Oryx Quest (im Vorbereitungsstadium zunächst Oryx Cup Sport Business (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011)) war eine Segelregatta, die im Jahr 2005 auf Yachten der G-Class – unbegrenzt großen Mehrrumpfbooten, d. h. Maxi-Katamaranen und -Trimaranen – einmal nonstop um die Welt führte. Sie war die erste Weltumsegelungsregatta, deren Start und Ziel im Nahen Osten – nämlich in Doha, Katar – lag.Nick Hayes (19. Januar 2005). Amundsen Oslo Appointed As Official Timekeeper. sailing.org (International Sailing Federation) (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011)
Von den vier teilnehmenden Booten schieden zwei aufgrund von Materialschäden aus; da das eine der beiden verbleibenden Boote deutlich langsamer als die Konkurrenz war, war ab diesem Augenblick – noch genau einen Monat vor Zieleinfahrt des Siegers – der Regattaausgang weitgehend entschieden.
Teilnehmenden Booten wurden nach Angaben des Veranstalters jeweils 1 Million US-Dollar Startgeld gezahlt.Tracy Edwards (24. Dezember 2010). Brief. auf Tracy Edwards – Qatar Blog (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011) Das ausgeschriebene Preisgeld in Höhe von insgesamt ebenfalls 1 Million Dollar war das bis dahin höchste in der Geschichte des Segelsports.Cahal Milmo & Stuart Alexander (15. Juli 2004). Is Edwards sailing into debt-infested waters? The Independent (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011) Außerdem wurde ein Preisgeld für ein Boot ausgesetzt, das die Rekordzeit der Trophée Jules Verne (einer Weltumsegelung von Frankreich/England aus) unterböte, Seglermagazin (abgerufen am 21. Januar 2011) auch wenn die Strecke (und damit die vorherrschenden Winde) sich deutlich unterschied und insbesondere mit 21.000 Seemeilenkeine Autorenangabe (20. Dezember 2004). Bullimore sets sail for Qatar. Yachting World (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011) kürzer war als für die Trophée Jules Verne.
Infolge der Regatta kam es zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen der britischen Seglerin Tracy Edwards bzw. dem von ihr geleiteten Veranstalter und den Sponsoren aus Katar, die laut englischen Angaben Beträge in Millionenhöhe – einschließlich von Preisgeldern in Höhe von 850.000 US-Dollar – nicht ausgezahlt haben sollen.Dick Durham (4. April 2006). Middle East muddle. Yachting Monthly (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011) Von anderer Seite wurde diese Darstellung bezweifelt. Edwards und der Veranstalter mussten infolge der Regatta Konkurs anmelden. Außerdem wurde Edwards von einem der Veranstalter der Weltumsegelungsregatta The Race Ideendiebstahl vorgeworfen.
Ablauf der Regatta Route, Preisgelder und weitere Regattabedingungen Start der Regatta war am 5. Februar 2005 in Doha, danach führte die Route durch den persischen Golf über den Indischen Ozean nach Süden, dann wurden Kap Leeuwin und Kap Hoorn gerundet. Nach einem Abstecher um die vor Uruguay gelegene Isla de Lobos (damit die Boote nicht zu sehr in den gefährlicheren südlichen Gewässern segelten und zudem Filmmaterial für die Vermarktung der Regatta leichter an Land übertragen werden konnte) yachtracing.com (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011) ging es um das Kap der Guten Hoffnung und Mauritius herum zurück nach Katar.
Laut Edwards wurde teilnehmenden Booten jeweils eine Million US-Dollar Startgeld gezahlt. Als eins der angemeldeten Boote kurzfristig absagte, wurden Steve Fossett für die Teilnahme seines Maxi-Katamarans Cheyenne sogar 2 Mio. Dollar gezahlt. An anderer Stelle ließ Edwards allerdings einen Hinweis auf Teilnahmegebühren fallen."Ms Edwards (…) issued a statement insisting that (…) the Oryx Cup (…) is still on, with six entries, three of which have "paid up"." – Cahal Milmo & Stuart Alexander (15. Juli 2004). Is Edwards sailing into debt-infested waters? The Independent (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011)
Außerdem winkte eine weitere Million US-Dollar an Preisgeldern, CowesOnline (engl.; abgerufen am 21. Januar 2011) davon 500.000 US-Dollar für den Erstplatzierten (nach einigen früheren Angaben sogar eine Million),staff (12. April 2005). Doha 2006 claims Oryx Quest title. Gulf News (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011) Barry Pickthall (9. Dezember 2004). Bullimore ready to take on the high seas again. The Daily Sail (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011) Gulf Times (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011) 300.000 Dollarstaff (12. April 2005). Doha 2006 claims Oryx Quest title. Gulf News (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011) Gulf Times (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011) (oder 350.000) für den Zweitplatzierten und 200.000 Dollar für den Drittplatzierten. sailmagazine.com (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011) Vor dem Hintergrund der finanziellen Probleme der Regatta (siehe unten) wurde bei der Preisverleihung jedoch kein Geld ausgezahlt, und es ist unklar, ob die Gelder zu einem späteren Zeitpunkt ausgezahlt wurden (Stand September 2005).
