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Virnsberg (fränkisch: Fiansch-berchE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 189. Dort folgendermaßen transkribiert: „fiʳnschberch“.) ist ein Gemeindeteil des Marktes Flachslanden im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern) und eine Gemarkung.

Geografie Lage Das Pfarrdorf liegt am Fuße der Petersberg-Virnsberg-Höhen, die Teil der Nördlichen Frankenhöhe sind. Im Norden wird durch den Kemmathbach, einem rechten Zufluss der Zenn, ein Tal gebildet. Zwei Oberläufe dieses Baches (Virnsberger Bach, Weihergraben) haben ihre Quellen westlich und östlich des Ortes, der mit dem nordöstlich gelegenen Boxau eine geschlossene Siedlung bildet.

Die Kreisstraße AN 21 führt nach Sondernohe (1,8 km nördlich) bzw. Richtung Süden die Staatsstraße 2245 kreuzend an Neustetten vorbei nach Flachslanden zur Staatsstraße 2253 (2,5 km südlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Kemmathen (1 km nordwestlich).

Gemarkung Die Gemarkung Virnsberg hat eine Fläche von 4,737 km². Sie ist in 620 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7639,86 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Boxau und Kemmathen.

Geschichte Südlich von Virnsberg verlief eine Hochstraße (die heutige Staatsstraße 2245), die von der Reichsstadt Nürnberg zur Reichsstadt Rothenburg führte.

Das Schloss Virnsberg wurde 1235 als „Virnsperc“ erstmals urkundlich erwähnt. Eine Ansiedlung, die „Steinweg“ genannt wurde, kam erst später dazu. Der Ortsname bezieht sich auf den in der Nähe gelegenen Vircunniawald, der bereits 786 in einer Klosterurkunde Karls des Großen genannt wurde.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 189 ff. Die Burg war ursprünglich in Besitz der Reichsministerialen von Uffenheim. Nach der Teilnahme von Ludwig von Virnsberg an einer Erhebung gegen Kaiser Friedrich II. musste dieser 1235 seine Hälfte des Besitzes an die Grafen von Hohenlohe abtreten, die ihn noch im selben Jahr an die Nürnberger Burggrafen verkauften.Monumenta Zollerana, Bd. 1, Urk. XXIII, S. 40 1259 wurde die zweite Hälfte vom Burggrafen Konrad I. gekauft und blieb bis 1294 im Besitz der Burggrafschaft Nürnberg. 1294 wurde sie dem Deutschen Orden samt Zugehörungen übereignet.Monumenta Zollerana, Bd. 1, Urk. LXIII, S. 95 Virnsberg stand dann von 1294 bis 1806 unter der Herrschaft der Deutschherren. Das deutschordische Amt Virnsberg gehörte ursprünglich zur Kommende Nürnberg. Von 1525 bis 1806 bestand die Kommende Virnsberg in der Deutschordensballei Franken. Nach der Reformation bildete die Kommende Virnsberg eine katholische Enklave im protestantischen Fürstentum Ansbach.

Im Bayerischen Krieg (1459–1463) gegen den Markgrafen Albrecht Achilles fiel Herzog Ludwig IX. (Bayern) im September 1461 in dessen Besitztümer in Franken ein. Dabei plünderte und brandschatzte er unter anderem den Ort Virnsberg. 1532 erbaute die Deutschordenskommende ein Spital.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Virnsberg eine Realgemeinde mit Boxau und Kemmathen. In Virnsberg gab es 38 Anwesen (Schloss mit zwei Häusern, Ökonomiegebäuden, Amtshaus, Schäferei, Hospital, Kirche, Pfarrhaus, einem Sechstelhof, drei Sechszehntelhöfen, einem Zweiunddreißigstelhof, 20 Häusern und vier Gnadenhäuslein). Das Hochgericht übte die Obervogteiamt Virnsberg aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte die Deutschordenskommende Virnsberg.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 138.

1806 kam Virnsberg an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Virnsberg gebildet, zu dem Berglein, Boxau, Dörflein, Hainklingen, Kemmathen, Lockenmühle, Neustetten, Obernbibert, Schmalnbühl und Wippenau gehörten. Die Ruralgemeinde Virnsberg entstand 1811Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 961. und entsprach dem Steuerdistrikt. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt).

Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Wippenau nach Flachslanden und Obernbibert nach Unternbibert umgemeindet, während Sondernohe nach Virnsberg eingemeindet wurde. Am 12. Juni 1824 wurden drei Ruralgemeinden gebildet:M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 949.K. Rosenhauer: Der Landkreis Ansbach, S. 10. Neustetten mit Berglein, Dörflein, Hainklingen, Lockenmühle und Schmalnbühl; Sondernohe; Virnsberg mit Boxau und Kemmathen. 1833 beantragten Götteldorf, Sondernohe, Unternbibert und Virnsberg einen Wechsel ins Landgericht Markt Erlbach, was jedoch abgelehnt wurde.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 949.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 176. Die Schneidmühle wurde 1837 erstmals namentlich erwähnt. Ab 1862 gehörte Virnsberg zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1870 beim Landgericht Ansbach, von 1870 bis 1879 war das Stadt- und Landgericht Ansbach zuständig, seit 1880 ist es das Amtsgericht Ansbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1013. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 4,746 km². Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Bayern in den Markt Flachslanden eingegliedert.

Historische Beschreibungen Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1804) wird der Ort folgendermaßen beschrieben:

Im Topo-geographisch-statistischen Lexicon vom Königreiche Bayern (1832) wird der Ort folgendermaßen beschrieben:

In einem Artikel der Bayerischen Volkszeitung (1925) wird ein Historienbezug in die Antike hergestellt:

Baudenkmäler In Virnsberg gibt es 17 Baudenkmäler:

ehemaliges Baudenkmal Haus Hofmann: ehemaliges Schulhaus des Deutschen Ordens, unter Landeskomtur Philipp Waldecker von Kempf (1750ff.) errichtet, einfacher Massivbau mit verwittertem Wappen.G. P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach, S. 149. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Virnsberg Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 742 257 343 335 321 314 319 315 340 341 330 324 347 329 310 311 313 306 286 347 348 336 380 348HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 132 47 56 57 62 66 60 64 69 Quelle Für die Gemeinde Virnsberg zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Berglein (S. 9), Boxau (S. 11), Dörflein (S. 19), Hainklingen (S. 35), Kemmathen (S. 47), Lockenmühle (S. 55), Neustetten (S. 68), Schmalnbühl (S. 82) und Sondernohe (S. 87). Laut Historischen Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 378 Einwohner.

Ort Virnsberg Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2010 2017 2022Einwohner 172 198 246 251 263 269 237 266 298 257 280 289 261 267Häuser 31 36 45 53 47 51 54 76 Quelle

Religion Virnsberg ist römisch-katholisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Dionysius. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Laurentius (Flachslanden) gepfarrt.

Wanderwege Durch Virnsberg führen die Fernwanderwege Deutschherrenweg, Grünes Schlüsselloch, Jean-Haagen-Weg und Zollernweg des Fränkischen Albverein.

Kultur Das Kulturleben des Dorfes ist maßgeblich von den Vereinen geprägt. Im Ort sind folgende Vereine tätig: Blaskapelle, Freiwillige Feuerwehr, Kolpingfamilie, Krieger- und Soldatenverein, Obst- und Gartenbauverein, Schützenverein. Zusätzlich gestaltet die Dorfjugend das Kulturleben, u. a. beim jährlichen Osterfeuer oder der Virnsberger Kirchweih mit Kerwaumzug.

Literatur Angela Baumann, Alexander Biernoth: Virnsberg – Denkmal in Not. Nürnberg 2002. Friedrich-Wilhelm Brumberg: Der Deutsche Orden formt eine Siedlung. Dorferneuerung Virnsberg, Landkreis Ansbach. Ansbach 1994. Klaus Büchler: 100 Jahre Pfarrei St. Dionysius Virnsberg. 1996.

Luitgar Göller: Der Deutsche Orden und die Pfarreien Sondernohe und Virnsberg mit Filialkirchen Neustetten und Unteraltenbernheim. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu, 1. Auflage 2021, ISBN 978-3-95976-331-8.

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Geographie (Flachslanden) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1235 Kategorie:Gemeindegründung 1811 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach