Die kleine Pfarrkirche Saints Pierre et Paul steht inmitten der ostfranzösischen Gemeinde Montceaux-l’Étoile im Département Saône-et-Loire in der Région Burgund, gut vier Kilometer östlich des Oberlaufs der Loire. Die bescheidene Landkirche ist den Heiligen Petrus und Paulus geweiht. Sie besteht aus einem tonnengewölbten Langhaussaal, einem turmüberhöhten Vorjoch mit Chorturm, einer halbrunden Chorapsis und einer später angebauten Grabkapelle und Sakristei. Ihre kunsthistorische Bedeutung gründet sich fast ausschließlich auf den reichen skulpturalen Schmuck ihres Stufenportals. Das Kirchenbauwerk ist bereits seit 1893 als Monument historique anerkannt. mini|hochkant=1.8|Sts-Pierre et Paul de Montceaux-l’Étoile, von Südwest

Geschichtliches Der Name Montceaux bezeichnete im Altfranzösischen einen kleinen Berg und leitet sich vom lateinischen „monticullum“ her. Den Beinamen „l’Etoile“ erhielt der Ort im 17. Jahrhundert anlässlich der Vereinigung durch Heirat des Adelshauses Fougères, Besitzer der Herrschaft „l’Etoile“ in Ligny-en-Brionnais, mit dem von Saint-Georges in Montceaux. Im Mittelalter wurde der Gottesdienst in der Kirche von Montceaux, die der Pfarrei von Versaugues angegliedert war, durch Mönche des Priorats von Anzy-le-Duc versehen. Erst 1669 wurde die Pfarrei eigenständig, blieb aber dem Prior von Anzy-le-Duc unterstellt, der Herr der Kirche war, die Herrschaftsrechte über die Pfarrei aber mit dem Grundherrn (seigneur) des Ortes teilen musste.

Die äußerst geringen Auskünfte über die Kirche in den bekannten Quellen beschränken sich lediglich auf die Datierung des Bauwerks. Die Errichtung der Kirche fällt in die Zeit der Hochromanik, und zwar um 1130 bis 1140. Deren Apsis wurde im Jahr 1777 aufgebrochen, um sie durch eine Grabkapelle für den Herrn des Ortes, Abel de Vichy und seine Gattin, Claudine de Saint-Georges, zu verlängern. Die Sakristei ist ebenfalls ein späterer Anbau. Das Tonnengewölbe über dem Langhaus wurde im 19. Jahrhundert erneuert.

Bauwerk mini|hochkant=1.4|links|Grundriss mini|Aufriss mini|hochkant=1.4|links|Längsschnitt Abmessungen zirka, aus Zeichnung entnommen und hochgerechnet, (ohne Pfeilervorlagen) Länge über alles, außen: 27,70 m Länge der romanischen Kirche, außen: 20,50 m Länge des Schiffs, außen: 14,40 m Breite des Schiffs, außen: 7,60 m Breite des Vorjochs, außen: 7,10 m Länge des Schiffs, innen: 12,40 m Breite des Schiffs, innen: 5,40 m “Länge” des Vorjochs, innen: 2,00 m “Breite” des Vorjochs, innen: 5,30 m Apsistiefe, innen: 2,40 m Sakristei, innen. 1,90 × 2,10 m Breite Grabkapelle, außen: 6,50 m Grabkapelle, innen: 5,00 × 6,90 m Das Bauwerk ist nahezu genau nach Osten ausgerichtet.

mini|Ansicht von SO Äußere Erscheinung Die romanische Kirche ist überwiegend aus mittelformatigen Werksteinen in unregelmäßigem Verband gemauert, die Bauteilecken, Öffnungsbegrenzungen und Strebepfeiler bestehen aus Werksteinen größeren Formates. Die Bauleute der Romanik haben hier einen besonders schönen, goldockerfarbenen Kalkstein verwendet, der im Licht der untergehenden Sonne besonders gut zur Geltung kommt.

Die späteren Anbauten weisen derartige Werksteine nur an Bauteilecken, Öffnungsbegrenzungen und Wandpfeilern auf; die Wandflächen dazwischen sind mit leicht ockerfarben getöntem Wandputz versehen worden.

Langhaus Das einschiffige Langhaus steht auf dem Grundriss eines lang gestreckten Rechtecks und wird von einem um etwa 35 Grad geneigten Satteldach überdeckt, das mit roten Dachziegeln im römischen Format, auch Mönch-Nonnen-Ziegel genannt, eingedeckt ist.

