Mucharbi Nurbijewitsch Kirschinow (; * 1. Januar 1949 in Koschechabl, Adygeische Autonomische Oblast, Russische SFSR, Sowjetunion; † 11. Januar 2026 in Maikop, Adygeja, Russland) war ein sowjetischer Gewichtheber. Er war 1972 Olympiasieger im Leichtgewicht.
Werdegang
Mucharbi Nurbijewitsch Kirschinow, ein 1,60 Meter großer Athlet, erschien im Jahre 1970 erstmals auf der internationalen Heberbühne. Der aus der nordkaukasischen Adygeischen Autonomischen Oblast (heute Republik Adygeja) stammende Sportler gehörte zu diesem Zeitpunkt schon einem Sportverein in Moskau an.
1971 wurde er erstmals bei einer internationalen Meisterschaft, der Weltmeisterschaft in Lima, eingesetzt. Im Leichtgewicht kam er dabei im olympischen Dreikampf auf 432,5 kg (135-127,5-167,5) und belegte mit dieser Leistung den 3. Platz hinter den beiden Polen Zbigniew Kaczmarek und Waldemar Baszanowski.
Im Jahre 1972 startete er bei der Europameisterschaft in Constanța und erzielte dort im Leichtgewicht 435 kg (135-127,5-170). Er belegte damit hinter Mladen Kutschew aus Bulgarien, der 447,5 kg erzielte, und Zbigniew Kaczmarek, der auf 442,5 kg kam, den 3. Platz. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München galt er deshalb nicht als Favorit. Die meisten Experten tippten auf einen Sieg von Kutschew. Kirschinow überraschte dort aber alle Experten und das Publikum mit einer sensationellen Leistung. Er erzielte im olympischen Dreikampf 460 kg und schaffte dabei mit 177,5 kg im Stoßen sowie mit 455 kg und 460 kg im Dreikampf drei neue Weltrekorde. Er gewann damit sicher die Goldmedaille vor Mladen Kutschew (450 kg) und Zbigniew Kaczmarek (437,5 kg).
Nach den Olympischen Spielen 1972 wurde vom internationalen Gewichtheber-Verband das Drücken abgeschafft. Die Wettkämpfe bestanden ab diesem Zeitpunkt nur mehr aus dem Reißen und dem Stoßen. Kirschinow zeigte sich auch dieser neuen Situation gewachsen und wurde 1973 im Leichtgewicht sowohl Europameister als auch Weltmeister. Bei der Europameisterschaft in Madrid erzielte er im Zweikampf 302,5 kg und siegte damit vor Mladen Kutschew, der auf 295 kg kam, und bei der Weltmeisterschaft in Havanna siegte er mit 305 kg und verwies damit Kutschew, der 300 kg erzielte, erneut auf den 2. Platz.
Im Jahre 1974 gewann Kirschinow bei der Europameisterschaft in Verona den Titel im Zweikampf mit 300 kg vor Zbigniew Kaczmarek (297,5 kg) und dem Österreicher Walter Legel, der auf 280 kg kam. Bei der Weltmeisterschaft dieses Jahres in Manila unterliefen ihm im Drücken drei Fehlversuche. Er erreichte deshalb kein Zweikampfresultat und blieb unplatziert. Im Stoßen meisterte er 167,5 kg, womit er in dieser Teildisziplin den 3. Platz belegte.
1975 erzielte Kirschinow bei der Weltmeisterschaft in Moskau 297,5 kg (127,5–170). Mit dieser Leistung erreichte er aber nur den 5. Platz. Sieger wurde sein Landsmann Petro Korol, der auf 312,5 kg kam. Danach neigte sich die Karriere Kirschinows dem Ende entgegen. Er erschien auf keiner internationalen Meisterschaft mehr. Über seinen weiteren Lebensweg ist nichts bekannt.
Am 11. Januar 2026 starb er im Alter von 77 Jahren in Maikop.
