miniatur| Braunschweiger Anzeigen von 1745
Bei der Postroute Braunschweig–Göttingen handelt es sich um die fahrenden und reitenden Posten nach Göttingen und weiter nach Kassel. Ebenso behandelt der Artikel die Postgeschichte der Orte im Kreis Gandersheim.
miniatur|Postgesetz von 1810
Fahrpost miniatur|hochkant|Meilenstein an Dannhäuser Berg an der B 64 miniatur|links|hochkant|Meilenstein in Könneckenrode, Goslar-Lutter an Bbg.
Der Harzbezirk ist eine Bezeichnung für den Kreis Gandersheim des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel, der vor 1806 die Städte Gandersheim und Seesen, die Stifte Gandersheim, Frankenberg, Klus und Brunshausen, die Ämter Gandersheim, Seesen, Staufenburg, Langelsheim, Harzburg und Lutter am Barenberge und 11 adelige Gerichte umfasste und 1799 auf 9¼ mi² (510 km²) mit 25.614 Einwohnern zählte.Hermann Brockhaus (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste …; 1826.
Die Braunschweiger Anzeigen berichteten 1745 von der Einrichtung einer fahrenden Post von Braunschweig nach Kassel über Wolfenbüttel, Immendorf, Lutter am Barenberg, Seesen, Gittelde nach Northeim. In Northeim hatte man Anschluss auf die Fahrpost Hannover-Kassel.
Nach einem Postbuch der von den Thurn und Taxis betriebenen Kaiserlichen Reichspost von 1764 sind eine Reitpost von Braunschweig über Lutter 4 – Seesen 2 – Northeim 3 und weitere 2 Meilen nach Göttingen, sowie eine Fahrpost von Braunschweig über Barum 2 – Lutter 2 – Seesen 2 – Northeim 3 – Göttingen 2 – Münden 3 und weitere 2 Meilen bis Kassel, angegeben.Franz Joseph Heger: Post-Tabellen oder Verzeichnis deren Post-Straßen in dem Kayserlich Römischen Reich …; 1764.
In der westphälischen Zeit ging eine Kurierpost von Kassel nach Hamburg über Braunschweig und versorgte Braunschweig, Clausthal, Dassel, Einbeck, Elze, Gandersheim, Göttingen, Goslar, Hardegsen, Helmstedt, Hildesheim, Königslutter, Moringen, Münden, Noerten, Osterode, Peine, Salzgitter, Schöningen, Schöppenstedt, Seesen, St. Andreasberg, Uslar und Wolfenbüttel mit Post. Hinzu kam eine Schnellpost nach Hannover mit Abzweig ab Northeim mit der Post für Seesen, Lutter am Barenberg und Immendorf über Braunschweig.Almanach Royal de Westphalie; Kassel, 1810–1813.
Gandersheim miniatur|hochkant|Frühe Poststempel aus Gandersheim
Eine Poststelle ist in Gandersheim im Jahre 1641 durch den Braunschweig-Lüneburgischen Postmeister im Herzogtum Calenberg, Rütger Hinüber (Hildesheim), eingerichtet worden. Gemäß einem Rescript vom 3. Dezember 1708 wurde am 1. Januar 1709 daraus eine Postexpedition der Braunschweig-Wolfenbüttelschen Landespost. Es sind Briefe mit handschriftlichem Ortsvermerk aus dieser Zeit bekannt. miniatur|links|Seltener westphälischer Stempel Gandersheim gehörte zwischen 1810 und 1813 zum Königreich Westphalen. In dieser Zeit war Postdirektor Strube, „Directeur expäditeur“, für die Post-Expedition zuständig. Er verwendete einen Einzeiler „Gandersheim“, einen Franco- sowie einen Déboursés-Stempel.
Wieder Braunschweigisch wurde der Einzeiler zwischen 1823 und 1834 das Datum handschriftlich beigesetzt. Im Jahre 1833 verwendete Postmeister Friedrich Unger (1833–1839) einen Hammerstempel mit Ortsangabe und Zahlendatum, mit zweifacher Wellenlinienumrandung. Unter dem Postmeister Lieutenant C. G. Simonis (1839–1855) kam 1852 ein neuer Hammerstempel mit graden Umrandungslinien in Gebrauch. Diese Stempelform ist nur von Gandersheim bekannt geworden.
Postmeister Adolph Damköhler (1855–1857) verwendete seit 1854 einen Rechteckstempel mit Ortsbezeichnung sowie mit Datum Stern und Uhrzeit abgelöst. Unter Constantin Wildt (1860–1862) folgte 1860 ein Zweikreisstempel mit Tag, Monat und Jahr und Stunden. Zur Entwertung der Postwertzeichen verwendete man ab 1856 den Rostrautenstempel mit der Nummer „14“.
