Als Tripartite-Klasse bezeichnete man die seit den 1980er Jahren eingesetzten Minenabwehrfahrzeuge einer Reihe von Staaten. Sie ist eine ursprünglich von den drei Marinen Belgiens, Frankreichs und der Niederlande gemeinsam entwickelte Klasse von Minenjagdbooten. Pakistan und Indonesien beschafften ebenfalls neue Boote dieser Klasse und sowohl Pakistan als auch einige weitere Staaten übernahmen gebrauchte Boote der drei ursprünglichen Programmpartner.
Geschichte 1974 begannen Belgien, Frankreich und die Niederlande in einem Joint Venture mit der Entwicklung einer neuen Klasse von Minenjagdbooten, die in den 1980er Jahren in den drei Ländern gebaut und in Dienst gestellt wurde. Frankreich und die Niederlande beauftragten ursprünglich je 15 Boote, Belgien 10. Insgesamt wurden schließlich 40 Boote gebaut, Details siehe im Abschnitt „Einheiten“.
Die drei Programmnationen stellen regelmäßig Boote an die Standing Maritime MCM Capability Groups (SNMCMG1 oder SNMCMG2) der NATO, erstere war früher als STANAVFORCHAN bekannt, der Minenabwehrflotille für die Kanalzugänge.
Technik
Allgemein Die Hauptaufgabe der Klasse ist die Minenjagd. Neben der Minenjagd werden die Boote durch einige Marinen auch zu anderen Aufgaben eingesetzt. Hierzu kann bei Bedarf ein 5 Tonnen Container installiert werden, der sowohl als Vorratslast als auch zur Drohnenkontrolle bei der Minenjagd verwendbar ist. Die übrigen Aufgaben umfassen unter anderem Such-, Patrouillen, Spezialtauch- oder Küstenwachaufgaben. Zur Selbstverteidigung sind die Boote mit einer Maschinenkanone bewaffnet, die sich auf dem Vorschiff befindet.
Die indonesischen Boote unterscheiden sich konstruktiv von den übrigen Unterklassen beim Antrieb, den Aufbauten und ganz allgemein im Layout, da sie sowohl zur Minenjagd, Minensuche und Patrouillenzwecken gebaut wurden.
Minenjagd Der Rumpf besteht aus Faserverbundwerkstoff, Glasfasern und Polyester, (GFK) und bei den Aufbauten kam Aluminium zum Einsatz. Diese Bauweise führt neben einem niedrigen Gewicht vor allem zu einer geringen magnetischen Signatur. Um bei niedrigen Geschwindigkeiten während Minenjagdoperationen die Manövrierfähigkeit erhalten zu können, verfügen die Boote über zwei Aktivruder mit je einem Propeller mit fester Steigung, der von einem Elektromotor angetrieben wird. Sie besitzen hierfür auch einen Autopiloten und eine automatische Positionskontrolle. Zur Minensuche verfügten die Boote über ein Rumpfmontiertes Sonar Thomson Sintra DUBM 21B.
Auf jedem Boot waren ursprünglich zwei ROV PAP-104 B (Poisson Autopropulse) vorhanden, mit denen Objekte in einer Tiefe zwischen 10 und 120 m identifiziert und zwischen 10 und 100 m bekämpft werden können. Diese Unterwasserdrohnen sind 2,7 m lang, 1,2 m breit, wiegen 700 kg und können eine Minenvernichtungsladung von 100 kg tragen. Angetrieben und gesteuert werden sie über zwei Schrauben mit Elektroantrieb, die dabei erreichbare Geschwindigkeit beträgt 5 kn. Die Kontrolle der Drohnen erfolgt über eine Kabelverbindung mit einer Länge von bis zu 500 m vom Boot aus. An eigener Sensorik verfügen die Drohnen über eine Kamera mit Suchscheinwerfer und ein Nahbereichssonar.
Für den Einsatz von Minentauchern können die Boote mit einer Dekompressionskammer, die in dem Container untergebracht ist, ausgerüstet werden.
Modernisierung Im Laufe ihres Einsatzes wurden die meisten Boote modernisiert. Die Boote der Belgischen Marine erhielten bereits Ende der 1990er Jahre eine Modernisierung des Antriebs. Eine Fähigkeitsverbesserung wurde später bei noch sechs Booten vorgenommen, die ihre Lebensdauer bis 2020 gewährleisten soll. Die gleiche Modernisierung erhielten die Boote der Königlichen Marine der Niederlande. Die Änderungen betreffen das Minenjagd Kommando- und Steuersystem und ein integriertes Minenabwehrsystem, bestehend aus dem fest installierten und einem autonomen variablen Tiefensonar sowie einem neuen Minen-Identifikations- und Bekämpfungssystem (englisch, Abkürzung: MIDS), basierend auf der Atlas Seafox Drohne. Die Verbindung zum Schiff erfolgt durch 3.000 m lange fiberoptische Kabel, eine Variante zur Bekämpfung (Seafox-C) und eine zur Identifikation (Seafox-I) der Minen. Das erste umgebaute Boot war die Hr. Ms. Hellevoetsluis.
