mini|hochkant=1|Komplette Karte der großen Han (Daehan Jeondo), koreanische Karte von 1899

Das Kaiserreich Korea, im Koreanischen Daehan-jeguk (koreanisch , Hanja ; deutsch Großkoreanisches Kaiserreich) genannt, in Literatur auch als GroßkoreaDer Brockhaus multimedial 2010, Artikel: Korea, (c) wissenmedia GmbH. oder auch mit Bindestrich als Groß-KoreaMaik Hendrik Sprotte, Wolfgang Seifert, Heinz-Dietrich Löwe: Der Russisch-Japanische Krieg, 1904/05: Anbruch einer neuen Zeit?. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-447-05707-3, S. 65. bekannt, bestand von 1897 als direkter Folgestaat Joseons bis zur Annexion Koreas durch Japan 1910. Das Kaiserreich, das am 17. Oktober 1897 vom damaligen König Joseons, Gojong, ausgerufen wurde, kennzeichnet den letzten Abschnitt der Joseon-Dynastie in Korea. Gojong ernannte sich unter dem Äranamen Gwangmu (kriegerischer Glanz) selbst zum Kaiser.

Geschichte

Vorgeschichte Mitte des 19. Jahrhunderts stand die Monarchie in Korea vor großen Herausforderungen. Innenpolitisch galt es, den Einfluss der Yangban-Schicht zurückzudrängen und der Monarchie wieder stärkeren Einfluss zu verschaffen, wogegen außenpolitisch der Einfluss westlicher Mächte und das Hegemoniestreben Japans Korea Probleme bereitete.

Als König Cheoljong 1864 starb, hinterließ er keinen Thronfolger. Aus einer Nebenlinie des Königshauses wurde der 12-jährige Yi Myung-bok, der auf einen Sohn Prinz Sados zurückging, gefunden und als König Gojong inthronisiert. Da er zu jung zum Regieren war, übernahm sein Vater die Regierungsgeschäfte, konnte aber trotz Reformen das Land nicht befrieden. 1873 übernahm Gojong selbst die Macht. Japan erklärte sich 1868 mit der Meiji-Restauration zum Kaiserreich, um auf der westlich dominierten internationalen Bühne gleichwertig behandelt zu werden. Im historischen Weltbild Ostasiens pflegten Staaten diplomatische Beziehungen zu China, indem sie einen symbolischen Tribut an den Kaiser entrichteten. Dieser erwiderte die Geste, indem er als großzügige und rechtschaffene Figur den Gesandten Geschenke überreichte und ihnen den Handel in China gestattete. Die Tributzollung umfasste eine zeremonielle Unterwerfung.

Ausländische Einflussnahme 1871 ereignete sich der Shinmiyangyo-Zwischenfall, bei dem eine US-Expedition die Insel Ganghwa in der Nähe der Mündung des Flusses besetzte, der zur Hauptstadt führt. Jedoch führte es nur zur Verstärkung der Isolationspolitik durch den Regenten Daewongun.

Der Vertrag von Ganghwado im Jahr 1875 sah die Etablierung des Handels mit Japan vor, und Japan erhielt Zugang zum koreanischen Binnenmarkt.Ernst von Hesse-Wartegg: Der Kaiser von Korea. In: Vossische Zeitung, 30. September 1902. Im Jahr 1882 wurde mit einem Abkommen mit den USA erstmals diplomatischer Kontakt zu einem westlichen Land hergestellt, gefolgt von Deutschland im Jahr 1883, Russland und Italien im Jahr 1884 sowie Frankreich im Jahr 1886. Um weitere ausländische Eingriffe wie den Port-Hamilton-Zwischenfall von 1885 zu vermeiden, ersuchte Gojong Mitte Dezember 1884 ein Verteidigungsbündnis mit dem russischen Zarenreich. Russland sollte Kriegsschiffe und Marineinfanteristen entsenden, um den Königspalast zu beschützen.M. N. Pak/Wayne Patterson: Russian Policy toward Korea before and during the Sino-Japanese War of 1894–95, in: The Journal of Korean Studies, Jg. 5 (1984), S. 109–119 (hier: S. 114). Die russische Regierung war aber auf den Erhalt des Status quo bedacht und sah von solch einem Schritt ab.M. N. Pak/Wayne Patterson: Russian Policy toward Korea before and during the Sino-Japanese War of 1894–95, in: The Journal of Korean Studies, Jg. 5 (1984), S. 115.

In der Zuspitzung des Konflikts um eine Volksbewegung (siehe Donghak-Aufstand), bat die Regierung um ausländische Unterstützung zur Unterdrückung der Rebellion. 1894 entsandten die Qing-China und Japan Truppen und in Folge der sich entladenen politischen Spannungen erklärten am 1. August 1894 die Qing-Dynastie und Japan sich gegenseitig den Krieg.

