mini|Jochsberg, Ortsansicht mit der historischen Altmühlbrücke im Vordergrund mini|hochkant|Jochsbergs mittelalterliche Kirche mini|Seckendorff-Grabsteine an der Kirche mini|Ehemalige, zum Schloss Jochsberg gehörende Brauerei
Jochsberg (fränkisch: Ioksch-bärchE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 104. Dort folgendermaßen transkribiert: „iokschbérch“.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Leutershausen im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Jochsberg hat eine Fläche von 6,932 km². Sie ist in 720 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9627,86 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Clonsbach, Erndorf, Lenzersdorf, Untreumühle und Wolfsmühle.
Geografie Das Pfarrdorf liegt an der Altmühl. 0,5 km westlich liegt das Waldgebiet Weidlach, 1 km nordöstlich das Seeholz, 1 km östlich das Flurgebiet Himmelreich. Die Kreisstraße AN 3 führt nach Leutershausen zur Staatsstraße 2245 (1,7 km südöstlich) bzw. wird als Gemeindeverbindungsstraße fortgeführt bis nach Buch am Wald (4 km westlich). Von dieser Verbindung zweigt eine Gemeindeverbindungsstraße zum Ort Zweiflingen ab (0,7 km nördlich), welcher auch über einen landwirtschaftlichen Verkehrsweg erreicht werden kann (1 km nordwestlich). Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße führt über die Untreumühle zur Staatsstraße 2249 (0,5 km südlich).
Geschichte Der Ort wurde im Achtbuch des Landgerichtes Rothenburg 1274 als „Jochesperc“ erstmals urkundlich erwähnt, womit eine bereits bestehende Burg gemeint war, die zu diesem Zeitpunkt einem Gerboto gehörte. Der Ortsname leitet sich wahrscheinlich nicht von dem Personennamen Jochen ab, sondern ist eine Beschreibung der Absenkung zwischen zwei Höhenzügen.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 104 f.Nach H. Schreiber: Leutershausen, S. 368, Ableitung von Jochem, einer Kurzform von Joachim.
Von 1318 bis 1791 gehörte Jochsberg zum Fraischbezirk des burggräflichen bzw. ab dem 15. Jahrhundert markgräflichen Amtes Leutershausen. Vom 14. Jahrhundert bis 1631 waren die Freiherren von Seckendorff Lehensträger des Rittergutes Jochsberg samt Zugehörungen. Im 16-Punkte-Bericht des Amtes Leutershausen von 1608 gab es in Jochsberg neben dem Schloss und der Kirche sechs Anwesen, darunter das eines Pfarrers, eines Hufschmiedes und eines Schulmeisters.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 21/1, 7v. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 714.
Nach 1653 ließen sich dort gut 30 protestantische Glaubensflüchtlinge aus Österreich nieder und halfen beim Wiederaufbau des durch den Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Ortes mit.E. Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Leutershausen, S. 51 f.H. Schreiber: Leutershausen, S. 369. Im 16-Punkte-Bericht von 1681 wurden wieder sieben Mannschaften verzeichnet, außerdem die Kirche, das Schloss, eine Mühle und ein Bräuhaus. Die Kirche musste noch von der Auerbacher Pfarrei versorgt werden. Schlossherrin war Christine von Baden-Durlach, die Herzogin zu Gotha.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 22, 64. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 721. Ein Jahr später wurde das Rittergut Jochsberg in das brandenburg-ansbachische Vogtamt Jochsberg umgewandelt.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 643.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Jochsberg mit der Wolfs- und der Untreumühle eine Realgemeinde bestehend aus 33 Anwesen (2 Halbhöfe, 10 Köblergüter, 15 Söldengütlein, 1 Söldengütlein mit Backrecht, 1 Söldengütlein mit Schmiede, 2 Mühlen, 2 Leerhäuser). Das Hochgericht übte weiterhin das Stadtvogteiamt Leutershausen aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Vogtamt Jochsberg. Neben den Anwesen gab es das Schloss, eine Synagoge, die Pfarrkirche und Pfarrhaus und kommunale Gebäude (Schulhaus, Hirtenhaus, Schafhirtenhaus).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 872. (= J. K. Bundschuh, Bd. 3, Sp. 23). Hiernach soll es nur 26 Untertansfamilien gegeben haben. Von 1792 bis 1806 war das Fürstentum Ansbach, und damit auch Jochsberg, unter preußischer Verwaltung. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justizamt Leutershausen und Kammeramt Colmberg.
1799 wurden französische Glaubensflüchtlinge in das Schloss einquartiert, die dort eine Baumwollmanufaktur einrichteten. Nach deren Rückkehr im Jahr 1807 wurde das mittlerweile baufällig gewordene Schloss abgetragen. Jochsberg war zu dieser Zeit wegen seines „guten und gesunden Biers“ bekannt.H. Schreiber: Leutershausen, S. 370.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 3, Sp. 23 f.: „Jochsberg, evangelisch-lutherisches Pfarrdorf an der Altmühl mit 26 in das Ansbachische Amt Colmberg gehörigen Unterthanen, mit einem Schlosse aus 2 Flügeln und einem Quergebäude. In dem einen wohnte sonst der Oberamtmann, [Sp. 24] in dem andern der Beamte. Der Graben des Schlosses ist ausgefüllt und zu nutzbaren Gärten und Wiesen neuerer Zeit umgeschaffen worden. Der Ort ist des guten und gesunden Biers wegen bekannt, das hier gebraut wird. 1798 wurde in dem Schlosse eine Baumwollenzeugmanufaktur errichtet. Von 1339 bis 1631 besaß der Ort die Familie von Seckendorf; als aber Johann Joachim von Seckendorf ohne männliche Leibeserben starb, fiel es Ansbach als ein eröffnetes Lehen heim.“
1806 kam Jochsberg an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Jochsberg gebildet, zu dem Clonsbach, Erlbach, Erndorf, Hundshof, Lenzersdorf, Sachsen, Simonsmühle, Steinbächlein, Untreumühle, Waizendorf und Wolfsmühle gehörten. 1810 entstanden zwei Ruralgemeinden: Ruralgemeinde Erlbach mit Hundshof, Sachsen, Steinbächlein und Waizendorf; Ruralgemeinde Jochsberg mit Clonsbach, Erndorf, Lenzersdorf, Simonsmühle, Untreumühle und Wolfsmühle.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 964. Die Ruralgemeinde Jochsberg war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Leutershausen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. Ab 1862 gehörte Jochsberg zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Leutershausen, seit 1880 war das Amtsgericht Ansbach zuständig. Die Finanzverwaltung ging 1880 an das Rentamt Ansbach über (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 997. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 5,514 km².
