Wetterfeld ist ein Straßendorf und seit 1970 ein Stadtteil der Stadt Laubach im mittelhessischen Landkreis Gießen. In der Gemarkung befinden sich auch die Siedlungsplätze Hessenbrückenhammer, Waldhaus Wetterhorst und die Wüstung Bürgeln.

Geografische Lage Wetterfeld liegt am Rande des Naturparks Vulkanregion Vogelsberg an der Wetter, 2,5 km nordwestlich von Laubach. In Ortsnähe mündet die Lauter in die Wetter. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3481.

Ortsgeschichte Vor- und Frühgeschte Funde aus der Jungsteinzeit lassen auf eine sehr frühe Besiedlung schließen. Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort „Weterefelt“ in den Jahren 802 bzw. 817 im Codex Eberhardi des Klosters Fulda. Ein Frecholf und sein Bruder Tarolf übertrugen dem Kloster ihre Besitzungen in Wetterfeld in der Mark Laubach: „... in loco Weterefelt in finibus Loupeche“ (wörtlich: Wetterfeld in den Grenzen Laubachs). Das Kopiar des Mönchs Eberhard, in dem der Codex überliefert wurde, wurde um 1160 vollendet.Codex Eberhardi 1 II S. 211 = Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antquitates Fuldenses. Fulda 1844. Capitulum 42 Nr. 167

Das Dorf befand sich im 12. Jahrhundert im Besitz der Familie von Münzenberg. Nach deren Aussterben 1255 fiel in der Münzenberger Erbschaft ein Teil des Münzenberger Besitzes an die Familie von Falkenstein. 1239 heißt es in einer Urkunde: „... bona in Weddervelden“ (Güter in Wetterfeld).Archiv für hessische Geschichte und Alterthumskunde 1 (1835-1837), S. 286. 1396 wird „vnsen hab zu Wedirfelde“ (unser Hof zu W.) erwähnt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1 - 5. Band 1. Darmstadt 1860 - 1873. Nr. 1234, S. 824. In der Namensforschung wird der Ortsname als „Siedlung im Flußbereich der Wetter“ gedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 395 f.

Für 1289 sind im Dorf Güter des Klosters Wirberg aus der Schenkung Heinrichs von Seligenstadt belegt.Albrecht Eckhardt (unter Mitarbeit von Friedrich Schunder): Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden. Teil 3,1: Regesten Band 2. Marburg: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 1977. 1239 verpfändete Ulrich I. von Münzenberg dem Schultheißen von Grünberg die Einkünfte von seinen Gütern in Wetterfeld. Im Jahr 1272 gaben die Falkensteiner dem Ritter Guntram von Bessingen ein Lehen im Ort.Anette Löffler: Die Herren und Grafen von Falkenstein (Taunus). Studien zur Territorial- und Besitzgeschichte, zur reichspolitischen Stellung und zur Genealogie eines führenden Ministerialengeschlechts 1255–1418. Selbstverlag der Hessischen Historischen Kommission Darmstadt und der Historischen Kommission für Hessen, 1994. Um 1347 erhielt ein Hermann von Schachheim den Zehnten von Wetterfeld als falkensteinisches Lehen.Anette Löffler: Die Herren und Grafen von Falkenstein (Taunus). Studien zur Territorial- und Besitzgeschichte, zur reichspolitischen Stellung und zur Genealogie eines führenden Ministerialengeschlechts 1255–1418. Selbstverlag der Hessischen Historischen Kommission Darmstadt und der Historischen Kommission für Hessen, 1994. 1349 kaufte das Marienstift zu Lich von Philipp IV. von Falkenstein-Münzenberg eine jährliche Gülte von aus der Bede zu Wetterfeld.Solmser Urkunden 1, Nr. 283 Nach dem Tode des letzten Falkensteiners Werner von Falkenstein, der 1418 als Erzbischof von Trier starb, fiel Wetterfeld an die Grafen von Solms. In den Solmser Teilungen zwischen 1420 und 1436 fiel der Ort schließlich an Graf Johann von Solms-Lich, aus der sich die Linie Solms-Laubach abspaltete.

