mini|hochkant=1.8|Die japanischen Eroberungen in Südostasien 1941

Die Japanische Invasion Südostasiens fand vom 7. Dezember 1941 bis Mitte des Jahres 1942 statt. Die Japaner besetzten in diesem Zeitraum im Rahmen des Zweiten Weltkriegs die Philippinen, die malaiische Halbinsel inklusive Singapur, Niederländisch-Ostindien, Teile Neubritanniens und Neuirlands. Die dort stationierten Truppen der USA, Großbritanniens, Australiens und der Niederlande konnten den vorrückenden japanischen Landungseinheiten kaum Widerstand entgegensetzen, so dass Südostasien bis 1945 fest in japanischer Hand war. Erst nachdem im Verlauf des Pazifikkriegs die USA die japanische Flotte immer weiter dezimiert hatte und die Alliierten mit Vorstößen die Besatzer zurückdrängen konnten, gelang es, Südostasien schrittweise zurückzuerobern.

Von US-Militärhistorikern in West Point wird diese Phase der japanischen Eroberungen inoffiziell als Operation Centrifugal Offensive (dt.: Operation Zentrifugaloffensive) bezeichnet. Die oft gebrauchte und beschreibende Bezeichnung der ersten japanischen Offensive des Pazifikkriegs umfasst den Zeitraum vom September 1941, dem Beschluss der Kaiserlichen Konferenz den Krieg gegen die USA und Großbritannien zu führen, bis in den April 1942. Das japanische Synonym für diese Offensive war Schlag nach Süden.

Vorgeschichte

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Großteil Ostasiens und des Südpazifiks unter der Herrschaft europäischer und amerikanischer Kolonialmächte. Indochina gehörte zu Frankreich, die Philippinen zu den USA, Niederländisch-Ostindien den Niederlanden sowie das heutige Malaysia zu Großbritannien. Korea und Taiwan waren japanische Kolonien.

mini|Die Machtverteilung im September 1939

Von 1912 bis 1926 regierte mit dem Taishō-Tennō Yoshihito ein psychisch kranker Mann, wodurch sich die Macht vom Tennō und seinen Vertrauten, den Genrō, auf das Parlament und die neu gegründeten Parteien verschob. 1926 begann mit Hirohitos Inthronisierung die Shōwa-Zeit. Er regierte ein Land, in dem seit dem Ende des Ersten Weltkrieges nationalistische Kräfte zunehmend an Einfluss gewannen.

Nachdem es nicht gelungen war, die Wirtschaftskrise ab 1929 im Rahmen der weltwirtschaftlichen Lage einzudämmen, wurden in Japan verstärkt Stimmen laut, die eine territoriale Expansion als Lösung der Probleme sahen. Durch die erfolgte Umstrukturierung der Wirtschaft mit einer erstarkten Schwerindustrie traten auch einflussreiche Finanzgruppen (Zaibatsu) mit demselben Ziel hervor.

Mehrere Putschversuche und eine massive Sozialistenverfolgung führten ab den 1930er-Jahren zum Aufstieg einer ultranationalen Gruppierung aus Militärs, die verstärkt Kontrolle über die Regierung, einschließlich des Amts des Premierminister Japans, erlangten.

Der aggressive Einsatz für eine Neuordnung der Pazifikregion hatte vorgeblich zum Ziel, die Hegemonie der asiatischen Länder und Kolonien durch westliche, europäische Staaten zu beenden und sie durch eine japanische zu ersetzen (siehe auch Panasiatismus). Das Hauptinteresse der japanischen Expansion galt dem Gebiet der damaligen Republik China. Nach dem Mukden-Zwischenfall am 18. September 1931, der vermutlich von den Japanern selbst erzeugt wurde, kam es zur Mandschurei-Krise und die Kwantung-Armee besetzte die Mandschurei. Am 1. März 1932 wurde dort der Marionettenstaat Mandschuko ausgerufen. Mitte 1937 brach der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg aus und Japans Vormarsch durch China nach Süden begann.

Im Jahr 1940 war der japanische Mehrparteienstaat tot, eine Zentralorganisation namens Taisei Yokusankai übernahm alle Funktionen. In einem Presseinterview am 1. August 1940 verkündete der japanische Außenminister Matsuoka Yōsuke den Aufbau der Großostasiatischen Wohlstandssphäre. Diese Wirtschafts- und Verteidigungsgemeinschaft asiatischer Länder unter japanischer Vorherrschaft sollte frei von westlichem Einfluss sein.

Am 22. September desselben Jahres pressten die Japaner den Franzosen nach einem vorausgegangenen Ultimatum ein militärisches Übereinkommen ab. Dies beinhaltete die Nutzung dreier Flughäfen und den Transit eigener Truppen durch Indochina nach China. In einer Note an die Japaner missbilligten die USA dieses Vorgehen und lehnten es ab.

mini|Der geplante japanische Verteidigungsbereich im Pazifik (Ende 1941)

Am 27. September 1940 unterzeichnete Japan den Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien, der den bestehenden Antikominternpakt um gegenseitige militärische Unterstützung erweiterte. Damit verwarf der japanische Kaiser seine noch am 5. September 1939 verkündete Neutralität und unterstrich seine aggressive Außenpolitik vor allem gegenüber China.

Die USA, die ein politisches Engagement mit dem Führer der chinesischen Nationalpartei Kuomintang Chiang Kai-shek eingegangen waren, versuchten immer wieder zu intervenieren, doch mehrere diplomatische Verhandlungen im Jahr 1941 führten zu keinerlei verwertbaren Ergebnissen. So sprachen die Japaner auch von einer friedlichen territorialen Ausbreitung in den Südwestpazifik und forderten die Amerikaner auf, sie bei der Förderung und Produktion von Rohstoffen wie Erdöl, Gummi, Zinn und Nickel zu unterstützen. Wörtlich hieß es dort: auf mtholyoke.edu

Am 2. Juli fiel in Japan die Entscheidung, den territorialen Anspruch auf Südostasien auszuweiten. US-amerikanischen Entschlüsselungsspezialisten gelang die Entzifferung eines entsprechenden Funkspruchs, so dass Washington, London und Melbourne schnell über die geplante Vorgehensweise der Japaner unterrichtet waren.2001 History Conference – Remembering 1941: Strategy and Command in Australia’s Campaigns of 1941 von Professor David Horner auf awm.gov.au Umgehend zogen die Japaner mehr als eine Million Männer zum Wehrdienst ein und erhielten vom Vichy-Regime die Zustimmung zur Besetzung Indochinas, dem heutigen Vietnam, die am 29. Juli ausgeführt wurde. Zwei Tage später verhängten die USA und Großbritannien ein Export-Embargo über Japan und froren dessen finanzielle Mittel ein.

mini|Botschafter Admiral Kichisaburō Nomura (links), Außenminister Cordell Hull (Mitte) und Sonderbotschafter Saburō Kurusu (ganz rechts) am 20. November 1941 Wegen des Embargos Großbritanniens und der USA und weil Japan von den Rohstofflieferungen der europäischen Verbündeten abgeschnitten war, erschien ein Krieg mit den USA und Großbritannien die einzige Alternative zum Verlust des Reiches in der bisherigen Form. Im Besonderen waren die ergiebigen Bodenschätze der niederländischen und britischen Kolonien ein lohnendes Ziel für die Japaner.

Am 1. Dezember beschloss die Kaiserliche Konferenz unter Tōjō Hideki die gewaltsame Ausweitung der japanischen Einflusssphäre nach Süden und den Angriffskrieg gegen die USA. Währenddessen führte der japanische Botschafter Admiral Nomura Kichisaburō in Washington, D.C. Friedensgespräche mit dem amerikanischen Außenminister Cordell Hull.Memorandum Regarding a Conversation Between the Secretary of State, the Japanese Ambassador (Nomura), and Mr. Kurusu auf ibiblio.org

In Anbetracht der sich zuspitzenden Situation versetzten die Briten am selben Tag ihre Truppen auf der malaiischen Halbinsel in höchste Alarmbereitschaft. Die Flotte unter Admiral Tom Spencer Vaughan Phillips wurde angewiesen, die Gewässer östlich von Singapur nach feindlichen Schiffen abzusuchen.

Zeitgleich gab Admiral Yamamoto Isoroku folgenden Befehl an die Kaiserliche Flotte durch: auf dutcheastindies.webs.com

mini|links|Australisches Plakat, das vor dem Vorrücken der Japaner nach Süden warnt und Verhaltensregeln im Kriegsfall aufstellt Amerikanische Flugzeuge sichteten am 2. Dezember zwölf japanische U-Boote vor der Küste Indochinas, die einen Kurs in Richtung Süden, möglicherweise nach Singapur, liefen. Am selben Tag gab Yamamoto das Signal zum Start aller Operationen mit den Worten „Ersteigt den Berg Niitaka“ und der Durchgabe des Angriffstags.

