mini|hochkant=1.5|Historische Fassade des Franz Sales Hauses, die bei der Modernisierung der Einrichtung erhalten blieb. (Foto: 2009) Das Franz Sales Haus im Essener Stadtteil Huttrop ist eine katholische Einrichtung der Eingliederungshilfe. Die Fassade des Altbaus steht seit 2002 unter Denkmalschutz.Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen; abgerufen am 24. November 2020

Es ist mit rund 2000 Mitarbeitenden an etwa 40 Standorten in Essen, Bochum und Sundern vertreten und bietet 2300 Plätze zur Pflege und Betreuung von Menschen mit geistigen, psychischen und mehrfachen Beeinträchtigungen.Eckdaten zur Einrichtung, auf franz-sales-haus.de

Geschichte mini|hochkant|1892 wurde die Einrichtung nach Franz von Sales benannt. Das Franz Sales Haus wurde am 3. April 1884 als Verein zur Erziehung und Pflege katholischer idiotischer Kinder beiderlei Geschlechts aus der Rheinprovinz von dem Theologen Peter Beising gegründet.Informationen zur Geschichte des Franz Sales Hauses

Im Jahr 1889 wurden der Einrichtung von Wilhelm II. die Rechte einer juristischen Person verliehen. Drei Jahre darauf, nach einem Umzug an den jetzigen Standort an der Steeler Straße, wurde die Einrichtung nach Franz von Sales benannt.Informationen zum Namenspatron Franz von Sales

In der NS-Zeit ab 1933 waren die Menschen im Franz Sales Haus zunächst weniger von „rassehygienischen“ Maßnahmen als Betroffene andernorts bedroht, weil sie in einer Bildungsanstalt untergebracht waren und als bildungs- und arbeitsfähig galten. Msgr. Hermann-Josef Schulte-Pelkum, der damalige Direktor, bemühte sich darum, dass möglichst viele Menschen wieder von ihren Herkunftsfamilien aufgenommen wurden. Als das Franz Sales Haus in ein Ersatzkrankenhaus umfunktioniert wurde, sollten die Bewohner in andere Einrichtungen verlegt werden. Für viele der Verlegten führte dieser Weg in einen grausamen Tod in Kinderfachabteilungen oder anderen „Euthanasie“-Anstalten. Vor dem Beginn der Aktion-T4-Deportationen (Vernichtung lebensunwerten Lebens, NS-Krankenmorde) 1940 lebten in der Einrichtung 1096 Männer, Frauen und Kinder. Im September 1941 fanden zwei Transporte in die beiden psychiatrischen Kliniken Bedburg-Hau und Johannistal-Süchteln (heute ist Süchteln ein Teil von Viersen) statt, die mit dem T4-Programm verbunden waren. Der Arzt Hans Hegemann im Franz Sales Haus und die Meinung der Sozialarbeiter hatten auf das Überleben der behinderten Menschen einen Einfluss. Auch die politische Ausrichtung der Eltern spielte bei den Prognosen für deren Kinder eine Rolle, wie Volker van der Locht in seinen Untersuchungen für die UIC nachwies. Bis 1943 wurden insgesamt 832 behinderte Menschen deportiert.Lehrstuhl Director Sharon L. Snyder, „Legacies of Eugenics“ Summer Institute, Einstein Forum University of Illinois at ChicagoLehrveranstaltung Volker van der Locht Nur 350 der Verlegten erlebten das Kriegsende. Dass die Personen überlebt haben, ist auch der Beharrlichkeit des Essener Seelsorgers Paul Wolpers zu verdanken. Er besuchte die verlegten Kinder in den Einrichtungen und fragte ständig nach, wie es "seinen" Schützlingen gehe. Als er vom Tod einiger Kinder in Leipzig-Dösen erfuhr, schaltete er den Kölner Erzbischof Joseph Frings ein und konnte so viele Menschenleben retten.

Seit dem 1. September 1972 führte das Franz Sales Haus in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Essen einen zweijährigen berufsvorbereitenden Lehrgang zur Verbesserung der Eingliederungsmöglichkeiten durch. Ziel war es, behinderte Jugendliche nach der Schulentlassung zu fördern.Qualifizierung, Website des Franz Sales Hauses. Ab 1973 unterstützte das Franz Sales Haus die Initiative „Hilfe für das Heimkind“ des Kinderschutzbundes. In der Folge entstand das „Kontaktelternprogramm“, das viele Kinder durch einen beständigen Familienkontakt Kontakte jenseits des Franz Sales Hauses ermöglichte. 1974 wurde eine Heimberatungsstelle eingerichtet. Psychologen und Therapeuten boten Heimbewohnern und Mitarbeitern, Eltern und Kontakteltern eine Anlaufstelle, um bei Konflikten zwischen Bewohnern und zwischen Bewohnern und Mitarbeitern zu vermitteln. In der Vereinssitzung vom 10. Mai 1978 beschloss der Vorstand die Gründung des Sportvereins DJK Franz Sales HausHomepage des DJK Franz Sales Haus e. V. und verabschiedete eine Gründungssatzung. Damit waren auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die in der Betriebssportgemeinschaft Franz Sales Haus bislang von regelmäßigen Wettkämpfen ausgeschlossen waren, am Sportangebot beteiligt.

