Tana Toraja ist ein Regierungsbezirk (Kabupaten) in der indonesischen Provinz Sulawesi Selatan. Verwaltungssitz ist Makale, im Nordosten des Bezirks gelegen und ca. 329 km von der Provinzhauptstadt Makassar entfernt.

Geographie Mit der Fläche von 2043,62 km² belegt der Bezirk Rang 6 der 24 Verwaltungseinheiten 2. Ebene (Kota und Kabupaten) bei einem Anteil von 4,51 Prozent.

Lage und Ausdehnung Tana Toraja ist sehr gebirgig und liegt auf Höhen zwischen 150 und 3.083 Metern über dem Meeresspiegel. Der längste Fluss der Provinz ist der Sungai Saddang, er entspringt am Berg Talimbangan und mündet nach 182 km in der Straße von Makassar. Der Bezirk Tana Toraja liegt im Nordwesten der Provinz und grenzt im Nordwesten und Westen an die Provinz Westsulawesi (Sulawesi Barat) mit den Kabupaten Mamuju (nördlicher) und Mamasa. Provinzinterne Grenzen bestehen mit dem Kabupaten Toraja Utara im Nordosten, Luwu im Osten sowie Pinrang und Enrekang, wobei Enrekang östlicher liegt.

Grenzpunkte Der Regierungsbezirk liegt südlich des Äquators und hat folgende äußere Grenzpunkte: Richtung Kode Kec.Desa Koordinaten N 73.18.31.2006 Masanda Belau Utara 2°44′20,47″ s. Br. O 73.18.12.2006 Mengkendek Uluway 120°02′39,97″ ö. L. S 73.18.03.2008 Bonggakaradeng Bau Selatan 3°23′22,41″ s. Br. W 73.18.28.2006 Mappak Butang 119°22′09,92″ ö. L.

Klima und Wetter Im Bezirk herrscht wie im übrigen Indonesien tropisches Regenwaldklima (feuchttropisches Klima), es gibt eine trockene Jahreszeit und die Regenzeit mit fließenden Übergängen.

Verwaltungsgliederung Der Regierungsbezirk Tana Toraja gliedert sich in 19 administrative Distrikte (Kecamatan) mit 159 Dörfern (), davon haben 34 als Kelurahan einen städtischen Charakter. mini|Die Lage der Kecamatan im Kabupaten mini|Verwaltungsübersicht mini|Bestattungszeremonie Code KecamatanDistrikt IbukotaVerwaltungssitz Fläche(km²)Einw.Zensus2010 Volkszählung 2020 Anzahl der … Einw. Dichte Sex Ratio Desa Kel. 73.18.01 Saluputti Pattan Ulusalu 87,54 7.424 9.741 111,3 106,07 8 1 73.18.02 Bittuang Bittuang 163,27 14.247 18.692 114,5 110,38 14 1 73.18.03 Bonggakaradeng Ratte Buttu 206,76 6.668 8.023 38,8 114,35 5 1 73.18.05 Makale Bombangan 39,75 33.631 38.814 976,5 103,65 14 1 73.18.09 Simbuang Simbuang 194,82 6.166 7.959 40,9 107,81 5 1 73.18.11 Rantetayo Padang Iring 60,35 10.737 14.614 242,2 107,09 3 3 73.18.12 Mengkendek Rante Kalua 196,74 27.342 36.390 185,0 106,84 13 4 73.18.13 Sangalla Bulian Massabu 36,24 6.606 7.958 219,6 106,92 3 2 73.18.19 Gandangbatu Sillanan Benteng Ambeso 108,63 19.238 23.049 212,2 104,44 9 3 73.18.20 Rembon Talion 134,47 18.219 24.662 183,4 109,46 11 2 73.18.27 Makale Utara Lion Tondokiring 26,08 11.799 14.602 559,9 103,80 – 5 73.18.28 Mappak Kondo Dewata 166,02 5.509 7.018 42,3 110,56 5 1 73.18.29 Makale Selatan Tiromanda 61,70 12.415 16.609 269,2 109,26 4 4 73.18.31 Masanda Pondingao 134,77 6.278 8.495 63,0 112,27 8 – 73.18.33 Sangalla Selatan Rante Alang 47,80 7.361 9.557 199,9 107,00 4 1 73.18.34 Sangalla Utara Tombang 27,96 7.327 9.041 323,4 102,71 4 2 73.18.35 Malimbong Balepe Malimbong 211,47 8.923 10.517 49,7 106,38 5 1 73.18.37 Rano Rumandan 89,43 6.042 7.649 85,5 110,31 5 – 73.18.38 Kurra Ratte Kurra 60,50 5.149 7.404 122,4 114,98 5 1 73.18 Kab. Tana Toraja 2.054,30 221.081 280.794 136,7 107,26 125 34

