Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche, Bad Kissingen 200px|zentriert|Die Herz-Jesu-KircheOrt Bad KissingenKonfession römisch-katholischDiözese Bistum WürzburgPatrozinium Heiligstes Herz JesuBaujahr 1881–1884 Bautyp Funktion Pfarrkirche

Die Herz-Jesu-Kirche ist eine römisch-katholische Kirche im Stadtzentrum der bayerischen Kurstadt Bad Kissingen (Adresse: Von-Hessing-Straße 8). Sie ist die Stadtpfarrkirche des Ortes, gehört zu den Bad Kissinger Baudenkmälern und ist unter der Nummer D-6-72-114-110 in der Bayerischen Denkmalliste registriert. Der Turm der Kirche ist 67 Meter hoch.

Geschichte Planung Da die im 14. Jahrhundert erbaute Kissinger Jakobuskirche nicht für die immer stärker wachsende Zahl von Kurgästen ausgelegt war, wurde im 19. Jahrhundert ein Kirchenneubau notwendig. Ein entsprechender Antrag wurde jedoch von König Ludwig I. 1844 abgelehnt.Franz Warmuth: 100 Jahre Herz Jesu Pfarrei Bad Kissingen – Beitrag zur Geschichte der Pfarrei Bad Kissingen. Bad Kissingen 1984 Der Ablehnung folgte 1849 unter Zustimmung des Kissinger Pfarrers Georg Josef Jüngling die Genehmigung einer täglichen Messe für Kurgäste.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Akt B 30 – Brief Pfarrer Gutbrod an das Königliche Bezirksamt Kissingen vom 12. Juli 1865 bezüglich Erbauung einer neuen Pfarrkirche in Bad Kissingen

Da die Jakobuskirche lediglich Platz für 675 Menschen bot, setzte Jünglings Nachfolger, Pfarrer Anton Joseph Gutbrod, sich auf Grund der 4.000 Gottesdienstbesucher (bestehend aus der Kissinger Bevölkerung sowie 300 Kurgästen und deren 500 Dienstboten) vehement für den Bau eines neuen Kirchengebäudes ein und schrieb im Jahr 1857: »Schon seit 1842 sammeln die Kissinger für eine neue Kirche. Die Kirche ruht auf feuchtem Grund und steht auf Wasser. Sie ist feucht und ungesund. Sie ist in enge Straßen eingebaut, ohne Sonne und freie Luft.«Pfarrarchiv Bad Kissingen – Erbauung einer neuen Pfarrkirche (spätere Herz-Jesu-Kirche 1855 mit 1877), Vorverhandlungen Zusätzlich stellte der 1872 verstorbene Hammelburger Privatier und Stiftungsgründer Karl von Hess in seinem Testament 11.000 Gulden zum Erwerb eines Bauplatzes für einen Kirchenbau zur Verfügung; der Betrag ging schließlich an das Bauprojekt für die Herz-Jesu-Kirche.Werner Eberth: Karl von Hess – Der unvergessliche Wohltäter Hammelburgs, Theresienbrunnen-Verlag Bad Kissingen, 2012, S. 71

Die Genehmigung für den Bau der Herz-Jesu Stadtpfarrkirche erfolgte schließlich im Jahre 1860 unter König Maximilian II. Joseph. Die Ausführung der genehmigten Bauarbeiten verzögerte sich jedoch, als der zuständige Würzburger Kreisbaumeister Klock und König Maximilian II. starben. Als dann der Preußisch-Deutsche Krieg von 1866 ausbrach, sah sich die Regierung »wegen der ungünstigen Zeitumstände« außerstande, den Bau zu finanzieren.

Bau und Weihe mini|hochkant|Büste von Baumeister Andreas Lohrey am Eingang der Herz-Jesu-Kirche. Laut Stadt- und Kreisheimatpfleger Werner Eberth stellt diese Büste Bauleiter Anton Hurt dar.Werner Eberth: Valentin Weidner. In: „Kissinger Hefte“, Band 1, Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 1992

In den 1870er-Jahren gab es auf Grund erneut angestiegener Kurgastzahlen (9.000 Kurgäste und 1.000 Dienstboten) unter Pfarrer Andreas Dietz einen weiteren Anlauf zu einem Kirchenneubau, der schließlich von Ludwig II. genehmigt wurde. Am 12. Januar 1881 erfolgte der erste Spatenstich; finanziert wurden die Bauarbeiten unter anderem durch eine Prämienlotterie. Die „Neue Würzburger Zeitung“ versuchte, gegen den aus »Gewinkel von Häusern, Ställen und Misthaufen« bestehenden Bauplatz für die neue Kirche Stimmung zu machen, und warf der Kirchenverwaltung vor, der Königlichen Regierung gegenüber den Bauplan gefälscht zu haben. Die Zeitung griff, nachdem ihre Berichterstattung ins Leere lief, schließlich Mitglieder der Kirchenverwaltung öffentlich an. Auf Grund der Unterstellung unlauterer Methoden bei der Bauplanung und der Durchführung der Lotterie wurde der verantwortliche Redakteur am 15. November 1881 zu einer Geldstrafe von 15 Mark verurteilt.

Am Samstag, dem 25. März 1882 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Errichtung der Kirche unter Leitung des Baumeisters Andreas Lohrey basierte auf Plänen des Münchener Architekten Karl von Leimbach im neugotischen Stil. Die von Georg Dengler entworfenen Altäre wurden unter anderem von Valentin Weidner umgesetzt, der für den Kirchenbau einen Teil seines Grundstücks hatte abtreten müssen, auf dem sich sein Künstleratelier befand. (Am Standort von Weidners Atelier befindet sich heute das katholische Pfarrzentrum von Bad Kissingen.) Dengler erhob Einspruch gegen Weidner, da er Weidners Figuren, die ihn an »Mehlsäcke« erinnerten, für »kalt und langweilig« hielt, doch wollte Pfarrer Dietz auf Grund seines Alters und seines Gesundheitszustandes keine Auseinandersetzung durch die Wahl eines neuen Künstlers provozieren. Weidner porträtierte Stadtpfarrer Andreas Dietz, Architekt von Leimbach und Bauleiter Anton Hurt sowie sich selbst mit Büsten im Haupteingang der Kirche. Das von Weidner gestaltete Tympanon über dem Hauptportal symbolisiert die Bibelworte „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“. Weidners Tympanon über dem südlichen Seitenportal stellt das Opfer Melchisedeks sowie jenes über dem nördlichen Seitenportal die Opferung Isaaks dar. Die Fenster wiederum wurden vom Wiener Künstler Johannes Klein (1823–1883) entworfen. Die neue Kirche bekam zwei Glocken der Jakobuskirche in den Tönen dis1 und fis1, gegossen von der Firma Lotter in Bamberg 1858. Diese wurden um vier Glocken ergänzt, die von den Heidingsfelder Gebrüdern Klaus in den Tönen h1, ais1, gis1 und h0 gegossenen und am 24. August 1884 von Dekan Andreas Dietz geweiht wurden. Die große Glocke wiegt 2573 kg, hat einen Durchmesser von 163 cm und ist auf den Namen Herz Jesu geweiht. Die neue Orgel wurde von Franz Hochrein aus Münnerstadt gebaut und verfügte über 32 Register und etwa 2.000 Pfeifen.

Am 31. August 1884 wurde die Kirche vom Würzburger Bischof Franz Joseph von Stein geweiht. Trotz starken Regenwetters wohnte eine »nach Tausenden zählende Menge«Pfarrarchiv Bad Kissingen – „Saale-Zeitung“ vom 2. und 3. September 1884 diesem Ereignis bei. Das Pontifikalamt, bei dem Joseph von Schork die Festpredigt hielt, wurde von Bischof Franz Joseph von Stein zelebriert. Die Kirche trägt das Patrozinium vom Herzen Jesu; die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu war gegen Ende des 19. Jahrhunderts sehr verbreitet.

1895–1926 (Pfarrer Friedrich Roth)

Im Jahr 1897 besuchte Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn während ihrer Kur dieses Jahres einen Sonntagsgottesdienst in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche. Dabei lehnte sie den eigens für sie reservierten Sitzplatz ab und setzte sich stattdessen in das Kirchenschiff.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 108

Von 1905 bis 1909 fertigte der aus Amorbach stammende Künstler Max Roßmann unter Stadtpfarrer Friedrich Roth zwei Triptychen für die 1907 durch den Kunstausschuss vom Staatsministerium genehmigten SeitenaltärePfarrarchiv Bad Kissingen – Band 16 – Protokollbuch der katholischen Kirchenverwaltung Bad Kissingen, 1892–1963, Sitzung vom 13. September 1907 sowie für Chor und Mittelschiff einen Zyklus von Wandgemälden an. Die Gesamtkosten der Ausmalung beliefen sich auf 40.000 Mark, die zur Hälfte durch Sammlungen unter Kissinger Bürgern, 8.000 Mark durch das Bayerische Staatsministerium, 4.000 Mark durch das Bade-Kommissariat aufgewandt wurden; der Rest der Summe wurde von der Kirchenkasse gedeckt.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 53 – Vertrag über die malerische Ausschmückung der katholischen Stadtpfarrkirche in Bad Kissingen Pfarrer Friedrich Roth bekam für die Finanzierung des Holzschnitzwerks und der Polychromierung der Seitenaltäre mit Hilfe von Wohltätern die zwei alten Altäre überlassen, die als Geschenk an die Gemeinde Garitz (heute Stadtteil von Bad Kissingen) »für ihre neuerbaute Notkirche« gingen.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 61, Sitzung vom 7. November 1922Arno Stöcklein: Festschrift Garitz – Kirche Zur Enttäuschung der Kirchenverwaltung wurden die Altäre jedoch zerlegt und im Garitzer Gemeindehaus verwahrt.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 61 – Sitzung vom 10. Dezember 1923 Als Kompromiss durfte Garitz Teile der Altäre aufstellen und über den Rest frei verfügen.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 61 – Sitzung vom 19. November 1924