Nach Veranstalterangaben soll die Regatta Katar in seinen wichtigsten Märkten 46 Mio. Dollar an „PR“ (public relations, d. h. Öffentlichkeitsarbeit) in die Kassen gespült haben; eine Bestätigung dieser Zahl von Seiten Katars ist nicht bekannt.
Boote und Ergebnisse Die verwendeten Yachten unterlagen keinen baulichen Beschränkungen, woraufhin die teilnehmenden zu den größten und zeitweilig schnellsten Mehrrumpfbooten weltweit gehörten. Nachdem sich zeitweilig mindestens sechs Boote angemeldet hatten, traten vier tatsächlich zur Regatta an: Doha 2006 (ex-Club Med, ex-Maiden II): Gewinner der Maxi-Regatta The Race 2000; wiederholter Rekordhalter über die längste in 24 Stunden versegelte Strecke (Etmal), 2000 bis 2002 Daedalus (ex-Formule Tag, ex-Enza New Zealand etc.): Trophée Jules Verne 1994, allerdings keine bedeutenden Rekorde oder Siege nach 2000; das Boot galt mittlerweile als veraltet.af (11. April 2005). Oryx Quest: "Doha 2006" im Ziel. (abgerufen am 20. Januar 2011) Cheyenne (ex-Playstation): Rekord für die schnellste Nordatlantiküberquerung unter Segeln 2001, Rekord für die schnellste Weltumsegelung 2004 Geronimo (einziger Trimaran im Teilnehmerfeld): Trophée Jules Verne 2004
Ergebnisse: Platzierung Bootsname Typ Nationalität Skipper Zeit Bemerkungen 1 Doha 2006 Katamaran Brian Thompson 62 Tage 21 Std 1 Min 22 Sek multiplast.eu (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011) 2 Daedalus Katamaran Tony Bullimore 75 Tage 0 Std 20 Min 48 Sekkeine Autorenangabe (22. April 2005). Qatar. Oryx Quest: Team Bullimore on Daedalus cross the line. bymnews.com (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011) 3 Cheyenne Katamaran David Scully DNF aufgegeben wegen Kollision mit Treibgut am 2. März*Tim Jeffery (10. März 2005). Scully crew safe after dismasting. The Daily Telegraph (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011) 4 Geronimo Trimaran Olivier de Kersauson DNF aufgegeben wegen Mastbruchs am 9. März* Seglermagazin (abgerufen am 20. Januar 2011)
* Vor ihrem jeweiligen Ausscheiden hatte Geronimo mit Doha 2006 um die Führung gekämpft; Cheyenne hatte auf Platz 3 bzw. nach Aufgabe von Geronimo auf Platz 2 gelegen. Gulf Times (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011)
Veranstalter: Finanzielle und juristische Probleme Initiiert wurde Oryx Quest von Tracy Edwards, die als englische Hochseeregattaseglerin unter anderem den Maxi-Katamaran Maiden II (das spätere Siegerboot beim Oryx Quest) skipperte. Die Organisation übernahm die Gesellschaft Quest International Sports Events (kurz QISE; bis 2004: Maiden Events Ltd), die Edwards leitete und an der ihr ein Drittel gehörte.Catriona Davies (14. Oktober 2004). Tracy Edwards 'paid debts with firm’s money'. The Daily Telegraph (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011)
Rechtsstreite begleiteten bzw. folgten Oryx Quest, weil es einerseits zu Problemen mit der Finanzierung kam und andererseits der Urheberin der Regatta von einem anderen Regattaveranstalter Ideendiebstahl vorgeworfen wurde.