Geschichte Die Bezeichnung Toraja stammt aus dem Buginesischen to-riaja und bedeutet so viel wie „Leute da droben“, womit die im Tiefland siedelnden Bugis die Hochlandbewohner bezeichneten. Erst später wurde die Bezeichnung auch durch Europäer und von den Bewohnern als Selbstbezeichnung angenommen. Die Region war ursprünglich sehr dezentral in viele einzelne Tongkonanstrukturen unterteilt, die sich gegenseitig oft auch untereinander bekriegten. Der ursprüngliche Siedlungsschwerpunkt lag um das Sa'dantal zwischen dem heutigen Rantepao und Makale. Die Randgebiete wurden nach und nach besiedelt, indem in Tälern, die sich für den Reisanbau eigneten, neue Tochtertongkonans gegründet wurden. Erst ab ca. 1860 entwickelte sich mit dem Kaffeeanbau eine Einbindung Torajas in ein überregionales Handelsnetz. Gleichzeitig mit dem Kaffeehandel entwickelte sich ein Handel mit europäischen Schießwaffen und mit Baumwollstoffen von den Bugisstaaten im Osten und Süden nach Toraja, während Kaffee oder (Toraja)-Sklaven über die Bugisstaaten und arabische Händler aus Toraja exportiert wurden. Die beiden Handelsrouten führten nach Osten zur Hafenstadt und Sitz des Bugisreichs Luwu Palopo bzw. nach Süden zur Hafenstadt Parepare des Bugisgebietes Sidenreng. 1906 marschierten die Holländer nach der Einnahme der Bugisreiche Bone und Luwu 1905 auch in Toraja ein. Vor allem im Westen und Norden um Pangala' leistete die Bevölkerung heftigen Widerstand. Die Grenzen Tana Torajas wurden während der niederländisch-ostindischen Regierungszeit im Jahr 1909 festgelegt. Das Christentum, dem heute die Mehrheit der Bewohner offiziell angehören, kam mit niederländischen Missionaren 1913 nach Toraja und konnte seinen Anteil in den Jahrzehnten danach immer weiter steigern. In den 1920er Jahren begann die Reformierte Missionarische Allianz der Niederländisch-Reformierten Kirche ihre Missionsarbeit, gestützte von der niederländischen Kolonialregierung. Neben der Einführung des Christentums schafften die niederländischen Kolonialherren die Sklaverei ab und verhängten lokalen Steuern. 1926 wurde Tana Toraja unter die Verwaltung des Bugis-Staates Luwu gestellt. In den 1930er Jahren griffen Muslime aus dem Tiefland die Toraja an, was zu einer Welle der Konversion zum Christentum unter denen führte, die sich von den Holländern Schutz versprachen und es bildete sich eine Bewegung gegen die muslimischen Bugis und Makassaren. 1942 erschienen japanische Besatzungstruppen in Toraja. 1946 erhielt die Region den Status einer regentschap und 1957 erhielt sie den Status eines Regierungsbezirkes (Kabupaten). Frühen niederländischen Missionaren stand jedoch eine starke Opposition unter Toraja gegenüber, vor allem beim Adel, weil dieser durch die Abschaffung des profitablen Sklavenhandel verärgert war.vergl. Hetty Nooy-Palm: The World of Toraja. In: Jowa Imre Kis-Jovak u. a.: Banua Toraja : changing patterns in architecture and symbolism among the Sa'dan Toraja, Sulawesi, Indonesia. 1988, ISBN 90-6832-207-9, S. 12–18. Einige Toraja wurden durch die Niederländer in das Tiefland zwangsumgesiedelt, wo sie leichter kontrolliert werden konnten. Die Steuern wurden hoch gehalten, was den Reichtum der Adeligen untergrub. Letztlich konnte der niederländische Einfluss die Kultur der Toraja nicht unterwerfen, und nur wenige Torajans konvertierten zum Christentum. Bis 1950 waren nur 10 % der Bevölkerung zum Christentum konvertiert. Zwischen 1951 und 1965 (nach der indonesischen Unabhängigkeit), war herrschte im südlichen Sulawesi eine turbulenten Zeit da die muslimische Separatistenbewegung Darul Islam für einen islamischen Staat Sulawesi kämpfte. 15 Jahre Guerillakrieg führte zu massiven Konvertierungen zum Christentum unter den Toraja. Loyalität mit der indonesischen Regierung garantierte jedoch nicht für die Sicherheit Torajas. Im Jahr 1965 verpflichtete ein Dekret des Präsidenten jeden indonesischen Bürger sich zu einer von fünf offiziell anerkannten Unternehmen Religionen zu bekennen: Islam, Christentum (Protestantismus und Katholizismus) Hinduismus oder Buddhismus. Die Religion der Toraja, Aluk war nicht gesetzlich anerkannt und die Torajans erhoben ihre Stimmen gegen das Gesetz. Um Aluk zu legalisieren, musste es als Teil einer der offiziellen Religionen akzeptiert werden. Im Jahre 1969 wurde Aluk Um Dolo („der Weg der Vorfahren“) als Sekte des Hinduismus Dharma, wie der offizielle Name des Hinduismus in Indonesien lautete, legalisiert. Heute ist Toraja ein beliebtes Ziel für Kulturtouristen. Außerdem haben zahlreiche westliche Anthropologen die einheimische Kultur studiert.

