In der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges in Europa wurden im April 1945 die bayerischen Städte von Verbänden der US Army eingenommen, die nach dem Scheitern der Ardennenoffensive und des Unternehmens Nordwind von Westen her vordrangen. Die Schlacht um Nürnberg dauerte fünf Tage; sie forderte mindestens 901 Tote. Die Einnahme Nürnbergs durch Einheiten der 7. US-Armee war von hohem Symbolwert; strategisch war das großteils zerstörte Nürnberg in dieser Phase des Krieges nicht von besonderer Bedeutung. Die militärische Verteidigung Nürnbergs war aufgrund der Gesamtlage sowie aufgrund der Überlegenheit der US Army aussichtslos. Zur Ausführung des Nerobefehls kam es nicht mehr, so dass wichtige Infrastruktur erhalten blieb.

Vorgeschichte Nach der Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzung drangen US-amerikanische Truppen über den Rhein in Richtung Bayern vor, wie dies nach der Konferenz von Teheran vom Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, dem Alliierten Hauptquartier in Nordwesteuropa unter General Dwight D. Eisenhower geplant war. Die Verteilung der militärischen Aufgaben entsprach geographisch den auf der Konferenz von Jalta bereits skizzierten späteren Besatzungszonen. Somit oblag es der US Army, Bayern zu erobern und die Herrschaft des Nationalsozialismus sowie den Zweiten Weltkrieg dort zu beenden. Der Widerstand, den die verbliebenen deutschen Truppen dem weit überlegenen Gegner entgegensetzten, war unterschiedlich stark. Während im Westen Deutschlands manche Städte bei Annäherung der amerikanischen Streitkräfte kampflos übergeben wurden, begannen an einigen Orten Kämpfe unterschiedlicher Schwere.

Nürnberg war in der Zeit des Nationalsozialismus als „Stadt der Reichsparteitage“ sowohl aus deutscher als auch aus alliierter Wahrnehmung von besonderer politischer Bedeutung. Daher entwickelte sich die Einnahme Nürnbergs durch US-amerikanische Truppen zur Schlacht um Nürnberg.

Bevölkerung mini|Bevölkerungsentwicklung von Nürnberg zwischen 1920 und 1950

In Nürnberg lebten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges noch 196.270 Menschen. 415.813 Einwohner wurden im Jahr 1933beide Zahlen: Matthias Klaus Braun: Hitlers liebster Oberbürgermeister: Willy Liebel (1897–1945) (Inaugural-Dissertation). Neustadt an der Aisch 2012, S. XIX; ISBN 978-3-87707-852-5. und rund 423.000 im Mai 1939 bei einer Volkszählung erfasst (siehe Einwohnerentwicklung von Nürnberg). Das Absinken der Bevölkerungszahl ist auf mehrere, in der Hauptsache kriegsbedingte Faktoren zurückzuführen. Ein Großteil der wehr- und arbeitsfähigen Männer war zu Wehrmacht, SS, Reichsarbeitsdienst und anderen militärischen und staatlichen Organisationen sowie zu Gliederungen der NSDAP eingezogen worden oder hatte sich freiwillig gemeldet. Zahlreiche Frauen waren zum Deutschen Roten Kreuz dienstverpflichtet worden oder hatten sich freiwillig gemeldet; dies war häufig mit einem Weggang aus Nürnberg verbunden. Im Zuge der „erweiterten Kinderlandverschickung“ und der „Mutter-Kind-Verschickung“ wurden, durch Hitlerjugend und Nationalsozialistische Volkswohlfahrt organisiert, Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 14 Jahren sowie bei Kleinkindern auch deren Mütter in vor allem ländliche Gebiete verbracht, um sie der Gefahr durch Luftangriffe zu entziehen. Darüber hinaus wurde durch die Aktion „Verschickung zu Verwandten“ die Einwohnerzahl Nürnbergs weiterhin reduziert. Ausgebombte Nürnberger fanden teilweise Unterkunft auf dem Land; andere zogen aufgrund der besseren Versorgung mit Lebensmitteln in die umliegenden Dörfer, wenn ihnen das aufgrund der bestehenden Arbeitspflicht gestattet wurde.

Durch die Deportation der rund 2000 Nürnberger Juden in die Vernichtungslager sank die Bevölkerungszahl weiter ab. Schließlich wurden am 7. April 1945 alle Frauen mit Kindern oder ohne kriegswichtige Verpflichtung sowie alle älteren Einwohner aufgefordert, die Stadt zu verlassen, die zum rückwärtigen Operationsgebiet erklärt worden war, nachdem amerikanische Einheiten den Raum Würzburg erreicht hatten und damit etwa 100 Kilometer vor Nürnberg standen.Robert Fritzsch: Nürnberg im Krieg. Droste, Düsseldorf 1984, ISBN 3-8112-0697-4, S. 94.

