270px|mini|Mitteldachstetten, Blick auf eine Straße mit Turm der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche

Mitteldachstetten (fränkisch: Middl-doochschdäddnE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 133. Dort folgendermaßen transkribiert: „midldṓchschdędn“.) ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Oberdachstetten im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern) und eine Gemarkung.

Geografie Lage Das Pfarrdorf liegt an der Fränkischen Rezat, der dort der Wasengraben von rechts und der Ullenbach von links zufließen. Im Westen liegt das Heimatsfeld, 1 km nördlich erhebt sich das Fuchseck (), im Nordosten liegt der Adelberg. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Möckenau (1,4 km westlich), nach Hohenau (1,3 km südwestlich) und nach Berglein (1,0 km östlich). Die Gemeindeverbindungsstraßen nach Möckenau und Hohenau verlaufen beide weiter zur Bundesstraße 13.

Gemarkung Die Gemarkung Mitteldachstetten hat eine Fläche von 11,525 km². Sie ist in 966 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Berglein, Dörflein, Hohenau, Möckenau und Spielberg.

Geschichte Mitteldachstetten wurde vermutlich im 12./13. Jahrhundert von Oberdachstetten aus als Ausbausiedlung errichtet. 1318 wurde der Ort erstmals als „Mittelen Tagstete“ urkundlich erwähnt. E. Fechter deutet Tagstete als Hinweis auf eine Gerichtsstätte.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 133.

Im 14./15. Jahrhundert wurde eine Dorfkirche mit Wehrfriedhof errichtet. Der zweigeschossige Chorturm hatte Schießscharten und stammt aus dieser Zeit. Der Saalbau wurde erst im 18. Jahrhundert errichtet. Das Pfarrhaus stammt aus dem Jahre 1762. Die ehemalige Wassermühle (1792 bezeugt) schmückt das Mühlrad-Wappen. In der Reformationszeit waren der Komtur von Virnsberg und Apel von Seckendorf Patrone von Mitteldachstetten. Nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort zur neuen Heimat von rund 30 Exulantenfamilien aus Österreich.E. Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Leutershausen, S. 56 f. u. passim.

Zur Kirchengemeinde Mitteldachstetten gehörte Berglein mit der evangelisch-lutherischen Filialkirche St. Kilian und Kunigunde, mitten im Friedhof gelegen. An die Herrschaft des Deutschordens erinnern eine Zehntscheune mit dem Wappen des Ordens, Trophäen und Helmzier (1771 bezeugt), das Deutschordenswappen über der Tür des Gasthauses, Hausnummer 8 (bezeugt 1784) und der Grenzstein Nr. 20 zwischen dem markgräflichen und dem Deutschordensgebiet mit beiderseitigem Wappenrelief am Weg zu der Hochstraße Richtung Egenhausen (wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert).

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Mitteldachstetten 24 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Vogtamt Birkenfels. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach (14 Anwesen; Vogtamt Birkenfels: 3 Höfe, 1 Halbhof, 2 Köblergüter, 1 Söldengütlein, 1 Tafernwirtschaft, 1 Leerhaus; Hofkastenamt Ansbach: 3 Köblergüter; Vogtamt Flachslanden: eines, Ansbacher Rat: 1 Halbhof), der Deutsche Orden (6 Anwesen; Obervogteiamt Virnsberg: 1 Halbhof, 1 Köblergut, 1 Söldengütlein; Kommende Nürnberg: 1 Viertelhof, 2 Köblergüter) das Rittergut Rügland der Herren von Crailsheim (1 Mühle, 1 Köblergut, 1 Söldengütlein), das Rittergut Obernzenn der Herren von Seckendorff-Aberdar (1 Schmiedgut). Neben diesen Anwesen gab es noch kirchliche Gebäude (Kirche, Pfarrhaus) und kommunale Gebäude (Schulhaus, Ochsen-Hirtenhaus, Kuh-Hirtenhaus).M.Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 887 f.Nach (= J. K. Bundschuh, Bd. 3, Sp. 621) waren 16 von den 24 Untertansfamilien ansbachisch. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.

1806 kam Mitteldachstetten an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Mitteldachstetten gebildet, zu dem Hohenau, Möckenau und Spielberg gehörten. Die Ruralgemeinde Mitteldachstetten entstand 1810Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 964. und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Leutershausen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. 1819 wurde die Gemeinde ins Landgericht Ansbach überwiesen, was aber bereits 1821 wieder rückgängig gemacht wurde.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 945. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden in Mitteldachstetten drei Anwesen von 1820 bis 1848 dem Patrimonialgericht Rügland und ein Anwesen von 1820 bis 1848 dem PG Obernzenn (Seckendorff-Gutend).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 972 und 1001.

Ab 1862 gehörte Mitteldachstetten zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Leutershausen, seit 1880 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig. Die Finanzverwaltung ging 1880 auf das Rentamt Ansbach (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt) über.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1000 f. Am 30. August 1923 wurden Berglein und Dörflein von Neustetten nach Mitteldachstetten umgemeindet.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 948. Dadurch vergrößerte sich die Gebietsfläche der Gemeinde von 7,94 km² auf 10,80 km². Am 1. Januar 1972 wurde Mitteldachstetten im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Oberdachstetten eingemeindet.

Historische Beschreibung In der Historischen und topographischen Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach gibt es über Mitteldachstetten folgenden Eintrag:

Baudenkmäler In Mitteldachstetten gibt es acht Baudenkmäler: evangelisch-lutherische Pfarrkirche, Langhaus Mitte 18. Jahrhundert, Chorturm 14./15. Jahrhundert; mit Ausstattung; Friedhof, ehemalige Wehrmauer, im Kern wohl spätmittelalterlich, mit Grabsteinen, mit Holzpfostenportal 1776 Haus Nr. 2: ehemaliges Schulhaus Haus Nr. 8: Wohnhaus Haus Nr. 9: ehemalige Wassermühle Haus Nr. 14: Wohnstallhaus Haus Nr. 15: ehemaliges Pfarrhaus Haus Nr. 16: Wohnhaus Haus Nr. 26: ehemaliger Brauereigasthof

Bodendenkmäler In der Gemarkung Mitteldachstetten gibt es sechs Bodendenkmäler.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Mitteldachstetten Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 290 305 326 330 331 340 332 328 337 328 318 294 285 298 302 306 386 406 387 589 580 541 446 369HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 49 56 63 60 64 62 73 81 88 Quelle Für die Gemeinde Mitteldachstetten zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Hohenau (S. 42), Möckenau (S. 68) und Spielberg (S. 87).

Ort Mitteldachstetten Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2006 2015 2019Einwohner 140 151 164 179 178 149 153 229 202 148 122 131 151 158Häuser 31 28 34 33 29 33 38 37 Quelle

Religion Mitteldachstetten ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Jakob. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Dionysius (Virnsberg) gepfarrt.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Geographie (Oberdachstetten) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1318 Kategorie:Gemeindegründung 1810 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ort an der Fränkischen Rezat Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach