Nauen ist eine Kleinstadt mit etwa 20.000 Einwohnern im Landkreis Havelland im Land Brandenburg. Infrastrukturell fungiert die Stadt als Mittelzentrum, ist Sitz des Amtsgerichts Nauen, das Zentrales Vollstreckungsgericht für das Land Brandenburg ist. Die Stadt ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg. Die im frühen 20. Jahrhundert in Nauen verrichtete Pionierarbeit in der Funktechnik trug ihr den Beinamen „Funkstadt“ ein.

Geographie

Lage Die Stadt Nauen bildet den westlichen Teil des Osthavellandes im Landkreis Havelland.Vgl. Brandenburgische Genealogische Gesellschaft (BGG) „Roter Adler“ e. V., Historische Landkarte Mark Brandenburg um 1900 (online), abgerufen am 15. Juni 2016. Homepage: (online) Die Kernstadt Nauen liegt 27 Kilometer nordwestlich der Landeshauptstadt Potsdam und etwa 40 Kilometer westnordwestlich des Zentrums der Bundeshauptstadt Berlin; die Entfernung zur Berliner Stadtgrenze (Bahnhof Albrechtshof) beträgt 18 Kilometer. Nauen belegt mit einer Gesamtfläche von über 268 Quadratkilometern Rang 37 unter den flächengrößten Städten und Gemeinden Deutschlands, noch vor dem auf Rang 44 liegenden Frankfurt am Main.Stand: 3. Februar 2016. Siehe Artikel Liste der flächengrößten Gemeinden Deutschlands. Landschaftlich liegt Nauen im Havelländischen Luch zwischen dem ausgedehnten Landschaftsschutzgebiet Nauen-Brieselang-Krämer und überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen im Süden und Südwesten.

Nachbarstädte und -gemeinden Übersicht:

Geologie Die Landschaften Nauens sind eiszeitlichen Ursprungs. In geologischer Hinsicht liegt die Stadt am nördlichen Rand der nach ihr benannten Nauener Platte, einer bis zu 15 Meter dicken und weitgehend geschlossenen Grundmoräne der Saalekaltzeit und der letzten Eiszeit, die zum Teil von flachwelligen Endmoränen überlagert ist. Im Südwesten des Stadtgebietes liegen die in der Beetzseerinne gebildeten Seen Groß Behnitzer See, Klein Behnitzer See und Riewendsee. Diese glaziale Rinne beginnt zwischen den Ortsteilen Ribbeck und Berge und zieht sich in Form mehrerer Seen nach Südosten bis zur Stadt Brandenburg an der Havel.

Umwelt- und Naturschutz

Probleme Im West-Süd-Westen der Kernstadt Nauen existieren zwei Seen, welche als Beispiel für einen Schwundprozess durch natürliche und anthropogene Einflüsse dienen können. Längs des Ortsteils Groß Behnitz erstreckt sich der Groß Behnitzer See, am südöstlichen Ortsausgang des Ortsteils Klein Behnitz liegt der Klein Behnitzer See. Im späten 18. Jahrhundert handelte es sich um ein einzelnes, zusammenhängendes Gewässer.Friedrich Wilhelm Karl von Schmettau: Schmettausches Kartenwerk. Zweite Hälfte 18. Jahrhundert. Dieser ehemals langgezogene Behnitzer See zerfiel spätestens im frühen 19. Jahrhundert durch Verlandung als natürlichem Einfluss in zwei Seen, wobei sich eine Verlandungsfläche zwischen den neu entstehenden beiden Teilseen bildete. Ein ehemaliges Fischerhaus (siehe Fischerhaus (Nauen)), das einst am Ostufer des Behnitzer Sees lag, steht inzwischen auf der Verlandungsfläche zwischen beiden Teilseen. Noch im Jahr 1880 war der südlicher gelegene Klein Behnitzer See der größere der beiden Seen. Der künstlich angelegte Klinkgraben, ein Abflussgraben vom Klein Behnitzer See in den Riewendsee, schließt diesen an die Beetzsee-Riewendsee-Wasserstraße an. Der Klein Behnitzer See verlor mit diesem anthropogenen Eingriff zusehends deutlich an Volumen und Fläche. Im frühen 21. Jahrhundert ist er nunmehr im Vergleich der kleinere der beiden Seen.Preußisches Messtischblatt 3442 Tremmen, Aufnahme 1880, Herausgegeben 1882. Die insgesamt verlorenen Wasserflächen werden von moorig-sumpfigen Böden und einem ausgedehnten Schilfgürtel bedeckt.