Neben diesen die Bevölkerungszahl reduzierenden Faktoren wurden andere Personen in Nürnberg angesiedelt bzw. dorthin verschleppt, so insbesondere französische und italienische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion, aus Polen und der Tschechoslowakei. Im April 1945 bestand die Nürnberger Bevölkerung überwiegend aus Frauen, nicht verschickten Kindern, uk-gestellten männlichen und alten und kranken Bürgern beiderlei Geschlechts sowie kaserniert lebenden Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern.

Luftkrieg mini|Luftkriegsschäden bis einschließlich 3. Januar 1945, amtliche Karte Hellrot bzw. Rot: Totalschäden vor dem bzw. am 2. Januar 1945 Hellblau bzw. Blau: Schwere Schäden vor dem bzw. am 2. Januar 1945 mini|US B-17 im Februar 1945 über NürnbergPeter Heigl: Toyland Bomber über Nürnberg, Nürnberg im Zweiten Weltkrieg. 2004, ISBN 3-00-015199-0, S. 17.

Die Stadt war durch Luftangriffe der britischen Royal Air Force sowie den United States Army Air Forces schwer geschädigt. Die Luftangriffe auf Nürnberg (mit mehr als zehn Toten) waren im Einzelnen:Michael Diefenbacher, Wiltrud Fischer-Pache: Der Luftkrieg gegen Nürnberg. Schmidt, Nürnberg 2004, ISBN 3-87707-634-3, S. 517.

Nr. Datum Art des Angriffs TodesopferNach Robert Fritzsch: Nürnberg im Krieg. Droste, Düsseldorf 1984, ISBN 3-8112-0697-4, S. 107, sind es 6111 zivile deutsche und 1965 weitere Tote gewesen. 1 29. August 1942 Nachtangriff der Royal Air Force 137 2 25./26. Februar 1943 16 3 8./9. März 1943 316 4 10./11. August 1943 582 5 27./28. August 1943 89 6 31. März 1944 75 7 10. September 1944 Tagangriff der US Army Air Forces 74 8 3. Oktober 1944 365 9 19. Oktober 1944 Nachtangriff der Royal Air Force 243 10 25./26. November 1944 72 11 28. November 1944 24 12 2. Januar 1945 rund 1800 13 20. Februar 1945 Tagangriff der US Army Air Forces zusammen1390 14 21. Februar 1945 15 16. März 1945 Nachtangriff der Royal Air Force 597 16 5. April 1945 Tagangriff der US Army Air Forces 195 17 11. April 1945 Tagangriff der Royal Air Force 91 Gesamt rund 6066

Der schwerste Luftangriff auf Nürnberg fand am 2. Januar 1945 von 19:20 Uhr bis 20:06 Uhr statt; er wurde von der Royal Air Force mit 521 viermotorigen Bombern geführt.Michael Diefenbacher, Wiltrud Fischer-Pache: Der Luftkrieg gegen Nürnberg. Schmidt, Nürnberg 2004, ISBN 3-87707-634-3, S. 197 ff. und 285 ff. Bei diesem Angriff wurde insbesondere die Altstadt schwer getroffen. Das Ausmaß der Zerstörungen bis zum 2. Januar 1945 ist auf der Karte rechts oben dargestellt. Hierbei stehen hellrot und rot für Totalschäden, hellblau und blau für schwere Schäden, jeweils vor dem bzw. am 2. Januar 1945.

Weitere Luftangriffe, die bereits den Zweck verfolgten, den herannahenden Bodentruppen die Einnahme der Stadt zu erleichtern und den deutschen Truppen die Verteidigung im Bodenkampf zu erschweren, wurden am 20. und 21. Februar von den US Army Air Forces mit 850 bzw. 1100 viermotorigen Bombern geflogen. Den gleichen Zweck verfolgte ein Angriff der Royal Air Force am 16. März 1945. Am 5. und am 11. April 1945 griffen amerikanische Luftverbände nochmals die Altstadt und vor allem den Rangierbahnhof an, auf dem jeder Verkehr ab dem 11. April bis nach Kriegsende vollständig zum Erliegen kam. Bei den beiden letztgenannten Angriffen war die Zahl der Getöteten mit insgesamt 286 relativ gering.

Der Luftangriff am 11. April 1945 war der letzte Luftangriff auf Nürnberg. Damit war Nürnberg sturmreif bombardiert worden. In der Altstadt waren etwa 90 Prozent aller Gebäude vollständig zerstört oder unbewohnbar.

