mini|hochkant=1.7|Externsteine, 2015 (von Südwesten) mini|hochkant=1.7|Externsteine, 2023 (von Nordosten) Die Externsteine [] sind eine markante, rund 40 m hohe Sandstein-Felsformation im Teutoburger Wald und als solche eine herausragende Natursehenswürdigkeit Deutschlands, die unter Natur- und Kulturdenkmalschutz steht. Die Felsen sind vom Wiembecketeich und von einer parkartigen Anlage umgeben. Sie liegen im Gebiet der Stadt Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen. Ihnen werden besondere kulturgeschichtliche Bedeutungen zugeschrieben.

Name mini|„Picarum Rupes vulgo Exterenstein“ Radierung von Romeyn de Hooghe nach Vorlage Rudolphis aus den wirkungsgeschichtlich bedeutenden Monumenta Paderbornensia Der Name der Felsengruppe ist bis heute häufig Gegenstand in den Publikationen zu den Externsteinen. Die heutige Schreibweise Externsteine geht höchstwahrscheinlich auf den Lexikographen Jacob Christoph Iselin zurück. In den Deutungen und Erklärungen des Namens steht besonders das Bestimmungswort „Exter(n)-“ im Zentrum. Im Wesentlichen wird dieses entweder mit niederdeutschen dialektalen Bezeichnungen der „Egge“ für einen Gebirgszug (z. B. Osning aus Osnegge, Eggegebirge) oder mit älteren Namensformen der Vogelart der „Elster“ verbunden. Das Grundwort „-stein“ erscheint in den ältesten Belegen im Singular zu altsächsisch „sten“ = „Stein, Fels“; belegt sind chronologisch die folgenden Formen (in Auswahl): um 1093, 1380 als „Agistersten“ 1379 „thon Eghesterensteyn“ 1571 als zum „Egestersteine“ 1598 „Eggsternstein“ 1627 „Egerster Stein“ Seit Hermann Hamelmanns 1564 publizierter einflussreicher Abhandlung über die westfälische Geschichte wird die Formation vermehrt als „rupis picarum“ = „Fels der Elstern“ bezeichnet.Ernst Casimir Wasserbach (Hrsg.): Hermanni Hamelmanni opera genealogico-historica de Westphalia et Saxonia inferiori : in quibus non solum res gestae seculi XVI & anteriorum temporum … ehibentur Sed & de totius Westphaliae provinciis, urbibus … historia traditur. Meyersche Hofbuchhandlung, Lemgo 1711, S. 79. Der Bezug zur Elster stammt wahrscheinlich als eine sekundäre volkssprachliche Verbindung während der mittelniederdeutschen Sprachperiode aus den belegten Formen wie „egester, egster, exter“.

Die gegenwärtige wissenschaftliche Namenforschung (Meineke, Udolph/Beck) geht bei der Deutung des Bestimmungswortes und mithin des Kompositums von der ältesten belegten Form Ag-i-ster- aus. Diese Form zeigt die germanische Wortwurzel *ag- = „scharf, spitz, kantig“ oder „Stein“; diese Wurzel liegt beispielsweise in altsächsisch eggia = „scharfe Schneide, Schwert“ und mittelniederdeutsch egge = „Schneide, Saum, Bergrücken“ und in Neuhochdeutsch Egge vor (wie beispielsweise das Ackergerät). Des Weiteren zeigt Agister- eine alte -str-Ableitung, die besonders von -i- oder -j-Stämmen abgeleitet ist, wie beispielsweise in Germanisch *blōstra-, Gotisch blōstr, Althochdeutsch bluostar = „Verehrung“ sowie in Germanisch *gelstra-, Gotisch gilstr = „Tribut, Zoll“ und Althochdeutsch gelstar = „Opfer“.

Das Bestimmungswort im heutigen Namen Externsteine ist demnach die in Westfalen verbreitete Bezeichnung „Egge“, und konkret in Verbindung mit der Felsformation die Bedeutung für „eine hervorspringende Stelle oder einen schmalen Bergrücken“ nach seiner ursprünglich spitz zulaufenden und hoch aufragenden Gestalt.Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe (= Westfälisches Ortsnamenbuch (WOB), Band 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 245.

Geografische Lage mini|Topographische Übersichtskarte des Gebietes um die Externsteine mini|Externsteine mit Wiembecketeich Im Nordosten von Nordrhein-Westfalen, im Südteil des Kreises Lippe gelegen, gehören die Externsteine zum Horn-Bad Meinberger Stadtteil Holzhausen-Externsteine, der rund einen Kilometer (Luftlinie) nordwestlich liegt.