Admiral Phillips flog am 4. Dezember nach Manila und traf sich dort mit Admiral Thomas C. Hart und General Douglas MacArthur, um eine Übereinkunft für ein Kooperationsabkommen im Fernen Osten zu schließen. Im Südchinesischen Meer befanden sich zu der Zeit drei japanische Divisionen auf dem Weg zur Invasion von Thailand und Malaysia.

Alle japanischen Konsulate in den USA wurden angewiesen, ihre kompletten Kodierungsunterlagen und Geheimdokumente zu vernichten. Dies geschah über Radio Tokyo, das in einer Wettervorhersage die Worte brachte – einer der möglichen Sätze, die den Krieg mit den USA verkünden sollten. Auch in den niederländischen Kolonien wurde diese Durchsage von der Abhörstation Kamer 14 (Raum 14) im technischen College in Bandung auf Java empfangen und dekodiert, deren Bedeutung der Führungsspitze bekannt war. Daher gaben sie die Meldung unverzüglich an ihre Botschaft in Washington durch, um eine Benachrichtigung der amerikanischen Regierung zu veranlassen.

Am 6. Dezember sichteten australische Aufklärungsflugzeuge den japanischen Konvoi, der von Indochina in Richtung Süden lief. Admiral Phillips verließ daraufhin die Gesprächsrunde in Manila. Britische und amerikanische Schiffe bekamen Auslauforder zum Schutz der ostasiatischen Inseln und britische Aufklärungsflugzeuge hoben von ihren Basen ab, um stetig Patrouillenflüge zu unternehmen.

Mit dem Legen von Minen vor der Küste der Malaiischen Halbinsel durch japanische U-Boote und dem groß angelegten Angriff auf Pearl Harbor begann am 7. Dezember der eigentliche Pazifikkrieg. Am nächsten Tag erklärten die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Kanada und die Niederlande den Japanern den Krieg. Japan selbst wartete mit einer Kriegserklärung an die Niederlande bis zum 11. Januar 1942, da sie durch ihr schnelles und erfolgreiches Vorrücken nach Süden auf einen Abzug der niederländischen Truppen hofften, was aber nicht geschah.

Der Feldzug nach Süden Am 1. Dezember 1941 hatten die Japaner mehr als 250.000 ausgebildete und trainierte Soldaten in Indochina stationiert, um ihr Reich nach Süden auszuweiten und weitere Einheiten folgten in den nächsten Tagen. In den Häfen lagen die Truppentransporter und Geleitschiffe bereit, um die erwarteten Befehle auszuführen.

mini|Japanische Flottenparade 1940 Der Plan sah im ersten Zug die Einnahme der Malaiischen Halbinsel sowie der Philippinen vor. Die Hauptstreitmacht auf den Philippinen sammelte sich anschließend in Davao und traf dort mit weiteren Einheiten aus Palau zusammen. Von dort aus nahmen sie Kurs auf Jolo, eine kleine Insel vor Borneo, die schon Ende Dezember 1941 von der 23. und 11. Luftflotte erreicht worden war. Die zur Deckung der Operationen in Malaya vorgesehene und bei Saigon stationierte 22. Luftflotte stand als Eingreifreserve mit mehr als 100 Kampfflugzeugen bereit. Im Nachzug nahm die 21. Luftflotte Anfang Januar 1942 Station auf Davao. Die 2. Flotte der Kaiserlich Japanischen Marine lag ab dem 25. Dezember mit ihrem Haupttross in Formosa.

Zur Eroberung der Ostindischen Inseln war eine Zangenbewegung mit zwei Stoßkeilen vorgesehen. Die östliche Flotte, die durch die Molukkensee fahren und dann Manado, Kendari und Makassar auf Celebes sowie Landungspunkte auf Ambon und Timor einnehmen sollte, sowie die westliche Flotte, die unterstützt durch die 23. Luftflotte, durch die Straße von Makassar kommend, Tarakan, Balikpapan und Banjarmasin an der Ostküste Borneos erobern sollte.

Unterdessen sollten die Luft- und Landstreitkräfte auf der Malaiischen Halbinsel bis nach Singapur vorrücken und eine weitere taktische Eingreiftruppe Rabaul auf Neubritannien einnehmen, um dort mittels Flugzeugträgern Kampfflugzeuge zu stationieren.

Malaiische Halbinsel

mini|links|Japanische Einheiten in Johore