Weissach im Tal ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist Unterweissach.

Geographie mini|Unterweissach aus der Luft von Süden, 1985 Geographische Lage Weissach im Tal liegt in 255 bis 460 Meter Höhe am Rand des Schwäbischen Waldes in der Backnanger Bucht nordöstlich von Stuttgart. Das von der Weißach durchflossene Gemeindegebiet hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge, Neckarbecken sowie Schurwald und Welzheimer Wald.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009.

Die höchsten Erhebungen auf Gemeindegebiet sind der Käsbühl (425 m), gefolgt von dem Brucher Berg (373 m), dem Hochholz (331 m) und dem Dresselberg (325 m).

Gemeindegliederung Die Gemeinde Weissach im Tal entstand durch Zusammenschluss von vier ehemals selbständigen Gemeinden. Auf dem Gebiet der Gemeinde liegen elf Dörfer, Weiler, Höfe und Einzelhäuser.

Zur ehemaligen Gemeinde Bruch gehört allein das Dorf Bruch. Zur ehemaligen Gemeinde Cottenweiler gehört das Dorf Cottenweiler und der Weiler Viehhaus. Zur ehemaligen Gemeinde Oberweissach gehört das Dorf Oberweissach und die Weiler Kammerhof und Wattenweiler.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 516–517. Zur ehemaligen Gemeinde Unterweissach gehören neben dem Dorf Unterweissach die Weiler Aichholzhof, die Dresselhöfe (bestehend aus dem Mitteldresselhof, dem Oberdresselhof und dem Unterdresselhof) sowie die kleinen Wohnplätze Franzenweiler und Seemühle.

Wüstungen Auf dem Gebiet der Altgemeinde Cottenweiler liegt die abgegangene Siedlung Bürg.

Aufgegangene Siedlungen In Unterweissach aufgegangen sind die Wohnplätze Benzenmühle und Neumühle.

In früheren Zeiten gehörte auch Sachsenweiler zu Unterweissach, ehe der Ort 1936 an Backnang abgetreten wurde.

Wohngegenden Weiterhin werden in Unterweissach Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Geschichte ergeben haben und die nicht genau abgrenzbar sind. Hierzu gehören beispielsweise die Quartiere Bergfeld-Steingärten, Breitäckersiedlung, Kelterweinberge, Kirchberg, Presteneck und die Sandäcker.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Weissach im Tal.

Geschichte

Urgeschichte Wahrscheinlich lebten schon in der Steinzeit Menschen im Weissacher Tal, jedenfalls legt dies der Fund einer Steinhacke im Nachbarort Allmersbach im Tal nahe: 1978 fand der Bürger Karl Hofbauer bei Bauarbeiten an seinem Wohnhaus eine Steinhacke, welche auf ein Alter von etwa 4000–7000 Jahren geschätzt wird.

Antike Ein Hügelgrab im Wald Rotenbühl bei Allmersbach im Tal beweist die Anwesenheit der Kelten in der Gegend.

In der Römerzeit gehörte das Gebiet der heutigen Gemeinde Weissach im Tal zum Dekumatland, dem rechtsrheinischen Teil der Provinz Germania superior. mini|Wappen der Herren von Weissach (aus Siebmachers Wappenbuch) zeigt drei 2:1 angeordnete Kolbenturnierhelme Funde aus der Römerzeit wurden in der Gemeinde noch nicht gemacht, jedoch könnte der Höhenweg, der von Lippoldsweiler kommend nördlich an Oberweissach vorüber zum Aichholzhof zieht, Teil einer alten Römerstraße gewesen sein, welche einst die römische Niederlassung Bad Cannstatt mit dem Kastell Murrhardt verband. Diese Straße wurde früher auch Prälaten- oder Steinwegle genannt. Wahrscheinlich blieben Reste romanischer Bevölkerung auch nach dem Limesfall im Weissacher Tal zurück, da der Ortsname Däfern in der Nachbargemeinde Auenwald auf das lateinische Wort für Gasthaus („taberna“) zurückzuführen ist.