In der Gemeinde haben nach dem Zweiten Weltkrieg über hundert Flüchtlinge eine neue Heimat gefunden. Am 1. Januar 1972 wurde Jochsberg im Zuge der der Gebietsreform in Bayern nach Leutershausen eingemeindet.
Baudenkmäler In Jochsberg gibt es neun Baudenkmäler: Brauhausweg 1: ehemals zum Schloss gehörend; zweigeschossiger Bau des 18. Jahrhunderts mit Walmdach und Portal mit Wappen Brauhausweg 2: zweigeschossiger Bau des 18. Jahrhunderts mit Walmdach und Fachwerkobergeschossen Brauhausweg 5: ehemals zum Schloss gehörende Brauerei; 1898 erneuerte Scheune mit Krüppelwalm und Schleppgauben sowie Wappenstein v. Seckendorf bezeichnet 1508. Stall und Speicher mit Ladebaum und Schöpfwalm, 18. Jahrhundert Burgweg 3: tonnengewölbter Schlosskeller, am Eingang bezeichnet „1315“; darüber in Fachwerkscheune aufgehendes Schlossmauerwerk erhalten Dorfplatz 2: Ehemaliges Gasthaus mit angebauter Scheune Dorfplatz 8: Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Mauritius, 14./15. Jahrhundert, Südportal (Renaissance-Sandsteinportal) von 1592, mit 1712/13 erneuertem Kirchturm, zwei Seckendorff-Grabsteine (Ende 15. Jahrhundert) Drei Altmühlbrücken
Bodendenkmäler In der Gemarkung Jochsberg gibt es drei Bodendenkmäler.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Jochsberg Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 365 348 368 395 372 359 369 356 357 373 357 331 315 301 293 301 311 302 291 441 414 389 297 310HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 88 66 74 72 68 70 64 64 65 Quelle Für die Gemeinde Jochsberg zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Clonsbach (S. 16), Erndorf (S. 23), Lenzersdorf (S. 54), Untreumühle (S. 97) und Wolfsmühle (S. 105).
Ort Jochsberg Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2006Einwohner 220 248 255 239 246 202 195 283 212 229 236 250Häuser 59 43 49 50 46 47 48 74 Quelle
Bürgermeister mini|Brauereischeune von 1508 Name Herkunft Amtszeit Georg Michael Wiesinger Lenzersdorf 1819–1833 Johann Georg Schäfer 1833–1836 Johann Cretser Clonsbach 1836–1850 Johann Leonhard Wiesinger Jochsberg 1850–1864 Georg Körber Jochsberg 1864–1888 Leonhard Scholl Lenzersdorf 1888–1900 Georg Hörber Jochsberg 1900–1923 Valentin Distler Jochsberg 1923–1938 Friedrich Mack Jochsberg 1938–1945 Hans Diezinger sen. Jochsberg 1945–1948 Friedrich Mack Jochsberg 1948–1966 Hans Diezinger jun. Jochsberg 1966–1972
Religion Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts hatte das Schloss Jochsberg eine Burgkapelle. 1459 ließ Friedrich von Seckendorff zu Renhofen ein Bethaus errichten, 1527 wurde die St.-Mauritius-Kirche fertiggestellt. Ein Jahr später hatte die Pfarrei ihren ersten evangelischen Geistlichen und war von da an protestantisch. Im 17. und 18. Jahrhundert entstand eine kleine jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge. Um 1840 waren rund ein Viertel (68 von 248) der Einwohner jüdischen Glaubens, 1925 waren es nur noch 2 Einwohner. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es nur vereinzelt Katholiken. Diese waren ursprünglich in die Kreuzerhöhungskirche (Schillingsfürst) gepfarrt, mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen katholischen Glaubens wurde Maria Königin des Friedens in Leutershausen errichtet, die eine Filialkirche von Schillingsfürst ist.
Vereine In Jochsberg gibt es folgende Vereine:
Freiwillige Feuerwehr Jochsberg mini|Feuerwehrfest „125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Jochsberg“Die Freiwillige Feuerwehr Jochsberg hatte im Jahr 2018 ihr 125. Jubiläum und feierte zu diesem Anlass ein Feuerwehrfest, bei dem unter anderem die Freiwilligen Feuerwehren aus den Nachbargemeinden eingeladen waren. In Jochsberg ist die Freiwillige Feuerwehr ein wichtiger Kulturträger und trägt zu Erhalt der Folklore in Mittelfranken bei.
Literatur
Karl Ernst Stimpfig: Die Juden in Leutershausen, Jochsberg, Colmberg und Wiedersbach. Leutershausen 2000.
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Geographie (Leutershausen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1274 Kategorie:Gemeindegründung 1810 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Ort an der Altmühl Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach