Die mennonitisch-quäkerische Ökumene reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Ihre Geschichte war nicht immer konfliktfrei, führte aber aufgrund lehrmäßiger und praktischer Übereinstimmungen zu zahlreichen Kooperationen der beiden Friedenskirchen. Es gab überkonfessionelle Partnerschaften, gemeinsam verfasste Dokumente wie auch gemeinsam genutzte Versammlungshäuser. Auch die Verfolgungen beider Gruppen forcierten in der Vergangenheit die Zusammenarbeit. Bei einer Reihe von theologischen Themen gibt es bis heute Berührungspunkte.Einführung in das Quäkertum/ Mennonitische Kontakte auf Wikibooks Bekannt geworden in der jüngeren Vergangenheit ist das im Jahr 2008 gemeinsam geführte Friedensgespräch mit dem iranischen Staatspräsidenten Ahmadinejad.

Übersicht/Einführung Der missionarische Eifer der frühen Quäker beschränkte sich nicht auf Großbritannien. Noch während sie in Großbritannien unter Verfolgung litten, wurden zahlreiche Missionare ausgesandt. Diese Missionarsreisen führten bis in die heutige Türkei. Ihr Auftreten wurde oft als anmaßend und provokant erlebt, was zwangsläufig zu großen Widerständen und Feindseligkeiten seitens der etablierten Kirchen führte. Ein besonderes Kapitel stellt aber das Aufeinandertreffen von Quäkern mit Mennoniten dar. Auf Grund von Überschneidungen in den theologischen Überzeugungen hegten beide Gruppen eine gewisse Anerkennung füreinander. Diese Überschneidungen betrafen die folgenden Punkte: Ablehnung des Eides Betonung des Laientums Ähnliches Sakramentsverständnis Autonomie der lokalen Kirchengemeinden Betrachtung des Leidens für die gerechte Sache als Zeichen oder Beweis wahrer Nachfolge Christi Verweigerung des Wehrdienstes und Ablehnung von Gewaltausübung Wegen des letzten Punktes werden beide Konfessionen als Friedenskirchen bezeichnet. Vergleiche auch die Schleitheimer Artikel mit dem Quäkerzeugnis.

Kontaktaufnahme der Quäker mit Mennoniten Die frühen Quäker waren in Großbritannien trotz der Verfolgung sehr erfolgreich beim Missionieren. Sie hofften auch in anderen Ländern auf ähnliche Erfolge, gingen jedoch trotz großer Euphorie nicht planlos vor.„Andere Orte hingegen übten besondere Anziehung auf die [Quäker-]Missionare aus: Wo bereits vergleichbare Gemeinschaften (insbesondere Mennoniten) lebten, mit denen es zahlreiche Gemeinsamkeiten gab, reisten sie gezielt und häufig hin, wie in England zu den Aufenthaltsorten von Baptisten und Independenten.“ Sünne Juterczenka: Über Gott und die Welt – Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit.Vandenhoeck&Ruprecht: Göttingen, 2008. S. 75 Schnell erweiterten sie ihren Wirkungskreis auf das Europäische Festland, die heutige USA und andere ferne Ziele. Viele Quäker waren konvertierte Baptisten, so war es für sie naheliegend, gezielt unter täuferischen, taufgesinnten und pietistischen Gruppen zu missionieren„In England hatten sie [die Quäker] besonders unter Baptisten erfolgreich missioniert (viele von ihnen [die Missionare] waren früher selber Baptisten gewesen).“ Sünne Juterczenka, "Über Gott und die Welt – Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit", Vandenhoeck&Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-525-35458-2, Seite 187 und unter Gruppen mit theologischen oder programmatischen Überschneidungen. Und hierzu zählten vor allem die Mennoniten„Andere Orte hingegen übten besondere Anziehung auf die [Quäker-]Missionare aus: Wo bereits vergleichbare Gemeinschaften (insbesondere Mennoniten) lebten, mit denen es zahlreiche Gemeinsamkeiten gab, reisten sie gezielt und häufig hin, wie in England zu den Aufenthaltsorten von Baptisten und Independenten.“. Sünne Juterczenka, "Über Gott und die Welt – Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit", Vandenhoeck&Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-525-35458-2, Seite 75. Aber auch wenn die Missionsversuche an den Mennoniten nicht immer erfolgreich wahren, suchten die Quäker-Missionare und Quäkergemeinden bewusst die räumliche Nähe zu den Mennoniten„Es fällt weiter auf, daß sich die Quäker stets in Ortschaften niederließen, die bereits mennonitische Gemeinden aufwiesen.“ "400 Jahre Mennoniten in Krefeld", Verlag: Mennonitischer Geschichtsverein, erschienen 2008, ISBN 978-3-921881-26-2, Seite 57. Ein Beispiel dafür sind die 1671 und 1674 erfolgten Besuche des Quäker-Gründers William Penn (1644 bis 1718) in der ostfriesischen Stadt Emden. Penn fand Aufnahme in einem mennonitischen Bürgerhaus, was für die Mennonitengemeinde nicht ohne Folgen blieb. Penn gewann den Emder Arzt Johann Wilhelm Haesbaert für seine religiösen Anschauungen.Zu Haesbaert siehe Artikel Haesbaert, Johann Wilhelm (Verfasser Menno Smid), in: Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Band III (Hrsg. Martin Tielke, i. A. der Ostfriesischen Landschaft), Aurich 2001, S. 188f; online (PDF; 55 kB) Haesbaert gründete daraufhin eine Quäkergemeinschaft, deren Mitglieder sich hauptsächlich aus der Mennonitenkirche rekrutierten. Der Emder Magistrat verbot die neue Gemeinde und wies ihre Mitglieder aus. Als diese kurze Zeit später zurückkehrten, wurden sie inhaftiert. William Penn intervenierte gegen das Vorgehen des Magistrats. In diesem Zusammenhang verfasste er 1674 einen umfangreichen Beschwerdebrief und besuchte die ostfriesische Hafenstadt ein zweites Mal. Das Ergebnis dieser Fürsprache war die offizielle Duldung der Emder Quäkergemeinschaft. 1688 wanderte der größte Teil dieser Gemeinde nach England aus. In Emden blieben nur fünf bis sechs Familien ansässig.Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte, 1974, S. 329–330.