Stadtgliederung mini|Schloss im Ortsteil Ribbeck mini|Dorfkirche mit der Grablege der Industriellenfamilie von Borsig im Ortsteil Groß Behnitz

Die Stadt Nauen besteht aus der Kernstadt Nauen und 14 räumlich außerhalb der Kernstadt liegenden Ortsteilen,Ortsteile Nauens auf nauen.de von denen zwölf noch zusätzliche Wohnplätze aufweisen. Die zur Stadt Nauen gehörenden Ortsteile samt ihren Wohnplätzen sind in alphabetischer Reihenfolge:Liste der Ortsteile und sonstige Siedlungsplätze auf www.nauen.de

Ortsteile zugehörige Wohnplätze BergeSiedlung Bergerdamm Bergerdamm-Hanffabrik, Bergerdamm-Lager, Friesenhof, Hertefeld Börnicke Ebereschenhof, Nauener Ausbau Groß Behnitz Fischerhaus, Quermathen, Sandkrug Kienberg Teufelshof Klein BehnitzFriedrichshof, Heineberg Lietzow Utershorst Markee Markau, Mühlenberg, Neugarten, Neuhof, Röthehof Neukammer Ribbeck Marienhof Schwanebeck TietzowGeislershof, Lindenhorst Wachow Gohlitz, Niebede WaldsiedlungStolpshof

Geschichte Frühgeschichte Das Gebiet um die heutige Kernstadt Nauen war bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt.Werner Vogel: Nauen. In: Gerd Heinrich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 10: Berlin und Brandenburg (= Kröners Taschenausgabe. Band 311). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-520-31102-X, S. 286–287, hier S. 286.

Mittelalter (500–1500) Eine These hinsichtlich der Namensgebung Nauens besagt, eine Familie aus Nauen am Westharz habe sich hier angesiedelt und ihrer neuen Wohnstatt den Namen ihrer alten Heimat gegeben.Stadt Nauen/Goethe-Gymnasium Nauen (Hrsg.): Nauen. Abgerufen am 9. April 2019. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Name von dem slawischen Wort „nowo“ stammt, was „neu“ oder „neuer Ort“ bedeutet. Nauen wurde 1186 erstmals als „Nowen“ in einer Urkunde von Bischof Baldram von Brandenburg erwähnt und nicht, wie in früheren Quellen dargestellt, im Jahre 981.Diese Urkunde des Brandenburger Bischofs Balderam ist im Domstiftsarchiv Brandenburg im Original erhalten und u. a. gedruckt im Codex diplomaticus Brandenburgensis, hrsg. von A. F. Riedel, 1. Hauptteil, Band 8. Berlin 1847, S. 114 f. (Lutz Partenheimer) Nauen erhielt 1292 das Stadtrecht, woraufhin die Bürger 1302 das erste Rathaus errichteten. Durch den brandenburgischen Markgrafen Waldemar den Großen wurde ihr 1317 das Marktrecht verliehen. Bereits im Mittelalter siedelten Juden in der Stadt. Im Jahr 1414 verursachte ein Rachefeldzug des Raubritters Dietrich von Quitzow einen großen Stadtbrand.

Neuzeit (1500 bis Ende des 18. Jahrhunderts) Während des Dreißigjährigen Krieges zerstörten im Jahr 1631 die kaiserlichen Truppen Tillys einen Teil der Stadt. Während des ersten Nordischen Krieges fand am 27. Juni 1675 das Gefecht bei Nauen zwischen schwedischen und brandenburgischen Truppen statt. Ab 1716 begann die Einquartierung von Militär. Kronprinz Friedrich, der spätere König Friedrich II. von Preußen, hielt sich 1732 für drei Monate als Kommandeur eines Bataillons in Nauen auf. Der Bau von zwei Kasernen erfolgte 1767 im Bereich des heutigen Landratsamtes.

19. bis 21. Jahrhundert Preußen und Deutscher Bund Die jüdische Gemeinde weihte im Jahr 1800 ihre Synagoge in der Goethestraße 11 ein.

mini|hochkant=0.85|Alte Brennerei am Gutshof Ribbeck

Im Jahr 1816 entstand der Landkreis Osthavelland. Die jüdische Gemeinde konnte 1819 außerhalb der Stadt Am Weinberg einen Friedhof anlegen. Nauen wurde 1826 Kreisstadt und blieb dies über alle folgenden Gesellschaftsformen hinweg bis zur Gebietsreform 1993.

Die Stadt erhielt 1846 einen Anschluss an die Bahnstrecke Berlin–Hamburg. Zwischen 1865 und 1930 wurden mehrere Großprojekte verwirklicht, darunter 1865 die städtische Gasanstalt.