1440 gab Graf Johann von Solms den Brüdern Kraft und Henne (Johann) von Bellersheim die Vogtei zu Wetterfeld.Friedrich Uhlhorn: Geschichte der Grafen von Solms zwischen Reformation und Westfälischem Frieden. 1931. Neu herausgegeben von Gerhard Menk. Darmstadt und Marburg: Selbstverlag der Hessischen Historischen Kommission Darmstadt und der Historischen Kommission für Hessen, 2011. ISBN 978-3-88443-316-4. Lise von Nordeck, die Witwe des Henne von Bellersheim, entband 1456 die Einwohner von Wetterfeld von ihrem Eid, da sie das Dorf an die Grafen von Solms verkauft hatte.

Neuzeit Im Jahr 1573 sind erneut Bellersheimer als mit der Vogtei zu Wetterfeld belehnt beurkundet, und Neubelehnungen an diese sind bis 1781 verzeichnet. 1806 fiel Wetterfeld an das Großherzogtum Hessen.

Schwere Folgen für Wetterfeld brachte der Dreißigjährige Krieg. Sie werden in der Wetterfelder ChronikPfarrer Hirsch: Wetterfelder Chronik. Aufzeichnungen eines lutherischen Pfarrers der Wetterau, welcher den dreißigjährigen Krieg von Anfang bis Ende miterlebt hat. Hrsg. Von Friedrich Graf zu Solms und Wilhelm Matthäi. Gießen: Ricker’sche 1882. des Pfarrers Hirsch umfassend beschrieben.

Wetterfeld wurde am 29. März 1945 von US-amerikanischen Truppen besetzt. Am 10. April ermordeten Wetterfelder, unter ihnen der Bürgermeister Bernhard Münch, einen als Gegner der NS-Herrschaft auftretenden Postbeamten.LG Giessen, 6. September 1945. In: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966, Bd. I, bearbeitet von Adelheid L. Rüter-Ehlermann, C. F. Rüter. Amsterdam : University Press, 1968, Nr. 1, S. 3–9

Von 1890 bis 1959 hatte Wetterfeld einen Bahnanschluss an der dann stillgelegten Bahnstrecke Hungen-Laubach; geplante Reaktivierungsüberlegungen scheiterten an der Kosten-Nutzen-Analyse.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wetterfeld zum 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Laubach eingemeindet. Für den Stadtteil Wetterfeld wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Laubach, ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Wetterfeld angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Laubach (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Laubach ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Laubach (des Grafen Solms-Laubach) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Laubach (des Grafen Solms-Laubach) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt LaubachPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Laubach des Grafen Solms-Laubach. ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Laubach) und Verwaltung. ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Laubach ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Laubach ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Laubach ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Laubach

Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Wetterfeld ab 1806 das „Patrimonialgericht der Grafen Solms-Laubach“ in Laubach zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Ab 1822 ließen die Grafen Solms-Laubach ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Laubach“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Wetterfeld zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Graf 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Laubach“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts, die Gemeinde Wetterfeld wurde dem Sprengels des Amtsgerichts Gießen zugelegt.

Wirtschaft mini|rechts|Die ehemalige Schule ist heute das Dorfgemeinschaftshaus von Wetterfeld. Von Ende des 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts sind rund 80 Auswanderer nach Amerika oder Australien verzeichnet, die meisten aus wirtschaftlicher Not.

1890 wird Wetterfeld Bahnstation der Bahnstrecke Friedberg–Mücke. Die Einstellung des Personenverkehrs erfolgte zum 31. Mai 1959, die Einstellung des Güterverkehrs zum 31. Dezember 1997.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Wasser- und Elektrizitätsleitungen gelegt, eine Molkerei sowie eine neue Schule und ein neues Pfarrhaus errichtet. Die Schule wurde 1974 geschlossen.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Wetterfeld 930 Einwohner. Darunter waren 39 (4,0 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 153 Einwohner unter 18 Jahren, 384 zwischen 18 und 49, 201 zwischen 50 und 64 und 189 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 384 Haushalten. Davon waren 102 Singlehaushalte, 129 Paare ohne Kinder und 117 Paare mit Kindern, sowie 30 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 78 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 249 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1631: 40 Untertanen

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 119 Land- und Forstwirtschaft, 110 Prod. Gewerbe, 21 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 18 Dienstleistung und Sonstiges.

Religion Verbindungen zum Kloster Arnsburg mini|hochkant|Evangelische Kirche Wetterfeld