Ende des 19. Jahrhunderts und Eulmi-Zwischenfall Der Erste Japanisch-Chinesische Krieg, der teils auch auf koreanischem Boden stattfand, zeigte, wie machtlos die Monarchie der Joseon-Dynastie geworden war. Das Japanische Kaiserreich konnte den Konflikt für sich entscheiden und unterzeichnete mit Qing-China am 17. April 1895 den Vertrag von Shimonoseki. Artikel 1 stipulierte die Beendigung von Chinas traditionellen, philosophisch-ideologisch motivierten Tributbeziehungen mit Korea.

In der möglichen Abtretung der Liaodong-Halbinsel sah das Russische Zarenreich allerdings seine geopolitischen Interessen bedroht und intervenierte gemeinsam mit Frankreich und Deutschland mit diplomatischen Noten erfolgreich gegen die Besetzung.Alena N. Eskridge-Kosmach: Russia in the Boxer Rebellion. In: The Journal of Slavic Military Studies, Jg. 21 (2008), Nr. 1, S. 38–52 (hier: S. 39–40), doi:10.1080/13518040801894142. Gleichzeitig wuchs der Einfluss Russlands in Korea. König Gojongs Frau, Königin Min, baute diplomatische Beziehungen zum Zarenreich auf. Zudem suchte sie gleichzeitig eine Verständigung mit Qing-China. Im Jahr 1895 wurden als Teil der Modernisierungsbestrebungen die Gabo-Reformen durchgeführt.

Auf direkten Befehl von Miura Gorō, der 37 Tage zuvor als Gesandter nach Korea geschickt worden war, drang am frühen Morgen des 8. Oktober 1895 eine Einheit aus japanischen Diplomaten, Konsulatspolizei, Berichterstattern und Zivildienstbeamten (, Rounin) in den Gyeongbokgung-Palast ein und tötete Königin Min und zwei ihrer Hofdamen. Die Leiche wurde in einen nahen Wald gebracht, mit Benzin übergossen und verbrannt. Die japanische Regierung stritt jegliche Beteiligung ab und rief eine Medienkampagne ins Leben, um den innenpolitischen Gegner Daewongun zu beschuldigen, während alle beteiligten japanischen Staatsbürger freigesprochen wurden. König Gojong wurde anschließend gezwungen, einigen pro-japanischen Politikern wichtige Regierungsämter zu übergeben. Die Ermordung ist in Korea als Eulmi-Zwischenfall (, , Eulmi Sabyeon) bekannt.

Als Reaktion auf den Zwischenfall wurde ein Kontingent von 1700 Mann aufgestellt, um den Palast zu beschützen.

Nach dem Tod seiner Frau und dem Verlust der Regierungsautorität entführten 1896 Anhänger des Königs ihn selbst, seine neue Frau Eom Sunheon und seinen Sohn, Kronprinz Sunjong, und brachten alle in das russische Konsulat in Seoul, in dem sie politisches Asyl erhielten. König Gojong versuchte aus dem von 200 russischen Marineinfanteristen geschützten Konsulat heraus wieder politischen Einfluss auf sein Land zu gewinnen. Doch sein Einfluss auf die politischen Geschicke des Landes war nur noch gering. Um den Vormachtbestrebungen Russlands, Japans und Chinas auf sein Land entgegenzuwirken, versuchte er, die drei Mächte gegeneinander auszuspielen. Zwei Abkommen, die im Mai und Juni 1896 zwischen Russland und Korea geschlossen wurden, gaben Russland annähernd gleiche Rechte wie Japan und weiteren Einfluss auf Korea. Dazu kam, dass russische, japanische, amerikanische, französische und auch deutsche Unternehmen mit der Ausbeutung und Verwertung von Bodenschätzen begannen, Forstwirtschaftsrechte und Konzessionen für den Bau von Eisenbahnlinien erhielten.

Proklamation des Kaiserreichs mini|Kaiser Gojong (1897–1907)

Im Februar 1897 kehrte Gojong auf Drängen der koreanischen Öffentlichkeit in seinen Palast zurück. Am 11. Oktober wurde das Land von Joseon in Daehan umbenannt, am 14. Oktober der Äraname Gwangmu ausgewählt und am 17. Oktober 1897 das Kaiserreich Korea proklamiert, um diplomatische Gleichberechtigung gemäß dem damals westlich definierten internationalen Völkerrecht zu beanspruchen.