Die Postexpedition wurde 1838 in eine Postverwaltung, 1855 wieder in eine Post-Expeditionen, 1856 erneut in eine Postverwaltung und 1856 in ein Bahn- und Postamt umgewandelt. In der Zeit des Norddeutschen Postbezirks 1869 hatte Gandersheim eine Postexpedition I. Klasse, Bei der Reichspost 1872 eine Post-Verwaltung und 1876 Postamt II Klasse. Bis 1858 hat es eine Posthalterei gegeben, wie man dem Adressbuch entnehmen kann, es sind dort die Posthalter Christoph Ölzen (1833–1848), Friedrich Oelzen (1850–1858) genannt.
Im Königreiche Hannover kam es zur Aufhebung einer bestehenden Einrichtung und Errichtung neuer Postexpeditionen und Relais, „die Postexpedition Bönnien ist mit dem 1. Oktober 1838 aufgehoben, und dagegen ein Relais zu Bockenem etabliert, Entfernung nach Gandersheim 2¾, nach Lutter am Barenberg 1½ und nach Seesen 2 Meilen“.
1844 erhielt Heinrich Dieckmann aus Gandersheim das einfache Ehrenzeichen für verdiente Postillions, 1847 erhielt er das zweifache Ehrenzeichen und ein Geschenk von 10 Thl.
Seesen Seesen (Schusa, Seehusa (794)) grenzt im Osten an den Ambergau. In der Zeit von Rudolf August (Braunschweig-Wolfenbüttel) (* 16. Mai 1627 in Hitzacker; † 26. Januar 1704 in Hedwigsburg) kaufte Lünig das Haus an der Junkerstraße unter der Versicherungsnummer 125. Ihm war auch die Besorgung der Post übertragen worden und damit die Erlaubnis das fürstliche Wappen vor diesem Hause aufzuhängenKarl Friedrich Bege: Geschichten der Städte Seesen und Scheppenstedt; 1846. miniatur|Bahnstrecke aus Fotokopie (überarbeiteter Auszug) Von Seesen an der Selke ist bekannt, dass die Heerstraßen nach Frankfurt, Nürnberg und Holzminden sich in Seesen vereinigten. „Auch ist eine wichtige Postexpedition da“. Die Entfernung nach Gandersheim betrug 1 Meile, von Staufenburg (ehemals Lichtenhagen) 1 Meile, von Osterode 2 Meilen. „Bis Clausthal (2½ Meilen) ist der Weg sehr schlecht“.
Von Seesen aus ging eine Chaussee nach Klingenhagen, Neuen Krug, Langelsheim über die Innerste, Sophienhütte, Juliushütte nach Goslar. Ein Weg führte von Seesen nach Herrenhausen, Münchehof, Fürstenhagen, Staufenburg (Ruine) Gittelde, Teichhütte, Badenhausen, Lasfeld, Osterode, Herzberg, Wildemann, Zellerfeld- und Clausthal.Kaspar Friedrich Gottschalck: Taschenbuch für Reisende in den Harz; 1803.
Hinzu kam die große Straße, welche von Nordhausen über Herzberg, Osterode, Gittelde und Seesen führte.Friedrich Hoffmann: Die Burgen und Bergfesten des Harzes und der nächsten Umgegend; 1836.
In der Westphälischen Zeit gehörte Seesen ins Departement der Leine zum Kanton Einbeck. Der Postdirektor 3. Klasse Österreich (1810–1813) erhielt den Einzeiler aber auch die übrigen westphälischen Stempel. miniatur|hochkant|Frühe Poststempel von Seesen
Nach den Befreiungskriege ist der Postrath E.J.H. Österreich (1833–1842) als Postmeister weiterhin im Dienst. Ernannt wurde der bisherige Postsekretär Leopold Henneberg (1843–1859) zu Wolfenbüttel zum 1. Januar 1843 und der Postaspirant Theuerkauf zu Sessen vom 20. November an zum Postschreiber, er wechselte 1843 zum Hofpostamt in Braunschweig. Es folgten der bekannte Postmeister Adolph Damköhler als Vorstand (1858). Dies zeigt sehr deutlich die Wichtigkeit der Postexpedition Sessen als Schnittpunkt der unterschiedlichen Postrouten.
Um 1834 kam in Seesen ein Bogenstempel mit Datumszeile in Gebrauch. Ihm folgte zwischen 1855 und 1867 ein Rechteckstempel, wobei die Verwendungszeiträume empirisch ermittelt wurden und genaue Daten nicht vorliegen. Zum Rechteckstempel kam 1864 noch ein Zweikreisstempel.
Am 18. September 1835 verkündete das General-Circular Nr. XIX (19) von der Einrichtung einer Fahrpost-Verbindung zwischen Hildesheim und Seesen und der Aufhebung der Botenpost zwischen Seesen und Bockenem sowie von einer neuen Botenpost zwischen Seesen und Osterode.
