mini|hochkant=1.4|Baskisches Sprachgebiet am Golf von Biskaya
Erromintxela () ist die Sprache einer Gruppe von Roma, die im Baskenland leben und auch unter dem Namen Errumantxela bekannt sind. Es wird manchmal Baskisches Caló genannt;Ethnologue: Languages of Spain. Abgerufen am 3. Juli 2009, nun hinter paywall. caló vasco, romaní vasco, oder auf Spanisch; und Langues d’Europe et de la Méditerranée (LEM): La langue rromani en Europe. Abgerufen am 3. Juli 2009. oder euskado-romaniNicole Lougarot: Bohémiens. Gatuzain Argitaletxea 2009, ISBN 2-913842-50-X. auf Französisch. Obwohl detaillierte Angaben über die Sprache auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurückgehen, begann die linguistische Erforschung erst in den 1990er Jahren.
Erromintxela ist eine Mischsprache, die den Großteil ihres Vokabulars aus dem Kalderash-Romani bezieht und zugleich die baskische Grammatik anwendet, ähnlich wie das Anglo-Romani der Roma in England das Romani-Vokabular mit der englischen Grammatik mischt. Die Entwicklung dieser Mischsprache wurde begünstigt durch die ungewöhnlich tiefe Integration des Erromintxela-Volkes in die baskische Gesellschaft und den daraus resultierenden Bilingualismus im Baskischen. Die Sprache stirbt langsam aus; die meisten der vielleicht 1000 verbliebenen Sprecher leben an der Küste von Labourd und in den Bergregionen von Soule, Navarra, Gipuzkoa und Biskaya.Lore Agirrezabal: Erromintxela, euskal ijitoen hizkera. Argia, San Sebastián 2003. Die Erromintxela sind Abkömmlinge der Einwanderungswelle von Kalderash-Roma im 15. Jahrhundert, die über Frankreich ins Baskenland kamen.Unai Brea: Hiretzat goli kherautzen dinat, erromeetako gazi mindroa. Argia, San Sebastián 2008 Sie unterscheiden sich sowohl ethnisch als auch linguistisch von den (Spanisch-Romani)-sprechenden Roma in Spanien und den Cascarot-Roma des nördlichen Baskenlandes.
Name Der Ursprung des Namens Erromintxela ist unklar und mag relativ junger Herkunft sein; Basken hatten die Erromintxela früher mit allgemeineren Ausdrücken für Roma wie z. B. ijitoak "Ägypter", ungrianok "Ungarn", oder buhameak "Böhmen bezeichnet",Wie dem auch sei, eine Anzahl Autoren glaubt, dass es sich bei dem Namen um die baskische Wiedergabe des französischen Namens romanichel oder romané-michel handelt,David MacRitchie (Sammler und Herausgeber): Accounts of the Gypsies of India. (Deutsch: Berichte über die Zigeuner Indiens.) London, 1886, S. 99f., sich lediglich auf F. Michel, A. Baudrimont und V. De Rochas beziehend. Reprint: New Society Publications, New Delhi 2007, ISBN 978-1-4067-5005-8. ein Name, der vorherrschend in der Nähe der Pyrenäen ist und im Besonderen im nördlichen Baskenland. Romanichel hinwiederum ist eine französische Wiedergabe der Romani Redewendung Romani čel .M. Wood: In the Life of a Romany Gypsy. Routledge (Verlag), 1973, ISBN 978-0-7100-7595-6. Obwohl dieser Name nun in Frankreich ungebräuchlich ist, kann man ihn bei den Bezeichnungen des britischen Ròmanichal finden.Council of Europe "Roma and Travellers Glossary" Abgerufen am 3. Juli 2009. sowie der Skandinavischen, Romanisæl, allesamt Abkömmlinge, wie die Erromintxela, einer Gruppe von Roma, die nach Frankreich gewandert waren.I. Hancock: A Glossary of Romani Terms, p. 182. In: W. Weyrauch: Gypsy Law: Romani Legal Traditions and Culture. University of California Press, 2001, ISBN 978-0-520-22186-4.
Frühe Zeugnisse des Namens auf Baskisch umfassen Errama-itçéla, Erroumancel,P. Mérimée: Lettres a Francisque Michel (1848–1870) & Journal de Prosper Mérimée (1860–1868). Librarie Ancienne Honoré Champion, Paris 1930, S. 118–119. später errumanzel und erremaitzela.Auñamendi Entziklopedia "Diccionario Auñamendi - Gitano" Abgerufen am 29. Juli 2009. Der Initial E- ist der baskische prosthetische Vokal, der hinzugefügt wird, weil kein baskisches Wort mit einem R-, beginnen kann und das End-a ist das Absolutivsuffix, das verwendet wird, wenn ein Name zitiert wird. Wenn diese Etymologie stimmt, handelt es sich hierbei um den selten Fall einer ursprünglichen Romani-Eigenbezeichnung (Endonym), das durch eine andere Sprache entlehnt wurde.
Das Volk selbst bezeichnet sich als ijitoak, baskisch für englisch , bzw. genauer als Erromintxela im Gegensatz zum Caló Romani, welche sie als xango-gorriak, Baskisch für Englisch "red-legs" (Deutsch: „Rotbeinige“) bezeichnen.
Status der Sprache Zurzeit gibt es schätzungsweise 500 Sprecher im südlichen Baskenland in Spanien, das sind circa 2 % der Bevölkerung von 21.000 Roma, sowie weitere geschätzte 500 in Frankreich. In Spanien sind die verbliebenen fließenden Sprecher ältere Leute, meistens über 80 Jahre alt; einige sprechen genauso flüssig Spanisch, Baskisch oder Caló (Spanisch-Romani). Erromintxela mittleren Alters sind meistens passiv zweisprachig und die Jüngsten sprechen ausschließlich Baskisch oder Spanisch. Im nördlichen Baskenland wird die Sprache immer noch an die Kinder weitergegeben. Der Prozentsatz der Sprecher unter den spanischen Erromintxela ist größer als 2 %, da eine große Anzahl Caló-sprechende Roma während der starken Industrialisierung im 20. Jahrhundert ins Baskenland zogen.Plan Vasco para la promoción integral y participación social del pueblo gitano. (Deutsch: Baskischer Plan zur integralen Förderung und sozialen Teilhabe des Volkes der Zigeuner.) Baskische Regierung (2005)
Literatur in Erromintxela Bis heute wurde in dieser Sprache nur wenig Literatur geschrieben. Das bemerkenswerteste Werk ist ein Gedicht von Jon Mirande, der das Gedicht mit dem Titel Kama-goli in seiner Anthologie Orhoituz aus dem 1997 veröffentlichte.P. Urkizu, A. Arkotxa: Jon Mirande Orhoituz - 1972-1997 - Antologia. San Sebastián 1997, ISBN 978-84-7907-227-8. und die Novelle aus dem Jahre 1999 Agirre zaharraren kartzelaldi berriak von Koldo Izagirre Urreaga mit einem Helden, der die Sprache benutzt.J. Cazenave: Koldo Izagirre Urreaga. In: Auñamendi Entziklopedia. euskomedia.org Abgerufen am 19. Februar 2010.
Geschichte Die Erromintxela erreichten das Baskenland im 15. Jahrhundert, als Sprecher des Kalderash Romani. Sie integrierten sich viel stärker in die baskische Gesellschaft als andere Roma-Gruppen. Während dieses Prozesses eigneten sie sich die baskische Sprache an und adaptierten Aspekte baskischer Kultur wie z. B. mehr Rechte für Frauen und wichtige Traditionen e.g. bertsolaritza (improvisierter poetischer Gesang) und Pelota (nationales baskisches Ballspiel).Óscar Vizarraga: Erromintxela: notas para una investigación sociolingüística. In: I Tchatchipen. Vol 33, Instituto Romanó, Barcelona 2001. Muñoz und Lopez de Mungia vermuten, dass die morphologischen und phonologischen Ähnlichkeiten zwischen dem Romani und dem Baskischen die Adaption der baskischen Grammatik durch zweisprachige Roma wesentlich erleichterte.
Es scheint, dass viele Roma sich entschlossen im Baskenland zu bleiben, um der Verfolgung anderswo in Europa zu entgehen. Nichtsdestotrotz waren sie selbst hier nicht immer sicher vor Verfolgung. So erließ z. B. der Königliche Rat von Navarra im Jahre 1602 ein Edikt, alle „Vagabunden“ (sprich Roma) zusammenzutreiben, die dann zu sechs Jahren Galeerenstrafe verurteilt werden sollten. Gegen das 18. Jahrhundert hingegen hatten sich die Einstellungen geändert und die Betonung verschob sich in Richtung Integration. In den Jahren 1780–1781 erließen die Gerichtshöfe von Navarra zum Beispiel das Gesetz Nr. 23, das „die Behörden [dazu aufrief], sich um sie zu kümmern, ihnen Siedlungsgebiete zu besorgen und ehrbare Berufe und Lebensführung zu ermöglichen…“
Forschung Die älteste Beschreibung der Sprache stammt aus dem Jahre 1855, als der französische Ethnograph Justin Cenac-Moncaut beschrieb, dass Erromintxela hauptsächlich im nördlichen Baskenland zu finden ist. Der älteste zusammenhängende Text in Erromintxela, ein Gedicht mit dem Titel Kama-goli, wurde von Jon Mirande in einer Sammlung baskischer Dichtung veröffentlicht (ca. 1960).Jon Mirande: Poemak 1950-1966. Erein, San Sebastián 1984.
Die 40-seitige Studie von Alexandre Baudrimont Vocabulaire de la langue des Bohémiens habitant les pays basques français (Deutsch: Vokabular der Sprache der Böhmen/Zigeuner wohnhaft im französischen Baskenland) aus dem Jahre 1862,Alexandre Baudrimont: Vocabulaire de la langue des Bohémiens habitant les pays basques français. (Deutsch: Vokabular der Sprache der Böhmen/Zigeuner wohnhaft im französischen Baskenland, Vokabular der Sprache der Böhmen/Zigeuner, die das französische Baskenland bewohnen). G. Gounouilhou, imprimeur de l'Académie, Bordeaux 1862. (Digitalisat: Google Books) ist eines der umfangreichsten frühen Zeugnisse und umfasst sowohl Vokabular als auch grammatikalische Aspekte. Baudrimont arbeitete mit zwei Informantinnen zusammen, einer Mutter und ihrer Tochter aus Uhart-Mixe, einem Gebiet in der Nähe von Saint-Palais, die er beide als „fließende Sprecherinnen“ beschreibt. Unglücklicherweise war er nur in der Lage, eine einzige Sitzung abzuhalten, da dann den Frauen gesagt wurde, nicht mehr länger mit ihm zusammenzuarbeiten aus Angst davor, dass Außenstehende die Geheimnisse des Romani ausspähen könnten. Baudrimonts Publikation ist zum Teil problematisch – er selbst stellt fest, dass er sich nicht immer sicher sein konnte, ob die korrekten Formen erhoben wurden. Beispielsweise fehlte bei den meisten Verbformen, die er versuchte zu erheben, die zu erwartende Verbalendung -tu und schienen stattdessen Partizipien zu sein.
Der französische Soziologe Victor de Rochas bezieht sich auf die Roma im nördlichen Baskenland, die Baskisch statt Französisch sprächen, in seiner Schrift aus dem Jahre 1876 Les Parias de France et d’Espagne (cagots et bohémiens) (Deutsch: Die Paria Frankreichs und Spaniens (Cagots und Böhmen/Zigeuner)). Der Kanoniker Jean-Baptiste Daranatz veröffentlichte eine Wortliste im Periodikum Eskualdun Ona im Jahre 1906Jean-Baptiste Daranatz: Les Bohémiens du Pays Basque. (Deutsch: Die Böhmen/Zigeuner des Baskenlandes). Eskualdun Ona #38, September 1906. und im Jahr 1921 führten Berraondo und Oyarbide einige Untersuchungen durch zum Thema. Obwohl oft als (spanisch für Zigeuner, Roma) oder (französisch für Böhme/Zigeuner) etikettiert, sind einige Daten in Resurrección María de Azkues (ein einflussreicher baskischer Priester, Musiker, Dichter, Schriftsteller, Schiffer und Akademiker, (* 5. August 1864; † 9. November 1951)) 1905 erschienenem Wörterbuch und Pierre Lhandes (baskisch-französischer Priester; * 9. Juli 1877; † 17. April 1957) 1926 erschienenem Wörterbuch zu identifizieren.