mini|Schleuse der Lys mini|Warnschilder in dem von Giftgas verseuchte Armentières (April 1918) Armentières (, ) ist eine französische Stadt im Département Nord in der Region Hauts-de-France. Sie gehört zum Arrondissement Lille. Geografie Armentières liegt an der Leie an der Grenze zu Belgien im Nordwesten des Gemeindeverbandes Métropole Européenne de Lille.

Geschichte 1668 fiel Armentières durch den ersten Aachener Frieden an Frankreich.

Am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Armentières die Textilindustrie, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zum Wohlstand der Stadt hauptsächlich beitrug. Deswegen ist Armentières noch heute als „die Stadt des Leinens“ („La Cité de la Toile“) bekannt.

Im Ersten Weltkrieg war die Gegend um Armentières Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen deutschen und alliierten Truppen, die besonders von Großangriffen der Infanterie, Gaskrieg sowie lang anhaltendem Artilleriebeschuss gekennzeichnet waren. So wurden im März 1918 innerhalb von 15 Stunden etwa 20.000 deutsche Gelbkreuz-Granaten auf Armentières verschossen, wo „flüssiges Senfgas wie Regenwasser in den Abflussrinnen der Straßen floss“ (Harris/Paxman). Am 11. April 1918 gelang es den Deutschen, Armentières einzunehmen. Die Stadt war durch das Gas stark verseucht worden. Hinweisschilder warnten vor dem Betreten von Gebäuden und vor der Entnahme von Wasser.

Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges stammt das englische Soldatenlied Mademoiselle from Armentières.

Bevölkerungsentwicklung Mit Einwohnern (Stand ) gehört Armentières zu den mittelgroßen Städten im Département Nord. Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2020Einwohner 25.248 26.916 26.346 24.834 25.219 25.273 25.170 25.225 Quellen: Cassini und INSEE

Städtepartnerschaften Derzeit gibt es drei Partnerstädte von Armentières: Stalybridge (Vereinigtes Königreich), seit 1955 Osterode am Harz (Deutschland), seit 1963 Litoměřice (Tschechien), seit 1990

Bildung Sechs Gymnasien befinden sich in Armentières: Institut Familial d’Armentières Institut Saint Louis Institution Saint Jude Lycée Gustave Eiffel Lycée Paul Hazard Lycée Professionnel Ile de Flandre

Sehenswürdigkeiten Der 1934 wiederaufgebaute Belfried des Rathauses von Armentières wurde 2005 als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Belfriede von Belgien und Frankreich“ anerkannt.

Kulturelle Veranstaltungen Die „Fête des Nieulles“ ist eine traditionsgemäße Festveranstaltung, die jedes Jahr im September stattfindet. Hierbei sind Paraden, Animationen oder Konzerte organisiert, sowie die Wahl der Schönheitskönigin „Reine des Nieulles“.

Armentières verfügt außerdem über eine Kulturhalle, den „Vivat“, wo die Einwohner Theaterstücke, Tanzspektakel und Musikkonzerte genießen können.

Der Ort besitzt ein beträchtliches musikalisches Erbe. Es gibt unter anderem: Vier Chöre Eine Philharmonie, die aus der ältesten Philharmonie Frankreichs entstand (der 1788 gegründeten „Philharmonie d’Armentières“) Eine Fanfare Ein Orchester

Sport Der Fußballclub „Jeunesse Athlétique Armentiéroise“ (kurz JAA) wurde 1911 gegründet und spielt in der fünften französischen Liga (CFA2). Darüber hinaus besteht der 1932 gegründete Sportverein „Sports Ouvriers Armentiérois“ (kurz SOA) aus zwei bedeutenden Sektionen: Schwimmsport und Basketball, deren Frauenmannschaft die Saison 2009/10 in der ersten französischen Liga (LFB) spielte.Ligue Féminine de Basketball:

Persönlichkeiten Peter de Spina I. (1526–1569), Mediziner und Stadtphysicus von Aachen Henri-Édouard Dutoit (1873–1953), römisch-katholischer Geistlicher und Bischof Édouard Dhorme (1881–1966), Assyrologe Raymond Lis (1888–1916), Turner Fernand Lemay (1894–1980), Radrennfahrer Paul Gadenne (1907–1956), Schriftsteller Jules Vandooren (1908–1985), Fußballspieler und -trainer Amédée Fournier (1912–1992), Radsportler André Rivoal (1922–2006), Radrennfahrer Line Renaud (* 1928), Sängerin und Schauspielerin Christophe Dufour (* 1947), römisch-katholischer Geistlicher, Erzbischof von Aix 2010–2022 Joël Henry (1962–2026), Fußballspieler Dany Boon (* 1966), Filmschauspieler, Komiker und Regisseur Martin Terrier (* 1997), Fußballspieler

Literatur

Le Patrimoine des Communes du Nord. Flohic Editions, Band 1, Paris 2001, ISBN 2-84234-119-8, S. 81–95.

Weblinks

Beutesammelstelle am Bahnhof bei Armentières 1918 (Staatsarchiv Sigmaringen N 1/89 T 1 Nr. 3)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Hauts-de-France Kategorie:Träger des Croix de guerre 1914–1918 (Ort in Frankreich) Kategorie:Stadt in Frankreich