Hohensolms ist ein Ortsteil der Gemeinde Hohenahr im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Geographische Lage Der Ort Hohensolms liegt auf einem Hochplateau aus Deckdiabas im südlichen Teil des Naturparks Lahn-Dill-Bergland inmitten einer typischen Mittelgebirgslandschaft. Seine Nachbarorte sind im Norden Erda, im Osten Königsberg, im Süden Blasbach und Hermannstein sowie im Westen Großaltenstädten. Die höchste Stelle der Gemarkung befindet sich auf dem 442 Meter hohen Altenberg. Oberhalb des Ortes liegt der sogenannte Hals mit dem ehemaligen Park des Schlosses. In der Gemarkung entspringen der Stadterbach und der Reinbach.
Geschichte Ortsgeschichte mini|Ehemaliges Stadttor Im Jahre 1350 errichteten die Grafen von Solms auf dem 435 Meter hohen Ramsberg eine Burg als Nachfolgerbau ihrer zerstörten Burganlage auf dem 2 Kilometer entfernten Altenberg. Wohl gleichzeitig entwickelte sich im Schutz dieser neuen Burg Hohensolms eine gleichnamige Siedlung. Schon 1358 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt.
Der zunächst als Tal bezeichnete Ort besaß schon früh partielle Stadtrechte, welche durch gräfliche Freiheitsbriefe in den Jahren 1639, 1641, 1658 und 1803 mehrfach bestätigt wurden. Zu den Privilegien zählten u. a. das Marktrecht sowie eine eigene Gerichtsbarkeit. So ist ab 1509 die Existenz eines Schöffengerichts nachgewiesen. Eine wichtige Rolle spielte früher der ebenfalls schon seit dem 16. Jahrhundert belegte „Wollmarkt“, der alljährlich im Juni abgehalten wurde und zeitweise ein Volksfest von überregionaler Bedeutung war.
Große Not brachte der Dreißigjährige Krieg, in dem Hohensolms zeitweise von kaiserlichen Truppen besetzt war, die von hier aus Raubzüge in die Umgebung unternahmen. Hinzu kam eine starke Pestepidemie im Jahr 1635. Damit verbunden war ein starkes Absinken der Bevölkerungszahl.
Schwere Folgen hatte für die damalige Stadt Hohensolms auch die Zeit des Siebenjährigen Krieges und der französischen Revolutionskriege, als es zu Einquartierungen und Kampfhandlungen in Ortsnähe und in der Folge zu einer großen Verschuldung der Stadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam.
Bei Großbränden in den Jahren 1751, 1786 und 1803 wurden zahlreiche Häuser zerstört.
1448 wurde eine Burgkapelle erbaut, die 1454 in den Rang einer Pfarrkirche erhoben wurde. Hohensolms war Pfarrsitz bis zum 31. Dezember 2019 und ist seitdem pfarramtlich mit der Evangelischen Kirchengemeinde Erda-Großaltenstädten verbunden.
Ab 1629 war Hohensolms Residenz der Grafen von Solms-Hohensolms. Damit verbunden war eine Blütezeit des Ortes. Gegen Ende der 1760er Jahre siedelte der gräfliche Hof dann von Hohensolms nach Lich über. In der Folge sank die einstige Residenzstadt zu einer überwiegend bäuerlich geprägten Siedlung herab.
Im 17. Jahrhundert wurde hier auch eine Münzstätte betrieben.
1806 wurde das Solmser Gebiet für einige Jahre nassauisch, bevor es 1815 an Preußen kam und dem preußischen Kreis Braunfels angeschlossen wurde. 1822 kam Hohensolms zum Kreis Wetzlar. Seit 1977 gehört es zum Lahn-Dill-Kreis.
Jahrhundertelang befand sich im Ort der Verwaltungssitz des zunächst solmsischen, später nassauischen und zuletzt preußischen Amt Hohensolms, eines zehn Ortschaften umfassenden Verwaltungsbezirks. Die Amtsbürgermeisterei wurde 1934 aufgelöst. Danach bildete der Ort bis 1972 eine selbstständige Gemeinde.
Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich die bis dahin selbstständige Gemeinde Hohensolms am 1. April 1972 auf freiwilliger Basis mit den Gemeinden Erda und Ahrdt zur neugegründeten Gemeinde Hohenahr zusammen.Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 297. Für Hohensolms wurde wie für die übrigen Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Gemeindevorsteher errichtet. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde der Ortsteil Erda.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Hohensolms angehört(e):
ab 1323: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms (Gemeinsamer Besitz der Linien Solms-Braunfels, Solms-Burgsolms und Solms-Königsberg), Amt Hohensolms ab 1351: Heiliges Römisches Reich, Grafschaften Solms-Braunfels und Solms-Burgsolms gemeinschaftlich, Amt Hohensolms ab 1415: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels, Amt Hohensolms ab 1432: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Lich in verschiedenen Teilungskonstellationen, Amt Hohensolms ab 1622: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms, Amt Hohensolms ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich, Amt Hohensolms ab 1792: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Hohensolms-Lich, Amt Hohensolms ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Hohensolms1815: Abtrennung der Justiz (standesherrliches Justizamt Hohensolms). ab 1816: Königreich Preußen, Provinz Großherzogtum Niederrhein, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Braunfels, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1822: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms1849: Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wetzlar) und Verwaltung. ab 1866: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Wetzlar ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis
Bevölkerung Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1834: 430 evangelische Einwohner, 3 Katholiken, 12 Mennoniten, 34 Juden • 1961: 610 evangelische (= 90,64 %), 62 katholische (= 9,21 %) Einwohner
Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler
Burg Hohensolms Evangelische Kirche mit Christophorusmalerei Aussichtsturm auf dem Altenberg Torbogenanlage Parkanlage „Hals“ Ehrenmal auf dem Hals ausgedehnte Waldgebiete mit Wandermöglichkeiten (Zweiburgentour) Jüdischer Friedhof Schlossberglift Bikepark am Sportplatz Modelleisenbahnanlage in der Burgstraße
Wirtschaft und Infrastruktur Hohensolms ist durch die Landesstraße 3053 mit dem Umland verbunden. Im Ort sind eine Bäckerei mit Lebensmittelgeschäft, mehrere Dienstleistungs- und Handwerksunternehmen, eine Allgemeinmedizinerin, eine Zahnarztpraxis und eine Rechtsanwaltskanzlei ansässig.
