Mühlenbeck ist seit 2003 ein Ortsteil der Gemeinde Mühlenbecker Land und gleichzeitig deren Verwaltungssitz. Der Ort gehört zum brandenburgischen Landkreis Oberhavel und wurde im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt.
Geographie mini|links|Tegeler Fließ im Ortsbereich Mühlenbeck mini|links|Mühlenbecker See Der Ortsteil Mühlenbeck umfasst das oben genannte Dorfgebiet mit dem Mühlenbecker See und seinem Abfluss Mühlenbecker Fließ sowie den Summter See, die Mühlenbecker Teiche an der östlichen Gemeindegrenze, Felder, Wiesen und Waldgebiete. Das Gemeindegebiet Mühlenbeck ist Teil des Naturschutzgebiets (NSG) Tegeler Fließtal. Besonders erwähnenswert ist hier ein Kalktuffgelände am Fließ Richtung Schildow.Ausführliche Darstellung des Kalktuffgeländes mit Fauna und Flora, abgerufen am 20. Februar 2010. Die Wasserqualität der beiden größeren Seen ist gut, weswegen hier auch mindestens sieben Fischarten heimisch sind.
Mühlenbeck wird unterteilt in die Siedlungsbereiche Mönchmühle, Mühlenbeck-Dorf, Summt, Feldheim, Buchhorst, Woltersdorf, Groß-Stückenfeld und Buchenberg. Es grenzt im Norden an Zühlsdorf, im Osten an Schönwalde, Schönerlinde, im Süden an Schildow und Berlin-Blankenfelde, im Westen an Schönfließ und die Gemarkung Bergfelde von Hohen Neuendorf und im nordwestlichen Bereich an Birkenwerder.
Geschichte Vorgeschichte Urnenfunde auf dem Summter Kirchhof zeigen früheste Besiedlungen des Gebietes bereits in der Bronzezeit.Ortsteilchronik auf Mühlenbeck.de, privat zusammengetragen von Siegfried Moser; abgerufen am 19. Februar 2010
Mittelalter Erste urkundliche Erwähnungen zur Ortsgeschichte stammen aus dem Jahr 1224, als die Zisterzienser-Mönche des Klosters Lehnin auf der Feldflur des heutigen Ortsteils Mönchmühle einen Wirtschaftshof unterhielten, von dem aus die Verwaltung der umgebenden Ländereien erfolgte. Um den Hof herum siedelten sich erste Bauern an, die mit ihren Erzeugnissen das Kloster belieferten. Die Mönche ließen am Abfluss des Mühlenbecker Sees einen Staudamm aus Feldsteinen und Erde errichten, wodurch ein Teich zur Regulierung der Fließgeschwindigkeit aufgestaut wurde. An diesem Mühlenbecker Fließ konnte nun um 1230 eine vom Wasser angetriebene Getreidemühle errichtet werden (Monchmole), die sich im 15. Jahrhundert im Besitz des Bürgers Brakow in der Feldmark Schildow befand.
Auf der angrenzenden Feldmark Mühlenbeck, die erstmals 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. als „Molenbeke“ erwähnt wurde, herrschten gemäß einem Dokument aus dem Jahr 1474 Reitmeister und Hofmeister der Klosterherren zu Lehnin. Es wird angenommen, dass die Bezeichnung Mühlenbeck im Zusammenhang mit der Weiterverarbeitung des Mehls der Mühle steht. Mühlenbeck erhielt im frühen Mittelalter eine einfache Dorfkirche.
Frühe Neuzeit Am 11. November 1415 wurden Mühlenbeck und Summt an das Kloster Lehnin verkauft. Durch die Reformation verloren die Klosterherren schließlich alle Eigentumsansprüche und die Mühle blieb im Besitz mehrerer Generationen von Müllern. Wegen des bestehenden Mahlzwangs warf die Mühle für seine Besitzer gute Gewinne ab, die im 17. Jahrhundert in den Zukauf größerer Flächen investiert wurden. Durch den Dreißigjährigen Krieg und die anschließende Pestwelle gab es um 1624 gerade noch drei Familien um das Mühlenanwesen, die Mühle selbst wurde nicht zerstört. Nach und nach zogen wieder Familien in das Gebiet, das Mühlenwesen kam wieder in Gang; Mitte des 18. Jahrhunderts konnte sogar eine zweite Mühle am Mühlenbecker See in Betrieb genommen werden (die heutige Dammsmühle) – allerdings eine Windmühle. Der Müller erhielt zusätzlich Weide- und Fischereirechte sowie eine Schankerlaubnis.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde in Mühlenbeck ein Landschöffensitz eingerichtet, mit dem steuerliche Vorteile verbunden waren. Dies führte nun zu einem vermehrten Zuzug von Siedlern aus anderen deutschen Fürstentümern oder aus Osteuropa. Der Kurfürst von Brandenburg, Joachim II. ließ sich an den Mühlenfließwiesen eines seiner zahlreichen Jagdschlösser erbauen, weil die Gegend reich an Rot- und Schwarzwild sowie günstig von Berlin aus erreichbar war. Eine kurfürstliche Försterei wurde eingerichtet.