Nach dem Limesfall und der Aufgabe des Dekumatlandes durch die Römer drangen die Alemannen in das Gebiet vor. Sie begannen mit der Neubesiedlung des weitgehend menschenleeren Gebiets. Nach dem Sieg der Franken über die Alemannen in der Schlacht von Zülpich 496 kam Alemannien in den Machtbereich der Franken, welche eine systematische Christianisierung durchführten. Beim so genannten Blutgericht zu Cannstatt 746 beseitigten die Franken den letzten Widerstand der Alemannen.

Mittelalter mini|Rathaus in Unterweissach (erbaut 1612) Das Weissacher Tal wurde vermutlich im 8. Jahrhundert besiedelt. In einer Schenkungsurkunde von 1027, mit der Konrad II. dem Würzburger Bischof Wald um Murrhardt überließ, wurde Weissach erstmals als Wizzaha erwähnt. Unterweissach und Oberweissach wurden anlässlich einer Schenkung Papst Innozenz’ IV. an das Stift Backnang 1245 erstmals erwähnt.Zürn 1980, S. 342/343.

In dieser Urkunde bestätigte der Papst dem Stift Backnang Besitztümer in Unterweissach, Oberweissach und der Dresselhöfe. Ursprünglich im Machtbereich der Markgrafen von Baden gelegen, gelangten die Orte spätestens gegen Ende des Mittelalters an die Grafschaft beziehungsweise an das Herzogtum Württemberg. Ein Adelsgeschlecht der Herren von Weissach ist in Urkunden belegt. 1253 wird ein Edelmann Wolfram von Weissach und 1349 ein Rudolf von Weissach erwähnt. 1358 werden die Frauen Elisabeth und Agnes von Weissach erwähnt, die als Nonnen im Kloster Mariental lebten und ihre Güter dem Stift Backnang vermachten. Martin Crusius erwähnt in seinen Annalen, dass ein Rudolf von Weissach Backnang mit einer Mauer umgeben habe. Matthäus Merian übernahm diese Behauptung von Crusius in seiner Topographia Sueviae. Allerdings widerspricht dies den erhaltenen Urkunden. Die Familie soll auch die Burg Ebersberg um 1100 errichtet haben. Sie war vermutlich mit dem Geschlecht derer von Maubach verwandt; nach Gerhard Fritz legen dies die Wappen der Familien nahe. Eine Burg der Herren von Weissach konnte auf dem heutigen Gemeindegebiet jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Als möglicher Standort einer Burg kommt nur der Kammerhof in Frage: Karl Eduard von Paulus gab in seiner Beschreibung des Oberamts Backnang die mündlichen Überlieferung wieder, wonach dort einst ein Schloss gestanden haben soll. Im 14. Jahrhundert starb das Geschlecht aus.

Cottenweiler wurde 1231 als Cottenwilare erstmals in einer Vergleichsurkunde erwähnt. In dieser Vergleichsurkunde wurde ein Gebietsstreit zwischen dem Haus Baden und dem Augustiner-Chorherrenstift Backnang beigelegt. Diesem Streit ging folgender Sachverhalt voraus: Markgraf Hermann V. von Baden hatte an der Stelle, „wo einst die reichsten Wiesen blühten“, einen künstlichen See angelegt. Der See befand sich zwischen Unterweissach und Cottenweiler und hatte einst eine beträchtliche Ausdehnung. Dazu wurden die Weißach und mehrere andere Bäche aufgestaut und so die umliegenden Wiesen überflutet. Allerdings beanspruchte auch das Backnanger Stift dieses Gebiet. Markgraf Hermann V. einigte sich schließlich mit den Chorherren dahingehend, dass er als Entschädigung für den Rechtsverlust an den Wiesen dem Stift das Patronat über die Kirche in Lendsiedel und das Eigentum an einer Mühle bei Reichenberg übertrug. Das so geschaffene Gewässer wurde Weissacher See genannt und hatte die Ausdehnung von etwa 90 Morgen. Die Bauern der Umgebung mussten für den See Fronarbeit leisten. Da der Genuss von Fleisch während der Fastenzeit untersagt war, war die Fischzucht sehr bedeutend. Mit der Reformation büßte die Fischzucht viel von ihrer einstigen Wichtigkeit ein. Im Dreißigjährigen Krieg ist der See abgegangen, die Reste wurden in den 60er Jahren des 17. Jahrhunderts auf Befehl des Herzogs von Württemberg trockengelegt und in Wiesen umgewandelt. Heute erinnert die Seemühle und Flurnamen wie Seeberg, Seegut und Seewiesen an den einstigen See. Der Fisch im Wappen von Cottenweiler weist auf den einstigen Fischreichtum des Dorfes hin.