Vorbereitungen auf deutscher Seite mini|hochkant|Karl HolzAufnahme unbekannten Datums aus dem Hauptarchiv der NSDAP im Bestand des Bundesarchivs Auf deutscher Seite waren die Entscheidungsträger Oberbürgermeister Willy LiebelWobei Liebels reale Einflussmöglichkeit gering war; Entscheidungen trafen im Wesentlichen Holz und Wolf; vgl. Willy Liebel Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar Karl Holz Kampfkommandant Oberst Richard Wolf

In Nürnberg standen zur Verteidigung folgende Einheiten bereit: Teile des SS-Panzergrenadierregiments 38, das zur 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“ gehörte Teile des Luftwaffen-Feldregiments 21 diverse Ersatztruppenteile Landesschützen Flugplatzbodenpersonal Reichsarbeitsdienst (RAD) „Panzervernichtungsbataillone“ der Hitlerjugend Volkssturm Volksaufgebot: Frauen im Alter von 16 bis 50 Jahren sowie Männer, die nicht zum Volkssturm eingezogen waren; das Volksaufgebot hatte insbesondere Schanzarbeiten auszuführen. Es kam jedoch mangels Beteiligung nicht mehr zum Einsatz und blieb daher theoretisch. sogenannte Hilfswillige aus der Sowjetunion

Insgesamt handelte es sich um 11.000 bis 12.000 Männer und Jugendliche ab 14 Jahren. Die Ausstattung der Einheiten war schwach; so standen keine Panzer und keine schwere Artillerie zur Verfügung. Die wesentlichen Waffen waren – neben Gewehren und Pistolen – die etwa 140 Flak-Geschütze in der Stadt, unter ihnen mehrere, von den Alliierten auch als Artillerie gefürchtete 8,8-cm-Flakgeschütze, die überwiegend ortsfest waren und von RAD-Männern, Hitlerjungen und sowjetischen „Hilfswilligen“ bedient wurden. Munitionsmangel bestand nicht, nachdem ein im Nürnberger Rangierbahnhof festliegender Munitionszug mit erheblichen Mengen an Flak-Munition aufgefunden worden war.

Ein Teil der Verbände war abgekämpft, dezimiert und nach Franken zur Auffrischung und Auffüllung verlegt worden (SS-Panzergrenadierregiment 38 und Luftwaffenfeldregiment 21). Der andere Teil der Verbände war nicht oder unzureichend ausgebildet, hatte keine Uniformen, sondern trug laut Befehl des Volkssturms „Räuberzivil mit sportlicher Note“ und eine Armbinde, die den Träger als Kombattanten auswies. Letzteres war von wesentlicher Bedeutung, weil Kämpfende, die nicht als Angehörige einer Streitmacht ausgewiesen waren, als Partisanen und damit als Verbrecher angesehen und behandelt wurden. Ferner fehlten insbesondere dem Flugplatzbodenpersonal, den Hitlerjungen und dem Volkssturm teilweise jede Bewaffnung. Zur Erläuterung solcher Umstände dient ein Tagesbefehl aus der Schlacht um Berlin des dortigen Reichsverteidigungskommissars Joseph Goebbels: „Letztlich sind Waffen nicht so wichtig; in der Schlacht wird sich der Soldat schon irgendwie eine Waffe verschaffen“.Dieses und das vorangehende Zitat: Helmut Heiber: Joseph Goebbels. Colloquium, West-Berlin 1965, S. 378 f. Nachdruck 1988 bei dtv, München: Hierzu passt die Aufforderung des NSDAP-Gauinspektors Georg Haberkern, dass die von der Hitlerjugend eingesetzten Kombattanten den amerikanischen Soldaten „die Kehle abbeißen“ sollen.Fritz Nadler: Ich sah wie Nürnberg unterging, Fränkische Verlagsanstalt und Buchdruckerei, Nürnberg 1955, S. 112. Von den letztgenannten Verbänden waren lediglich die Hitlerjungen außer mit ihren für den Kampfeinsatz nutzlosen Fahrtenmessern noch mit der Panzerfaust ausgestattet, mit der Panzer auf eine Distanz von wenigen Metern bekämpftIm damaligen Jargon: „geknackt“. werden konnten. Kampfkommandant Wolf versuchte, das Vordringen der Amerikaner durch Gräben und Panzersperren aus Holzlatten und Straßenbahnwagen aufzuhalten. Diese Maßnahmen waren von zweifelhafter Wirkung.Robert Fritzsch: Nürnberg im Krieg. Droste, Düsseldorf 1984, ISBN 3-8112-0697-4, S. 98. Wolf erwartete das Eintreffen der amerikanischen Verbände von Westen her, also von der Nachbarstadt Fürth; diese Annahme erwies sich als falsch. Er bereitete aufgrund dieser falschen Annahme die Sprengung der verbliebenen Brücken über den Fluss Rednitz vor.