1838 wurde der Grenzpunktes gegen Hannover von Bockenem nach Seesen verlegt. Gleichzeitig wurde die Postexpedition Bönnien zum 1. Oktober 1838 aufgehoben und in Bockenem ein Relais etabliert. Die Entfernung nach Gandersheim betrug 2¾, nach Lutter am Barenberg 1½ und nach Seesen 2 Meilen. Vom Relais in Clausthal betrug die Entfernung nach Seesen 2½ Meilen.
miniatur|hochkant|Ein braunschweigischer Postillion
Die Postillione in Seesen waren erfolgreich, so erhielten Ludwig Riecke und Andreas Schröder, beide aus Seesen, 1842 „das dreifache Ehrenzeichen mit monatlicher Zulage von 1 Rthlr“. Heinrich Riecke erhielt „das zweifache Ehrenzeichen und ein Geschenk von 10 Rthlr“. Ludwig Riecke wurde 1844 „wegen Dienstunfähigkeit mit einer jährlichen Pension von 24 Thl. in den Ruhestand versetzt“. Es ging aber auch anders, „einem Postillion wurde die Pension auf 12 Thl gekürzt, da er den Umsturz eines Postwagens verschuldet hatte“. Der General Circular meldete 1847: „Der Postillion Heinrich Riecke zu Seesen hat eine uneingeschriebene Person befördert, ihm wurde die verliehenr Ehrentrompete abgenommen, verbunden mit der Einstellung der Zusatzzahlung die ihm wegen 20jähriger Dienstzeit“ zugesprochen worden war. Dennoch erhielt Heinrich Riecke wenige Monate später „das dreifache Ehrenzeichen mit monatlicher Zulage von 1 Thl“ erneut zugesprochen.
Die Wagenmeisterei (Poststation, Relais) bestand von alters her. Heinrich Ricke aus der Postillion Familie war 1857–1871 einer der Wagenmeister.
Die Eisenbahn von Börssum nach Kreiensen wurde am 5. August 1856 eröffnet. Per Gesetz vom 18. Juli 1856 wurde die Bezeichnung der einzurichtenden Stationen Seesen, Gandersheim und Kreiensen zu Bahn- und Postämter verfügt.
Lutter am Barenberge Lutter am Barenberg, ein ansehnliches Pfarrdorf, 4 Meilen von Braunschweig und 2 Meilen von Seesen, der Sitz eines Justiz- und Pachtamtes, und einer Postexpedition an der Frankfurter Straße.Georg Hassel, Karl Friedrich Bege: Geographisch-statistische Beschreibung der Fürstenthümer Wolfenbüttel und …; 1803.
Eine amtliche Botenpost bestand seit 1709 von Wolfenbüttel nach Lutter und Gandersheim über Seesen und zurück. Die 1743 eingerichtete Fahrpost von Braunschweig über Salzgitter und Seesen nach Gandersheim ging ebenfalls über Lutter. Es ist unwahrscheinlich, dass es da keine Postanstalt gegeben hat.
Lutter am Barenberg gehörte im Königreich Westphalen ins Departement der Oker zum Distrikt Goslar. In dieser Zeit war laut Almanach Royal de Westphalie ein Herr Südekum (1810–1813) Direktor der Expedition, also Leiter einer Poststation für Pferdewechsel.
In den späteren Adressbüchern erscheint die Posthalterfamilien mit Heinrich L. Südekum (1843), Friedrich Südekum (1848–1870) W. Südekum (1871–1883) weiter. Man kann davon ausgehen, dass 1883 die Posthalterei geschlossen wurde.
miniatur|Frühe Poststempel von Lutter am Barenberg
1835 ist in Lutter eine Postexpedition eingerichtet worden. Per Gesetz vom 14. Juli 1856 wurde sie in Herzogliche Bahn- und Post-Expeditionen umbenannt.
Anscheinend wurde 1808 ein zweizeiliger Schreibschriftstempel eingeführt der bis 1827 verwendet wurde. Der Einzeiler „LUTTER AM B:B“ ist 1810 als westphälischer, ebenso wie der Zweizeiler „FRANCO /. .“ eingeführt worden. Dieser Einzeiler blieb bis 1855 in Gebrauch. In den letzten Jahren wurde das Datum handschriftlich beigesetzt. Der Zweikreissehnenstempel kam 1844 nach Lutter, auch hier sollte das Datum handschriftlich eingefügt werden. Beim Rechteckstempel, der 1853 zur Anwendung kam, wurde die Halbtageszeit Vormittag/Nachmittag, durch einen Stern getrennt. Das Datum war täglich neu zu stecken. Zur Entwertung der Postwertzeichen verwendete man den Rostrautenstempel mit der Nummer „32“. Im Jahre 1865 kam dann der Zweikreisstempel mit Datum, Jahr und Uhrzeit in Gebrauch.
Gittelde miniatur|hochkant|Frühe Poststempel von Gittelde
Von der großen Straße, welche Nordhausen über Herzberg, Osterode, Gittelde und Seesen berichtet Friedrich HoffmannDie Burgen und Bergfesten des Harzes und der nächsten Umgegend; 1836. von einer Postanstalt ist noch keine Rede. Früher wurde die Post aus Gittelde wahrscheinlich im nahegelegenen Sessen aufgegeben und abgeholt.