Groß-Altenstädten ist ein Ortsteil der Gemeinde Hohenahr im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Geographie Groß-Altenstädten liegt im Gladenbacher Bergland. Durch den Ort fließt der Stadterbach, der jedoch überwiegend als Krausebach – benannt nach einem zwischen Groß-Altenstädten und Mudersbach gelegenen Waldstück namens Kräus – bezeichnet wird.
Geschichte mini|Historisches Rat- und Backhaus mit Dorfladen, Café und Heimatmuseum
Ortsgeschichte Die Landschaft des oberen Aartals um die sehr alten Orte Ahrdt, Erda und Altenkirchen war in fränkischer Zeit altes Reichsgut. Die Zehnten gehörten hier im Hochmittelalter dem Bistum Speyer. Von den genannten Orten aus erfolgte die weitere Besiedlung der Gegend. Groß-Altenstädten dürfte der nächsten Phase des Landesausbaus angehören. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Groß-Altenstädten erfolgte im Jahr 1279 unter dem Namen Aldynstedin, die der Kirche im Jahr 1310.
Im Mittelalter wurden die Speyrer Lehen nach und nach durch das Haus Solms erworben, wodurch es diesem gelang, in dem genannten Gebiet die Landesherrschaft zu erringen, die sie sich jedoch ab 1351 mit den Landgrafen von Hessen teilen mussten. Groß-Altenstädten lag damit für die nächsten Jahrhunderte im gemeinsamen Einflussbereich von Hessen und Solms. Als das gemeinschaftlich verwaltete Gebiet 1629 aufgeteilt wurde, wurde Groß-Altenstädten ganz dem Haus Solms-Hohensolms (ab 1718 Solms-Hohensolms-Lich) zugeschlagen und dem Amt Hohensolms zugeordnet. Es stand unter der Leibeigenschaft und war zunächst den hessischen Landgrafen sowie den Grafen von Solms, ab 1629 dann nur noch den Grafen von Solms frondienst- und abgabenpflichtig, bis es 1806 an Nassau und 1815 an Preußen kam.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohenahr 2000.
Folgenreich für die Entwicklung des Ortes war der Dreißigjährige Krieg. In den Kriegen des französischen Königs Ludwig XIV. durchzog der Große Kurfürst mit einer Armee von 40.000 Mann das Solmser Land. Am 9. Dezember 1672 logierte er persönlich in Groß-Altenstädten.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohenahr 2000, S. 81. Im Siebenjährigen Krieg plünderten 1761 die Franzosen das Dorf. Einquartierungen brachten auch die Revolutionskriege, die napoleonischen Kriege und die Befreiungskriege. So lagen 1806 Franzosen und von 1813 bis 1815 Russen im Dorf.
mini|Der Stadterbach in Groß-Altenstädten Das Dorf war bis ins 20. Jahrhundert hinein überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Mehrere Mühlen, die zumeist vom Wasser des Stadterbaches angetrieben wurden, verarbeiteten das von den Bauern angebaute Getreide zu Mehl. Von diesen existiert heute nur noch die schon 1721 erwähnte Pfeffermühle. Eine weitere Mühle hat früher einmal auf dem Gelände des Hauses Weiherweg 4 gestanden, wo noch nach dem Zweiten Weltkrieg der Mühlgraben zu erkennen war. Daneben hat es im heutigen Haus Heidestraße 16 im 19. Jahrhundert eine von Hand getriebene Mühle für Grütze (Hafer, Gerste) gegeben. Diese Grützmühle wurde bei einem Neubau im Jahre 1873 nochmals erneuert. 1912 wurde das mittlerweile über zwei Stockwerke reichende Mühlengebäude dann abgerissen und die Fläche zu Wohnraum umgenutzt.
1721 wird auch bereits eine Ziegelhütte erwähnt, die etwa zwischen der Pfeffermühle und dem Dorf gestanden haben muss.Pfarrarchiv Hohensolms, Archivalie Nr. 209. Das Bergwerk Carlsgrube lieferte schon 1736 Kupfererze.Karsten Porezag: „…edle Gänge an Kupffer Ertz sich reichlich zeigen…“ Kupfererzbergbau und Kupfererzverhüttung um Wetzlar 1607–1897, Wetzlar 2017. Groß-Altenstädten galt in der Vergangenheit als ein im Vergleich zu den Nachbarorten wohlhabendes Dorf. Seinen Niederschlag fand dies in einer bemerkenswerten Anzahl qualitativ hochwertiger Fachwerkbauten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.Maria Wenzel: Kulturdenkmäler in Hessen. Lahn-Dill-Kreis II, herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege, Wiesbaden 2003, S. 296. Bedeutendstes Gebäude ist das ehemalige Rathaus von 1579, das 1925 um einen Anbau in gleicher Bauweise erweitert wurde. Es diente zeitweise auch als Schule. 1763 erhielt es einen Gemeindebackofen.Chronik der Pfarrei Hohensolms-Großaltenstädten, Band 2, 1920–1949.