Reformation und Bauernkrieg Wie die umliegenden Gemeinden wurde auch Weissach im Tal von den Unruhen des Bauernkriegs erfasst: So zogen 1514 Bauern des Weissacher Tals unter Führung von Michael Schuhmacher aus Cottenweiler ins Remstal um sich dort dem Armen Konrad anzuschließen. 1535 wurde im ganzen Weissacher Tal die Reformation eingeführt. Erster evangelischer Pfarrer wurde Johannes Scholl.

Dreißigjähriger Krieg und Franzoseneinfälle 1612 wurde in Unterweissach das Rathaus gebaut, welches bis heute als solches genutzt wird. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Weissacher Tal mehrmals grausam heimgesucht und die Menschen hatten unter Einquartierungen und Plünderungen zu leiden. Von 1636 bis 1638 war Unterweissach unbewohnt, da die ganze Einwohnerschaft vor den Soldaten geflohen war. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde das Weissacher Tal erneut von durchziehenden französischen Soldaten unter Ezéchiel Comte de Mélac heimgesucht.

19. Jahrhundert Von 1806 bis 1918 waren die Orte des Weissacher Tals Bestandteile des Königreichs Württemberg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es aufgrund von Missernten zu einer Auswanderungswelle. Hinzu kamen religiöse Auseinandersetzungen: Viele fromme Pietisten fühlten sich in der immer liberaler werdenden Amtskirche nicht mehr heimisch. Als der Staat ihre Versammlungen verbot und ihre Anführer verhaften ließ, rief der charismatische Laienprediger Leibbrandt, ein Ziegeleibesitzer aus Unterweissach, seine Anhänger, die sich Harmonie der Kinder Gottes nannten, zur Auswanderung auf. Die Gruppe erwartete die baldige Wiederkunft Jesu Christi und plante die Ausreise nach Armenien, wo sie sich am Berg Ararat ansiedeln wollten. Im Frühjahr 1817 zog die Anhänger Leibbrandts nach Ulm, wo sie kleine Schiffe bestiegen (so genannte Ulmer Schachteln). Begleitet von Chorälen, Posaunen und Trompeten fuhren sie donauabwärts. Über Wien, Budapest und Belgrad gelangte die Gruppe ins Osmanische Reich und von dort nach Bessarabien, wo sie sich mit Genehmigung des Zaren als Bauern niederließen. Eine andere Gruppe siedelte sich in der Nähe von Tiflis an.

Erster Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg wurden 170 Männer aus Unterweissach zum Dienst in die württembergischen Armee eingezogen, was 7 % der damaligen Einwohnerschaft entsprach. Bis Kriegsende 1918 sind 43 davon gefallen. Oberweissach hatte 12 Tote, während Cottenweiler 15 Gefallene zu beklagen hatte.

Zwischenkriegszeit Die Wirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit ab 1929 führten zu einer zunehmenden politischen Radikalisierung. Bei der Reichstagswahl vom 6. November 1932 erhielten die Nationalsozialisten in Unterweissach 45,8 % der Stimmen. Bei der Reichstagswahl vom 5. März 1933 erhielt die NSDAP schon 66 % in Unterweissach. Die neuen NS-Machthaber setzten nun Gebietsreformen durch. 1934 wurde das Oberamt Backnang zunächst in Kreis Backnang umbenannt. 1938 wurde der Kreis erweitert und abermals in Landkreis Backnang umbenannt. 1936 musste die Gemeinde Unterweissach den Ort Sachsenweiler an die Stadt Backnang abtreten.

Zweiter Weltkrieg