Die Dachtraufe auf den Längsseiten des Langhauses bestehen aus kräftigen Traufgesimsplatten, deren Sichtkanten mit einer großen abgeschrägten Hohlkehle und schmalen Viertelstäben profiliert sind. Sie werden unterstützt von Hobelspankragsteinen, die manchmal mit Skulpturen wie Köpfe, Tiere, Fabelwesen etc. verziert sind. Die untere Reihe der Dachziegel kragt leicht über die Kante des Traufgesimses aus und lässt das Regenwasser frei abtropfen.

Die Längswände werden von vier im Grundriss rechtwinkligen Strebepfeilern in drei Wandabschnitte oder Joche unterteilt, die hier aber nicht eine innere Gliederung markieren. Die Strebepfeiler sind oberseitig auswärts steil abgeschrägt und reichen bis unter die Kragsteine der Traufen. In den oberen Hälften der Wandabschnitte sind rundbogige Fenster ausgespart, deren Gewände nach außen aufgeweitet sind. Im dritten Joch der Südseite erkennt man im Mauerwerksverband – etwas außermittig nach Westen versetzt – eine ehemalige rundbogige Türöffnung, die später einmal wandbündig zugemauert worden ist. Die romanische Kirche besaß jedenfalls neben dem Hauptportal eine zweite Türöffnung, vermutlich eine alte unmittelbare Verbindung zum ehemaligen Friedhof oder zum nicht erhaltenen Klausurbereich. mini|hochkant|Giebelkreuz Galerie Langhaus

Fassade mini|hochkant|Fassade von SW Die Fassade der Kirche schließt das Schiff im Westen ab. Ihre Giebelwand ist so breit wie das Langhaus, ragt aber mit ihren oberseitigen schrägen Abschlüssen in etwas steilerer Neigung und geringfügig nach oben hin zunehmend, über die Satteldachflächen hinaus. Diese Oberseiten sind mit flachen Steinplatten abgedeckt, die seitlich geringfügig auskragen. Die Abdeckungen enden auf den Wandenden auf Kraggesimsen.

Der Giebelfirst wird von einem prächtigen steinernen Kreuz gekrönt, das an karolingisches Flechtwerk erinnert. Das Flechtwerk bildet ein Quadrat und endet jeweils auf dessen vier Seiten in Kreuzarmen aus auswärts aufgerollten Ranken des Flechtwerks. Derartige Flechtwerke finden sich auf den Dächern des Chorhauptes von Notre-Dame-du-Port de Clermont-Ferrand und bei einem Fenster der Dorfkirche von St-Pierre de Fenioux.

An beiden Kanten der Giebelwand treten schwach auftragende Strebepfeiler hervor, deren abgeschrägte Oberseiten etwa auf Höhe der Unterkanten der Abschrägungen auf den Pfeilern der Längswände liegen.

Nicht weit über dem Hauptportal der Kirche ist ein rundbogiges Fenster ausgespart, dessen Gewände stark nach außen aufgeweitet ist.

Auf den Mauerwerkoberflächen der Fassade erkennt man die eingeschnittene Kontur des Satteldachs oder auch Walmdachs einer ehemaligen Vorhalle, mit etwa gleicher Dachneigung wie die Giebeloberseiten. Sie war so breit wie das Langhaus und deckte das oben genannte Fenster teilweise ab.

Hauptportal mini|hochkant|links|Hauptportal mini|Tympanon mit Archivolten Der Skulpturenschmuck des Hauptportals ist die eigentliche Attraktion dieses Bauwerks. In große seitliche, im Grundriss rechtwinklige Wandrückversätze sind schlanke Säulen eingestellt, die mit skulptierten Kapitellen, weit ausladenden, profilierten Kämpferplatten und skulptierten Basen, auf kantigen Plinthen und ausgerundeten Sockeln ausgestattet sind. Das Kämpferprofil reicht ein Stück über die Mauerwerkskante des Rückversatzes hinaus. Auf diesen Kämpfern stehen halbrunde Archivoltenbögen aus drei kräftigeren und zwei schlankeren Rundstäben. Diese werden von einem Kragprofil überfangen. Hinter den Säulen ragen beidseitig der rechteckigen Portalöffnung kurze Wandstücke hervor, die bis auf Unterkante der Kapitelle hinaufreichen. In dieser Höhe wird die Portalöffnung durch das Tympanon waagerecht abgeschlossen. Am oberen Ende der Türlaibungen treten kapitellähnliche Konsolen mit Skulpturen hervor, die von Kämpferplatten abgedeckt werden. mini|Tympanon Darüber ragen Türsturz und Tympanonfeld in Form eines gestelzten Halbkreises auf, der aus einem einzigen Steinblock gefertigt ist.

