keyhan zu schlichten, bildete Tabatabai sein Kabinett um. Reza Khan wurde Verteidigungsminister und Masoud Khan Minister ohne Geschäftsbereich.
Am 6. Mai kam es zu einem weiteren Konflikt im Kabinett. Reza Khan forderte von Premierminister Tabatabai, dass die Gendarmen, die dem Innenministerium unterstellt waren, seinem Ministerium zugeordnet werden müssten. Ziel sei die Zusammenführung der Kosakenbrigade und der Gendarmerie zu einer neu zu formierenden nationalen iranischen Armee. Premierminister Tabatabai stimmte zu.
Die Verhaftungswelle Der Putsch richtete sich gegen die von der konservativen Schicht der Großgrundbesitzer getragene politische Klasse Irans. Unmittelbar nach dem Putsch kam es zu einer umfangreichen Verhaftungswelle. Als erstes wurden die früheren Premierminister Nadschaf Qoli Chan Samsam al-Saltane, Saad al Dowleh, Abdol Majid Mirza Eyn-al-Dowleh und Abdol Hossein Mirza Farmanfarma verhaftet. Einen Monat nach dem Putsch waren nahezu alle Politiker von Rang sowie die meisten Großgrundbesitzer mit nur wenigen Ausnahmen verhaftet worden. Insgesamt handelte es sich um einen Personenkreis von etwa 200 Personen. Auf freiem Fuß blieben lediglich der abgesetzte Premierminister Fathollah Akbar Sepahdar, Hassan Mostofi, Hassan Pirnia, Hossein Pirnia, Nadschaf Qoli Chan Samsam al-Saltane, die Stammesführer der Bachtiaren sowie Saheb Echatiar, Berater von Ahmad Schah und Maghrour Mirza, Hofminister von Ahmad Schah.Cyrus Ghani: Iran and the rise of Reza Shah. I.B.Tauris, 1998, S. 177.
Den Verhafteten wurde vorgeworfen, dass sie sich in den Jahren seit der Konstitutionellen Revolution unrechtmäßig bereichert und weder Steuern noch Abgaben gezahlt hätten. Ihnen wurde die Freilassung in Aussicht gestellt, wenn sie pro Familie 4 Millionen Toman an ausstehenden Steuern und Abgaben an die Regierung bezahlten, anderenfalls würden sie vor Gericht gestellt und entsprechend bestraft werden. Gegen Abdol Hossein Mirza Farmanfarma und zwei seiner ältesten Söhne Abbas und Firouz lagen handfeste Beweise für Unterschlagungen, Diebstähle sowie Erpressung und Mord vor. Ihnen wurde eine Verurteilung mit möglicher Todesstrafe angedroht.Cyrus Ghani: Iran and the rise of Reza Shah. I.B.Tauris, 1998, S. 205.