Über den Krausebach führte einst eine Brücke. Sie war aus starken Eichenholzbalken gefertigt und hatte ein weit überragendes Strohdach. Auf beiden Seiten mit Sitzgelegenheiten ausgestattet, diente sie oft als auch als Versammlungsort, etwa für den Gemeinderat. Auf dem Bodenbalkenwerk lagerten die Feuerleitern und Feuerhaken, unter dem Dach die Hürden des Schafspferchs. Den Kindern bot sie einen schönen Spielplatz. Die im Gebälk befindliche Jahreszahl 1601 wies wohl auf die Erbauung dieses kunsthistorisch interessanten Bauwerks hin, von dem es in der ganzen preußischen Rheinprovinz nur noch ein vergleichbares gab. 1899 wurde sie abgerissen, weil die Tragbalken an der Unterseite morsch geworden waren und durch eine unscheinbare neue Brücke ersetzt.Chronik der Pfarrei Hohensolms-Großaltenstädten, Band 2, 1920–1949. Am Abend des 23. August 1798 löste ein Blitzschlag einen Großbrand in dem damals noch weit überwiegend mit Strohdächern gedeckten Ort aus, bei dem 12 Gehöfte abbrannten.Chronik der Pfarrei Hohensolms-Großaltenstädten, Band 2, 1920–1949. Hiervon war insbesondere der südliche Bereich der heutigen Heide- und Bachstraße betroffen.Maria Wenzel: Kulturdenkmäler in Hessen. Lahn-Dill-Kreis II, herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege, Wiesbaden 2003, S. 297. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde aus diesem Anlass alljährlich am 24. August ein Gedenktag mit Gottesdienst gehalten.Hans Hermann Hagmann: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinden Hohensolms (1964–1985), Großaltenstädten (1964–1971) und Blasbach (1971–1985), Hohenahr 2010. Während des Zweiten Weltkrieges wurde bei einem Luftangriff im Frühjahr 1944 der Bereich um das Rathaus beschossen. 1946 führte die Einquartierung von 95 Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland zu einem starken Bevölkerungswachstum.
1950/51 erfolgte die Regulierung des Krausebachs im Ortskern durch den Bau von Einfassungen aus Bruchsteinmauern mit mehreren Brücken. 1951/52 wurden die Dorfstraßen erstmals mit einer Teerdecke versehen.
1958 errichtete die Gemeinde eine neue Schule. 1961 wurde südöstlich des Ortes ein Freibad in Betrieb genommen. 1966 wurde die Schule aufgelöst und 1971 wurde in dem Gebäude ein Dorfgemeinschaftshaus eingerichtet. 1972 wurde Groß-Altenstädten Teil der neu gebildeten Großgemeinde Hohenahr. 1966 wurde ein evangelisches Gemeindehaus gebaut. Bis 1995 besaß der Ort eine eigenständige Spar- und Darlehenskasse. Im Rahmen des von 2001 bis 2011 durchgeführten Dorferneuerungsprogramms wurden zahlreiche Gebäude saniert. Dabei wurde im ehemaligen Rathaus von 1579 neben einem Dorfladen und einem Dorfcafé auch das Museum des Heimat- und Kulturvereins Hohenahr eingerichtet.700 Jahre Groß-Altenstädten, herausgegeben vom Heimat- und Kulturverein Hohenahr, Hohenahr 2011.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Groß-Altenstädten zum 1. Juli 1972 auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Hohenahr eingegliedert.Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 297. Für Groß-Altenstädten wurde wie für die übrigen Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Gemeindevorsteher errichtet. Sitz der Gemeindeverwaltung blieb der Ortsteil Erda.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Groß-Altenstädten angehört(e):
1294: Aldynstedin vor 1351: Heiliges Römisches Reich, Haus Solms (Gemeinsamer Besitz der Linien Solms-Braunfels, Solms-Burgsolms und Solms-Königsberg) ab 1351: Heiliges Römisches Reich, Grafschaften Solms-Braunfels, Solms-Burgsolms und Landgrafschaft Hessen ab 1415: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels und Landgrafschaft Hessen, Gemeinschaftliches Amt Hohensolms und Königsberg ab 1432: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Lich in verschiedenen Teilungskonstellationen und Landgrafschaft Hessen, Gemeinschaftliches Amt Hohensolms und Königsberg 1567–1604: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Lich in verschiedenen Teilungskonstellationen und Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gemeinschaftliches Amt Hohensolms und Königsberg 1604–1648: hessischer Anteil strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen(-Darmstadt) (4/8), Grafschaften Solms-Hohensolms (3/8) und Solms-Lich (1/8), Gemeinschaftsamt Hohensolms und Königsberg ab 1629: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms (3/4) und Grafschaft Solms-Lich (1/4), Amt Hohensolms ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich, Amt Hohensolms ab 1792: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Hohensolms-Lich, Amt Hohensolms ab 1806: Herzogtum Nassau,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Amt Hohensolms1815: Abtrennung der Justiz (standesherrliches Justizamt Hohensolms). ab 1816: Königreich Preußen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Provinz Großherzogtum Niederrhein, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Braunfels, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1822: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms1849: Endgültige Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wetzlar) und Verwaltung. ab 1866: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wetzlar ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Wetzlar ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wetzlar ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wetzlar ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wetzlar ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Wetzlar ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Wetzlar, Gemeinde HohenahrAm 1. Juni 1972 wurde Großaltenstädten als Ortsteil der neu gebildeten Gemeinde Hohenahr eingegliedert. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Hohenahr ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Hohenahr
Einwohnerentwicklung
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1834: 458 evangelische Einwohner • 1961: 387 evangelische (= 94,85 %), 16 katholische (= 3,92 %) Einwohner
Kulturdenkmäler
Infrastruktur Durch die Gemarkung verlaufen die Landesstraßen L 3053 und L 3376. Zur dörflichen Infrastruktur gehört die 1949 errichtete ehemalige Dreschhalle, die heute zum Abstellen landwirtschaftlicher Geräte sowie als Austragungsort der Kirmes dient. Weiter gibt es ein Feuerwehrhaus, ein Vereinsheim mit Tennisplätzen, eine Grillhütte und einen Reitplatz.