Acht niederländische Boote wurden bis 2008 modernisiert, die beiden letzten sollten bis 2011 umgerüstet sein. Allerdings wurde 2011 beschlossen, den Bestand auf sechs Boote zu reduzieren.Alkmaarklasse mijnenjagers auf marineschepen.nl, abgerufen am 23. Oktober 2016.
Die umgebauten belgischen Einheiten waren die Primula, Aster, Lobelia Bellis, Narcis und Crocus, die der Belgischen Marinekomponente zwischen Februar 2006 und Februar 2009 wieder zur Verfügung standen.
Die französische Marine nationale ließ ihre Boote zwischen 2001 und 2005 modernisieren. Diese umfasste den Austausch des alten Sonars durch die Baureihe TUS 2022 Mk III, die Beschaffung von Bofors Double Eagle Mk II Drohnen und ein neues, taktisches Datensystem sowie eine Modernisierung von Radar- und Kommunikationsanlagen.
Einheiten
Programmnationen
Die ursprünglich zehn belgischen Boote sind nach Blumen benannt und werden deshalb auch als Flower-Klasse bezeichnet. Die noch verbliebenen Einheiten sind im flämischen Zeebrugge beheimatet. Die Boote wurden alle durch die Beliard-Werft gebaut, wobei die Rümpfe im Werk Ostende gebaut wurden, um anschließend im Werk Rupelmonde ausgerüstet zu werden.
KennungNameKiellegungStapellaufIn DienstAußer DienstVerbleib M915 Aster 24. Februar 1983 6. Juni 1985 16. Dezember 1985 aktiv M916 Bellis 9. Februar 1984 14. Februar 1986 13. August 1986 aktiv, Abgabe an Bulgarien geplant M917 Crocus 9. Oktober 1984 2. Oktober 1985 5. Februar 1987 aktiv, Abgabe an Bulgarien geplant M918 Dianthus 4. April 1985 16. April 1986 18. August 1987 1993 an Frankreich, Capricorne (M653) M919 Fuchsia 31. Oktober 1985 21. November 1986 20. Februar 1988 1993 an Frankreich, Céphée (M652) M920 Iris 23. Mai 1986 18. Juni 1987 6. Oktober 1988 1993 an Frankreich, Verseau (M651) M921 Lobelia 27. November 1986 3. Februar 1988 9. Mai 1989 aktiv, Abgabe an Bulgarien geplant M922 Myosotis 6. Juli 1987 4. August 1988 14. Dezember 1989 2004 an Bulgarien, Tsibar (32) M923 Narcis 22. Februar 1988 30. März 1990 27. September 1990 2025 an Ukraine, Mariupol M924 Primula 7. November 1988 20. Dezember 1990 29. Mai 1991 aktiv, Abgabe an Bulgarien geplant
Die drei Boote, die später von Frankreich beschafft wurden, waren bereits seit 1990 nur noch in Reserve. Die später an Bulgarien verkaufte Myosotis war nach Indienststellung zum Munitionstransporter umgebaut worden.
Die französischen Boote sind nach Gestirnen benannt und werden als Éridan-Klasse bezeichnet. Ursprünglich plante Frankreich, wie auch die Niederlande, den Bau von 15 Boote, diese Menge wurde jedoch später auf zehn reduziert. Durch die vorzeitige Weitergabe der 10. Einheit an Pakistan wurde im Januar 1992 noch ein Boot nachbestellt. Alle 11 Boote wurden auf der Werft DCN in Lorient für die Marine nationale gebaut. Die noch verbliebenen Einheiten sind bis auf zwei, die im südfranzösischen Toulon liegen, im bretonischen Brest beheimatet.
KennungNameKiellegungStapellaufIn DienstAußer DienstVerbleib M641 Éridan 20. Dezember 1977 7. März 1981 14. April 1984 aktiv, Brest M642 Cassiopée 26. März 1979 26. September 1981 5. Mai 1984 aktiv, Brest M643 Andromède 5. März 1980 22. Mai 1982 19. Oktober 1984 aktiv, Brest M644 Pégase 22. Oktober 1986 23. April 1983 30. Mai 1985 aktiv, Brest M645 Orion 29. Juli 1981 6. Februar 1985 14. Januar 1986 aktiv, Toulon (seit 2003) M646 Croix du Sud 21. April 1982 6. Februar 1985 14. November 1986 aktiv, Brest M647 Aigle 1. Dezember 1982 8. März 1986 1. Juli 1987 aktiv, Brest M648 Lyre 15. Oktober 1983 15. November 1986 16. Dezember 1987 aktiv, Brest (seit 2003) M649 Persée 23. Mai 1986 18. Juni 1987 6. Oktober 1988 8. Juli 2009 demilitarisiert, Brest (2010) M650 Sagittaire (I) 13. November 1985 9. November 1988 27. Juli 1989 24. September 1992 an Pakistan, Munsif (M166) M650 Sagittaire (II) 1. Februar 1993 14. Januar 1995 2. April 1996 aktiv, Brest
Zwischen März und August 1997 übernahm Frankreich die drei ehemals belgischen Boote, die bereits seit 1990 nur noch als Reserve vorgehalten worden waren.
