Stangenrod ist ein Stadtteil von Grünberg im mittelhessischen Landkreis Gießen. Das Dorf liegt 3 km nördlich von Grünberg im Vorderen Vogelsberg. Durch den Ort führt die Landesstraße 3215.

Ortsgeschichte Mittelalter mini|Die Kirche in Stangenrod

Die älteste schriftliche Erwähnung des Orts erfolgte im Jahr 1320 in einer Urkunde der Deutschordensballei Hessen: „... extra muros civitatis Gruonenberg ante portam que dicitur Stangenroder dor ..., ... in strata versus Stanginrode ...“Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 2. Nr. 382, S. 288 f. Übersetzt lautet die Stelle: außerhalb der Mauern der Stadt Grünberg vor dem Tor, welches das Stangenröder Tor genannt wird ... in der Straße gegen Stangenrod zu.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 354 f. Der Ortsname wird mit der Rodung von Stangen (dünnen Bäumen) erklärt. In einer erhaltenen Urkunde wurde der Ort um die Mitte des 14. Jahrhunderts auch als Stangenrode erwähnt.

Im Jahr 1220 wurde eine Kapelle geweiht. Die im Kern romanische Stangenröder Kirche wurde allerdings bereits um 1100 als Wehrkirche errichtet; sie steht weithin sichtbar auf einer Anhöhe. Aus dieser frühen Zeit ist sie ein seltenes Beispiel in Oberhessen für eine Kirche mit Westturm. Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Stangenrod:

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Stangenrod am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Grünberg eingemeindet. Für Stangenrod sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Grünberg und die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Stangenrod angehört(e):

1391 und später: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Grünberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grünberg Die Zugehörigkeit des Amtes Grünberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Grünberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt GrünbergAm 31. Dezember 1970 als Ortsbezirk zur Stadt Grünberg. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Grünberg ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Grünberg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Grünberg

Recht Materielles Recht In Stangenrod galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103.

Gerichtsverfassung seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Stangenrod das „Amt Grünberg“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Stangenrod zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Stangenrod wurde dem Amtsgericht Gießen zugewiesen.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Stangenrod 555 Einwohner. Darunter waren 6 (1,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 99 Einwohner unter 18 Jahren, 235 zwischen 18 und 49, 126 zwischen 50 und 64 und 105 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 222 Haushalten. Davon waren 39 Singlehaushalte, 84 Paare ohne Kinder und 75 Paare mit Kindern, sowie 21 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 42 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 153 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 21 Hausgesesse • 1630: 11 zweispännige, 10 einspännige Ackerleute, 3 Einläuftige • 1677: 22 Hausgesesse, davon 3 freie • 1742: 1 Geistliche/Beamte, 41 Untertanen, 12 Junge Mannschaften, 7 Beisassen/Juden • 1806: 271 Einwohner, 50 Häuser • 1829: 326 Einwohner, 60 Häuser • 1867: 285 Einwohner, 62 bewohnte Gebäude • 1875: 347 Einwohner, 67 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 326 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 364 evangelische (= 81,41 %), 58 katholische (= 12,98 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 97 Land- und Forstwirtschaft, 82 Produzierendes Gewerbe, 22 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 15 Dienstleistung und Sonstiges

Politik Für den Stadtteil Stangenrod besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Stangenrod) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 57,67 %. Es wurden gewählt: ein Mitglied der SPD und sechs Mitglieder der „Bürgerliste Stangenrod“ (BLS). Der Ortsbeirat wählte Christian Aff (BLS) zum Ortsvorsteher.

Vereine Mehrere Vereine bestimmen das kulturelle Dorfleben: Freiwillige Feuerwehr Stangenrod Gesangverein „Concordia“ Stangenrod Jugendclub Bölkstofffreunde Kleintierzuchtverein H 107 Musikverein 1923 Stangenrod Schützenverein Stangenrod Stangenröder Carneval-Verein SV Vorwärts 1923 Stangenrod Jagdgenossenschaft FC-Bayern-Fan-Club Stangenrod Wanderclub Zugvögel (aufgelöst) Gefriergemeinschaft Stangenrod (aufgelöst)

Literatur

Weblinks Die Stadtteile. In: Webauftritt der Stadt Grünberg.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Grünberg, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 1220 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970