Programmatische Überschneidungen Der Grund, warum die Quäker die Nähe zu den Mennoniten suchten, war nicht nur der selbstlose Wunsch, das Evangelium zu verkünden und verlorene Seelen zu retten, sondern die – zum Teil berechtigte – Hoffnung, genauso toleriert zu werden wie Mennoniten. Sie wollten die Mennoniten also als Präzedenzfall für sich nutzen. Genau so argumentierte der Quäker Missionar Claus in einem Schreiben 1694 an William III.„Claus verwies in seinem Schreiben auf den Fall der Neuburger Mennoniten, für deren Tolerierung sich William III. 1694 in einem Brief an den Pfalzgrafen eingesetzt hatte.“ Sünne Juterczenka: Über Gott und die Welt – Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit. Vandenhoeck&Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-525-35458-2, Seite 94. Ein Jahr später ging ein Beschwerdebrief an den englischen König, als die Quäker wegen ihrer Eidesverweigerung stark in Bedrängnis gerieten. Und auch hier wurde wieder auf niederländische Mennoniten verwiesen, die ja ebenfalls den Eid verweigern würden.„Als die Quäker 1695 wegen ihrer Eidesverweigerung besonders angegriffen wurden, beteiligte er sich an einer Petition, die den König an ein früheres Zugeständnis gegenüber niederländischen Mennoniten erinnerte [diese verweigern auch den Eid], und sorgte dafür, daß sie direkt in dessen Hände gelangten.“ Sünne Juterczenka, "Über Gott und die Welt – Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit", Vandenhoeck&Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-525-35458-2, Seite 138

Es gab weitere programmatische Überschneidungen zwischen Quäkern und Mennoniten, die nach Sünne Juterczenka auch zur Folge hatten, dass beide Gruppen nicht immer als eigenständige Gemeinschaften wahrgenommen wurden:

„Zwei Charakteristika prägten das Verhältnis zwischen Quäkern und Mennoniten besonders. Erstens war ihre Affination aufgrund zahlreicher programmatischer Gemeinsamkeiten besonders groß. Beide Gruppen betonten das Laienpriestertum, ihre Friedfertigkeit und das Ideal eines nüchternen und moralisch einwandfreien Lebenswandels gegenüber der Rechtfertigung durch den Glauben. Aus der Außenperspektive sorgten diese Gemeinsamkeiten dafür, daß sie häufig nicht als zwei eigenständige Gemeinschaften wahrgenommen wurden.Sünne Juterczenka, "Über Gott und die Welt – Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit", Vandenhoeck&Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-525-35458-2, Seite 187 […] Das zweite Charakteristikum der Beziehungen zwischen Quäkern und Mennoniten war beider räumliche Mobilität und Vernetzung.“Sünne Juterczenka, "Über Gott und die Welt – Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit", Vandenhoeck&Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-525-35458-2, Seite 188