Finanzielles Vor- und Nachspiel der Regatta Finanzierungsprobleme Problematisch war offenbar die Finanzierung der Regatta. Ein Großsponsor der Regatta war die HSBC-Bank, während die Suche weiterer Sponsoren mindestens bis Juli 2004 (7 Monate vor Regattabeginn) und möglicherweise auch weiterhin erfolglos blieb. Zwar sollte die Regatta gemäß der Ankündigung des Veranstalters zu einem erheblichen Anteil im Rahmen eines großen Sponsoren-Vertrags mit Katar finanziert werden: Partner in Katar war die Organisation Qatar Sports International (QSI), die vom Kronprinzen Scheich Tamim bin Hamad Al Thani gegründet worden war; QSI soll vertraglich zugesichert haben, über vier Jahre ca. 38 Mio. Pfund (ca. 55 Mio. Euro oder 66,4 Mio. Dollar) für Segelaktivitäten in Katar zur Verfügung zu stellen, wovon unter anderem die Oryx Quest bezahlt werden sollte. Sport Business (engl.; abgerufen am 22. Januar 2011) Seglermagazin (abgerufen am 21. Januar 2011) Laut Angaben von Edwards und einigen westlichen Medien wurden jedoch einige der vor oder während der Regatta zu zahlenden Gelder nicht oder nicht in der vereinbarten Höhe zur Verfügung gestellt.Edwards’ Eigendarstellung: Tracy Edwards (24. Dezember 2010). Brief. auf Tracy Edwards – Qatar Blog (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011) andere Medien: Dick Durham (4. April 2006). Middle East muddle. Yachting Monthly (engl.; abgerufen am 20. Januar 2011) Michael Wulzinger (2. April 2007). Welcher Vertrag? Spiegel Online (abgerufen am 20. Januar 2011) Zum Teil war von ca. 6 Mio. Pfund (ca. 10,5 Mio. Dollar) die Rede, die nicht wie vereinbart gezahlt worden seien, worauf Edwards bzw. ihre Gesellschaft letztlich auf ca. 2,6 Mio. Pfund (ca. 4,5 Mio. Dollar) Schulden sitzen geblieben seien. Qatar Sports International wurde Ende 2005 aufgelöst.
Nach Angaben der britischen Zeitung The Daily Telegraph hingegen verlangte Edwards von QSI die Zahlung von 1,7 Mio. Pfund, obwohl mit QSI nie ein schriftlicher Vertrag ausgefertigt worden sei.Catriona Davies (5. September 2005). 'I have lost everything'. The Daily Telegraph (engl.; abgerufen am 21. Januar 2011) Unklar ist allerdings auch das finanzielle Management von Quest, insofern der Finanzmanager (und Eigentümer eines weiteren Drittels) der Gesellschaft kurz nach seiner Entlassung ein unabhängiges Audit forderte.
Edwards war von den Finanzierungsproblemen auch persönlich betroffen, da sie für die Regatta auch auf ihren eigenen Namen Kredite in Höhe von 14,5 Mio. Dollar aufgenommen hatte; nach anderen Angaben hatte sie in Höhe von 5,4 Mio. Euro gebürgt.Michael Wulzinger (2. April 2007). Welcher Vertrag? Spiegel Online (abgerufen am 20. Januar 2011) Dazu kamen anscheinend bereits vorher bestehende persönliche Schulden: Die Britin soll schon vor der Regatta – insbesondere durch den Kauf des Maxi-Katamarans Maiden II für mindestens 1,1 Mio. PfundJonathan Brown (7. September 2004). Sailing: Edwards ordered to pay £500,000 debt. The Independent (engl.; abgerufen am 21. Januar 2011) (über 1,9 Mio. Dollar) oder sogar 2,2 Mio. Dollar – hochverschuldet gewesen sein und der Besatzung ihres Katamarans bis zu zwei Jahre lang kein Gehalt gezahlt haben. Nach anderen Zeitungen hatte Edwards schon vor Regattabeginn 6,3 Mio. Pfund (ca. 11 Mio. Dollar) Schulden aus Bootskauf, Besatzungsgehältern und Marketing-Kampagnen gehabt und war wiederholt wegen Teilschulden in bis zu sechsstelliger Höhe verklagt wordenkeine Autorenangabe (4. Februar 2005). Edwards describes 'debt misery'. BBC (engl.; abgerufen am 21. Januar 2011) Joanne Harris (11. Juli 2005). Spring Law sinks Tracy Edwards’ defence. The Lawyer (engl.; abgerufen am 21. Januar 2011)