Die Proklamation des Kaiserreichs Korea ging vor allem an die Adresse Japans und Chinas. Mit beiden Staaten, die ebenfalls Kaiserreiche waren, wollte Korea damit auf gleiche Stufe gestellt werden. Gojong begann mit Reformen, doch das Land blieb militärisch und wirtschaftlich zu schwach. Mit russischer Hilfe versuchte Gojong, den wachsenden japanischen Einfluss zurückzudrängen und China auf Distanz zu halten. Russland nutzte die Gelegenheit, um sich verstärkt politisch und wirtschaftlich in die Innenpolitik des Landes einzumischen.

Das koreanische Kaiserreich setzte im Juni 1902 Yi Beom-yun als Inspekteur der umstrittenen Grenzregion Gando ein und besetzte im August 1902 Teile der Mandschurei.

Im Jahr 1903 machten die Militärausgaben aufgrund kontinuierlicher Aufrüstung fast 40 % des gesamten Staatshaushalts aus. Eine Wehrpflichtverordnung, die im März 1903 erlassen wurde und die Einberufung von Männern im Alter von 17 bis 40 Jahren vorsah, konnte jedoch nicht umgesetzt werden, da der Russisch-Japanische Krieg ausbrach.

Am 21. Januar 1904, kurz vor Beginn des Russisch-Japanischen Krieges, verkündete Korea seine Neutralität in einem Telegramm, das ins Französische übersetzt wurde, an die Welt. Die Regierungen Italiens, Deutschlands, Frankreichs, Dänemarks und der Qing-Dynastie reagierten darauf, angeführt vom Vereinigten Königreich. Russland, Japan und die Vereinigten Staaten, die Hauptakteure des Konflikts, ließen keine Antwort verlauten. Japan verletzte durch das Betreten von koreanischem Territorium das internationale Recht, jedoch ohne Konsequenzen.

Japanisches Vordringen Nach seiner Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg musste sich Russland 1905 aus sämtlichen Angelegenheiten in Korea zurückziehen. Korea wurde zum japanischen Protektorat erklärt und einem Generalgouverneur übergeben. Folge war, dass der koreanische Kaiser nur noch Teilsouverän des Landes war. Weil sich Gojong der Unterzeichnung des koreanisch-japanischen Protektoratabkommens von 1905 widersetzte und Koreas Anliegen auf der zweiten Friedenskonferenz von Den Haag im Juni 1907 nicht vorbringen konnte, musste er kurz darauf am 22. Juni abdanken.

mini|Kaiser Sunjong (1907–1910)

Als Nachfolger wurde am 27. August 1907 Gojongs Sohn Sunjong als Kaiser eingesetzt. Infolge eines schon am 24. Juli 1907 aufgezwungenen Abkommens wurde die politische Hoheit in Korea an den kürzlich eingesetzten japanischen Generalgouverneur Itō Hirobumi übertragen. Dieser löste noch im selben Jahr das koreanische Militär auf und brachte die Polizei unter japanische Kontrolle.

Im Gando-Abkommen wurde von Japan der koreanische Anspruch auf die Grenzregion Gando aufgegeben, im Gegenzug für die Rechte auf den Eisenbahnbau in der Mandschurei.

Die Absetzung Gojongs brachte Aufruhr in die koreanische Bevölkerung. Unter dem Namen Uibyeong (Gerechte Armee) bildete sich eine Widerstandsbewegung, die den Partisanenkampf gegen die japanische Besatzermacht aufnahm. Aus der 50.000 Mann starken Freiheitsbewegung Uibyeong ließen in den Jahren 1907 bis 1910 alleine 17.690 Koreaner ihr Leben.

Ende des Kaiserreichs Nach dem Rücktritt und der späteren Ermordung des Generalgouverneurs Itō Hirobumi am 26. Oktober 1909 durch einen koreanischen Nationalisten erzwang der frühere japanische Kriegsminister und Nachfolger von Itō Hirobumi, General Terauchi Masatake, am 22. August 1910 die Unterzeichnung eines Vertrages, der die faktische Annexion Koreas zur Folge hatte. Artikel 1 dieses Vertrages legte fest, dass Kaiser Sunjong die vollständige und unumkehrbare Abtretung aller Souveränitätsrechte Koreas an das Japanische Kaiserreich erklärte. Koreas Status als Völkerrechtssubjekt erlosch dadurch. Ab diesem Zeitpunkt wurde es, als Teil des Japanischen Kaiserreichs, unter der amtlichen Bezeichnung Chōsen als japanische Kolonie geführt.

Politisches System Das Kaiserreich Korea war eine Erbmonarchie mit einem Kaiser an der Staatsspitze. Unter ihm war ein Premierminister, unter diesen standen sieben Minister mit ihren Ressorts für Erziehung, Armee, Inneres, Äußeres, Justiz, Finanzen sowie dem Ressort für Landwirtschaft, Handel und Industrie.