1992 wurde der Klosterberghof als Bioland-Betrieb anerkannt.Der Klosterberghof, auf ruhrschmecker.de, abgerufen am 5. August 2025 Am 8. Juli des Jahres wurde die Außenwohngruppe Hopfenstraße in Schönebeck mit elf Wohnheimplätzen als das erste Dezentralisierungsprojekt des Franz Sales Haus eingerichtet. Die Werkstatt für Behinderte (WfB), heute der Hauptbetrieb der Franz Sales Werkstätten, wurde nach zweijähriger Bauzeit am 10. Juni 1994 von dem Essener Bischof Hubert Luthe eingeweiht. An den 360 Arbeitsplätzen an der Dahlhauser Straße arbeiteten Menschen mit geistiger Behinderung in den Arbeitsbereichen Landschaftspflege, Schreinerei, Schlosserei, Buchbinderei, Schneiderei, Elektromontage, Gärtnerei, Lager und Versandservice.Homepage der Franz Sales Werkstätten

mini|Heutiger Hauptbetrieb der Franz Sales Werkstätten GmbH Am 27. September 1993 mietete das Franz Sales Haus die erste Wohnung für das neue Projekt „Integratives Wohnen“ an.

Am 21. August 1996 eröffnete die Heilpädagogische Schule (HEP) des Franz Sales Berufskollegs.Informationen zum Franz Sales Berufskolleg In zwei Klassen wurden insgesamt 48 Schüler zu Heilerziehungspflegern ausgebildet.Informationen zur Ausbildung als Heilerziehungspfleger In der drei Jahre andauernden Ausbildung wurden den Auszubildenden Kenntnisse in den Fachbereichen Erziehungswissenschaften, Psychiatrie, Pflege, Gesundheitslehre, Recht sowie Didaktik und Methodik vermittelt. Ab Oktober konnten zwanzig Teilnehmer mit einer handwerklichen Berufsausbildung in einer weiteren Klasse eine sonderpädagogische Zusatzqualifikation erlangen. Sie diente der Anleitung und Förderung geistig behinderter Menschen in der Werkstatt für Behinderte (WfB).

Das Special Olympics Fitness-Center wurde am 18. Februar 1997 im Franz Sales Haus eröffnet. Es war das erste Fitness-Zentrum in Deutschland, das geistig- und mehrfachbehinderten Menschen als Trainingsstätte diente. Die Patenschaft für diese Einrichtung, die von verschiedenen Sponsoren finanziert wurde, übernahm der Bundesligatrainer Ottmar Hitzfeld.

Zwei Jahre später richtete das Franz Sales Haus unter dem Dach der „Franz Sales Schule gGmbH“ neben dem Berufskolleg auch einen weiteren eigenständigen Unternehmensbereich ein: das Fortbildungsreferat.Seite des Fortbildungsreferats Hier werden Weiterbildungen und Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen im Bereich der Behinderten- und Altenhilfe organisiert.

Nach Abriss- und Umbauarbeiten wurde 2001 das Richtfest für den ersten Bauabschnitt des Hauptgebäudes des Franz Sales Hauses an der Steeler Str. 261 gefeiert. Nur die Fassade des 1892 erbauten Hauses blieb erhalten. Am 16. Oktober 2002 schließlich gründete das Franz Sales Haus zwei Tochtergesellschaften: Franz Sales Wohnen GmbH und Franz Sales Werkstätten GmbH.

Am 2. Juni 2003 nahm das Integrationsunternehmen „In time gGmbH – gemeinnützige Gesellschaft für Zeitarbeit“ den Betrieb auf. Die Tochtergesellschaft des Franz Sales Hauses ermöglichte es Menschen mit Behinderungen einen regulären Arbeitsvertrag zu tariflich geregelten Bedingungen abzuschließen. Im gleichen Jahr bot das Berufskolleg erstmals die Ausbildung zum staatlich geprüften Heilerziehungshelfer an.