Internationale Erfolge
Jahr Platz Wettbewerb Art Gewichtskl. Ergebnis 1970 6. Großer Preis der Sowjetunion in Minsk OD Leicht mit 405 kg; Sieger: Zbigniew Kaczmarek, Polen, 425 kg 1970 2. Intern. Turnier in Dnepropetrowsk OD Leicht mit 415 kg, hinter Petro Korol, 422,5 kg, vor Lawruschin, 410 kg, bde. UdSSR 1971 1. Baltic-Cup in Lübeck OD Leicht mit 422,5 kg, vor Petro Korol, 407,5 kg u. Dieter Rauscher, BRD, 397,5 kg 1971 3. WM in Lima OD Leicht mit 432,5 kg (135-127,5-167,5), hinter Zbigniew Kaczmarek u. Waldemar Baszanowski, bde. Polen 1971 2. Pokal der UdSSR in Jerewan OD Leicht mit 430 kg, hinter Petro Korol, 442,5 kg u. Dreksler, UdSSR, 417,5 kg 1972 3. EM in Constanța OD Leicht mit 435 kg, hinter Mladen Kutschew, Bulgarien, 447,5 kg u. Zbigniew Kaczmarek, 442,5 kg 1972 Gold OS in München OD Leicht mit 460 kg (147,5-135-177,5), vor Mladen Kutschew, 450 kg u. Zbigniew Kaczmarek, 437,5 kg 1973 1. Intern. Turnier in Sotschi ZK Leicht mit 292,5 kg, vor Rjabzew, 277,5 kg u. Dergatschew, 277,5 kg, bde. UdSSR 1973 1. Intern. Turnier in Taschkent ZK Leicht mit 290 kg, vor Rum, Polen, 275 kg u. Guanje, Kuba, 270 kg 1973 1. EM in Madrid ZK Leicht mit 302,5 kg (130–172,5), vor Mladen Kutschew, 295 kg u. Zbigniew Kaczmarek, 292,5 kg 1973 1. WM in Havanna ZK Leicht mit 305 kg (130–175) vor Mladen Kutschew, 302,5 kg u. Janew, Bulgarien, 292,5 kg 1974 3. "Jean-Dame"-Memorial in Paris ZK Mittel mit 300 kg, hinter Nedeltscho Kolew, Bulgarien, 330 kg u. Wiktor Kurenzow, UdSSR, 317,5 kg 1974 1. EM in Verona ZK Leicht mit 300 kg (127,5–172,5), vor Zbigniew Kaczmarek, 297,5 kg u. Walter Legel, Österreich, 280 kg 1974 1. Baltic-Cup in Växjö ZK Mittel mit 310 kg, vor Dörner, 307,5 kg u. Hübner, 302,5 kg, bde. DDR 1974 unpl. WM in Manila ZK Leicht nach 3 Fehlversuchen im Reißen; im Stoßen 167,5 kg erzielt; Sieger: Petro Korol, UdSSR, 305 kg vor Zbigniew Kaczmarek, 302,5 kg 1975 5. WM + EM in Moskau ZK Leicht mit 297,5 kg (127,5–170), hinter Petro Korol, 312,5 kg, Zbigniew Kaczmarek, 312,5 kg, Mladen Kutschew, 302,5 kg u. Czarnecki, Polen, 302,5 kg
Sowjetische Meisterschaften
Jahr Platz Art Gewichtskl. Ergebnis 1971 1. OD Leicht mit 435 kg, vor Petro Korol, 432,5 kg u. Dreksler, 430 kg 1972 2. OD Leicht mit 445 kg, hinter Petro Korol, 447,5 kg, vor Dreksler, 422,5 kg 1973 1. ZK Leicht mit 300 kg, vor Jachunin, 290 kg u. Kaidalin, 282,5 kg 1974 2. ZK Leicht mit 290 kg, hinter Jachunin, 297,5 kg u. vor Pabzew, 285 kg 1975 1. ZK Leicht mit 300 kg, vor Sergei Pewzner, 295 kg u. Dergatschew, 295 kg
Weltrekorde
Datum Ort Disziplin Gewichtskl. Leistung 12. Juli 1972 Riga Stoßen Leicht 176,5 kg 30. August 1972 München Stoßen Leicht 177,5 kg 30. August 1972 München OD Leicht 455 kg u. 460 kg 2. Januar 1973 unbekannt ZK Leicht 312,5 kg
Anmerkungen
Art = Wettkampfart, OD = olympischer Dreikampf, bestehend aus Drücken, Reißen und Stoßen, ZK = Zweikampf, bestehend aus Reißen und Stoßen, OS = Olympische Spiele, WM = Weltmeisterschaft, EM = Europameisterschaft, Leichtgewicht, damals bis 67,5 kg Körpergewicht, Mittelgewicht, damals bis 75 kg Körpergewicht
Quellen
Fachzeitschrift Athletik Website www.chidlovski.net
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Olympiasieger (Gewichtheben) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1972 Kategorie:Weltmeister (Gewichtheben) Kategorie:Europameister (Gewichtheben) Kategorie:Olympiateilnehmer (Sowjetunion) Kategorie:Gewichtheber (Sowjetunion) Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Russe Kategorie:Adygeer Kategorie:Geboren 1949 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann