Mezzolombardo (auch Mezombàrt, deutsch veraltet Welsch-MetzDizionario di toponomastica. Storia e significato dei nomi geografici italiani, (2010) UDET, Seite 464) ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol. Die Gemeinde gehört zur Talgemeinschaft Comunità Rotaliana-Königsberg und umfasst mit annähernd 14 km² einen Teil der Rotaliana-Ebene und des Massivs der Paganella. Der Ort am Fuße des Monte Fausior ist besonders für die Herstellung des Teroldego Rotaliano bekannt und ist Sitz der Kellerei Cantina Rotaliana.
Geographie Lage mini|300px|Topographische Karte von Mezzolombardo in der westlichen Rotaliana-Ebene mit dem Gewerbegebiet La Rupe (rosa eingefärbt) mini|Blick von Süden auf Mezzolombardo Die Gemeinde Mezzolombardo liegt im Westen der Rotaliana-Ebene am Ausgang des Nonstals in der Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol und erstreckt sich über eine Fläche von 13,82 km². Das Gemeindezentrum befindet sich nordöstlich des Paganella Bergmassivs am Fuße des Monte Fausior auf und wird in der Ebene vom Nonsbach begrenzt. Durch die Fußlage und den sich dadurch ergebenden Anteil an der Rotaliana-Ebene besteht rund ein Viertel des Gemeindegebietes aus Agrarflächen, der Rest sind überwiegend Wälder und sonstige Flächenformen. Der höchste Punkt Mezzolombardos liegt am Doss della Taia auf dem Monte Fausior auf ca. 1357 m, während der tiefste am südlichsten Ende der Gemeinde am Nonsbachufer auf 204 m liegt. Die Nachbargemeinden sind Ton im Norden, Mezzocorona und San Michele all’Adige im Osten, Terre d’Adige und Fai della Paganella im Süden sowie Spormaggiore im Westen.
Geologie Das Paganella Bergmassiv und die Nonsberggruppe, deren Ausläufer Mezzolombardo auf drei Seiten umgeben, bestehen zum Großteil aus Kalkstein und Dolomit, die während der Trias und Jura entstanden. Südlich und westlich von Mezzolombardo treten überwiegend hellgraue bis weißliche Kalke der jurazeitlichen Monte Zugna-Formation in Erscheinung. Gen Nordosten erhebt sich der zum südlichen Mendelkamm gehörende Monte di Mezzocorona, der von Hauptdolomit sowie hellgrauen bis weißen Dolomiten der Schlern-Formation dominiert wird. Den Westen Mezzolombardos in Richtung Etsch kennzeichnen eiszeitliche Ablagerungen in der Rotaliana-Ebene. Der heutige Ortskern von Mezzolombardo liegt auf einem Schwemmkegel, der sich ca. 15 m über den heutigen Talboden erhebt. Die Kirche San Pietro samt Friedhof hingegen befindet sich auf einer kleinen Terrasse aus zementierten Konglomeraten, die 40 m über dem Talboden liegt.
Gewässer Mezzolombardo wird von zwei natürlichen Gewässern maßgeblich geprägt. Zum einen wäre da der optisch dominierende Nonsbach (Noce), ein wichtiger Nebenfluss der Etsch, der in weitem Bogen um die Ortschaft fließt und zum Teil auch eine natürliche Gemeindegrenze zu Mezzocorona bildet. Als Trinkwasserlieferant traditionell wichtiger ist aber das Rinnsal Rio di Fai della Paganella (auch als Rio della Valle bezeichnet, im Volksmund meist aber einfach nur Rì genannt), das vom Monte Fausior herab kommend in Richtung Ortschaft fließt. Ursprünglich verlief der Rì quer durch Mezzolombardo, ehe zunehmende Sedimentation ihn langsam aus seinem Bett hob, was in der Neuzeit immer häufiger zu Überschwemmungen zu führen begann. Ab dem späten 17. Jh. versuchte man dem Problem zunächst mit Deichen beizukommen, um seinen Lauf 1836 schließlich überwiegend in den Untergrund zu verlegen und sein Wasser in Kanäle zu leiten.
Zwischen 1849 und 1852 erfolgte die unter der Bevölkerung wesentlich umstrittenere Regulierung des Nonsbaches. Während sein ursprünglicher Lauf ihn bei San Michele in die Etsch münden ließ, sollte das neue künstliche Flussbett den Nonsbach weiter nach Süden ziehen und erst bei Zambana einmünden lassen. Diese vom Staat getragene Maßnahme nahm wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der ansässigen Bevölkerung, die den Verlust von wichtigen Weideflächen hinnehmen musste. Außerdem erforderte das engere Flussbett den Bau wesentlich höherer Deichanlagen als zuvor, wie sich bei den Hochwassern von 1882 und 1966 zeigen sollte.
