mini|Uffenheim von Nordwesten
Uffenheim (, fränkisch: UfniE. Fuchshuber: Uffenheim, S. 195.) ist eine Stadt im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Mittelfranken, Bayern). Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Uffenheim.
Geographie Geologie und Landschaftsraum Geologisch liegt Uffenheim in den wenig verbogenen Sedimentschichten des Unterkeupers. Sie bestehen aus Tonen und Mergeln mit Kalk- und Sandsteinbänken. Der Werksandstein in der Mitte der Abfolge steht hier mit mehreren Metern Mächtigkeit an. Im Osten der Stadt liegt ein Aufwölbungszentrum des Uffenheimer Sattels.Bayerisches Geologisches Landesamt (Hrsg.), 1976: Geologische Karte von Bayern 1:25.000 Blatt Nr. 6327/6427, Markt Einersheim/Uffenheim, Erläuterungen. Von Hellmut Haunschild. Die unter dem Keuper liegenden Kalksteine des Oberen Muschelkalks werden von der von Ost nach West fließenden Gollach bis zu 20 Meter angeschnitten.Bayerisches Geologisches Landesamt (Hrsg.), 1996: Geologische Karte von Bayern 1:500.000. 4. neubearb. Aufl., München. Sie wurden im Bereich der Oberen Mühle abgebaut. Aus der größeren Härte der Gesteine des Muschelkalks ergeben sich steilere Taleinschnitte der Gollach und ihrer Nebenbäche im Vergleich zur Umgebung. In den Eiszeiten wurde das Relief über weite Teile mit Löss bedeckt. Die fruchtbaren Böden, die sich dort entwickelt haben, sind Grundlage für die starke ackerbauliche Prägung der Landschaft. Uffenheim liegt im Gollachgau, der gemeinsam mit dem landschaftlich sehr ähnlichen Ochsenfurter Gau die naturräumliche Haupteinheit Ochsenfurter Gau und Gollachgau bildet, die innerhalb der Mainfränkischen Platten liegt.bfn.de
Das Klima ist ganzjährig feucht mit durchschnittlichen Niederschlägen von 644 mm pro Jahr und Durchschnittstemperaturen um 8,3 °C.Johannes Müller: Grundzüge der Naturgeographie von Unterfranken. (= Fränkische Landschaft 1). Justus Perthes Verlag, Gotha 1996. S. 77.
Topographie Das Gemeindegebiet weist ein flachhügeliges Relief auf und besteht hauptsächlich aus Acker- und Grünland. Lediglich im Süden gibt es einige kleine Waldgebiete. Durch das Gemeindegebiet fließt die Gollach, ein rechter Nebenfluss der Tauber.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Weigenheim, Markt Nordheim, Ergersheim, Gallmersgarten, Ohrenbach, Adelshofen, Simmershofen, Gollhofen.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Mittlere Mühle, Obere Mühle und Riedmühle zählen zum Gemeindeteil Uffenheim. Dorfmühle und Zollhaus sind Wüstungen auf dem Gemeindegebiet von Uffenheim.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Brackenlohr, Custenlohr, Langensteinach, Rudolzhofen, Uffenheim, Uttenhofen, Wallmersbach und Welbhausen. Die Gemarkung Uffenheim hat eine Fläche von 12,513 km². Sie ist in 3806 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3287,64 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Schafhof.