Dieser zeigt eine in zwei Zonen wiedergegebene Himmelfahrt Christi. Der mit einem Krückenkreuz (oben links) und mit Kreuznimbus dargestellte Gottessohn steht in einer von schwebenden Engeln getragenen Mandorla. Sein Gewand flattert, wie das der beiden Engel, und man glaubt den Wind zu spüren, der durch die Aufwärtsbewegung entsteht. Darunter erscheinen, in bewegter Gestik und von Nimben hinterfangen, die vergleichsweise kleinen Figuren der Apostel, Maria und eines Engels. Auch hier sind die Themen Himmelfahrt und Maiestas Domini, also Weggang und Wiederkehr, verbunden worden. Als fast rührendes Detail sei hier auf die Figur des Petrus mit seinem riesigen Schlüssel hingewiesen. In der Frische und Lebendigkeit ist diese Szene ein wahres Meisterwerk romanischer Steinmetzkunst. mini|Christus in der Mandorla Die ikonographisch und stilistisch nächsten Parallelen finden sich in dem annähernd gleichaltrigen Tympanon der Prioratskirche Notre-Dame-de-l’Assomption in Anzy-le-Duc, dem Tympanon der Kirche in Saint-Julien-de-Jonzy und den beiden Nordtympana der Abteikirche St-Fortunat in Charlieu. Auch in den dortigen Himmelfahrtsszenen zeigt sich ein von den Seitenportalen der Abteikirche Ste-Marie-Madeleine de Vézelay ausgehender Figurenstil, der durch die Verbindung einer plastischen Körperauffassung und einer eher grafisch bestimmten Gewandbehandlung charakterisiert wird. Auch die beim gemeinsamen Vorbild ausgeprägte Loslösung der lebhaft agierenden Figuren vom Reliefgrund zeigt sich in beiden Tympana. In Montceaux-l’Etoile wird dies insbesondere an der Figur des Christus deutlich, der nahezu vollplastisch eher vor als in der Mandorla erscheint.

Die Kapitelle auf den Säulen zeigen figürliche Skulpturen. Auf dem linken ist der Kampf eines Kriegers, bis auf eine kurze Hose nackt, mit einem nicht zu identifizierenden Wesen dargestellt, während auf dem rechten ein Engel (mit Nimbus) den Betrachter auf die Darstellung des Tympanons hinweist.

Auf der linken Konsole in der Laibung kämpft ein Engel im Kettenhemd mit erhobenem Schwert gegen ein sich am Boden windendes Monster. Auf dem rechten ist ein geflügeltes Wesen mit menschlichem Kopf und Krallenfüßen dargestellt.

Die zweiflügelige Holztür ist mit kunstvoll geschmiedeten Türbändern dekoriert.

mini|hochkant|Vorjoch mit Turm von S Galerie Portalkapitelle und Konsolen

Vorjoch und Chorturm mini|hochkant|Glockenturm von SO Das kurze turmüberhöhte Vorjoch, auch Chorjoch, wird noch von den ursprünglichen Seitenwänden, fast genau in Verlängerung der Langhauswände, eingeschlossen. Die kleinen Pultdächer neben dem Turm und ihre Traufen liegen etwas tiefer als die anschließenden Satteldächer des Langhauses und der östlichen Erweiterungen. Die Traufgesimse ruhen auf ähnlichen Kragkonsolen wie diejenigen des Langhauses. In der südlichen und nördlichen Außenwand sind rechteckige Fenster ausgespart, die von Stichbögen geringer Stichhöhe überdeckt werden. Sie sind vermutlich der spätere Ersatz für ehemals kleinere rundbogige Fenster. Ihre Vergrößerung sollte wohl ein Ausgleich für die in der Apsis ehemals vorhandenen Fenster sein, die durch den Anbau der Grabkapelle entfallen sind.