miniatur|Logo bis 2012 Die Vivanco Gruppe mit Sitz in Ahrensburg war ein Anbieter für Geräte und Verbindungszubehör in Europa. Das Unternehmen entwickelte, beschaffte und lieferte Zubehör aus den Segmenten Unterhaltungselektronik sowie Informationstechnologie und Telekommunikation.
Im März 2025 übernahm das italienische Unternehmen SBS S.p.A. das gesamte Produkt- und Vertriebsgeschäft der Vivanco Gruppe AG, einschließlich der Rechte an der Marke „Vivanco“ und weiteren eingetragenen Marken.
Die Vivanco GmbH versuchte mit dem 2018 erworbenen Dienstleistungsgeschäft (Retail Services / POS-Servicegesellschaft) ein neues Geschäftsfeld aufzubauen.
Geschichte 1919 gründete der Kaufmann Edgar de Vivanco ein Handelsunternehmen in Hamburg. Ein Jahr später stieg sein Bruder Gustavo mit ein. Damit entstand 1920 die offene Handelsgesellschaft Vivanco & Co. in Hamburg. Das Unternehmen spezialisierte sich auf den deutschen Im- & Export mit den Philippinen. Während vor allem Konsumgüter nach Fernost verkauft wurden, kehrte man mit Rohstoffen wie Hanf und Tabak zurück, der in die Niederlande, nach Belgien und Algerien exportiert wurde.
Gustavo starb bereits 1943. Edgar de Vivanco starb 1968 im Alter von 83 Jahren, sein Grab ist noch auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf erhalten geblieben.
Nach dem Tod der Firmengründer beendete das Unternehmen den Rohstoff-Handel. Mit dem Umzug nach Ahrensburg 1970 begann der Import von elektrischen Konsumgütern sowie der Vertrieb von Produkten unter der Marke Vivanco über ein eigenes Vertreternetz in Deutschland.1980 erfolgte der Einstieg in das Zubehörgeschäft für Unterhaltungselektronik.
1997 wurde Vivanco schließlich zur Vivanco Gruppe Aktiengesellschaft umgewandelt, 1999 folgte die Erstnotierung an der Frankfurter Wertpapierbörse.
Durch Zukäufe wurde zusätzliches, aber unkontrolliertes Wachstum generiert. Für 1999 verzeichnete die Unternehmensgruppe eine Umsatzsteigerung von 31 Prozent auf rund 247 Millionen Mark. Bereits ein Jahr später rutschte Vivanco erstmals in die roten Zahlen. Der hohe US-Dollarkurs ließ die Beschaffungskosten stark steigen. Zusätzlich belastet eine Wertberichtigung in Höhe von 5,1 Mio. DM das Ergebnis. Diese resultiert aus einer 24,7 Prozent Beteiligung an der Boeder Holding GmbH, die einen Insolvenzantrag stellte.
Zu Beginn des Börsengangs besaß die Gründerfamilie noch die Aktienmehrheit. 2001 waren es nur noch 13 Prozent.
Die NORD Holding, die sich schon vor 1999 am Unternehmen beteiligte, erwarb 2001 die Aktienmehrheit mit 51 Prozent. An der NORD Holding Hannover sind wiederum die NordLB, die VGH und einige Großsparkassen aus Niedersachsen beteiligt.
2006 erfolgte eine Teilübernahme durch Lone Star.
Am 29. März 2011 übernahm die 2010 in Ahrensburg gegründete Tochtergesellschaft Xupu Electronics Technology GmbH des chinesischen Mischkonzerns Ningbo Ship Group das Aktienpaket der LSF Irish Holdings III Limited (Lone Star Funds) mit 66,67 Prozent der Aktien der Vivanco Gruppe AG. In den Folgejahren, bis zur Umwandlung der AG in eine GmbH 2025, baute der Mehrheitsaktionär den Anteil auf 83,03 Prozent aus.
Die Ship Group war schon zuvor ein bedeutender Lieferant für elektronische Zubehörprodukte für Vivanco, die die Ship Group in ihren chinesischen Werken produziert.
Wenyang Zhang, Vorstandsvorsitzender der Ningbo Ship Investment Group Ltd, Ningbo, China sowie der Zhejiang Ship Electronics Technology Co., Ltd, Zhejiang, China wurde am 25. August 2011 auf der Hauptversammlung der Vivanco Gruppe AG zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.
Die Strategie, die günstig in China produzierten Produkte über das Vertriebsnetz der Vivanco Gruppe in Deutschland und Europa in den Handel zu bringen, kam ins Wanken. Die Endverbraucher wanderten zunehmend in den Onlinehandel ab. Gleichzeitig reduzierte der stationäre Handel die Flächen.
Schließlich begann der sukzessive Verkauf der Auslandsgesellschaften an den italienischen Mitbewerber SBS S.p.A. in Miasino. 2023 wurde Vivanco Austria GmbH veräußert, 2024 folgten die Beteiligungen in der Schweiz, Großbritannien und weiteren EMEA-Staaten zusammen mit allen Lizenzen.
Am 1. Februar 2026 ordnete das Amtsgericht Reinbek die Eigenverwaltung der Vivanco GmbH und der Vivanco Gruppe GmbH an. Für die Vivanco GmbH war ein Insolvenzplan vorgesehen, der im Juli 2026 zurückgezogen wurde. Mit Ablauf des 31. Juli 2026 wurde die Eigenverwaltung aufgehoben und über das Vermögen der beiden Gesellschaften jeweils ein Insolvenzverfahren eröffnet. Zum Zeitpunkt der Insolvenz beschäftigte Vivanco rund 300 Mitarbeiter. Zudem ist seit dem 1. August 2026 ein Insolvenzverwalter für die beiden Gesellschaften bestellt.
Beteiligungsstruktur Anteil Anteilseigner 83,03 % Xupu Electronics Technology GmbH, Ahrensburg 5,00 % Philipp Gerding, Frankfurt am Main 11,97 % Streubesitz: Aktionäre mit jeweils weniger als 3 % Anteilen Stand: 20. Juni 2025/Formwechselbericht
Weblinks
Einzelnachweise
Vivanco Gruppe Kategorie:Unternehmen im CDAX Kategorie:Unternehmen im SDAX (ehemalig) Kategorie:Unternehmensgründung 1920