BLISS ist eine Systemprogrammiersprache, die um 1970 an der Carnegie Mellon University von W. A. Wulf, D. B. Russell und A. N. Habermann entwickelt wurde. Es war die bekannteste Systemprogrammiersprache, bevor einige Jahre später C aufkam. Von da an wurde C wichtiger als BLISS. In den ersten Jahren der Existenz von C gab es bei den Bell Labs einige Projekte, die BLISS gegenüber C im Vorteil sahen.

BLISS ist eine untypisierte blockstrukturierte Programmiersprache, bei der Ausdrücke im Vordergrund stehen und nicht Anweisungen. Sie enthält Konstrukte für Ausnahmebehandlung, Koroutinen und Makros. BLISS bietet keine GOTO-Anweisung an.

Der Name BLISS steht für „Basic Language for Implementation of System Software“; manchmal wird die Abkürzung wegen des Autors William Wulf auch als „Bill's Language for Implementing System Software“ interpretiert.

Der ursprüngliche Compiler der Carnegie-Mellon-Universität war berühmt wegen seiner weitreichenden Optimierungen und bildete den Hintergrund des Lehrbuchs The Design of an Optimizing Compiler.

Die Digital Equipment Corporation entwickelte und pflegte BLISS-Compiler für die PDP-10, PDP-11, DEC Alpha, DEC PRISM, Intel IA-32, Intel IA-64 und VAX und verwendete sie in den 1980er Jahren intensiv hausintern. Die meisten Dienstprogramme für das Betriebssystem VMS waren in BLISS-32 geschrieben.

Eigenschaften der Sprache Aus dem Handbuch:

Grundlegende Eigenschaften von BLISS sind die folgenden:

Alle Konstanten sind Ganzwortwerte für die verwendete Maschine, das heißt also, auf einer 16-bit-Maschine wie der PDP-11 umfasst eine Konstante 16 Bit, auf einer VAX 32 Bit und auf einer PDP-10 36 Bit.

An den Namen einer Variablen wird immer die Adresse der Variablen gebunden, nicht ihr Wert. Beispielsweise bedeutet die Instruktion Z+8, dass die Zahl 8 auf die Adresse von Z addiert wird, nicht auf ihren Wert. Wenn der Wert von Z erhöht werden soll, muss die Adresse erst durch Voranstellen eines Punkts dereferenziert werden, das heißt also .Z+8.

Bezeichner für Variablen und Konstanten müssen vor ihrer Verwendung deklariert werden, typischerweise mit dem Schlüsselwort OWN. Der Compiler wird dann normalerweise einen Speicherplatz dafür allozieren; eine Variable kann aber auch mit der Deklaration BIND an eine bestimmte Speicheradresse oder ein Maschinenregister gebunden werden. Eine Wertzuweisung wird mit dem Symbol = notiert. Die Anweisung Z=8 spezifiziert eine Ganzwortkonstante mit dem Wert 8 und speichert sie an der Adresse von Z. Im Licht anderer Programmiersprachen ungewöhnlich ist, dass auch die Anweisung Z+12=14 oder 12+Z=14 zulässig ist, welche den Wert 14 an die um 12 erhöhte Adresse von Z speichert. Für den Vergleich werden Schlüsselwörter wie EQL („gleich“), GTR („größer“) und NEQ („ungleich“) verwendet. Das folgende Programmstück weist den Absolutwert von Z an die Adresse von Q zu:

Q = (IF .Z GTR 0 THEN .Z ELSE -.Z);

Blöcke (zusammengesetzte Anweisungen) sind ähnlich zu denen von ALGOL: Ein Block beginnt mit BEGIN, endet mit END und kann eigene lokale Variablen definieren. Eine besondere Rolle spielt das Semikolon („;“). In Algol dient es dazu, einzelne Anweisungen voneinander zu trennen; in BLISS bestimmt es, ob der Wert eines Ausdrucks erhalten bleibt oder nicht. Das folgende Beispiel stammt aus dem Bliss Language Manual:

Z = BEGIN LOCAL TEMP; TEMP = .X; X = .Y; Y = .TEMP; .X EQL .Y END

Hier wird eine lokale Variable TEMP definiert, mit deren Hilfe die Inhalte zweier Variablen ausgetauscht werden. Anschließend werden die Variablen noch auf Gleichheit getestet und, weil hinter dieser Anweisung kein Semikolon steht, bleibt das Ergebnis des Vergleichs (0 oder 1) erhalten und wird der Variablen Z zugewiesen.

Unterprogramme werden mit dem Schlüsselwort ROUTINE eingeleitet.

Makros werden mit dem Schlüsselwort MACRO eingeleitet.

BLISS kennt arrays, die hier als structures bezeichnet und mit dem Schlüsselwort VECTOR deklariert werden.

Komplexe Fallunterscheidungen mit Hilfe von CASE-Ausdrücken Zählschleifen mit Hilfe von INCR-Ausdrücken Eingebaute Funktionen zur Verarbeitung von Zeichenketten Automatische Datenkonvertierungen, zum Beispiel zwischen Zahlen und Zeichenketten

Beispiel Das folgende Beispiel stammt aus dem Bliss Language Manual:

MODULE E1 (MAIN = CTRL) = BEGIN FORWARD ROUTINE CTRL, STEP; ROUTINE CTRL = !+ ! This routine inputs a value, operates on it, and ! then outputs the result. !- BEGIN EXTERNAL ROUTINE GETNUM, ! Input a number from terminal PUTNUM; ! Output a number to terminal LOCAL X, ! Storage for input value Y; ! Storage for output value GETNUM(X); Y = STEP(.X); PUTNUM(.Y) END; ROUTINE STEP(A) = !+ ! This routine adds 1 to the given value. !- (.A+1); END ELUDOM

Versionen

BLISS-10 BLISS-11 – ein Crosscompiler für die PDP-11 BLISS-16 BLISS-16C – die DEC-Version von BLISS-11 BLISS-32 BLISS-36 BLISS-64 Common BLISS – eine portable Teilmenge

Literatur W. A. Wulf, D. B. Russell, A. N. Habermann: BLISS: A Language for Systems Programming. CACM 14(12), Dez. 1971, S. 780–790. W. A. Wulf, R. K. Johnson, C. B. Weinstock, S. O. Hobbs, C. M. Geschke: The Design of an Optimizing Compiler. New York: Elsevier, 1975, ISBN 0-444-00158-1.

Weblinks PDF-Dateien mit Handbüchern (englisch) Alan Lehotsky berichtet über die Verwendung von BLISS bei DEC (englisch) Language Reference Manual „BLISS: A Language for Systems Programming“ von W.A. Wulf, D.B. Russell, und A.N. Habermann. (PostScript) Session notes for „Introduction to BLISS“ von Matthew D. Madison. (PostScript)

Downloads BLISS-10 BLISS-36 BLISS-11, BLISS-32 and BLISS-64

Einzelnachweise

Kategorie:Programmiersprache