mini|Auf dem Spelberghof werden u. a. Reittherapien für Menschen mit Behinderung angeboten. Im Jahr 2004 erwarb das Franz Sales Haus einen Teil des Spelberghofs (20.000 m²) vom Land Nordrhein-Westfalen. Der gesamte Hof, der bislang von der Reiterstaffel der Polizei Essen genutzt worden war, sollte weiterhin als Reitbetrieb bewirtschaftet werden. Neben dem sportlichen Reitbetrieb sollte hier ab sofort auch das „Therapeutische Reiten“ für Menschen mit Behinderung angeboten werden. Durch die Pferde kommen Menschen mit und ohne Behinderungen unkompliziert miteinander in Kontakt. Am 11. November wurde nach 4½-jähriger Bauzeit das Hauptgebäude des Franz Sales Hauses eingeweiht. Für die Feierlichkeiten wurde die rekonstruierte historische Fensterkrone über dem Eingangsportal wieder eingesetzt. 2004 wurde das Angebot der Franz Sales Wohnen GmbH im ambulanten Bereich erweitert. Heute werden rund 150 Personen in ihren eigenen Wohnungen ambulant betreut. Zusätzlich wurden der Familienunterstützenden Dienst (FuD) sowie die Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle (KoKoBe) ergänzt. In der Gemarkenstraße in Holsterhausen eröffnete im selben Jahr ein neuer Werkstattladen, der jedoch 2011 wieder geschlossen wurde.

Im April 2005 begann das Projekt „Einbeziehung freiwillig und ehrenamtlich Tätiger in die Hilfe zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft“ (Projekt Ehrenamt), ein Forschungsprojekt des Deutschen Caritasverbandes. Es wurde von der „Aktion Mensch“ unterstützt und vom „Institut für zivilgesellschaftliche Entwicklung“ in Freiburg wissenschaftlich begleitet. Durch die Zusammenarbeit mit mehreren Kooperationspartnern (Deutsche Telekom, E.ON Ruhrgas AG, RWE, BMV-, Helmholtz- und Nord-Ost-Gymnasium) waren mehr als 140 Schüler und Auszubildende an dem Projekt beteiligt. Ebenfalls 2005 wurde das Franz Sales Haus „Bezirksstützpunkt Ruhr“. Der Behinderten-Sportverband NRW sichtete hier für die Weltmeisterschaft 2006 ab dem 30. April Spieler für die Nationalmannschaft der Menschen mit geistigen Behinderungen. Die Sonderschule des Franz Sales Haus hieß seit August 2005 „Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung“. Ein neues Schulprofil wurde entwickelt, das Veränderungen im Unterricht der erwachsenen Schüler in den Werkstufen, die Förderung schwerstmehrfachbehinderter Schüler sowie die Einrichtung weiterer Sport-AGs vorsah. Der erste und zweite Bauabschnitt des barrierefreien Sportzentrums Ruhr des Franz Sales Hauses (Architekt: Michael Deterding) wurde am 31. August eingeweiht. Besonders großen Zuspruch fand das erste inklusive Fitnesszentrum Deutschlands.

mini|Einweihung des neuen Schulgebäudes auf dem Gelände des Franz Sales Hauses Am 21. Februar 2006 wurde das neue Schulgebäude eingeweiht. In dem Schulkomplex ist neben der Franz Sales Förderschule auch die Franz Sales Schule gGmbH untergebracht, in der Aus- und Fortbildungen für Fachkräfte der Behinderten- und Altenhilfe angeboten werden. Die Studierenden können im Rahmen von Bildungsprojekten Erfahrungen mit geistig behinderten Förderschülern sammeln und das erworbene theoretische Wissen in der Praxis anwenden. Die Förderschüler profitierten durch die Kooperationen von den zusätzlichen Bildungsangeboten. Die Gärtnerei der FS Werkstätten stellte ab Juni 2006 Zucht und Vertrieb von Pflanzen auf „Bioland“ um. Unter Verzicht auf Pestizide und Insektizide wurden nützliche Insekten als „biologische Waffen“ zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Auf der Regattabahn am Baldeneysee fand am 11. August das bundesweit erste integrative Drachenbootrennen statt. Die DJK-Sportgemeinschaft des Franz Sales Hauses hat dieses Rennen zusammen mit „Drachenboot Essen“ (heute Rhein-Ruhr-Sport) und dem „Essener Sportbund“ organisiert. Zusammen mit anderen Kooperationspartnern richtete das Franz Sales Haus am 15. September mit dem Kleinen Finale der INAS-FID Fußball WM 2006 der Menschen mit Behinderung ein weiteres Sportereignis aus. Im Sportpark „Am Hallo“ siegte die deutsche Mannschaft gegen Südafrika mit 4:0. Am 23. September fand vor 1200 Besuchern im Franz Sales Haus das Erste Integrative Open-air-Musikfestival in Nordrhein-Westfalen statt. Auf dem vom Freizeitbereich organisierten Konzert spielten zehn Bands auf zwei Bühnen.