Norddeutscher Bund (1867–1871) und Deutsches Kaiserreich (1871–1918) Im Jahr 1869 wurde eine höhere Knabenschule eingeweiht.

mini|Gebäude des Landratsamtes aus der Kaiserzeit, gegenüber dem Rathaus

Die Freiwillige Feuerwehr Nauens wurde 1883 gegründet und 1889 erfolgte der Bau der Zuckerfabrik Nauen. Das neue Rathaus der Stadt im Stil der norddeutschen Backsteingotik wurde zwischen 1888 und 1891 errichtet. Ein Orkan im Februar 1911 brachte dessen Turm zum Einsturz, der durch das Dach schlug, woraufhin die Turmspitze mitten in den Sitzungssaal ragte.Vgl. Andreas Kaatz: online In Nauen fallen die Hüllen. Sanierung des Rathausturms steht kurz vor dem Abschluss. In: MAZ-Online, Rubrik „Lokales/Havelland“, veröffentlicht am 1. Dezember 2014, aktualisiert am 4. Dezember 2014, abgerufen am 31. Januar 2016. Mittels der Eisenbahn wurde 1890 der Vorortverkehr nach Berlin eröffnet. Vom 20. September 1901 bis zum 1. April 1961 war Nauen Endbahnhof der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen. Die nördlich vor Nauen liegende Funkstelle entstand 1906 als Versuchsstation von Telefunken, deren Erweiterung zur Großfunkstelle Nauen im Jahr 1921 erfolgte. Sie ist damit die älteste noch bestehende Sendeanlage der Welt. Im Jahr 1907 wurde ein Kreiskrankenhaus eröffnet, dessen Entwurf von den Charlottenburger Architekten Mohr & Weidner stammte. Die Stadtverwaltung ließ 1912 die Beleuchtung elektrifizieren. Der Bau des Gymnasiums in der Parkstraße erfolgte 1916.

Weimarer Republik (1918–1933) Die städtische Badeanstalt wurde 1923 eröffnet und 1930 wurde die Vollkanalisation der Innenstadt durchgeführt.

Drittes Reich (1933–1945) Bereits in den ersten Wochen nach der Machtergreifung der NSDAP kam es zu gewalttätigen Übergriffen auf Mitglieder der Arbeiterbewegung. So wurde im August 1933 der Arbeitersportler Karl Thon von Angehörigen der Nauener SA verschleppt und erschlagen.Wilhelm Döbbelin: Im Zeichen von Terror und Gewalt. Die ersten Wochen der Naziherrschaft im Havelland. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft. II/2016., Zu Thon vgl. S. 143. Zudem richtete die SA-Standarte 224 im Jahre 1933 in einer Zementfabrik im heutigen Ortsteil Börnicke das KZ Börnicke als Teillager des frühen KZ Oranienburg ein. Zwischen 150 und 500 politische Gefangene – überwiegend Kommunisten und Sozialdemokraten aus dem Landkreis Osthavelland – befanden sich hier in „Schutzhaft“, wobei mindestens zehn von ihnen ermordet wurden und weitere an den Haftfolgen starben. Nach der Auflösung des KZ Börnicke im Juli 1933 diente die Anlage als KZ-Außenlager des KZ Oranienburg.

Die Nauener Synagoge wurde 1938 während der Novemberpogrome stark beschädigt.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte am 20. April 1945Helene von Koenigswald: Aufzeichnung vom 20. April 1945. In: Brandenburgische Literaturlandschaft e. V.: Zeitstimmen. Literatur und Alltag in Berlin-Brandenburg; abgerufen am 16. Juni 2016. ein US-amerikanischer Luftangriff am Tage, bei dem 83 Menschen starben.Das war ganz fürchterlich. In: Märkische Allgemeine, 17. April 2015. Der Bahnhof und die umliegenden Stadtgebiete erlitten schwere Schäden.

Am 23. April 1945 rückten unter dem Oberbefehl von Marschall Schukow Bodentruppen der 1. Weißrussischen Front der Roten Armee, in deren Reihen auch Truppen der 1. Polnischen Armee kämpften,Kamil Majchrzak: Der polnische Beitrag im Kampf gegen den Faschismus. 2013. Basisorganisation 8. Mai der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e. V.); abgerufen am 17. Juni 2016. bei der Umfassung der Reichshauptstadt in Vorbereitung der Schlacht um Berlin gegen Nauen vor. Sie nahmen die Stadt innerhalb von 24 Stunden ein.Siegried Seidel: (PDF). In: Ortsteilzeitung Golm, Nr. 1/2015, S. 10–11; abgerufen am 16. Juni 2016.

Sowjetische Besatzungszone (1945–1949) und Deutsche Demokratische Republik (1949–1990)