Geschichte Archäologie Die langjährigen Forschungen des Archäologischen Arbeitskreises am Gollachgaumuseum haben nicht nur für das Umland, sondern auch für die Frühgeschichte der Stadt wichtige neue Erkenntnisse geliefert, die 1999 in einem ersten VorberichtW. Gebert, G. Schöck, P. Vychitil: Uffenheim von Anfang an. Archäologische Ausgrabungen am Schweinmarkt. Uffenheim 1999. publiziert wurden: Dazu gehören nicht nur Hinweise auf die Verteilung der mittelalterlichen Siedlungsaktivitäten über das Stadtgebiet, sondern vor allem der Nachweis eines frühen Siedlungskernes am Nordufer des Hainbaches im Bereich des heutigen Schweinemarktes spätestens aus dem 7. Jh. Ergänzend dazu ergaben sich neue Erkenntnisse durch die Ausgrabungen im Zusammenhang mit dem Neubau des Finanzamtes am Schlossplatz, die nicht nur Hinweise auf massive Geländeveränderungen mit bis zu 10 m hohen Auffüllungsschichten seit dem hohen Mittelalter lieferten. Damals konnte nachgewiesen werden, dass eine ältere Stadtmauer im unteren Bereich der Schlossstraße bestand. Die südliche Begrenzungsmauer des Schlossgrabens konnte auf das 12./13. Jh. datiert werden und lieferte erstmals einen Hinweis auf ein höheres Alter der Vorgängerburg.Stefan Wolters: Burg – Schloß – Schloßplatz: Neue Erkenntnisse zum mittelalterlichen Burgareal von Uffenheim. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 2003. Stuttgart 2004. S. 134 f. Den vorläufigen Höhepunkt der Forschungen von 2001 bis 2009 bildeten aber in den Kellern des Schlosses – ergänzt mit einer Sondierungsmaßnahme 2016 – die Auffindung einer 8,5 × 13 m großen Steinkirche mit halbrunder Apsis im Osten, die in ihren Außenmauern teilweise noch bis zu zwei Meter hoch erhalten ist, samt den Resten eines Altarblocks. Sowohl die Mauertechnik als auch C14-Proben aus mehreren Bereichen lassen mit großer Wahrscheinlichkeit darauf schließen, dass unmittelbar neben dem heutigen Schlosstor eine Kirche des 11. Jahrhunderts vermauert erhalten ist. Das wirft völlig neue Fragen zur Frühgeschichte Uffenheims, nach seinen Erbauern und nach dem Verhältnis zur Pfarrkirche St. Johannes auf.Marcus Beck: Die Kirche im Schloss. Ein unbekannter Sakralbau des 11. Jahrhunderts in Uffenheim. In: Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 59. Bonn 2018. S. 157–230, besonders S. 157–202. Nebenbei bemerkt dürfte es sich hier – nach der Krypta von Roßtal – um einen der ältesten erhaltenen Kirchenräume Mittelfrankens handeln.
Bis zum 19. Jahrhundert Der Ort wurde 1103 als „Offenheim“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist Offo, der Personenname des Siedlungsgründers.E. Fuchshuber: Uffenheim, S. 195 ff.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 225 f. Darin bezeugt der Edelfreie Burckhart von Uffenheim mit seinen beiden Söhnen die umfangreiche Schenkung des Ritters Diemar von Röttingen, der all sein Eigentum dem Kloster Hirsau überließ.HStA Stuttgart, Signatur: H 14 Nr. 143, fol. 32b Die Vorfahren des Burkhard von Uffenheim lassen sich nach einer neuen Studie (noch ohne Familiennamen) in der Region bis um 1050 zurückverfolgen. Ihre Bedeutung als Edelfreie von Uffenheim wird dort aufgezeigt. Sie haben über drei Generationen als Burgherren von Uffenheim auch die Umgebung mitgeprägt, aber um 1170 ihre Position hier aufgegeben und sind in den Steigerwald umgezogen. Zu den Beweisen dafür zählt eine Schenkung des Wasmut von Speckfeld 1217 in Uffenheim an den Deutschen Orden vor seinem Aufbruch zum Kreuzzug.W. Stadelmann, Die Edelfreien von Uffenheim, Mainfränkisches Jahrbuch 74, Neustadt/Aisch 2022, S. 255–286. Vermutlich in Uffenheim geboren wurde der bedeutende Geistliche Burkhard, der seit 1172 das Amt des Propstes von St. Maria und St. Gangolf in der Theuerstadt ausübte und seit 1183 zusätzlich das des Bamberger Domdekans, bis er im Sommer 1190 starb.W. Stadelmann, Die Edelfreien von Uffenheim, Mainfränkisches Jahrbuch 74, S. 267 f
Nach einer Periode unklarer Herrschaftsverhältnisse übernahmen um 1217 die Reichsministerialen von Uffenheim Burg und Ortsherrschaft und hatten im Auftrag der Staufer die Region in den Kämpfen dieser Zeit zu sichernW. Stadelmann, Die Edelfreien von Uffenheim, Mainfränkisches Jahrbuch 74, S. 279–281.. Sie waren mit den Herren von Burleswagen verwandt, was aus einer Urkunde aus dem Jahr aus dem Jahr 1227 hervorgeht, worin Ludwig von Uffenheim Friedrich von Burleswagen als seinen Bruder bezeichnet.K. Bosl, Rothenburg im Stauferstaat, Neujahrsblätter XX, Würzburg 1947, S. 26 f. Aufgrund ihrer Unterstützung für den aufständischen Königssohn Heinrich (VII.) mussten sie 1235 ihre Burg Virnsberg abtreten, was ihren Niedergang einläutete.K. Borchardt, Der sogenannte Aufstand Heinrichs (VII.) in Franken 1234/35, QFW 52, Würzburg 1998, S. 110, 114. W. Stadelmann, Anmerkungen zur Stadtentwicklung von Uffenheim, Uffenheim - Stadt und Land, Uffenheim 2004, S. 52.