Der Ort verfügt über ein Dorfgemeinschaftshaus mit Saal, Bücherei und Kegelbahn, ein Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde, einen Kindergarten, ein Feuerwehrhaus, einen Kunstrasensportplatz mit Sportlerheim sowie ein Schützenhaus mit Kleinkaliber- und Luftgewehrständen. Hinter dem Schloss ist bei ausreichender Schneemenge im Winter ein Ski- und Rodellift in Betrieb. 2022 wurde beim Sportplatz auch ein Bikepark für Mountainbiker eröffnet. Den oberhalb des Dorfes liegenden „Hals“ nutzen Gleitschirmflieger für ihre Starts.
Außerhalb des Ortskerns gehören eine ehemalige Mühle (Lohmühle) sowie zwei landwirtschaftliche Gehöfte (Weiherhof und Leiterhof) zur Gemarkung Hohensolms.
Hohensolms ist auch als „Berg der Jugend“ bekannt. Schon 1924 wurde die einstige Burg- und Schlossanlage der Solmser Grafen Sitz der „Christdeutschen Jugend“. Seit den 1950er Jahren betrieb dann die EKHN darin ein Tagungs- und Freizeithaus (Evangelische Jugendburg Hohensolms). 2022 wurde die Schlossanlage von der Landeskirche an die Privatschule „Carpe Diem Hohensolms GmbH“ verkauft, die es 2026 an die Haus-Hohensolms-Stiftung weiterveräußerte.
In ruhiger Lage auf dem benachbarten „Hals“ befindet sich zudem ein Rehabilitationszentrum für behinderte Kinder und Jugendliche (Haus Hohensolms).
In den Jahren 2012/13 wurde in der Gemarkung Hohensolms der Windpark Hohenahr mit sieben Windenergieanlagen errichtet.
Persönlichkeiten Georg Eberhard, Graf zu Solms-Hohensolms-Lich (1563–1602), Adliger und Oberst im niederländischen Freiheitskrieg Amalie, Gräfin zu Lippe-Detmold, geborene Gräfin zu Solms-Hohensolms (1678–1746) Friedrich Ludwig Ernst Gerland (1755–?), Jurist, u. a. Konsulent beim Reichsjustizkollegium der liv-, est- und finnländischen Rechtssachen zu St. Petersburg Philipp Carl Heinrich Colonius (1798–1858), Jurist, Rechtsanwalt in Neuwied, 1848 Mitglied des Vorparlaments der Deutschen Nationalversammlung August Wilhelm von Klipstein (1801–1894), Mineraloge, Forstwissenschaftler und Geologe Friedrich Sartorius (1808–1865), Pfarrer und Mitglied der Zweiten Kammer des Landtags des Großherzogtums Hessen Ernst Emanuel Krauss alias Georg Stammler (1872–1948), Schriftsteller (liegt in Hohensolms begraben) Adelbert Gümbel (1887–1970), Beamter, Genealoge und Sammler Wilhelm Löhr (1889–1941), Chirurg Hanns Löhr (1891–1941), Mediziner, Hochschullehrer und -rektor, SS- und SA-Führer
Literatur Otto Kammer: Die Evangelische Jugendburg Hohensolms. Ein Blick in die Geschichte im siebzigsten Jahr ihres Bestehens, Hohensolmser Freundeskreis, Darmstadt 1994. Emil Kemper: Luthertum und Calvinismus in Stadt und Amt Hohensolms bis zum Dreißigjährigen Kriege. Hohensolms 1917. Waldemar Küther: Das Patronatsrecht der Kirche Hohensolms. In: Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins. 19, 1961. Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Hohenahr 2000. Timo Zimmermann: Hohensolms. In: Harm von Seggern (Hg.): Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800). Ein Handbuch, Abt. I: Analytisches Verzeichnis der Residenzstädte und herrschaftlichen Zentralorte, Teil 3: Südwesten, Thorbecke 2025. Damals. Hohensolmser Erinnerungen, erzählt vom Altenkreis. Bearbeitet von Marie Agnes Klapsch, Hohenahr 1984. Hans Hermann Hagmann: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinden Hohensolms (1964–1985), Großaltenstädten (1964–1971) und Blasbach (1971–1985). Hohenahr 2010.
Weblinks
Ortsteil Hohensolms im Internetauftritt der Gemeinde Hohenahr.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Lahn-Dill-Kreis Kategorie:Geographie (Hohenahr) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Lahn-Dill-Kreis) Kategorie:Ersterwähnung 1358 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972