Johann Reinhard Ziegler, oft auch Johann Erhard Ziegler (* 8. Mai 1569 in Edenkoben; † 24. Juli 1636 in Mainz) war ein Jesuitenpater, Mathematiker, Astronom und Architekt, Rektor der Universität Mainz, sowie einflussreicher Berater von drei Mainzer Kurfürsten.
Leben und Wirken
Johann Reinhard Ziegler wurde im vorderpfälzischen Edenkoben geboren und konvertierte vom Calvinismus zum katholischen Glauben.Quelle zur Konversion von J. Reinhard Ziegler 1588 trat er in den Jesuitenorden ein, studierte Mathematik, später auch Philosophie und Theologie. Den philosophischen Magistergrad erwarb er 1590 in Würzburg, bei dem Jesuitenprofessor Johann Mulhusinus (1560–1609),Zu Johann Mulhisinus zusammen mit dem späteren Speyerer Weihbischof Johann Streck (1571–1623)Zu Weihbischof Johann Streck aus Undenheim.Quelle zum Erwerb des Magisters in Philosophie
Danach amtierte Pater Ziegler als Rektor der Jesuitenkollegien zu Aschaffenburg und Mainz. An der Universität Mainz lehrte er schließlich als Professor in den genannten Fächern und bekleidete auch das Amt des Rektors.Ziegler als Rektor der Universität Mainz Mit dem Astronomen Johannes Kepler unterhielt er einen freundschaftlich-wissenschaftlichen BriefwechselBrief von Kepler an ZieglerBriefe von Ziegler an Kepler und er arbeitete eng mit Adriaan van Roomen in Würzburg zusammen, den er auch bei der Herausgabe mathematischer und astronomischer Schriften unterstützte.Otto Volk: Mathematik, Astronomie und Physik in der Vergangenheit der Universität Würzburg. In: Peter Baumgart (Hrsg.): Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Degener & Co. (Gerhard Gessner), Neustadt an der Aisch 1982 (= Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Band 6), ISBN 3-7686-9062-8, S. 751–785; hier: S. 753. Ziegler war befreundet mit seinem Ordensbruder, dem Mathematiker Christophorus Clavius und besorgte in Mainz 1611/12 die Herausgabe dessen fünfbändigen Werkes „Opera Mathematica“.Druck der Opera Mathematica von Clavius, durch Reinhard ZieglerDruck der "Opera Mathematica" von Clavius, durch Reinhard Ziegler Der Jesuitengelehrte Athanasius Kircher war ein Schüler von Johann Reinhard Ziegler.Athanasius Kircher als Schüler von Ziegler Pater Kircher erfand unter anderem das „Pantometrum Kircherianum“, ein universales Messinstrument, zu dem er nach eigenen Aussagen durch Johann Reinhard Ziegler inspiriert wurde.Zum „Pantometrum Kircherianum“ Der Jesuit Caspar Schott, wiederum ein Schüler Kirchers, schreibt 1660 im Vorwort zu seinem Werk über das „Pantometrum Kircherianum“:
Johann Reinhard Ziegler fungierte von 1612 bis zu seinem TodeKurfürstlicher Beichtvater von 1612 bis zum Tode in Mainz als Beichtvater und Vertrauter der drei Kurfürsten Johann Schweikhard von Cronberg, Georg Friedrich von Greiffenclau zu Vollrads und Anselm Casimir Wambolt von Umstadt.Pater Ziegler als Beichtvater dreier Kurfürsten Letzterer war selbst ein calvinistischer Konvertit und stammte – ebenso wie Ziegler – aus dem Fürstbistum Speyer. Für Kurfürst und Erzbischof Johann Schweikhard von Cronberg verfasste Ziegler 1626 die Trauerpredigt, die auch im Druck erschien.Pater Zieglers Trauerpredigt auf Kurfürst Johann Schweikhard von Cronberg
Öfter wirkte Pater Ziegler als Gesandter der katholischen deutschen Fürsten, so 1634 bei Papst Urban VIII. in Rom.Gesandter in Rom Durch die Freundschaft mit dem Berater und Beichtvater des Kaisers, Pater Wilhelm Lamormaini, verfügte Johann Reinhard Ziegler auch über gute Verbindungen zum Kaiserhof in Wien.Freundschaft zwischen Lamormaini und ZieglerWirken von Lamormaini und Ziegler Mit dem Apostolischen Nuntius in Köln, Pier Luigi Carafa, stand Pater Ziegler in permanentem Kontakt.Ziegler und Nuntius Carafa
Pater Johann Reinhard Ziegler S.J. gehörte zu den einflussreichsten und geistvollsten Persönlichkeiten seiner Zeitepoche in Deutschland. Ein Nekrolog bezeichnete ihn als „ausgezeichneten Mathematiker und Architekten“.Zitat aus einem Nekrolog auf Johann Reinhard Ziegler
Zeitweise publizierte Pater Ziegler unter dem Pseudonym „Joanni Oedikhovio Nemeto“, wobei „Oedikhovio“ wohl vom Geburtsort Edenkoben und „Nemeto“ vom alten römischen Namen Speyers (Nemetum) abgeleitet ist.Publikation als „Joanni Oedikhovio Nemeto“
Literatur Peter Claus Hartmann: Die Jesuiten. C.H. Beck, München, 2001; Scan des Abschnitts über Johann Reinhard Ziegler
Johann Reinhard Ziegler, Dispvtatio Philosophica, De Distinctionibvs, 1590 | ist hier online
Weblink
Abhandlung der Universität Würzburg über Athanasius Kircher und sein „Pantometrum“, Kapitel 5 (PDF; 2,1 MB) mit mehreren Anmerkungen über Johann Reinhard Ziegler
Einzelnachweise
Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (16. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (17. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (16. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (17. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Mainz, 1477–1823) Kategorie:Jesuit Kategorie:Person (Edenkoben) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1569 Kategorie:Gestorben 1636 Kategorie:Mann