Verwaltungsgeschichte Der Bezirk gehörte zu den 20 Mitbegründern (18 Kabupaten und die beiden autonomen Städte Makassar und Parepare) der Provinz Sulawesi Selatan, die 1964 aus der Provinz Sulawesi Selatan-Tenggara hervorging (Gesetz Nr. 13/1964). Der Kabupaten war dort bereits fünf Jahre früher gebildet worden (Gesetz Nr. 29/1959). Seit dessen Bildung hatte sich in Tana Toraja die Zahl der Distrikte mehr als verdoppelt (die Regionalanweisung 18/2000 erhöhte die Zahl der Distrikte von 9 auf 15), besonders um das Jahr 2005 waren viele neue Distrikte entstanden. Ende 2007 umfasst der Regierungsbezirk Tana Toraja in 40 Distrikten (Kecamatan) 310 Dörfer (Desa), von denen 87 als Kelurahan städtisch geprägt waren.

Durch das Gesetz Nr. 28 des Folgejahres wurde der nordwestliche Teil mit 21 Kecamatan und 151 Dörfern (40 Kel.) abgetrennt und zum neuen Kabupaten Toraja Utara (abgek. Torut) zusammengefasst. Der „Mutterbezirk“ verlor hierbei 35,92 Prozent seines Territoriums (1.215,55 km² von 3.205,77 km²) und 46,88 Prozent seiner Bevölkerung (Fortschreibung Ende 2007: 219.428 von 468.035) an den neuen Kabupaten.

Wirtschaft Vor Suhartos "Neuer Ordnung" war die Wirtschaft Torajas rein agrarisch, mit kultivierten Nassreisfeldanbau in Terrassen an den Berghängen und zusätzlich Anbau von Süßkartoffeln und Mais. Viel Zeit und Energie wurde für die Aufzucht der Wasserbüffel, Schweine und Hühner aufgewandt, die vor allem zeremoniellen Opfern und dem Eigenverbrauch dienten. Die einzige Agrarindustrie in Toraja war eine japanische Kaffeefabrik (Kopi Toraja). Mit dem Beginn der Neuen Ordnung im Jahr 1965 entwickelte sich Indonesiens Wirtschaft und öffnete sich für ausländische Investitionen. Multinationale Unternehmen wie Öl- und Bergbauunternehmen eröffneten neue Niederlassungen in Indonesien. Vor allem jüngere Torajas gingen um für die ausländischen Unternehmen zu arbeiten nach Kalimantan für Holz und Öl, oder in die indonesische Provinz Papua für Bergbau oder in die Städte Sulawesis und Javas. Die Abwanderungsrate von Torajas war bis 1985 konstant.

Der Schwerpunkt der Wirtschaft in Toraja verschob sich ab 1984 allmählich hin zum Tourismus. Zwischen 1984 und 1997 verdienten viele Toraja ihr Einkommen mit dem Tourismus, arbeiten in Hotels, als Fremdenführer oder verkauften Souvenirs. Mit steigender politischer und wirtschaftlicher Instabilität in Indonesien in den späten 1990er Jahren, einschließlich religiöser Konflikte auf Sulawesi ging der Tourismus in Tana Toraja dramatisch zurück. Die Region ist auch heute noch agrarisch geprägt. Hauptprodukte sind Gemüse, Süßkartoffeln, Reis, Kaffee, Nelken, Kakao und Vanille. Ob der Kaffeeanbau durch die Holländer oder durch arabische Händler oder Bugis nach Toraja kam, ist nicht geklärt. Kommerzielle Bedeutung erlangte er aber erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Es gibt zwei Zentren des Kaffeeanbaus, im Norden um Pangala' und im Westen ein Dreieck südlich von Rantetayo. Arabica-Kaffee aus Toraja ist unter dem Namen 'Bungin' am Weltmarkt wegen seiner Qualität geschätzt. Der Name Bungin leitet sich von der gleichnamigen Stadt ab, über die die Kaffeehandelsrouten von Toraja aus führten. Es gibt sechs traditionelle Märkte, die jeweils alle sechs Tage stattfinden und dann zum nächsten Ort weiterziehen: Pasar Makale Pasar Rantepao Pasar Ge'tengan Pasar Sangalla' Pasar Rembon Pasar Salubarani

Demographie Im Bezirk wird neben indonesisch als Amtssprache hauptsächlich Toraja gesprochen, die Toraja sind die wichtigste indigene Ethnie hier. Mit über einer Viertelmillion Einwohner rangiert Tana Toraja auf Rang 17 der 24-stelligen Bevölkerungsliste mit einem Anteil von 2,72 Prozent. Die Bevölkerungsdichte von 126,7 Einwohner je Quadratkilometern ist im unteren Drittel der Rangliste angesiedelt (Platz 21) (Angaben von Ende 2024).