mini|Der Firmensitz der Ecolog in Tetovo, Nordmazedonien. Ecolog International ist ein Militärdienstleister mit Hauptsitz in Dubai, die deutsche Niederlassung hat ihren Sitz in Düsseldorf. Bekannt wurde das Unternehmen unter anderem für die Versorgung von Truppen der ISAF in Afghanistan und der Koalition der Willigen im Irak.
Geschichte Der Unternehmensgründer Nazif Destani wuchs im Rheinland auf, sein Vater Lazim Destani sorgte bis zum Bosnienkrieg gewerblich für den Transport jugoslawischer Gastarbeiter von und nach Deutschland. 1998 erfuhr Nazif Destani in der Kosovo-Hauptstadt Priština von den Problemen der Bundeswehr beim Waschen der Soldaten-Wäsche und gründete Ecolog zunächst für diese Aufgabe. Mit über 13 Millionen US-Dollar lag der Anteil der Bundeswehr an diesen Einnahmen um 10 Prozent.Christoph Heinzle: . In: tagesschau.de, 10. Dezember 2009, abgerufen am 1. März 2010. Im Jahr 2010 sind im Haushalt des Bundesverteidigungsministeriums 50 Millionen Euro für Aufträge an Ecolog vorgesehen.. In: tagesschau.de, 26. Februar 2010, abgerufen am 1. März 2010.
Ecolog International erweiterte sein Tätigkeitsfeld und den Umfang der angebotenen Dienstleistungen seit der Unternehmensgründung durch Destani: Neben der Versorgung von Truppeneinsätzen etwa von KFOR und ISAF stehen inzwischen Öl-, Gas- und Minengeschäfte sowie Dienstleistungsangebote im Logistikbereich, bei Konstruktion und technischer Planung. Ecolog wirbt mit dem Werbeslogan:
Seit 2005 hat Ecolog International Deutschland GmbH seinen Sitz in Düsseldorf, wo zuvor bereits Nazif Destanis GIED GmbH ansässig war, die sich mit der , und . In: gied.com, 18. November 2007, archiviert im Internet Archive, abgerufen am 1. März 2010. insbesondere in Nordmazedonien, befasste.
Unternehmensstruktur Management und Mitarbeiter Nach Unternehmensangaben arbeiten im Jahr 2014 rund 12.000 Mitarbeiter weltweit für Ecolog International. Laut Berichten der Wirtschaftswoche stellten im Jahr 2006 Mazedonier, vornehmlich aus der Gegend um Tetovo, aus der auch die Gründer-Familie Destani stamme, 90 % der Mitarbeiter. Die deutsche Ecolog International GmbH beschäftigte zu dieser Zeit lediglich zwei bis drei Dutzend Angestellte. Seit 31. August 2020 sind Stefan Liebing und Fisnik Demiri zu Geschäftsführern der Ecolog Deutschland GmbH bestellt.
Niederlassungen Unter Berufung auf berichtete die Frankfurter Rundschau im Jahr 2006, dass die verschiedenen zu Ecolog gehörenden Unternehmen juristisch nicht miteinander verbunden seien. Durch diese sollten vermieden werden, da der damalige Vorstand Wachowitz führe und
Im Jahr 2014 besteht Ecolog International aus mehreren unabhängigen Niederlassungen weltweit: Neben dem Hauptsitz in Dubai bestehen Unternehmens-Depandancen in neun weiteren Ländern: Ecolog Inc. in den Vereinigten Staaten, Ecolog International Deutschland GmbH, Ecolog DOOEL in Nordmazedonien, Ecolog Enternasyonel Servis ve Hizmet Çözümleri Ticaret ve Limited Sirketi in der Türkei, Ecolog Consulting in China, APK ISS Ecolog Eurasia LLC in Russland, Ecolog International Iraq, Ecolog International Afghanistan, sowie APK Integrated Service Solution in der Mongolei.