Von ihnen zu unterscheiden sind die Würzburger Dienstmannen mit dem Beinamen Sweimar von Uffenheim, die sich nur kurze Zeit (1227–1258) nach dem Ort nennen und vielleicht auf der Burg im Osten der Stadt im heutigen Schlösslesbuck saßen.W. Stadelmann, Anmerkungen zur Stadtentwicklung von Uffenheim, Uffenheim - Stadt und Land, S. 52
Jedenfalls gelangte Uffenheim 1265/69 an die aufstrebenden Herren von Hohenlohe, die den Ort für mehr als ein Jahrhundert prägten und weiterentwickelten.W. Stadelmann, Anmerkungen zur Stadtentwicklung von Uffenheim, Uffenheim - Stadt und Land, S. 52–55. Im Jahre 1349 erhielt Uffenheim unter den Edlen von Hohenlohe von Kaiser Karl IV. das Stadtrecht. Das war der formale Abschluss eines längeren Prozesses, der bald nach der Übernahme durch die Hohenlohe mit der Einsetzung eines Schultheißen (vor 1281), der Erwähnung eines Getreidemasses (1288), der Erhebung zur Pfarrei (vor 1290) und dem Entstehen einer kleinen jüdischen Gemeinde (um 1300) begann. Die Lage an einer alten Fernstraße (erwähnt 1298) mit dem Geleitrecht der Herren von Hohenlohe nutzten diese zum Einsetzen eines Richters (1316), eines Amtmannes (1338) und eines Stadtgerichtes (1340) mit Kompetenzen für das Umland. Das Anwachsen der jungen Stadt zeigt die Gründung einer Frühmesse (1349) und eines Spitals 1360 durch den Stadtherrn Gerlach von Hohenlohe, der noch kurz vor seinem Bankrott eine eigene Uffenheimer Münzprägung installierte und den Zuzug von Kaufleuten und dem Landadel in seine Residenzstadt förderte.
Im Jahre 1378 wurde die Stadt an die Burggrafen von Nürnberg verkauft. Damals hatte die Altstadt allerdings noch nicht die heutige Größe erreicht, sondern reichte nach der Rekonstruktion von G. Rechter nach Norden nur bis zum Rathaus und nach Süden bis zum Schweinemarkt. Erst um 1400 unter maßgeblicher Förderung der Nürnberger Burggrafen mit Steuerprivilegien und persönlichen Besuchen wurden annähernd die heutige Größe erreicht und das 1360 vor der Stadtmauer gegründete Spital mit einbezogen. Verschieden Baumaßnahmen haben gezeigt, dass vor allem im Südwesten der Stadt in der Schlossniederung offenbar noch weitere Ausbauten erst nach der Zerstörung im Markgrafenkrieg von 1462 entstanden sind.
1427 verkauften die Hohenzollern die Nürnberger Burggrafenburg und das -amt an die Reichsstadt Nürnberg. Aus dem verbliebenen Rest der Burggrafschaft gingen die beiden Markgraftümer Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach hervor.
Schon 1528 führten die Hohenzollern als Markgrafen die Reformation ein. Ab 1500 lag die Markgrafschaft im Fränkischen Reichskreis.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Uffenheim 205 Anwesen. Das Hochgericht übte das ansbachische Oberamt Uffenheim aus. Das Kasten- und Stadtvogteiamt Uffenheim war Grundherr sämtlicher Anwesen.
Von 1791 bis 1806 waren die beiden fränkischen Markgrafschaften Ansbach-Bayreuth und damit auch Uffenheim preußisches Territorium, wobei der Freiherr von Hardenberg seine berühmten Reformen auch in diesem Gebiet erprobte. Von 1797 bis 1808 unterstand Uffenheim dem preußischen Justiz- und Kammeramt Uffenheim.
1806 kam der Ort an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde der Steuerdistrikt Uffenheim gebildet. Zu diesem gehörten Fallhaus, Hummelsberg, Mittlere Mühle, Obere Mühle und Riedmühle. Wenig später entstand die Munizipalgemeinde Uffenheim, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Uffenheim zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Uffenheim (1919 in Finanzamt Uffenheim umbenannt). Ab 1862 war das Bezirksamt Uffenheim für die Verwaltung der Gemeinde zuständig (1939 in Landkreis Uffenheim umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Uffenheim (1879 in Amtsgericht Uffenheim umbenannt), seit 1973 ist das Amtsgericht Neustadt an der Aisch zuständig. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 12,529 km².
In den Jahrzehnten der Industrialisierung blieb Uffenheim kleinstädtisch und Mittelpunkt des fruchtbaren Gollachgaus.