Regionalgeografisch markant stehen die Felsen nur ca. drei Kilometer nordwestlich der Stelle, an der die von Nordwest nach Südost streichende Gebirgskette des Teutoburger Waldes in das von Nord nach Süd verlaufende Eggegebirge umbiegt. In Richtung Nordwesten gehen die Externsteine direkt in die ansteigenden waldreichen Hänge des Bärensteins und nach Südosten unmittelbar in jene des Knickenhagens über. Direkt vorbei an der Felsengruppe fließt im Einzugsgebiet der Weser die Wiembecke, die am Fuß der Felsen zum Wiembecketeich aufgestaut wird.

Die Felsen befinden sich in einer Höhenlage zwischen ca. 250 und .

Geologie mini|hochkant|Wollsackverwitterung an den Externsteinen Die Externsteine bestehen aus dem Osning-Sandstein, dessen Material, entstanden aus der Rheinischen Masse, während der Unterkreide in küstennahem Flachwasser am Rande eines großen Meeres abgelagert wurde, das damals einen Großteil des nördlichen Mitteleuropa bedeckte.Alfred Hendricks, Alfred Speetzen: Der Osning-Sandstein im Teutoburger Wald und im Egge-Gebirge (NW-Deutschland) – ein marines Küstensediment aus der Unterkreide-Zeit. Münster 1983 (= Abhandlungen aus dem Westfälischen Provinzial-Museum für Naturkunde, 45). Die stratigraphische Einordnung der Externsteine ist schwierig, da bei ihnen keine Makrofossilien gefunden wurden;Jörg Mutterlose: Die Unterkreide-Aufschlüsse des Osning-Sandsteins (NW-Deutschland) – Ihre Fauna und Lithofazies. In: Geologie und Paläontologie in Westfalen. 36 (1995), S. 52 (dig). als wahrscheinlichste Entstehungszeit wird das Unter-Alb vor ca. 110 Mio. Jahren angenommen.Jörg Mutterlose: Die Unterkreide-Aufschlüsse des Osning-Sandsteins (NW-Deutschland) – Ihre Fauna und Lithofazies. In: Geologie und Paläontologie in Westfalen. 36 (1995), S. 13 (dig).

Ursächlich hervorgerufen durch die Nord-Drift der Afrikanischen Platte wurden durch die saxonische Bruchschollentektonik, beginnend vor etwa 70 Millionen Jahren, die ehemals waagerecht liegenden Gesteinsschichten dann lokal senkrecht gestellt, so dass das Material an der Nordostseite der Felsen älter ist als an der Südwestfront.Fritz Runge: Die Naturschutzgebiete Westfalens und des früheren Regierungsbezirks Osnabrück. 3. Auflage. Aschendorff, Münster 1978, ISBN 3-402-04382-3, S. 143–144. Begünstigt durch ein in der Folgezeit des Paläogen und Neogen (früher: Tertiär) herrschendes feuchtwarmes, tropisches Klima mit intensiver chemischer Verwitterung erhielten die Felsen durch Erosion ihre jetzige, etwas bizarr anmutende Form.Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Naturpark Eggegebirge – südlicher Teutoburger Wald (Geologische Wanderkarte 1:50000). 2. Auflage. Bonn 1986, Erläuterungen Nr. 2 Die Externsteine. Gut zu erkennen ist die für Granit, aber auch besonders für massiven Sandstein typische Wollsackverwitterung.

Die Felsgruppe ragt in der sonst weitgehend steinfreien Umgebung maximal 47,7 m über die Oberfläche des Wiembecketeichs in die Höhe und erstreckt sich linienförmig über mehrere Hundert Meter Länge. Sie beginnt etwas versteckt im Wald mit vereinzelten kleinen Felsen und zieht sich hin bis zu den gut sichtbaren 13 relativ freistehenden Einzelfelsen. Diese Felssporne bestehen aus hartem, verwitterungsresistentem Quarzsandstein mit geringen Mengen an Feldspat und Glaukonit.

Die geologische Bedeutung der Externsteine wurde am 12. Mai 2006 mit der Auszeichnung als Nationales Geotop durch die Akademie für Geowissenschaften zu Hannover gewürdigt.Akademie der Geowissenschaften und Geotechnologien e. V. Hannover: (PDF; 24 kB)

Naturschutz Bereits 1926 wurden die Externsteine unter Schutz gestellt. Das Schutzgebiet der Externsteine bestand aus mehreren als Naturdenkmale bezeichneten Teilflächen und war nach dem Bereich Donoper Teich/Hiddeser Bent das zweite Schutzgebiet in Lippe. Ziele waren die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands, dazu gehörte die Verlegung der zwischen den Felsen hindurchführenden Straße, der Rückbau der modernen Bauwerke und die Beseitigung des Stauteichs. Die Zusammenlegung der Teilflächen zu einem durchgehenden Gebiet nach dem Reichsnaturschutzgesetz vom 26. Juni 1935 wurde durch die SS, die den Vorstand der Externsteine-Stiftung übernommen hatte, verhindert. Erst 1953 wurden die zehn Naturdenkmale zu einem Naturschutzgebiet Externsteine mit einer Größe von 140 ha zusammengefasst.

Heute besteht ein 127 ha großes Naturschutzgebiet Externsteine. Die Felsen selbst stehen gleichzeitig als Bodendenkmal unter Schutz. Das Gebiet ist für Europa von Bedeutung, was auch durch die Natura-2000-Unterschutzstellung 2004FFH-Schutzgebiet DE-4119-301 „Externsteine“ (Natura 2000) im Rahmen der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie dokumentiert ist.

Aus Naturschutzsicht besonders wertvoll sind nicht nur die Felsen, mit einem der größten Vorkommen einer Pioniervegetation an Silikatfelsen in NRW wie Farne, Moose und Flechten, sondern auch die auf den benachbarten Bergkämmen Knickhagen und Bärenstein vorhandene Bergheide mit kleinflächig vorhandenen Hangmooren. Dort wachsen unter anderem Wacholder, Moor- und Sandbirken, Blaubeeren, Seggen, Binsen, Borstgras, Pfeifengras, Besenheide und Torfmoose. Es gibt große Bestände von den drei Orchideenarten Geflecktes Knabenkraut (Unterart Fuchs-Knabenkraut), Mücken-Händelwurz und Großes Zweiblatt. Bemerkenswert sind auch große Bestände des Sumpf-Veilchens und der Gewöhnlichen Natternzunge.Helmut Brinkmann: Die Pflanzenwelt des Naturschutzgebiets Externsteine. In: Heimatland Lippe 75 (1982), , S. 359–364.

Neben den im Gebiet vorrangig zu schützenden Erlen-Eschen-Wäldern sind zudem als Kulturlandschaftselemente einige Alteichenbestände ehemaliger Hutewälder bedeutend, die durch die mittelalterliche, „Berghude“ genannte Beweidung entstanden. Des Weiteren sind größere Vorkommen von Ilex im artenreichen Wald des Naturschutzgebiets erwähnenswert.Lippischer Heimatbund (Hrsg.): Naturschutzgebiete in Lippe. Lippischer Heimatbund, Detmold 1986. Relevant für die Unterschutzstellung des Gebietes sind insbesondere die (Brut-)Vorkommen folgender geschützter Tierarten: Mittelspecht (Dendrocopos medius), Schwarzspecht (Dryocopos martius), Grauspecht (Picus canus), Nördlicher Kammmolch (Triturus cristatus) und Eremit (Osmoderma eremita). Weitere interessante Arten im Naturschutzgebiet sind Becher-Azurjungfer, Blaugrüne Mosaikjungfer, Gemeine Heidelibelle, Hufeisen-Azurjungfer, Geburtshelferkröte, Großer Abendsegler, Wasserfledermaus, Siebenschläfer und Wasserspitzmaus. Seit 2006 brütet der Uhu an einem kleineren Nebenfelsen. Der Brutplatz wird abgesperrt und an Tagen mit besonderem Besucherandrang wie der Walpurgisnacht und der Sommersonnenwende bewacht. Am Uhubrutfelsen wurden 70 Kletterhaken entfernt, um illegales Klettern zu verhindern.Martin Lindner, Gisbert Lütke, Ralf Jakob, Doris Siehoff: Der Konflikt zwischen Klettersport und Naturschutz in NRW (Teil 2). Jahresbericht 2009 der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz des NABU NRW, 18-22

Historisch interessant ist das ehemalige Vorkommen des seltenen Lebermooses Harpanthus scutatus an den Felsen. Es wurde dort zuletzt 1947 nachgewiesen. Damals galt der Standort als das letzte Vorkommen in Nordrhein-Westfalen; erst seit den 1990er Jahren sind wieder einige wenige Stellen im Eggegebirge als Standorte bekannt.Carsten Schmidt, Jochen Heinrichs u. a.: Rote Liste der gefährdeten Moose (Anthocerophyta et Bryophyta) in Nordrhein-Westfalen. 2. Fassung. In: Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere in Nordrhein-Westfalen. 3. Fassung, LÖBF, Recklinghausen 1999 (= Schriftenreihe LÖBF, 17), ISBN 3-89174-030-1, S. 173–224 ()