Nachdem das vom Hochstift Würzburg errichtete und 1741 von Balthasar Neumann instandgesetzte PfarrheimPfarrarchiv Bad Kissingen – Band 2, Liber iurium et reditum Parochiae Kissingensis, 1701, S. 140 im Jahr 1791 von Johann Philipp Geigel durch einen Neubau ersetzt wurdePfarrarchiv Bad Kissingen – Bau der älteren Pfarrkirche: »Das Pfarrhaus wurde auf Kosten der hochfürstlichen Hofkammer und Beiziehung der Frohndienste der gesamten Pfarrgenossen 1791 von Grund auf neugebaut, Pfarrer Joh. Adam Huberth, Dechant, das Bauwesen hat selbst befordert.«, bezeichnete der Würzburger Bischof Franz Joseph von Stein im Jahr 1900 den Bau eines neuen Pfarrheimes »als wünschenswert«Pfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 90, Sitzung vom 17. Oktober 1900, scheiterte jedoch an den vielen »Unzufriedene[n], denen das Projekt noch nicht als notwendig erscheint«Pfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 90, Sitzung vom 21. März 1901. So erfolgte lediglich ein Neuanstrich des Pfarrheimes. Im Winter 1918 wurde im Pfarrhaus elektrische Beleuchtung installiert; die dafür nötigen Kosten von 3.000 RM wurden durch Leihe und »Abzahlung im Laufe von 30 Jahren«Pfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 90, Sitzung vom 27. November 1918 gedeckt.

Im Jahr 1924 fand zum Zwecke der Instandsetzung der Orgel ein Wohltätigkeitskonzert statt, in dessen Rahmen auch der aus Garitz stammende Opernsänger Baptist Hoffmann mit „Gott sei mir gnädig“ von Felix Mendelssohn Bartholdy und dem „Agnus Dei“ von Wolfgang Amadeus Mozart auftrat.Musik lag ihm im Blut. In: Peter Ziegler: Prominenz auf Promenadenwegen. Kaiser, Könige, Künstler, Kurgäste in Bad Kissingen. Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 2004, S. 262

1926–1945 (Pfarrer Albert Susann)

Im Jahr 1936 wurden unter Pfarrer Albert Susann in der Kirche eine WarmluftheizungPfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 79, Sitzung vom 27. April 1936 und ein elektrisches Glockengeläute installiertPfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 79, Sitzung vom 10. August 1936. Durch die Kürzung der StaatszuschüssePfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 79, Sitzung vom 23. April 1939 mussten das Amt des Läutemeisters und des Küsters zusammengelegt werden; der bisherige Läutemeister Franz Konrad übernahm von nun an beide Aufgabenbereiche.

Als die Orgel der Kirche im Jahr 1940 auf Grund des Gebläses und einzelner Register ihre Funktionstüchtigkeit verlor, wurde sie von der Plattlinger Firma Michael Weise durch eine neue Orgel ersetzt; die Kosten beliefen sich auf 34.465 RM und wurden teilweise durch Spenden aufgebracht.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 79, Sitzung vom 27. Oktober 1940 Im Jahr 1942 erfolgten eine Neuvergoldung des Hochaltars sowie eine Reinigung von Roßmanns Altarbildern an den Haupt- und Nebenaltären; die Gesamtkosten für diese Maßnahmen beliefen sich auf etwa 8.000 RM.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Anm. 79, Sitzung vom 24. August 1942

Während des Zweiten Weltkrieges mussten die fünf Glocken der Kirche abgeliefert werden, konnten aber nach Kriegsende von Stadtpfarrer Josef Stürmer zurückgeholt werden.

1945–1961 (Dekan Josef Stürmer) mini|200px|Marienfigur neben der Herz-Jesu-Kirche.

Während seiner ersten Kirchenverwaltungssitzung am 19. September 1945 schlug der neue Stadtpfarrer Josef Stürmer die Einrichtung einer Versammlungsstätte für die Jugend im „Wirtschaftshof“ des Pfarrhauses vor.