Die Einwohner des benachbarten kleinen Ortes Summt – ebenfalls im Landbuch Kaiser Karls enthalten (Czumit) – errichteten 1595–1596 eine eigene Dorfkirche, deren Patronat dem Gutsherrn Fahrenholtz übertragen wurde. Um 1600 entstand die erste durch den Geistlichen betreute Schule im Ort. Während Summt im Dreißigjährigen Krieg dem Erdboden gleichgemacht wurde, erlitten die Nachbardörfer Mühlenbeck, Feldheim und Buchhorst kaum Verluste, zumindest gibt es keine derartigen Belege.
Im 17. Jahrhundert erwähnen die Annalen das Gut Mühlenbeck, das vom Oberförster von Pannwitz gepachtet, und das Rittergut Summt, das von der Familie Grumbkow aus Niederschönhausen gekauft wurde. Summt wurde ab 1691 vom Amt Niederschönhausen verwaltet. Mit einem Steuerbonus wurden schließlich neue Siedler in die Dörfer Mühlenbeck, Mönchmühle und Summt geholt, die Einwohnerzahl des heutigen Ortsbereichs erreichte um das Jahr 1700 bereits um 100 Personen, darunter Bauern, Kossäten, Büdner. 1705 pachtete der Amtmann Fabricius die Domäne Mühlenbeck für die Pachtsumme von mehr als 2286 Talern von den Grumbkows. Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelten sich Manufakturen und kleine Fabriken, die Arbeiter erhielten auf dem Woltersdorf erste Wohnhäuser. Im Jahr 1713 wird für die Dorfkirche in Mühlenbeck ein neuer Turm errichtet.
19. Jahrhundert 1812 wurde die baufällige Summter Kirche abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, bei den Bauarbeiten werden Urnen aus der Bronzezeit entdeckt. Die Oberförsterei geriet mittels Erbpachtvertrag an die Familie Göritz, die bald darauf den Gasthof Altes Forsthaus eröffnete. Am 4. Februar 1819 kommt es auf dem Gelände der Mönchmühle zu einem Brand, welcher das Wohnhaus und den Großteil der Wirtschaftsanlagen zerstört. Im Jahr 1820 wird die Mönchmühle durch den Mühlenmeister Elendt wieder aufgebaut.
Das bisher am Mühlenbecker Dorfanger gelegene Lehnschulzengut wurde 1825 durch den Lehnschulzen Friedrich Wilhelm Puttlitz verlegt und erhielt per Königlicher Order den Namen Feldheim.Amtsblatt der Regierung in Potsdam. 1858. Auf Seite römisch 47 ganz unten: Aus dem Schulzenhaus wurde ein Schulhaus. Die 1850 in den Ländern Preußens eingeführte Landgemeinde-Verfassung führte in allen genannten Siedlungsteilen zur Aufhebung letzter feudaler Strukturen, damit gab es nur noch Bauernfamilien, Geistliche, Fischer, Müller, Handwerker oder Landarbeiter aber keine Gutsherren, Knechte oder Mägde. – Die wachsende Einwohnerschaft hatte mehr Kinder zur Folge (1861 wurden 186 Schüler notiert), für die um 1870 ein zweites Schulgebäude eingerichtet werden musste.
Die mittelalterliche Dorfkirche in Mühlenbeck wurde im Juni 1871 ebenfalls abgetragen. Die Grundsteinlegung der neuen Kirche fand am 27. Oktober 1871 statt, geweiht wurde die neue Kirche am 9. Juli 1874.Zeittafel zur Chronik von Mühlenbeck, in Sigrid Moser: Geschichten(n) rund ums Mühlrad, Evangelische Kirchengemeinde Mühlenbeck, Mühlenbeck 1994, S. 311. Die Pfarre Mühlenbeck wird mit Pfarrer Johannes Voelkel 1891 selbstständig und erhielt im August 1897 auch ein eigenes Pfarrhaus. Der Kirchenchor wird unter dem Kantor Hermann Sonntag im Jahr 1898 gebildet.
Im Jahr 1900 zählte Mühlenbeck mit Summt 1500 Einwohner, davon 5 Bauern, 4 Kossäten, einige Büdner und 4 Gasthäuser. Die 230 Schulkinder wurden von drei Lehrern unterrichtet.
Die Mönchmühle, nach der schließlich die ganze Siedlung benannt wird, wurde in den Jahrhunderten ihres Bestehens mehrfach repariert, teilerneuert oder nach Brand auch gänzlich wieder aufgebaut. Große Teile des Mühlengrundstücks wurden Ende des 19. Jahrhunderts parzelliert und an wohlhabende Berliner Bürger verkauft, die das Umland für Erholungszwecke zu nutzen begannen.
20. Jahrhundert bis Zweiter Weltkrieg mini|Gutshof Mühlenbeck um 1900 mini|Restaurant Summter See um 1900 Als 1901 die erste Eisenbahnverbindung von Reinickendorf nach Liebenwalde mit einer Station Schildow/Mönchmühle eingeweiht worden war (die spätere Heidekrautbahn), nahmen immer mehr Familien ihren festen Wohnsitz hier im Ort. Während des Ersten Weltkriegs wurden wie in vielen Kirchen im Deutschen Kaiserreich Orgelpfeifen und Glocken für die Kriegsmunition abmontiert.
Mönchmühle, Mühlenbeck und Summt wuchsen im 19. und 20. Jahrhundert weiter aufeinander zu. – Mit dem Siegeszug der Elektroenergie und entsprechender Motorantriebe wurde um 1920 das Wasserrad der Mühle stillgelegt und sie erhielt eine Turbine. Durch die Weltwirtschaftskrise, den Zweiten Weltkrieg und anschließende Enteignungen blieb die Mühle trotzdem weiterhin in Betrieb – Mehl wird ja immer gebraucht. Der Mühlenbetrieb lief jedoch bald nicht mehr wirtschaftlich, so dass das Gebäude 1974 vollständig aufgegeben wurde, es zerfiel schrittweise. Nach der Wende gründete sich ein Förderverein Historische Mönchmühle e. V., der sich um den Wiederaufbau der historischen Mönchmühle verdient gemacht hat. Mithilfe von Fördermitteln und Spendengeldern wird dies schrittweise realisiert.Information zur „Location“ Mönchmühle auf meine stadt.de; abgerufen am 19. Februar 2010
In den späten 1890er Jahren hatte der Berliner Stadtsynodalverband mit seinen finanziellen MöglichkeitenBrockhaus-Konversationslexikon. Fünfzehnter Band. Berlin und Wien 1896, S. 546 f. Stichwort „Synodalverfassung“ für die Kirchengemeinden der Hauptstadt mehrere große Flächen rund um Berlin erworben, um dort für sie außerhalb des Stadtgebiets gemeinsam betriebene Friedhöfe anzulegen. (So entstanden der Ostkirchhof Ahrensfelde und der Südwestkirchhof Stahnsdorf.) Die Fläche von 103 Hektar in Mühlenbeck sollte zum Nordkirchhof werden, weswegen auch bereits einzelne Bauten errichtet und ein Wegesystem angelegt wurde. 1911 wurden die Vorbereitungsarbeiten aus verschiedenen Gründen gestoppt (rückläufige Beerdigungen, in Buch bei Berlin wurde ein neuer Friedhof geöffnet, hoher Grundwasserstand in Mühlenbeck). Nach dem Ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise erfolgte eine landwirtschaftliche Nutzung einer größeren Teilfläche, eine andere diente forstwirtschaftlichen Zwecken.
Am Rande von Mühlenbeck wurden auf Anregung von Hobrecht im Jahre 1910 eines der letzten Rieselfelder eingerichtet, wie sie erstmals um die Wende zum 20. Jahrhundert im Umland Berlins geschaffen wurden, um dorthin die Abwässermengen der Hauptstadt zu leiten und im Erdreich verrieseln zu lassen.Website mit Geschichtsdarstellung „Preußen“; abgerufen am 21. Februar 2010 Ihre Stilllegung und Rekultivierung erfolgte nach der Inbetriebnahme des Klärwerkes Schönerlinde 1985.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden in Mühlenbeck und in Summt die Freiwilligen Feuerwehren, Gartenlokale wie das Deutsche Haus oder Summter See, eine kommunale Schule2 historische AK: Gasthof Deutsches Haus und die Dorfschule (um 1925), ein Freibad am Summter See, ein Windrad zur Stromerzeugung (bereits 1924), ein Rathaus im Stil des Neuen Bauens (1935). Summt wurde 1928 nach Mühlenbeck eingemeindet. Bis 1940 erlebte das Gebiet mit seinen beiden natürlichen Seen einen ungeheuren Aufschwung als Naherholungsgebiet der Großstädter, es entstanden neben den bestehenden 14 Bauernhöfen fünf Fabriken, Ziegeleien und Töpfereien, 27 Handwerksbetriebe, fünf Tankstellen, sechs Einzelhandelsgeschäfte, je eine Arztpraxis, Apotheke, Drogerie, Sparkasse sowie ein Kino und 16 Gasthäuser.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden Fabrikhallen einer hier ansässigen Konservenfabrik zu einer Außenstelle der Heinkel-Flugzeugwerke, in der polnische Ostarbeiterinnen Flugzeugteile montierten. Die Arbeiterinnen waren in einem Barackenlager untergebracht, das 1945 abgerissen wurde.
DDR-Zeit (1949–1990)