Differenzen gab es aber über die Auffassungen bezüglich der kirchlichen Sakramente, von denen die Mennoniten für sich zwar nur wenige anerkannten, aber die die Quäker vollends ablehnten.„Wohl als einer der ersten englischen Quäker überhaupt hatte William Ames (gestorben 1662) mehrfach in Alzey und Umgebung Mennoniten besucht, da sie wie die Quäker Eid, Militärdienst, die Kindertaufe und eine luxuriöse Lebensführung ablehnten. Differenzen gab es freilich in der Weigerung der Quäker, Abgaben für Kriegszüge an den Staat zu zahlen und die kirchlichen Sakramente anzuerkennen, was jedoch von den Zeitgenossen kaum unterschieden wurde.“ 400 Jahre Mennoniten in Krefeld", Verlag: Mennonitischer Geschichtsverein, Erschienen 2008, ISBN 978-3-921881-26-2, Seite 49 Darüber wurden auch theologische Schriftwechsel mit Rede und Widerrede geführtSünne Juterczenka, "Über Gott und die Welt – Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit", Vandenhoeck&Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-525-35458-2, Seite 225–232.. Interessant ist, dass diese Auseinandersetzung um scheinbar theologische Kleinlichkeiten geführt wurden. Die theologischen Grundannahmen lagen aber oft recht nahe beieinander. Aber auch im Praktischen waren die Differenzen für Außenstehende kaum wahrzunehmen. So waren sich beide Partien einig darüber den Kriegsdienst abzulehnen. Die Mennoniten zahlten aber eine Strafsteuer für ihre Verweigerung, was die Quäker ihnen zum Vorwurf machten und ablehnten„Wohl als einer der ersten englischen Quäker überhaupt hatte William Ames (gestorben 1662) mehrfach in Alzey und Umgebung Mennoniten besucht, da sie wie die Quäker Eid, Militärdienst, die Kindertaufe und eine luxuriöse Lebensführung ablehnten. Differenzen gab es freilich in der Weigerung der Quäker, Abgaben für Kriegszüge an den Staat zu zahlen und die kirchlichen Sakramente anzuerkennen, was jedoch von den Zeitgenossen kaum unterschieden wurde.“ 400 Jahre Mennoniten in Krefeld", Verlag: Mennonitischer Geschichtsverein, Erschienen 2008, ISBN 978-3-921881-26-2, Seite 49 . Als allerdings die Quäker später ihren eigenen Staat in Pennsylvania hatten, zahlten sie auch Strafsteuern an die englische Krone für ihre Kriegsverweigerung und später (ab 1833) auch in Preußen, wo die Quäker bei der Pfändung den Betrag für die Strafsteuer abgezählt bereithielten.Claus Bernet: "Kriegsdienstverweigerung im 19. Jahrhundert: Ein Beitrag zum Klischee des Militärstaats Preußen. Seite 210. Bezeichnend war in diesem Zusammenhang auch der lang anhaltende Historikerstreit über die Konfessionszugehörigkeit der Krefelder Auswandererfamilien um die Person Franz Daniel PastoriusArtikel , von Olaf Radicke.

Diese Nähe und Auseinandersetzung der beiden Gruppen erzeugten natürlich auch Versuche der gegenseitigen Konvertierung. Und darin zeigten sich die Quäker kurzfristig erfolgreicher als die Mennoniten. In einigen Gemeinen konnten die Quäker bis zu 1/3 der Mitglieder der Mennoniten für sich gewinnen„Trotz der programmatischen Nähe war das Verhältnis zwischen Quäkern und Mennoniten in den deutschen Territorien - insbesondere an der Elbe - ambivalent. […] Die Mitgliederzahl [der Mennoniten] schwankte stark und lag im späten 17. Jahrhundert bei durchschnittlich etwa 250 Erwachsenen. Die Altonaer Gemeinde verlor aber zwischen 1655 und 1692 insgesamt 36 Mitglieder, von denen sich 13 (also mehr als ein Drittel) den Quäkern anschlossen,“