Ecolog ist Mitglied verschiedener Lobbyorganisationen der Rüstungsindustrie,. In: ecolog-international.com, 2009, abgerufen am 1. März 2010. darunter die German Defence Technology Group, der Förderkreis Deutsches Heer, die Association of the United States Army, die International Peace Operations Association und das Corporate Council on Africa. Auf verschiedenen internationalen Rüstungs- und Sicherheitskonferenzen präsentiert sich Ecolog, unter anderem als „Goldsponsor“, setzt sich für die Pressemitteilung . In: ecolog-international.com, 1. Dezember 2005, abgerufen am 9. März 2010. ein und vertritt das Konzept des Public Private Partnership im Militärbereich.Marc-Oliver Huhnholz: . Vortrag auf dem European Defence Congress, Berlin, November 2005 (PDF, 42 KB), abgerufen am 9. März 2010. Ecolog betrachtet sich selbst als Vorreiter
Während die in der deutschen Öffentlichkeit bis 2009 fast unbekannt war, ist Ecolog für in Afghanistan oder im Kosovo eingesetzte Bundeswehrsoldaten hingegen ein fester Begriff, da das Unternehmen in den dortigen Feldlagern Dienstleistungen wie Müllbeseitigung, Abwasserentsorgung und die Reinigung der Schmutzwäsche erledigt.Hauke Friederichs: . In: Zeit Online, 12. Dezember 2009, abgerufen am 1. März 2010.
Unternehmensportfolio
Geschäftsfelder mini|Camp Marmal nahe Masar-e Scharif in Nord-Afghanistan, ein großer Ecolog-Einsatzort, Mai 2006. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen in den Bereichen Flugdienst, Logistik, Catering, Treibstoff, Container, Hoch- und Tiefbau, Telekommunikation, Reinigung, Wäscherei, Mobiltoiletten, Wasser- und Energieversorgung sowie Abfallentsorgung tätig,. In: ecolog-international.com, 2009, abgerufen am 1. März 2010. was es zusammenfassend als „mobile Infrastrukturleistungen“ bezeichnet.
Als Haupttätigkeiten in Afghanistan galten Wäscherei, Treibstofflieferung und Müllentsorgung der ISAF-Truppen. Anfang 2007 reinigte beispielsweise die Ecolog-Station in Masar-e Scharif mit 40 Waschmaschinen und drei Großwaschmaschinen rund 700 Beutel mit Schmutzwäsche täglich.. In: ecolog-international.com, 2. Januar 2007, archiviert im Internet Archive, abgerufen am 2. März 2010.
Kunden Zu den Kunden von Ecolog International zählen nach eigenen Angaben im Irak amerikanische, britische und italienische Streitkräfte, sowie der wichtige amerikanische Militärdienstleister KBR, der etwa 2008 Verträge mit einem Volumen von rund sechs Milliarden US-Dollar mit der US-Bundesregierung schloss und Ecolog als Subunternehmer mit Teilen davon betraute.Contracts to KBR INC. (FY 2008). Abfrage der FedSpending.org-Datenbank, abgerufen am 1. März 2010. In Afghanistan war Ecolog außer für diese Kunden auch für die ISAF-Soldaten der deutschen Bundeswehr und das Projektbüro der Deutschen Polizei sowie für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die Deutsche Botschaft und die Deutsche Entwicklungsbank tätig. Ebenso zählen oder zählten in Afghanistan das NATO-Hauptquartier und die verbündeten belgischen, bulgarischen, estnischen, finnischen, französischen, kroatischen, norwegischen, schwedischen, spanischen und türkischen Streitkräfte zu den Ecolog-Kunden, außerdem die Kanadische und die US-amerikanische Botschaft.
Kritik und Kontroversen Entführte und getötete Mitarbeiter Im Irak wurden 2004 vier für ein Ecolog-Subunternehmen arbeitende Wäscherinnen erschossen. Drei mazedonische Bauarbeiter wurden dort im selben Jahr entführt und getötet.signonsandiego.com: (englisch)Risto Karajkov: Macedonian Hostages in Iraq Freed. In: Osservatorio Balcani, 22. Februar 2006, abgerufen am 15. April 2010. 2005 wurden im Irak vier Mitarbeiter nach Lösegeldzahlungen durch Ecolog freigelassen, weitere entführte Mazedonier sollen freigelassen worden sein, nachdem die Entführer feststellten, dass es sich um Muslime handelte. Im Februar 2006 ließen Entführer zwei Ecolog-Angestellte nach Zahlung von angeblich einer Million US-Dollar Lösegeld frei. In Afghanistan, wo damals rund 80 Prozent der Ecolog-Mitarbeiter tätig waren, wurden am 11. März 2006 vier mazedonische Ecolog-Mitarbeiter entführt und getötet, darunter ein Onkel von Nazif Destani. Gleichzeitig wurden vier afghanische Ecolog-Mitarbeiter wieder freigelassen. Beim Transport der Leichen starben neun afghanische Polizisten durch eine Landmine.Afghanistan. Ermordete Mitarbeiter von Düsseldorfer Firma identifiziert. In: Spiegel Online, 18. März 2006, abgerufen am 1. März 2010.
Ecolog zahlt keine Gefahrenzulagen, da in ihrem Geschäftsfeld jeder Einsatz gefährlich sei. Vorwurf der Qualitätsmängel Nach Recherchen der Frankfurter Rundschau und der Wirtschaftswoche wurde 2010 scharfe Kritik an der Qualität der Ecolog-Dienstleistungen laut:Harald Schumacher: Afghanistan. Bundeswehr-Dienstleister Ecolog wegen sicherheitsrelevanter Fehler in der Kritik. In: wiwo.de, 6. März 2010, abgerufen am 21. November 2011.Viktor Funk: Militärdienstleister. „Bundeswehr ist unser liebster Kunde“. In: fr-online.de, 6. März 2010, abgerufen am 21. November 2011.
Es habe gegeben, berichteten die Zeitungen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. So habe Tarnkleidung nach mehrmaligem Waschen durch Ecolog einen „rosa Stich“ bekommen und sei mit Nachtsichtgeräten zu gut zu sehen gewesen, weil sie enthielten. Daraufhin änderte die Bundeswehr die entsprechenden Ecolog-Verträge. Das Verteidigungsministerium schreibt dem Unternehmen seit 2009 vor. Auch Diesel-Lieferungen bereiteten Probleme, da sie bereits bei leichtem Frost ausflockten. Um dies zu verhindern habe die Bundeswehr eingeführt. Ecolog setze inzwischen ein eigenes mobiles Prüflabor ein, um sicherzustellen, dass der Treibstoff mit den nötigen Zusatzstoffen versehen sei. Außerdem seien die Abwässer, die Ecolog Pressemitteilung . In: ecolog-international.com, 1. März 2006, abgerufen am 9. März 2010. zu entsorgen versprach, 2006 auf Felder verrieselt. Die Aufbereitungsanlage , wusste das Verteidigungsministerium seit 2007, als die Bundeswehr die Abwasserentsorgungs-Verträge kündigte, neu ausschrieb, und wieder an Ecolog vergab.
Ecolog-Vorstand Wachowitz sprach in Bezug auf die Qualitätsmängel von „Leistungsstörungen“, deren Auftreten an sich „nichts Ungewöhnliches“ sei.
Die Bundesregierung berichtete im April 2010, eine Überprüfung der Mängel von Ecolog-Leistungen beim Waschen von Tarnkleidung und bei der Lieferung von Diesel hätten ergeben.Die Auftragsvergabe der Bundesregierung an die Firma Ecolog. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Tom Koenigs, Omid Nouripour, Marieluise Beck (Bremen), weiterer Abgeordneter und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Drucksache 17/1390 des Deutschen Bundestags, 16. April 2010, abgerufen am 10. Mai 2010 (PDF, 110 KB). Die Mängel seien zudem nach ihrer Aufdeckung abgestellt worden. Bekannt seien der Bundesregierung zudem Mängel der Entsorgungsleistungen von Ecolog in Afghanistan 2008: Die Berliner Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung beurteilte in ihrer Informationsplattform Bundeswehr-Monitoring die Angaben der Bundesregierung als weitgehende Bestätigung der Medienberichte über Freihändige Vergaben und sicherheitsrelevante Pannen.. In: Bundeswehr-Monitoring, 23. April 2010, abgerufen am 10. Mai 2010.
Debatte um Militär-Outsourcing
Von der Fixierung auf Ecolog löste sich die Debatte durch den allgemeineren Blick auf Andreas Schwarzkopf: Militär-Outsourcing. Wenn Söldner streiken. In: fr-online.de, 6. März 2010, abgerufen am 21. November 2011. „Militär-Outsourcing“, das in den Vereinigten Staaten in größerem Umfang betrieben wird als in Deutschland, wurde zum Gegenstand einer öffentlichen Diskussion.Warnungen in den Wind geschlagen? Bundeswehr vergibt jahrelang Millionenaufträge ohne Ausschreibung an Militärdienstleister. In: NDR Info. Streitkräfte und Strategien, Manuskript des Radiobeitrags vom 12. Dezember 2009 auf AG Friedensforschung an der Uni Kassel, abgerufen am 21. November 2011. Einerseits könne es die Kosten im Verteidigungsetat reduzieren: Die Einsparungen der US-Armee durch Outsourcing betrügen etwa allein . Auch Ecolog hatte in der Vergangenheit mehrfach die Vorteile der hervorgehoben.Pressemitteilung . In: ecolog-international.com, 28. Oktober 2006, abgerufen am 9. März 2010. So betonte der damalige Ecolog-Vorstand Horsmann 2006 auf einer Konferenz vor Pressemitteilung . In: ecolog-international.com, 20. September 2006, abgerufen am 9. März 2010.