Kennung Name In Dienst Außer Dienst Verbleib M651 Verseau 1997 12. Februar 2010 demilitarisiert, Brest (2010) M652 Céphée 1997 aktiv, Brest M653 Capricorne 1997 aktiv, Toulon
Die fünfzehn niederländischen Boote sind nach Ortschaften benannt und wurden auf der Werft Van der Giessen-de Noord in Krimpen aan den IJssel gebaut. Sie werden als Alkmaar-Klasse bezeichnet. Da die beiden letzten der ursprünglich für die Niederlande bestimmten Boote bereits während des Baus an Indonesien weitergegeben wurden, wurden für die niederländische Marine ein 16. und 17. Boot vom Stapel gelassen. Die verbliebenen Einheiten sind in Den Helder beheimatet
KennungNameKiellegungStapellaufIn DienstAußer DienstVerbleib M850 Alkmaar 30. Januar 1979 18. Mai 1982 28. Mai 1983 15. Mai 2000 an Lettland, Rūsiņš (M-08) M851 Delfzijl 29. Mai 1980 29. Oktober 1982 17. August 1983 19. Juni 2000 an Lettland, Visvaldis (M-07) M852 Dordrecht 5. Januar 1981 26. Februar 1983 16. November 1983 5. Juli 2000 an Lettland, Talivaldis (M-06) M853 Haarlem 30. November 1981 9. Juli 1983 12. April 1984 2011 außer Dienst M854 Harlingen 30. November 1981 9. Juli 1983 12. April 1984 1. Januar 2003 an Lettland, Imanta (M-04) M855 Scheveningen 24. Mai 1982 2. Dezember 1983 18. Juli 1984 1. Januar 2003 an Lettland, Viesturs (M-05) M856 Maassluis 7. November 1982 5. Mai 1984 12. Dezember 1984 2011 an Bulgarien, Mesta (31) M857 Makkum 28. Februar 1983 23. Februar 1985 13. Mai 1985 2024 an Ukraine, Henichesk (M314) M858 Middelburg 11. Juli 1983 22. November 1986 10. Dezember 1986 2011 außer Dienst M859 Hellevoetsluis 12. Dezember 1983 22. November 1986 20. Februar 1987 2011 an Bulgarien, Struma (33) M860 Schiedam 6. Mai 1984 26. April 1986 9. Juli 1986 aktiv M861 Urk 1. Oktober 1984 4. Oktober 1986 10. Dezember 1986 aktiv M862 Zierikzee 25. Februar 1985 4. Oktober 1986 7. Mai 1987 aktiv M863 Vlaardingen 6. Mai 1986 10. Dezember 1988 15. März 1989 27. März 2024 an Ukraine, Melitopol M864 Willemstad 10. Dezember 1988 27. Januar 1989 20. September 1989 aktiv
Weitere Nutzerstaaten
Bulgarien erwarb am 7. Dezember 2007 von Belgien die ehemalige Myosotis (32). Anfang 2009 wurde das Boot an Bulgarien übergeben, wo sie durch die Bulgarische Marine unter dem Namen Tsibar in Dienst gestellt wurde. Zwei weitere Boote wurden von den Niederlanden erworben und als Mesta und Struma in Dienst gestellt.Bulgarian navy inducts former Dutch mine sweepers of Tripartite type, Navy Recognition, 19. Oktober 2020, abgerufen am 11. Februar 2021 (englisch)
KennungNameIn DienstAußer DienstVerbleib 31 Mesta 2020 aktiv 32 Tsibar 2009 aktiv 33 Struma 2020 aktiv
Die ehemalige niederländische Kolonie Indonesien bestellte am 29. März 1985 zwei Boote. Im Hinblick auf eine schnelle Auslieferung erhielt Indonesien die beiden letzten der 15 bereits für die niederländische Marine bestellten Boote. Für die niederländische Marine wurden hingegen noch einmal zwei neue Schiffe gebaut, um wieder die Anzahl von 15 Schiffen zu erreichen. Die in Indonesien als Pulau-Rengat-Klasse bezeichneten Boote wurden somit ebenfalls bei Van der Giessen-de Noord gebaut.
Im Februar 2015 begann die indonesische Marine sich nach Ersatz für die beiden Boote umzusehen, da diese sich dem Ende ihrer Einsatzzeit nähern. vom 9. Februar 2015, abgerufen am 14. Februar 2015 (englisch)
KennungNameKiellegungStapellaufIn DienstAußer DienstVerbleib 711 Pulau Rengat 22. Juli 1985 23. Juli 1987 26. März 1988 aktiv 712 Pulau Rupat 15. Dezember 1985 27. August 1987 26. März 1988 aktiv