Naturschutzgebiete Mezzolombardos einziges Naturschutzgebiet ist ein schätzungsweise 42–45 ha großes Biotop, das im äußersten Süden der Gemeinde liegt und La Rupe genannt wird. Entstanden ist das Biotop erst während des Hochwassers von 1926 infolge eines Dammbruchs am rechten Ufer des Nonsbaches, der knapp 75 Jahre zuvor in ein künstliches Flussbett gezwungen worden war. Da kaum Anbauflächen verlorengegangen waren und die Kosten den Nutzen eines Uferdamm-Wiederaufbaus wohl überstiegen hätten, wurde kurzerhand beschlossen, den an dieser Stelle unfreiwillig renaturalisierten Nonsbach so zu belassen. In den Folgejahrzehnten vom Menschen weitgehend ignoriert und unberührt, entwickelte La Rupe sich zu einem letzten Zufluchtsort für eine Vielzahl an Wildpflanzen, Fischpopulationen, Insekten und Amphibien (insbesondere die Gelbbauchunke), die aus dem übrigen Etschtal völlig verschwunden sind. Die dichte Artenvielfalt an kleinen Beutetieren bietet nicht zuletzt auch guten Nährboden für Brutvögel wie Stockente, Eisvogel und Seidensänger sowie Watvögel wie den Flussuferläufer. Darüber hinaus vermittelt der an dieser Stelle von kleinen Mäandern und Stillgewässern geprägte Flusslauf eine Ahnung davon, wie das gesamte Etschtal vor den Eingriffen durch den Menschen einmal ausgesehen haben könnte. 1993 schließlich wurde das Biotop durch die autonome Trientner Landesregierung zum Naturschutzgebiet erklärt, welches inzwischen auch ins EU-Netzwerk Natura 2000 aufgenommen worden ist.
Klima Das Klima in Mezzolombardo ist durch seine geographische Lage im Etschtal bestimmt. Es ist vor allem durch die Fußlage und die Lage an der Mündung des Nonstals in die Rotaliana-Ebene gekennzeichnet. So gehört das Etschtal zwar mit bis zu 300 Sonnentagen pro Jahr zu den sonnenreichsten Tallagen der Alpen, allerdings verschwindet diese in Mezzolombardo in den Sommermonaten gegen 17 Uhr und in den Wintermonaten gegen 13 Uhr hinter dem Paganella-Bergmassiv. Von selbigem werden auch die etschtaler Winde, insbesondere jene aus dem Süden, weitestgehend abgeschirmt. Kühle Winde aus dem Nonstal sind eher die Regel, wehen aber im Allgemeinen schwach bis mäßig. Von Juni bis August sind abends Sommergewitter zu erwarten, wobei diese in der Regel weniger heftig als im oberen Etschtal ausfallen. Im Herbst fällt knapp ein Drittel des gesamten Jahresniederschlags, während die Wintermonate mit durchschnittlich 3–5 Regentagen pro Monat verhältnismäßig trocken und kalt sind.
Geschichte Altertum Die frühesten Zeugen menschlicher Tätigkeit in der Rotaliana-Ebene sind mittelsteinzeitliche Funde unter dem Felsschutzdach Dos de la Forca am Fuße des Cornello (Gemeindegebiet Mezzocorona). Dort aufgefundene Speerspitzen und Reste eine Lagerstelle gehen bis in die Mitte des 7. Jt. v. Chr. zurück. In weiterer Folge entwickelte sich eine dauerhafte Siedlung, die bis in die frühe Jungsteinzeit kontinuierlich Bestand haben sollte. Aus dieser Epoche stammen auch die ältesten Spuren menschlicher Sesshaftigkeit auf dem Gemeindegebiet von Mezzolombardo. Diese konnten in einer dünnen Siedlungsschicht unter einem Felsschutzdach nahe der Bauschutt-Deponie Nogarole, südwestlich des heutigen Biotops La Rupe gelegen, nachgewiesen werden. Besondere Bedeutung als archäologische Stätte erlangte Nogarole jedoch vor allem durch die Freilegung bronzezeitlicher Gräber sowie einer Urnennekropole für Säuglinge und Föten, welche allesamt ein klareres Bild von den Bestattungspraktiken jener Zeit ermöglicht haben. Die dazugehörige Siedlung ist auf einem Schuttkegel oberhalb des Biotops La Rupe, welches gen Südwesten ans gleichnamige Gewerbegebiet anschließt, lokalisiert worden. Bronzeschmuck und Gussformen in Glimmerschiefer legen nahe, dass die damalige Bevölkerung neben Viehzucht auch Metallverarbeitung betrieben hat. Wegen Murengefahr musste die Siedlung wohl in der mittleren bis späten Bronzezeit aufgegeben werden. An ihrer Stelle wurde in der frühen Eisenzeit eine stabilere Terrassensiedlung angelegt, die jedoch bereits Mitte des 1. Jt. v. Chr. ebenfalls aufgegeben werden musste. Eine späteisenzeitliche Siedlung bei Fai della Paganella legt die Vermutung nahe, dass ab dem 5. Jhd. v. Chr. kriegerische Aktivitäten zugenommen hatten und Siedlungen in Tallage folglich nicht mehr sicher waren. Eine feste Siedlung in der Rotaliana-Ebene, die nahe dem heutigen Ortszentrum von Mezzocorona freigelegt wurde, lässt sich erst in römischer Zeit wieder nachweisen. Die altrömischen Funde aus dem Gemeindegebiet von Mezzolombardo hingegen beschränken sich überwiegend auf Kleingegenstände wie Münzen und Fibeln, sowie Resten von Begräbnisstätten auf dem Hügel von San Pietro.
Mittelalter Frühmittelalter Infolge der Auflösung des weströmischen Reichs und den Wirren zur Zeit der Völkerwanderung stand das Gebiet von Mezzolombardo zuerst unter germanischer, dann unter ostgotischer Herrschaft. Im Zuge des Gotenkriegs durchzogen 536 zunächst die Alemannen sowie wenige Jahre später auch die Franken plündernd das Etschtal und vernichteten dabei wohl die letzten Reste altrömischer Siedlungen, ehe ihre Heerscharen 556 von der oströmischen Armee vertrieben wurden. Mit der Eroberung Italiens durch die Langobarden, wurde das Gebiet 569 unter Ewin, dem neuernannten Herzog von Tridentum, politisch konsolidiert. 577 fielen dann abermals die Franken unter Heerführer Chramnichis übers Nonstal in die Rotaliana-Ebene ein und schlugen dort den langobardischen Grafen Ragilo von Lagaris vernichtend, ehe sie von Herzog Ewin bei Salurn aufgerieben wurden. In weiterer Folge blieb das Gebiet von Mezzolombardo für zwei Jahrhunderte beim Langobardenreich, bis jenes schließlich von Karl dem Großen erobert wurde. Anstelle langobardischer Herzöge leiteten nun fränkische Grafen, welche den Markgrafen von Verona unterstellt waren, die Geschicke der Region um Trient. So verlor diese in den folgenden Jahrzehnten zwar politisch an Bedeutung, entwickelte sich gesellschaftlich aber allmählich zu einem Begegnungspunkt zwischen romanischer und fränkischer Kultur. Im Zuge der Fränkischen Reichsteilungen von 843 und 855 wurde das Gebiet zunächst dem Mittelreich, später Ludwig II. zugeschlagen, ehe 888 die Herrschaft der Nationalkönige begann. Diese endete 951 mit der Niederlage Berengars II. gegen Otto I., woraufhin die Markgrafschaft Verona mit dem Herzogtum Bayern vereinigt wurde.
Hoch- und Spätmittelalter In der regionalen Geschichtsschreibung wird das Jahr 1004 als historischer Wendepunkt hervorgehoben, da Heinrich II. im Zuge einer Gebetsverbrüderung in der Trienter Bischofskirche dem Prälaten Udalrich I. auch die weltliche Gewalt über die Grafschaft Trient übertragen hat. Dies wurde am 31. Mai 1027 von seinem Nachfolger Konrad II. bestätigt; darüber hinaus wurde durch die Einverleibung der Grafschaften Bozen und Vinschgau das Hochstift Trient begründet. Dieses war administrativ in Kirchenvogteien (Gastaldien) unterteilt, denen wiederum lokale Setzrichter (scari) unterstanden, welche ihrerseits Aufgaben der niederen Gerichtsbarkeit erfüllten. Spätestens seit dem Jahr 1210 ist auch die Existenz einer scaria sancti Petri bezeugt, also eines Satzrichter-Amtssitzes auf dem Hügel von San Pietro, welcher über die Bauern der heutigen Ortschaften Mezzolombardo und Fai waltete. Die Scaria wiederum unterstand der Gastaldia di Mezo, die seinerzeit etwa das Gebiet der heutigen Talgemeinschaften Paganella und Rotaliana-Königsberg (mit Grumo, aber ohne San Michele und Lavis) sowie die heutigen Gemeinden Campodenno, Denno und einen Großteil von Predaia umfasste.